Tätigkeitsberichte des Komitees gegen den Vogelmord
Mit seinem Tätigkeitsbericht gibt das Komitee gegen den Vogelmord einmal im Jahr einen zusammenfassenden Überblick über die Aktionen und Kampagnen. Der Bericht erschient immer zur Weihnachtszeit, wenn mit dem Vogelzug auch unsere Vogelschutzcamps abgeschlossen sind.
Den jeweils letzten Tätigkeitsbericht finden Sie auf dieser Seite als Artikel - die Berichte der Vorjahre können Sie als PDF hier herunterladen:
Komitee gegen den Vogelmord - Tätigkeitsbericht 2025 (0,9 MB)
Komitee gegen den Vogelmord - Tätigkeitsbericht 2024 (0,9 MB)
Komitee gegen den Vogelmord - Tätigkeitsbericht 2023 (0,9 MB)
Komitee gegen den Vogelmord - Tätigkeitsbericht 2022 (0,9 MB)
Komitee gegen den Vogelmord - Tätigkeitsbericht 2021 (0,8 MB)
Komitee gegen den Vogelmord - Tätigkeitsbericht 2020 (0,7 MB)
Tätigkeitsbericht 2025

Liebe Mitglieder und Vogelfreunde,
auch wenn er etwas in die Jahre gekommen ist, beschreibt unser 1975 gewählter Vereinsname auch heute noch vollumfänglich unsere Mission: Wildvögel vor Abschuss, Fang und illegalen Verfolgungen zu bewahren, ist und bleibt die Hauptaufgabe des Komitees gegen den Vogelmord. Dieser Tätigkeitsbericht dient als Beleg dafür, dass wir diesen Auftrag auch im 50. Jahr unseres Bestehens erfolgreich ausgeführt haben. Besonderer Fokus liegt dabei auf dem Schutz von Zugvögeln. Um ihre Zugrouten abzusichern, führen wir mittlerweile in sieben Ländern rund um das Mittelmeer regelmäßig Einsätze und Aktionen durch.
Wie sehr sich Beharrlichkeit und Geduld auszahlen, zeigt unsere Bilanz auf Malta: In den letzten 10 Jahren wurden dort insgesamt 217 Vogelfänger und Jäger aufgrund von Anzeigen des Komitees rechtskräftig verurteilt. Die verhängten Strafen umfassen Freiheitsstrafen, Geldstrafen, den Entzug von Jagdlizenzen sowie die Einziehung von Waffen, Fallen und anderen Tatmitteln. Zudem wurden bei den Tätern etliche tausend lebende Lockvögel – vor allem Finken und Watvögel – sichergestellt und freigelassen. Die Geldstrafen beliefen sich insgesamt auf mehr als 300.000 Euro. Dass der von uns so aufgebaute „Fahndungsdruck“ mittlerweile wirkt, zeigt sich unter anderem in der stark gesunkenen Anzahl von Abschüssen geschützter Greifvögel rund um die Schlafplätze.
Gute Neuigkeiten kommen auch aus Italien, wo unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den verschiedenen Einsatzgebieten in diesem Jahr insgesamt über 100 Fälle von Wilderei und illegalem Tierhandel aufdecken konnten. Im Rahmen unserer seit Jahren bewährten Zusammenarbeit mit den Behörden und unseren Partnerverbänden konnten 82Täter auf frischer Tat erwischt und zur Verantwortung gezogen werden. Im Rahmen von gemeinsamen Kontrollen und Razzien wurden mehr als 890 lebende Vögel in die Freiheit entlassen.
Im östlichen Mittelmeerraum, wo wir auf Zypern, im Libanon und seit zwei Jahren auch in Griechenland aktiv sind, gibt es hingegen noch viel zu tun: Sorgenkind Nummer Eins ist hier nach wie vor der Libanon, wo immer noch deutlich mehr Vögel sterben, als wir durch unsere Aktionen retten können. Trotzdem sind wir überzeugt, dass wir zusammen mit unseren Partnern auch hier bereits einen großen Unterschied machen.
Dass uns bei unserer Arbeit nicht die Luft ausgeht, haben wir vor allem unseren engagierten Förderern, Spendern und mutigen Ehrenamtlichen zu verdanken. Ihnen allen gilt unser ganz herzlicher Dank.
Ihr Komitee-Team
Januar 2025

Erfolgreiche Aktion gegen die illegale Wasservogeljagd in Italien: Im Süden des Po-Deltas überführen Mitarbeiter des Komitees zusammen mit der Polizei zwei Wilderer bei der illegalen Jagd auf Enten. Die Täter versuchen mit einem Boot zu fliehen, können aber mithilfe einer Drohne in dem unübersichtlichen Gelände verfolgt und später festgesetzt werden. Zwei verbotene elektronische Lockanlagen und zwei Schusswaffen werden sichergestellt.
In Ibbenbüren (NRW) befreit die Polizei nach einem Hinweis des Komitees einen Habicht und einen Mäusebussard aus illegaler Haltung. Die beiden streng geschützten Vögel waren zuvor illegal der Natur entnommen und im Internet zum Verkauf angeboten worden. Mit Hilfe des Landeskriminalamtes kann die Adresse des Verkäufers ermittelt und durchsucht werden. Mit Erfolg: Beide Tiere werden sichergestellt und später unversehrt freigelassen. Gegen den Anbieter wird ein Strafverfahren wegen Verstoß gegen das Bundesnaturschutzgesetz eingeleitet.
Rückgang des Vogelfangs auf Sardinien: Insgesamt haben wir in diesem Winter zwei kleinere Einsätze gegen die Wilderei auf der Mittelmeerinsel durchgeführt. Dank der guten Zusammenarbeit mit der Polizei können drei Wilderer auf frischer Tat an ihren Fangplätzen überführt werden. 90 Rosshaarschlingen, fünf Netze sowie 10 große Drahtschlingen zum Fang von Wildschweinen und Hirschen werden sichergestellt. Zum Vergleich: Im gleichen Gebiet haben wir vor 20 Jahren noch regelmäßig über 10.000 Rosshaarschlingen und Dutzende Netze eingesammelt.
Februar 2025

Illegale Greifvogelverfolgung im Rheinland: Mitarbeiter des Komitees gegen den Vogelmord entdecken bei Kerpen (Rhein-Erft-Kreis, NRW) einen illegalen Fangkorb für Habichte. Die Falle steht neben mehreren mobilen Hühnerställen und wird von der Polizei sichergestellt. Ein lebendes Huhn, das der Fänger bei Minustemperaturen als Köder in die Falle gesetzt hatte, wird aus seiner misslichen Lage befreit. Als Täter wird ein örtlicher Landwirt und Jäger ermittelt. Gegen ihn wird ein Strafverfahren eingeleitet.
Auf der Dortmunder Messe „Jagd & Hund“ werben Reiseveranstalter mit dem Abschuss bedrohter Zugvögel im Ausland. So werden unter anderem Abschüsse von Turteltauben, Knäkenten, Papageitaucher und Drosseln angeboten. Das Komitee macht die Angebote öffentlich und wirft den Veranstaltern Heuchelei vor. In einem offenen Brief an den Dortmunder Oberbürgermeister fordern wir zusammen mit dem Jane Goodall Institute und dem Verband Pro Wildlife ein Verbot sämtlicher Trophäenjagd-Angebote auf der Messe.
Winter-Vogelschutzcamp: Auch nach dem Ende des Vogelzuges geht die Wilderei auf Zypern weiter. Seit Mitte Januar sind mehrere Komitee-Teams gegen die illegale Jagd und den Fang von überwinternden Zugvögeln im Einsatz. Bei gemeinsamen Aktionen mit der Polizei und örtlichen Jagdaufsehern werden 13 Vogelfänger und Jäger bei Verstößen gegen die Schutzbestimmungen erwischt und angezeigt. Im Rahmen der Aktionen werden drei große Stellnetze, 117 Leimruten und 12 elektronische Lockgeräte von den Behörden konfisziert.
Wiederholungstäter auf Malta vor Gericht: In Valletta verurteilt das Strafgericht einen Vogelfänger wegen Fang und Besitz streng geschützter Arten zu einer Geldstrafe von 5.000 Euro und entzieht seine Fanglizenz auf Lebenszeit. Ausgelöst wurde das Verfahren durch eine Anzeige des Komitees, dessen Mitarbeiterinnen den Mann letztes Jahr auf der Halbinsel Delimara beim Fang von Wasserläufern und Regenpfeifern gefilmt und die Polizei verständigt hatten. Bei der anschließenden Kontrolle beschlagnahmten die Beamten ein großes Schlagnetz und zwei lebende Lockvögel.
März 2025

Vier Wochen Einsatz im Libanon: Innerhalb von vier Wochen dokumentieren unsere Teams im Norden des Landes zahlreiche Fälle von Wilderei. Dabei werden rund 50 frisch geschossene Weißstörche geborgen, darunter auch jeweils ein in Deutschland und Tschechien beringtes Tier. In den Bergen östlich von Tripoli entdecken wir „Rupfplätze“ mit den Überresten von mehr als 200 frisch geschossenen Adlern, Falken und Sperbern. Hier gelingt es in der Folgezeit, neun Wilderer direkt beim Abschuss geschützter Arten zu filmen. Fünf Männer werden von der von uns verständigten Polizei in Gewahrsam genommen.
Auf Malta geht das Komitee gegen den illegalen Fang von Zugvögeln für den Schwarzmarkt vor. Von Anfang März bis Mitte April werden bei Kontrollen insgesamt 33 Fanganlagen entdeckt und danach mit Videokameras überwacht. Dank unserer Hinweise an die Umweltpolizei EPU werden insgesamt 21 Vogelfänger überführt. Rund 100 lebende Kurzzehenlerchen, Baumpieper, Girlitze und Wachteln werden beschlagnahmt und später freigelassen. Zusätzlich werden 42 Schlagnetze, dutzende elektronische Lockanlagen und weiteres Fang-Equipment im Wert von mehr als 10.000 Euro sichergestellt.
In der von der Cambridge University Press herausgegeben Zeitschrift „Oryx“ veröffentlicht das Komitee eine vielbeachtete Studie über die illegale Vogeljagd im Libanon. Dafür wurden über 1.800 Trophäenbilder von Jägern ausgewertet, die wir in den letzten Jahren in den Sozialen Medien entdeckt hatten. Darauf zu sehen sind insgesamt rund 29.000 Vögel (212 Arten), darunter zahlreiche international bedrohte Spezies wie Steppenadler, Rotfußfalken oder Schmutzgeier. Auch in Deutschland gefährdete Arten wie Schreiadler, Wachtelkönige oder Ortolane sind betroffen.
Illegaler Trophäenhandel: Bei monatelangen Recherchen decken Experten des Komitees einen umfangreichen internationalen Handel mit ausgestopften Greifvögeln durch ukrainische Händler auf. In Deutschland werden zwei Kunden des Netzwerks identifiziert und angezeigt. Bei einer Durchsuchung des Hauses eines Verdächtigen durch Beamte des Landeskriminalamtes NRW werden mehr als 40 streng geschützte Tiere sichergestellt. Gegen den Mann wird ein Strafverfahren wegen Verstoß gegen das Bundesnaturschutzgesetz eröffnet.
April 2025

Gewalt gegen Vogelschützer: Auf der griechischen Insel Zakynthos wird ein Team des Komitees von maskierten Wilderern überfallen und brutal verprügelt. Drei Aktive werden ins Krankenhaus gebracht, wo u.a. eine gebrochene Nase sowie mehrere offene Wunden behandelt werden. Der Zwischenfall ereignet sich auf der Halbinsel Keri, wo wir im letzten Jahr zahlreiche Fälle von illegaler Zugvogeljagd dokumentiert und an die Behörden gemeldet hatten. Der Polizei gelingt es später, vier Angreifer zu identifizieren. Sie erwartet eine Anklage wegen Körperverletzung.
Der Adler fliegt wieder: Im Shouf-Biosphärenreservat, dem größten Schutzgebiet des Libanon, wildert unser Team Anfang des Monats einen seltenen Steinadler aus. Der majestätische Vogel war zuvor aus einer illegalen Haltung in Beirut befreit worden. Ermittlungen ergeben, dass das Tier aus dem Irak stammt und über Syrien illegal ins Land geschmuggelt wurde. Nach einigen Monaten Pflege durch unsere Tierärzte wird der Adler auf ca. 1.300 Meter Höhe in die Freiheit entlassen.
Rückgang des Vogelfangs: Der illegale Fang von Zugvögel auf Zypern geht im Frühling weiter zurück. Bei einer wochenlangen Suche können unsere Teams lediglich noch zwei aktive Fangstellen aufspüren. Bei der anschließenden Überwachung können drei Männer auf frischer Tat gefilmt und von der Polizei gestellt werden. 56 Leimruten, ein elektronischer Lockvogel sowie ein großes Stellnetz werden konfisziert. Vor 12 Jahren konnten wir im gleichen Zeitraum noch 3.000 Leimruten und 44 Stellnetze aufspüren. Ein Rückgang von mehr als 90 Prozent!
Schlag gegen den Vogelfang im Libanon: Bei Aktionen in der Nähe der Küstenstädte Anfeh und Bardscha sowie im Bekaa-Tal gehen unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zusammen mit der Anti-Wilderei-Einheit APU gegen den illegalen Fang von Singvögeln vor. Gemeinsam mit den Sicherheitskräften werden an 14 Standorten insgesamt 41 Netze und 269 Leimruten abgebaut. 30 gefangene Vögel - darunter Klappergrasmücken, Ortolane und Wüstengimpel – werden freigelassen. Drei Fänger werden identifiziert und später mit Geldstrafen belegt.
Mai 2025

Frühlingsaktionen in Italien: Auf den Inseln Ischia und Ponza sowie in der Lombardei werden nach Anzeigen des Komitees fünf Personen von den Behörden beim Vogelfang bzw. beim Handel mit Wildvögeln erwischt. Außerdem sind von April bis Mitte Mai mehrere Teams unseres Partners Gruppo Adorno an der Straße von Messina im Einsatz, um die illegale Frühlingsjagd zu verhindern. Insgesamt können Carabinieri und Jagdaufsicht aufgrund unserer Hinweise 21 Netze, 130 Vogelfallen, 60 Schuss Munition, drei Lockgeräte und zwei Jagdwaffen konfiszieren. Rund 300 lebende Vögel werden beschlagnahmt und später ausgewildert.
Bilanz des Vogelschutzcamps auf Zakynthos: Trotz des brutalen Angriffs auf unser Team im April wird der Einsatz wie geplant bis Mitte Mai fortgesetzt. Dabei werden zahlreiche Fälle von illegaler Jagd auf geschützte Pirole, Bienenfresser und andere Zugvögel dokumentiert. Mit Hilfe der vom Komitee erstellten Videobeweise werden 19 Wilderer bei den griechischen Behörden angezeigt. Drei weitere Personen werden bei gemeinsamen Einsätzen mit der Polizei bei Verstößen gegen das Jagdverbot erwischt.
Frühlingsjagd auf Malta: Von Anfang April bis Anfang Mai sind insgesamt 18 Freiwillige auf Malta und Gozo im Einsatz. Schwerpunkt ist die Überwachung großer Schlafplätze wie zum Beispiel Buskett Gardens, wo jedes Jahr tausende Wespenbussarde, Weihen und andere Arten einen Zwischenstopp einlegen. Während es dort aufgrund unserer Dauerpräsenz relativ ruhig bleibt, werden im Süden der Hauptinsel mehrere Fälle von illegaler Jagd auf Turteltauben und Greifvögel gefilmt und angezeigt.
Juni 2025

Schutz von „Getreideweihen“: In der Zülpicher Börde (NRW) erfassen Biologen des Komitees in diesem Sommer 12 Rohrweihenbruten und vier Nester der bundesweit stark gefährdeten Wiesenweihe. In Zusammenarbeit mit Landwirten und den örtlichen Naturschutzbehörden werden um sieben Nester Horstschutzzonen zum Schutz der Jungvögel vor Erntefahrzeugen und Störungen eingerichtet. Dank dieser Maßnahmen werden 22 Jungvögel aus den von uns betreuten Bruten flügge, darunter 13 Wiesenweihen. Die Deutsche Postcode Lotterie fördert die Aktion in diesem Jahr.
In Italien protestieren das Komitee und die anderen großen Naturschutzverbände gegen die Pläne der rechtspopulistischen Regierung, die Vogeljagd massiv zu deregulieren und Schutzvorschriften abzuschaffen. So soll unter anderem die Verwendung sowie der Fang hunderttausender lebender Lockvögel wieder zugelassen und das Jagdverbot in Staatswäldern abgeschafft werden. Dank zahlreicher Proteste und Interventionen bei Abgeordneten sowie einer sehr erfolgreichen Medienkampagne gelingt es, eine Verabschiedung der geplanten Aufweichungen vorerst zu verhindern.
Tierquälerei auf Zypern: Unsere seit 2016 jährlich durchgeführten Aktionen gegen sogenannte Bodennetze zeigen weiter Wirkung. Dabei handelt es sich um alte Fischernetze, die zur Absicherung großer Grundstücke gegen Schlangen ausgelegt und dadurch zur Todesfalle für zahlreiche geschützte Reptilien, Igel und Vögel werden. Trotz umfangreicher Suche können unsere Aktivisten in diesem Sommer nur noch 17 Fälle feststellen – das entspricht einem Rückgang von mehr als 60 % gegenüber den Vorjahren.
Halbzeit im Jubiläumsjahr: Anlässlich seines 50-jährigen Bestehens veröffentlicht das Komitee eine Sonderausgabe der Zeitschrift „Artenschutzbrief“, in dem die Geschichte des Verbandes und seiner Kampagnen in zahlreichen Artikeln ausführlich beleuchtet und mit Statistiken aus den einzelnen Einsatzgebieten belegt wird. In den sozialen Medien und auf der Komitee-Internetseite berichten wir zudem über die durchweg positive Entwicklung bei den verschiedenen Fangmethoden und in den jeweiligen Brennpunkten der Wilderei in den letzten fünf Jahrzehnten.
Juli 2025

„Global Birdfair 2025“: Vom 11. bis 13. Juli 2025 findet im englischen Rutland wieder die größte Vogel-Messe der Welt statt. Unter den rund 250 Ausstellern aus den Bereichen Vogelschutz, Kunst, Medien, Fotografie, Optik und Tourismus ist auch wieder das Komitee mit einem Stand vertreten. Besonders herausgestellt werden in diesem Jahr unsere Aktionen in Griechenland und dem Libanon sowie die Erfolge unsere Arbeit gegen den illegalen Vogel- und Trophäenhandel im Internet.
Mehr Bewusstsein für Zugvögel schaffen: Das Komitee und seine Partner starten im Libanon eine großangelegte Aufklärungs- und Bildungsinitiative für mehr Vogelschutz. Dazu gehört unter anderem die Durchführung von mehr als 50 Seminaren und Unterrichtseinheiten in Schulen und Gemeinden in besonders von der Wilderei betroffenen Gebieten. Das Projekt ist vorerst auf zwei Jahre angelegt, soll aber bei Erfolg fester Bestandteil unserer Arbeit im Libanon werden. Finanziert wird die Arbeit durch Spenden aus Deutschland und den USA.
Wiederholungstäter vor Gericht: Wegen des illegalen Besitzes von 137 geschützten Wasservögeln wird ein Jäger auf Malta zu einer Haftstrafe von einem Jahr sowie zur Zahlung von 1.000 Euro verurteilt. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Komitees hatten den Fangplatz des Angeklagten im Jahr 2022 den Behörden gemeldet, die bei einer Kontrolle auf die riesige Vogelsammlung und ein aktives Klappnetz stießen. Bei dem Mann handelt es sich um einen mehrfach vorbestraften Wilderer, der zuvor u.a. eine Haftstrafe wegen der Jagd auf geschützte Schwäne abgesessen hatte.
August 2025

Schnäpperfänger geschnappt: Trauerschnäpper gehören zu den ersten Zugvögeln, die sich nach der Brutzeit wieder auf den Weg in den Süden machen. In Norditalien, wo die Tiere mit ihren Gewicht von kaum 13 Gramm als Delikatesse gelten, wird ihnen deshalb schon im August nachgestellt. Bei einer gezielten Suche in den Bergen rund um den Gardasee finden unsere Teams insgesamt sechs Fangstellen mit insgesamt 32 Schlagfallen, zwei Netzen und einer großen Käfigfalle. Bei den anschließenden Kontrollen der Polizei können drei Wilderer auf frischer Tat erwischt werden.
Strafe für gezielte Störung: Weil er versucht hat, einen brütenden Rotmilan zu vertreiben, muss ein Mann aus dem Kreis Coesfeld (NRW) 2.500 Euro Geldbuße bezahlen. Das Amtsgericht Münster bestätigt im August den entsprechenden Bußgeldbescheid. Angezeigt wurde der Fall ursprünglich durch das Komitee gegen den Vogelmord und dem NABU Coesfeld. Das Urteil ist von besonderer Bedeutung, weil das betroffene Rotmilanvorkommen ein Planungshindernis für einen in der Nähe geplanten Windpark darstellt.
Öffentlichkeitsarbeit: In Folge vier der neuen ZDF-Dokuserie „Umwelt Crime“ geht es Ende des Monats um den illegalen Schmuggel von seltenen Papageien nach Europa. Neben Fang und Transport zeigt die Sendung auch, wie illegal eingeführte Tiere mit gefälschten Zuchtringen als Nachzuchten deklariert und mit riesigen Gewinnen verkauft werden. Das Komitee unterstützt die Recherchen und stellt einen Experten, der im Film die Mechanismen dieses millionenschweren Geschäft erklärt. Der Film ist in der ZDF-Mediathek abrufbar.
Kontrollen in Italien: Kurz vor Beginn der Jagdsaison kontrollieren Expertinnen und Experten des Komitees zusammen mit den Behörden zahlreiche Händler auf zwei Vogelmärkten bei Mailand und Venedig. Dabei werden bei sechs Verkäufern insgesamt 33 Vögel mit gefälschten oder manipulierten Zuchtringen festgestellt und beschlagnahmt. Die wildgefangenen Tiere – darunter Stieglitze, Feldlerchen und Baumpieper – sollten mit den Ringen zu Nachzuchten "umetikettiert" werden. Gegen die Händler werden Strafverfahren eingeleitet.
September 2025

Erfolgreicher Protest auf Zypern: Die bekannten britischen Fernsehmoderatoren Chris Packham und Megan McCubbin prangern mit uns das Versagen der Behörden im Kampf gegen organisierte Wildererbanden an. Dazu gehört auch die Live-Übertragungen von Drohnenbildern, die maskierte Männer beim Einsammeln hunderter Tiere aus Netzen zeigen. Nachdem lokale und internationale Medien berichten, greift die Polizei endlich durch und beschlagnahmt bei Razzien 1.165 gerupfte Grasmücken und Rohrsänger sowie 29 Netze. Gegen zwei Haupttäter werden Geldstrafen in Höhe von insgesamt 62.000 Euro verhängt.
Greifvogelverfolgung in Bayern: Im Naturschutzgebiet „Winzerer Letten“ (Landkreis Deggendorf) entdeckt eine Mitarbeiterin des Komitees nach einem Hinweis eine verbotene Greifvogelfalle. Das Fanggerät – ein sog. Habichtfangkorb – steht in einem kleinen Feldgehölz neben einer Auswilderungsvoliere für Fasane und ist mit einer lebenden Locktaube beködert. Die Polizei leitet nach einer Anzeige des Komitees ein Strafverfahren gegen den für das Gebiet zuständigen Jäger ein. Ihm drohen eine Geldstrafe sowie der Entzug des Jagdscheins.
Auf Malta und Gozo sind drei Teams des Komitees im Einsatz, um gegen den Abschuss und Fang geschützter Zugvögel vorzugehen. Schwerpunkte sind die Überwachung bekannter Rast- und Schutzgebiete sowie die Kontrolle bekannter Fangstellen. Bei gemeinsamen Aktionen mit der Polizei werden drei Vogelfänger und ein Jäger wegen des Abschusses eines Turmfalken angezeigt. Bei anschließenden Kontrollen werden insgesamt fünf Netze und zwei Lockgeräte beschlagnahmt und vier Goldregenpfeifer freigelassen.
Vogelschutzcamp im Libanon: Gemeinsam mit unseren Partnern SPNL und MESHC überwachen acht Experteninnen und Experten des Komitees die Zugvogeljagd im nördlichen Libanongebirge. In den Hochburgen der illegalen Greifvogeljagd können unsere Teams insgesamt neun Jäger beim Abschuss von Schreiadlern, Wespenbussarden oder Kurzfangsperbern filmen. Die Männer werden von der von uns verständigten Polizei auf frischer Tat erwischt oder später anhand des von uns erstellten Videomaterials identifiziert.
Oktober 2025

„Vogelfang-Fabriken“ stillgelegt: Im Libanon stoßen unsere Mitarbeitenden auf die größten illegalen Netzfanganlagen, die je von uns entdeckt wurden. Unter dem Schutz der Polizei werden an zwei Standorten mehr als 110 Netze mit einer Gesamtlänge von mehr als drei Kilometern abgebaut, dazu dutzende elektronische Lockvögel samt Stromversorgung in Form von Autobatterien und Solarmodulen. Pro Tag wurden in beiden Anlagen schätzungsweise mehrere Tausend Vögel gefangen. Rund 350 Vögel, darunter bedrohte Wachtelkönige und Blaukehlchen, können lebend aus den Netzen gerettet werden.
Vogelschutzcamp in Norditalien: In der Provinz Brescia suchen die 41 Teilnehmerinnen und Teilnehmer unseres Vogelschutzcamps vom 4. Oktober bis zum 2. November nach illegalen Vogelfallen und decken Jagdverstöße auf. Mit Hilfe unserer Hin- und Beweise kann die Polizei bei Ansitzen im Gelände insgesamt 49 Wilderer auf frischer Tat überführen. An den Fangplätzen und bei Hausdurchsuchungen werden insgesamt 333 Vogelfallen, 86 Netze und 583 tote Singvögel beschlagnahmt. 423 frisch gefangene oder als Lockvögel gehaltene Tiere werden freigelassen.
Verstoß gegen die Vogelschutzrichtlinie: Trotz einer eindeutigen Warnung der EU-Kommission erlaubt Malta in diesem Herbst wieder den Fang von mehr 50.000 Finken – angeblich zu rein wissenschaftlichen Zwecken. Komiteemitglieder sind während der zweimonatigen Fangsaison vor Ort und decken dutzende Verstöße auf. Insgesamt werden 25 Männer wegen des Fangs geschützter Arten angezeigt. Außerdem werden durch die Beamten 37 Netze abgebaut und 377 lebende Lockvögel beschlagnahmt.
Schlag gegen Vogelfänger auf Zypern: Auf der Mittelmeerinsel leisten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer unseres Herbst-Vogelschutzcamp ganze Arbeit. Ihre Recherchen und Anzeigen führen von Mitte September bis Mitte November zur Überführung von insgesamt 49 Wilderern. Polizei und Jagdaufsicht stellen bei den Tätern 1.527 Leimruten, 113 Netze und 79 elektronische Lockgeräte sicher. Sage und schreibe 1.157 Vögel, darunter zahlreiche Grasmücken, Gartenrotschwänze und Nachtigallen, werden lebend aus Fallen und Netzen befreit.
November 2025

Vogelfang in Griechenland: Auf der Insel Santorin dokumentieren wir 10 Tage lang den illegalen Fang von Finken und anderen Singvögeln für die Käfighaltung. Bei unseren Kontrollen werden mehr als 100 aktive Fangplätze entdeckt. Das Problem: Obwohl der Fang gesetzlich verboten ist, wurde er von den Behörden bisher weitgehend toleriert. Nach Gesprächen mit der Inselverwaltung und Vertretern der Jagdaufsicht werden fünf Wilderer überführt und sieben Schlagnetze, 92 Leimruten und 26 Fangkäfige konfisziert. Ein Tropfen auf den heißen Stein, aber immerhin ein Anfang. Für 2026 ist ein weiterer Einsatz geplant.
Einsatz in Spanien: Gemeinsam mit örtlichen Freiwilligen suchen Komiteemitarbeiter in Valencia und Castellon nach illegalen Fallen für Zugvögel. Dabei werden an rund 20 Standorten 2.100 Leimruten, 30 Käfignetze, 12 Stellnetze und weiteres Fangzubehör abgebaut. Durch die gute Zusammenarbeit mit der Polizei werden 16 Wilderer in flagranti überführt. Sie müssen sich später vor Gericht verantworten. Auch in Andalusien gibt es einen kleine Einsatz, bei dem aber keine Täter überführt werden können.
Nachtschichten im Libanon: Im Rahmen gemeinsamer Patrouillen gehen Komiteemitarbeiter und Sicherheitskräfte gegen die illegale Jagd in der nördlichen Bekaa-Ebene vor. Dort werden jeden Herbst hunderttausende Drosseln nachts mit Hilfe von Scheinwerfern und Baum-Attrappen angelockt und abgeschossen. Bei Kontrollen von Jägern sowie im Rahmen von Straßensperren werden insgesamt neun Männer verhaftet. Sechs Jagdwaffen, Scheinwerfer, Projektoren und elektronische Lockgeräte werden beschlagnahmt.
Illegale Vogeljagd im Piemont: Gemeinsam mit den Carabinieri führen unsere Experten Kontrollen von Singvogeljägern durch. Dabei werden bei zwei Wochenend-Einsätzen sechs Wilderer erwischt, alle stammen aus benachbarten Regionen und hatten mit Hilfe von illegalen elektronische Lockanlagen dutzende Drosseln sowie einen Buntspecht erlegt. Gegen die Männer wird wegen Verstößen gegen das Jagdgesetz und Abschuss einer geschützten Art ermittelt.
Dezember 2025

Sieg vor Gericht: Die Regierung der norditalienischen Region Lombardei hat in diesem Herbst entgegen geltendem Recht die Jagd auf europaweit geschützte Buchfinken erlaubt. Vom 1.10. bis 30.11. waren 97.600 Finken zum Abschuss freigegeben. Eine Koalition der italienischen Naturschutzverbände, darunter das Komitee gegen den Vogelmord, ruft den obersten Verwaltungsgerichtshof in Rom an – und gewinnt! Die Jagdfreigabe verstößt eindeutig gegen EU-Recht und wird sofort zurückgezogen. Auch in Kampanien klagen wir gegen eine Jagdfreigabe (Stare, verloren), Ligurien (Stare und Buchfinken, gewonnen) und Trentino (Buchfinken, verloren).
Bis Anfang Dezember 2025 erfassen wir 45 bestätigte Fälle von illegalen Nachstellungen geschützter Greifvögel in Deutschland. In etwa der Hälfte tritt das Komitee auch als Anzeigeerstatter in Erscheinung. Im Rahmen des EU-LIFE Projektes „Wildlife Crime“ werden Komitee-Mitarbeiter außerdem regelmäßig als Referenten zu behördlichen Fortbildungen eingeladen, wie zum Beispiel in diesem Jahr vom Landeskriminalamt Thüringen oder dem Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung Berlin.
Arbeitseinsätze im Komitee-Schutzgebiet: In diesem Jahr finden wieder umfangreiche Pflegemaßnahmen in den vereinseigenen Naturschutzflächen bei Schwentinental (Schleswig-Holstein) statt. Neben dem fachgerechten Schnitt zahlreicher Kopfweiden wird an einigen Gewässern das Ufergehölz zurückgeschnitten, ein Teil der Einzäunung erneuert, die Nistkästen für Vögel und Fledermäuse gereinigt und wertvolle Wiesenflächen gemäht. Dazu kommen mehre Infostände und naturkundliche Führungen. Die Arbeiten werden von den Mitgliedern unserer Naturschutzgruppe Schwentinental organisiert und fast gänzlich ehrenamtlich durchgeführt.
Danksagung
Für ihre Unterstützung und vertrauensvolle Zusammenarbeit bedanken wir uns ganz herzlich bei der Stiftung Pro Artenvielfalt (Bielefeld und Basel), der Karl-Kaus-Stiftung für Tier und Natur (Bremen), der Polizeieinheit Environmental Protection Unit (EPU) auf Malta, den Internal Security Forces (ISF) im Libanon, den Carabinieri Forestale in Italien und ihrer Antiwilderereinheit SOARDA, der Guardia Civil in Spanien (SEPRONA), dem Anti-Poaching-Squad (APS) der Polizei auf Zypern, den UNO-Blauhelmen auf Zypern und der türkisch-zypriotischen Organisation KUSKOR, dem Taşkent Nature Park (Zypern) der Militärpolizei in der britischen Militärbasis Dhekelia (Zypern), den Jagdaufsehern des Game Fund (Zypern), BirdLife Greece (HOS), Naxos Island Wildlife Protection (Griechenland), der Vernetzungsstelle Umweltkriminalität im Landeskriminalamt NRW, dem Sekretariat der Berner Konvention über den Erhalt der europäischen Pflanzen und Tiere und ihrer Lebensräume (Straßburg), dem Sekretariat der Bonner Konvention zum Schutz wandernder Arten (CMS, Bonn), dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP), der Cambridge University Press, den Deutschen Botschaften in Beirut, Nikosia und Valletta, dem Bundesamt für Naturschutz, dem Bundesumweltministerium, der Ligue pour la Protection des Oiseaux (LPO, Rochefort), unseren Partnern im EU LIFE Project „Wildlife Crime“, dem Zoo „Bioparc“ in Doué la Fontaine (Frankreich), dem Tierpark Görlitz, der Domaine de la Bourbansais (Frankreich), Kolmårdens Wildlife Park (Schweden), den Jagdaufsehern des italienischen WWF, der Lega Abolizione Caccia (LAC) in Mailand, L’Ente Nazionale Protezione Animali (ENPA), der Gruppo Tutela Rapaci (Sizilien), der Gruppo Adorno (Kalabrien), den Wildtierauffangzentren „Il Pettirosso“ in Modena und Valpredina in Bergamo, der Lega Italiana Protezione Uccelli (LIPU), Birdlife Cyprus, der Society for the Protection of Nature in Lebanon (SPNL, Beirut), der Association for Bird Conservation in Lebanon (ABCL), dem Middle Eastern Sustainable Hunting Center (MESHC, Beirut), der Ornithological Society for the Middle East (OSME), BirdLife Malta, dem Malta Ranger Unit (MRU), BirdLife Österreich, dem Projekt LIFE Eurokite, der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft (DO-G), dem Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW, Berlin), dem Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA), dem WWF Deutschland, dem Fachbereich Rechtswissenschaft an der Universität Bremen, dem Landesbund für Vogelschutz (LBV), Pro Wildlife e.V., dem Naturschutzbund Deutschland (NABU) und seinen Landesverbänden, Kreis- und Ortsgruppen, dem Deutschen Tierschutzbund, der Nordrhein-Westfälischen Ornithologengesellschaft (NWO), dem Institut für Vogelforschung – Vogelwarte Helgoland, dem Deutschen Rat für Vogelschutz (DRV), der Arbeitsgemeinschaft Wanderfalkenschutz (AGW), der Arbeitsgemeinschaft Berlin-Brandenburgischer Ornithologen (ABBO), der Arbeitsgemeinschaft Biologischer Umweltschutz (ABU, Soest), der Bergischen Greifvogelhilfe, der Vogelpflegestation Paasmühle, den Biologischen Stationen Düren, Euskirchen und Bonn/Rhein-Erft, der Gemeinde Schwentinental, dem Kreis Euskirchen, dem Rhein-Erft-Kreis, der Naturschutzgruppe Schwentinental und natürlich allen unseren Mitgliedern, Förderinnen, Spendern und Aktiven.






