Komitee gegen den Vogelmord e.V. Committee Against Bird Slaughter (CABS)

Komitee gegen den Vogelmord e. V.
Committee Against Bird Slaughter (CABS)

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Tätigkeitsberichte des Komitees gegen den Vogelmord

Mit seinem Tätigkeitsbericht gibt das Komitee gegen den Vogelmord einmal im Jahr einen zusammenfassenden Überblick über die Aktionen un Kampagnen. Der Bericht erschient immer zur Weihnachtszeit, wenn mit dem Vogelzug auch unsere Vogelschutzcamps abgeschlossen sind. 

Den jeweils letzten Tätigkeitsbericht finden Sie auf dieser Seite als Artikel - die Berichte der Vorjahre können Sie als PDF hier herunterladen:

Komitee gegen den Vogelmord - Tätigkeitsbericht 2018 (0,4 MB) 

Komitee gegen den Vogelmord - Tätigkeitsbericht 2017 (0,4 MB)

Komitee gegen den Vogelmord - Tätigkeitsbericht 2016 (0,4 MB)


Tätigkeitsbericht 2019

Liebe Mitglieder und Vogelfreunde,

im Jahr 2019 konnten bei den unter der Flagge des Komitees gegen den Vogelmord organisierten Einsätzen, Aktionen und Kampagnen wieder unzählige Zugvögel vor Abschuss, Fang oder einem vorzeitigem Ende im Kochtopf bewahrt werden. Schwerpunkte unserer Aktionen waren die Hochburgen der Vogelwilderei im Mittelmeerraum, wo wir während der Zugzeit in Italien, Malta, Frankreich, Spanien, Zypern und im Libanon mit unseren Teams präsent waren. Die Ziele unserer Arbeit sind überall die gleichen: Wilderern das Handwerk legen, Missstände dokumentieren und Behörden zum Einschreiten bewegen, notfalls mit öffentlichem Druck.

Ein weiterer Schwerpunkt unserer diesjährigen Aktivitäten lag in Deutschland, wo jedes Jahr immer noch tausende Greifvögel vergiftet, abgeschossen oder mit Fallen gefangen werden. Dass es auch hierzulande nicht gerade gut um den behördlichen Artenschutzvollzug bestellt ist, zeigt der Zwischenbericht unseres bundesweiten Monitorings, in dem wir insgesamt 1.188 Fälle von illegaler Greifvogelverfolgung erfasst und untersucht haben. Bei den daraufhin von den Behörden eingeleiteten Strafverfahren konnte am Ende nur in 49 Fällen ein Täter strafrechtlich belangt werden. Diese geringe Aufklärungsrate ist ein Armutszeugnis für ein Land, dessen Regierung von anderen Staaten immer wieder verlangt, mehr für die Umwelt zu tun. Doch im Gegensatz zu anderen Teilen der Welt, wo Armut, Krieg und Korruption große Probleme verursachen, stehen in Deutschland ausreichend Mittel für einen funktionierenden Artenschutzvollzug zur Verfügung. Was fehlt ist ausreichender politischer Wille und behördliches Engagement. Bis sich das ändert, werden unsere Mitarbeiter und Aktivisten auch in Deutschland noch viel zu tun haben. 

Januar 2019

Illegal am Niederrhein geschossene Blässgans
Illegal am Niederrhein geschossene Blässgans

Illegale Zugvogeljagd am Niederrhein: Das Komitee erstattet Strafanzeige gegen eine Gruppe Jäger, die bei Bedburg-Hau (Kreis Kleve) auf geschützte Blässgänse geschossen haben. Ein Vogel war zuvor schwerverletzt von Mitgliedern des Komitees gefunden und zu einem Tierarzt gebracht worden, wo das Tier später verstarb. Auf einem Röntgenbild sind insgesamt vier Schrotkugeln zu erkennen. Weil nicht eindeutig festgestellt werden konnte, welcher Jäger den tödlichen Schuss abgegeben hatte, wurde das Verfahren später eingestellt.

Von Anfang November 2018 bis Mitte Januar sind mehrere Teams des Komitees gegen den Fang von überwinternden Singvögeln auf Zypern im Einsatz. Dabei werden  100 aktive Fangstellen gefunden und  847 Leimruten, 142 Fangnetze und 62 illegalen Klangattrappen unschädlich gemacht. Aufgrund unserer Hinweise können die Behörden 7 Wilderer auf frischer Tat überführen. 678 Vögel werden aus Fallen und Netzen befreit, darunter Eulen, Grasmücken, Rotkehlchen und zahlreiche Drosseln.

In Florenz (Italien) führen Recherchen des Komitees zur Festnahme eines hochkriminellen Wilderers. Nachdem unsere Experten und die Kollegen von der WWF-Jagdaufsicht den Mann beim Aufstellen von Vogelfallen beobachtet hatten, kam es zur Festnahme und einer Hausdurchsuchung. Dabei wurden 79 Drahtschlingen und Fangeisen für Säugetiere, 49 Schlagfallen für Singvögel,  zwei Schlagnetze, 60 Präparate geschützter Vögel, 17 gefrorene Singvögel, 2.200 Schuss Jagdmunition sowie mehrere verbotene Kriegswaffen sichergestellt.

Erfolgreiche Aktion gegen die Wilderei in Süditalien: Bei einer konzertierten Aktion des Komitees und der Umwelteinheit der Carabinieri werden in Reggio Calabria und nahe Crotone insgesamt sieben Wilderer verhaftet. Vier hatten auf geschützte Vögel geschossen, zwei werden mit illegalen, halbautomatischen Jagdwaffen und einer mit einem verbotenen elektronischen Lockvogel erwischt. Die Jagdwaffen der Männer sowie zwei Dutzend frisch geschossener Drosseln werden beschlagnahmt. 

Februar 2019

In Italien bei einem Vogelhändler sichergestellter Kernbeißer
In Italien bei einem Vogelhändler sichergestellter Kernbeißer

Auf dem traditionellen Vogelmarkt Ballaró in der sizilianischen Hauptstadt Palermo konfisziert die Polizei nach einem Hinweis des Komitees gegen den Vogelmord insgesamt  140 wildgefangene Stieglitze. Trotz Verbots ist die Haltung wilder Stieglitze als „Ziervögel“ in Sizilien nach wie vor weit verbreitet. Die Recherchen und Einsätze der italienischen Komitee-Mitarbeiter haben in den letzten drei Jahren zur Beschlagnahme und Freilassung von mehr als 1.000 Stieglitzen allein im Raum Palermo geführt.

In Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen gehen unsere Mitarbeiter gegen den illegalen Fang von Greifvögeln und Krähen vor. Bei Kontrollen werden auf dem Grundstück eines Geflügelhalters in Groß-Kummerfeld (Kreis Segeberg) drei verbotene Lebendfallen entdeckt und später von der Polizei beschlagnahmt. In Velen (Kreis Borken) entschärfen die Behörden nach einer Anzeige des Komitees einen aktiven, beköderten Habichtfangkorb in der Nähe einer Taubenzucht. Auch ein frisch gefangener Sperber wird befreit. In beiden Fällen werden Strafverfahren gegen die Grundstücksbesitzer eingeleitet.

Aktion gegen die Wasservogeljagd im Po-Delta (Italien): Südlich von Venedig erwischt die Polizei nach Anzeigen des Komitees gegen den Vogelmord vier Jäger, die bei der Jagd auf überwinternde Wildenten das Tageslimit von 25 Tieren pro Schütze deutlich überschritten haben. Ende Februar führt eine weiterer Anzeige unseres Teams zur Beschlagnahme von mehr als 40 toten Pfeif-, Knäk- und Krickenten in einem Restaurant, in dem die Vögel trotz Vermarktungsverbot auf der Speisekarte angeboten wurden.

Artenschutzkriminalität in Deutschland: Nach einem Hinweis des Komitees gegen den Vogelmord geht die Stadt Köln gegen ein Auktionshaus vor, das im Kundenauftrag zwei aus den Füßen von Elefanten gefertigte Tische sowie ein Leopardenfell zum Verkauf anbietet. Die geschmacklosen Trophäen werden beschlagnahmt und gegen die Verantwortlichen ein Verfahren wegen Verstoßes gegen das Bundesnaturschutzgesetz und die EU-Artenschutzverordnung eingeleitet.

März 2019

Polizei-Einsatz gegen den illegalen Vogelfang auf Malta
Polizei-Einsatz gegen den illegalen Vogelfang auf Malta

Vogelschutzcamp auf Malta: Von Mitte März bis Mitte April suchen insgesamt 12 Mitglieder des Komitees auf Malta und Gozo nach Klappnetzen für Finken und andere Kleinvögel. Dabei werden insgesamt 22 Anlagen entdeckt und anschließend mit Videokameras überwacht. Der von uns verständigten Polizei gelingt es, sechs Vogelfänger auf frischer Tat zu erwischen und drei weitere anhand des von uns erstellten Videomaterials zu identifizieren. Die Männer erwartet ein Gerichtsverfahren.

Nach dem Abschuss zahlreicher Weißstörche im Norden des Libanon fordert die neue Innenministerin Ria Haffar El Hassan ihre Polizeibehörden auf, entschiedener gegen die Wilderei vorzugehen. Unter anderem verlangt die Ministerin mehr Kontrollen in den Brennpunkten der Vogeljagd sowie eine bessere Zusammenarbeit mit Naturschutzverbänden. Das Komitee gegen den Vogelmord und seine Partnerverbände hatten zuvor Bilder frisch geschossener Störche veröffentlicht und so den Druck auf die Regierung in Beirut erhöht.

Strafanzeige gegen Fallensteller in Sachsen-Anhalt: Auf dem Grundstück eines Hühnerhalters in Altenhausen (Landkreis Börde) entschärft und beschlagnahmt die Polizei ein illegales Tellereisen. Die gefährliche Falle war zum Fang von Habichten und anderen Greifvögeln auf einem Weidepfahl montiert und mit einem toten Huhn beködert worden. Komiteemitarbeiter hatten das Gerät nach einem Hinweis aus der Bevölkerung entdeckt und an die Behörden gemeldet. Gegen den Grundstücksbesitzer, der zugab, die Falle aufgestellt zu haben, wurde ein Strafverfahren eingeleitet.

Beim Komitee-Vogelschutzcamp auf Zypern suchen 20 Freiwillige den ganzen Monat lang nach illegalen Fallen für Zugvögel. Dabei werden insgesamt 206 Leimruten und über 500 laufende Meter Bodennetze abgebaut. Rund 80 frisch gefangene Singvögel können aus den Fallen befreit und freigelassen werden. Erstmals werden auch mehrere Fälle von illegaler Jagd auf Turteltauben und Schwalben zur Anzeige gebracht. Vier der von uns angezeigten Wilderer werden später von der Polizei identifiziert und zu Geldstrafen verurteilt.

April 2019

Leimrute auf Zypern mit frisch gefangener Samtkopfgrasmücke
Leimrute auf Zypern mit frisch gefangener Samtkopfgrasmücke

Aktionen auf Zypern: In der Nähe von Paralimni gelingt es der Polizei nach einem Hinweise des Komitees, einen notorischen Wiederholungstäter zu schnappen. Seine „Akte“ beim Komitee zeigt, dass der Mann seit 2012 bereits fünf Mal von uns beim Fang geschützter Vögel mit Netzen und Leimruten erwischt wurde und jeweils nur einige hundert Euro Geldbuße zahlen musste. Diesmal wird gegen ihn eine Strafe von 8.000 Euro festgesetzt.

Einsatz auf Malta: Von Mitte April bis Anfang Mai kontrollieren unsere „Bird Guards“  die Einhaltung des neuen Jagdverbotes für Turteltauben im Frühling. Drei Jäger werden beim Abschuss geschützter Arten sowie beim Gebrauch illegal modifizierter Waffen gefilmt und von der Polizei festgenommen. Auf der Nachbarinsel Gozo können wir insgesamt vier riesige Käfigfallen, ein Klappnetz und ein 30 Meter langes Stellnetz für den Fang von Turteltauben stillegen. Gegen die Grundstücksbesitzer werden Strafverfahren eingeleitet.

Auf den Mittelmeerinseln Sardinien und Ischia kämpft das Komitee gegen den illegalen Fang von Singvögeln: Während in der ehemaligen Vogelfänger-Hochburg Ischia erstmals nur noch eine einzige aktive Fangstelle mit 10 Schlagfallen gefunden wird, werden auf Sardinien acht große Stellnetze und eine Stelle mit Leimruten entdeckt. Bei der anschließenden Überwachung der Fangplätze gelingt es, vier Wilderer auf frischer Tat zu filmen. Die Männer können später von der Polizei identifiziert und angeklagt werden.

Aktion gegen Vogelhändler in Kalabrien: Nach einem Hinweis des Komitees gegen den Vogelmord hat die Polizei in Reggio Calabria (Süditalien) zwei Vogelhändler überführt: Die Männer hatten Vögel mit offensichtlich gefälschten Züchterringen im Angebot und so die Komitee-Mitglieder auf sich aufmerksam gemacht .Bei einer Hausdurchsuchung fanden die Polizeibeamten mehr als 50 illegal gefangene Kernbeißer, Erlenzeisige, Grünfinken und Stieglitze. Die Vögel werden nach kurzem Aufenthalt in einer Pflegestation wieder ausgewildert.

Mai 2019

Polizei-Aktion bei einem Vogelfänger in Diepenau/Niedersachsen
Polizei-Aktion bei einem Vogelfänger in Diepenau/Niedersachsen

Greifvogelverfolgung durch Taubenzüchter: Das Komitee erstattet Strafanzeige gegen zwei Taubenzüchter aus Diepenau (Niedersachsen) und Goch (Nordrhein-Westfalen), die auf ihren Grundstücken Leiterfallen für Habichte aufgestellt haben. In beiden (voneinander unabhängigen) Fällen hatten unsere Mitarbeiter die aktiven Fanggeräte bei Kontrollen entdeckt und die Polizei verständigt. Gegen die Männer wird nun wegen Verstoßes gegen das Bundesnaturschutzgesetz ermittelt.

Unterwegs mit National Geographic: Reporter des Magazins begleiten im Frühling die Aktionen des Komitees gegen den illegalen Vogelfang auf Sizilien und Malta. Die in der Mai-Ausgabe von National Geographic publizierte Reportage gibt einen ausführlichen Einblick in die schwierige Arbeit unserer Teams vor Ort und sorgt für weltweite Aufmerksamkeit für unsere Kampagne. Außerdem wird ausführlich über die Aktivitäten krimineller Vogelhändler berichtet, die jedes Jahr zehntausende wildgefangene Finken von Italien nach Malta schmuggeln.

Illegaler Vogelfang in Deutschland: Nach einem Hinweis kontrollieren Mitglieder des Komitees gegen den Vogelmord ein Jagdrevier am Stadtrand von Hamburg. Dabei stoßen sie auf drei mit lebenden Lockvögeln beköderte Fallen für Krähen sowie einen Habichtfangkorb. In der näheren Umgebung werden die Überreste von acht Krähen sowie eines Greifvogels gefunden. Die Polizei wird informiert, beschlagnahmt alle Fallen und leitet ein Strafverfahren gegen den Grundstücksbesitzer – einen Jäger – ein.

Zypern: Bei unseren Frühlings-Einsätzen gegen den illegalen Vogelfang werden insgesamt 17 aktive Fangstellen für Singvögel mit 206 Leimruten gefunden und stillgelegt. Im Vergleich zum Frühlingscamp 2017, bei dem noch über 1.800 Leimruten entdeckt wurden, entspricht dies einem Rückgang von über 85 %. Ein schöner Erfolg! Er zeigt, dass sich unsere langjährige und nicht ungefährliche Arbeit endlich auszahlt.

Juni 2019

Von Polizei und Jagdaufsicht in Südtirol  bei Nesträubern sichergestellte Drosselnester
Von Polizei und Jagdaufsicht in Südtirol bei Nesträubern sichergestellte Drosselnester

Schutz für Singvogelnester: Um kriminelle Nesträuber abzuschrecken, organisiert das Komitee tägliche Streifen in den riesigen Obstplantagen rund um Bozen (Norditalien). Um an lebende Lockvögel zu kommen, haben Jäger hier in den letzten Jahren unzählige Drosselnester samt Inhalt aus den niedrigen Obstbäumen gestohlen. Dank der ständigen Präsenz unserer Teams bleibt es in diesem Jahr verhältnismäßig ruhig. Lediglich zwei Wilderer werden von der Polizei mit insgesamt sieben Nestern und 26 Küken verhaftet.

Gift gegen Krummschnäbel: Bei unserer Erfassungsstelle für Greifvogelverfolgung und Artenschutzkriminalität (EDGAR) gehen innerhalb weniger Wochen Hinweise auf Greifvogel-Vergiftungen aus Bayern, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen ein. Unter den Opfern sind drei Rotmilane, ein Habicht und ein Wanderfalke, die alle nachweislich mit vergifteten Ködern getötet wurden. In allen Fällen wird Strafanzeige gegen Unbekannt erstattet.

Urteil gegen Greifvogelhasser: Ein Hühnerhalter aus Bingen (Rheinland-Pfalz), dem Fang und Tötung mehrerer Greifvögel nachgewiesen werden konnte, muss 2.000 € Geldstrafe zahlen (50 Tagessätze zu je 40 Euro). Die Staatsanwaltschaft sah es als erwiesen an, dass der Mann die Tiere im Februar 2018 mit einem Habichtfangkorb gefangen und anschließend erschlagen hat. Mitarbeiter des Komitees gegen den Vogelmord hatten die Taten seinerzeit vor Ort dokumentiert und zur Anzeige gebracht. Das Urteil ist rechtskräftig.

Habichtadlerschutz: Auf Sizilien existiert bis heute eine der größten Populationen des vom Aussterben bedrohten Habichtsadlers. Die Vögel lassen sich nicht züchten und sind deswegen immer wieder Opfer von Wilderern, die Küken aus den Nestern rauben und gewinnbringend an Tiersammler und Falkner verkaufen. Seit neun Jahren kontrollieren Mitglieder der Naturschutzgruppe „Grupp Tutela Rapaci“ mit Unterstützung des Komitees das riesige Brutgebiet der Greifvögel. Im Jahr 2019 überwachen insgesamt 52 Naturfreunde die 55 bekannten Nester (2018 waren es nur 45), 33 Jungvögel können ausfliegen.

Juli 2019

Junge Rohrweihe in unserem Weihenprojekt im Rheinland
Junge Rohrweihe in unserem Weihenprojekt im Rheinland

In der Zülpicher Börde (NRW) erfassen Biologen des Komitees Bruten von Rohr- und Wiesenweihen in Getreidefeldern. Um die Jungvögel vor dem sicheren Tod durch den Mähdrescher zu bewahren, werden in Absprache mit den Bauern um vier Nester Schutzzonen errichtet, in denen auf die Ernte verzichtet wird. Alle 15 Jungvögel aus diesen Nestern überleben und werden flügge. Drei junge Rohrweihen aus einem ausgemähten Nest werden in eine Station gebracht und später erfolgreich ausgewildert.

Bruterfolg: Auf den vom Komitee auf dem Pritzerber See (Brandenburg) und der Alten Elbe bei Jerichow (Sachsen-Anhalt) installierten künstlichen Brutflößen brüten in diesem Jahr insgesamt 38 Brutpaare der gefährdeten Trauerseeschwalbe. Bis zum Ende der Brutsaison werden 35 Jungvögel flügge – ein schöner Erfolg für diese hochempfindliche und bundesweit stark gefährdete Art.

Allianz gegen die illegale Zugvogeljagd im Libanon: In West-Bekaa treffen sich Experten des Komitees mit libanesischen Vogelschützern, um die für September und Oktober im ganzen Land geplanten Aktionen gegen die Wilderei vorzubereiten. Mit im Boot sind die Society for the Protection of Nature in Lebanon (SPNL), das Middle Eastern Sustainable Hunting Centre (MESHC), die Association for Bird Conservation in Lebanon (ABCL) und die deutsche Botschaft, die unsere Kampagne politisch unterstützt.

Freiheit für Flamingos: In der Lagune von Cervia (Italien) werden von unserem Kooperationspartner Centro Fauna Selvatica (CFS) 20 Flamingos in die Freiheit entlassen. Die Vögel waren zuvor von der Polizei bei einem Tierhändler beschlagnahmt worden, der die wildgefangenen Tiere für 1.000 € pro Stück angeboten hatte. Die beeindruckenden Bilder der Freilassung sorgen landesweit für positive Schlagzeilen und leisten einen wichtigen Beitrag zur dringend nötigen Umweltbildung in Italien.

August 2019

Hannes Jaennicke hat ein Komitee-Team auf Zypern begleitet
Hannes Jaennicke hat ein Komitee-Team auf Zypern begleitet

Unter dem Titel „Hannes Jaenicke im Einsatz für die Vögel“ sendet das ZDF eine 42minütige Dokumentation über den alarmierenden Rückgang unserer Zugvögel. Die Suche nach den Ursachen führt den Schauspieler und Naturschützer mit seinem Team auch nach Zypern, wo sie mehrere Tage lang mit Aktivisten des Komitees und der Stiftung Pro Artenvielfalt den illegalen Massenfang von Singvögeln dokumentieren können. Der Beitrag hat fast zwei Millionen Zuschauer erreicht und so eine bundesweite Aufmerksamkeit für die Arbeit des Komitees.

Vogelmesse in England: Im mittlerweile vierten Jahr in Folge präsentiert das Komitee seine Arbeit zum Zugvogelschutz auf der „British Birdwatching Fair“ im englischen Rutland.  Die Messe ist mit mehr als 100.000 Besuchern die weltweit größte ihrer Art und wird von zahlreichen Organisationen genutzt, um ihre Projekte einem internationalen Fachpublikum zu präsentieren. Neben einem eigenen Stand ist das Komitee mit zwei Vorträgen über die Projekte in Italien und dem Libanon vertreten.

In der ersten Augusthälfte suchen Komitee Mitglieder auf Malta  nach Fangstellen für geschützte Wasserläufer und Regenpfeifer. Mit Hilfe eines gemieteten Kleinflugzeuges gelingt es, aus der Luft acht versteckt in Feldern angelegte Teiche aufzuspüren, um die herum riesige Klappnetze und zahlreiche Lockvögel aufgestellt sind. Bei gemeinsamen Aktionen mit der Polizei werden zwei Wilderer erwischt. Sie erwartet ein Gerichtsverfahren.

Erfolg in Italien: Sechs verhaftete Vogelfänger, 66 beschlagnahmte Vogelfallen, acht abgebaute Fangnetze und 527 konfiszierte tiefgefrorene Vögel – das ist das Ergebnis eines vom Komitee gemeinsam mit der italienischen Polizei durchgeführten Einsatzes gegen den illegalen Fang von Trauerschnäppern in der Lombardei (Provinz Brescia). Trauerschnäpper gehören zu den bereits im Spätsommer nach Süden ziehenden Vogelarten und sind in Norditalien eine begehrte Delikatesse.

September 2019

Fund geschossener Greifvögel während unseres Vogelschutzcamps im Libanon
Fund geschossener Greifvögel während unseres Vogelschutzcamps im Libanon

Im Libanon beginnt unser drittes großes Camp gegen die illegale Zugvogeljagd: Gemeinsam mit unseren libanesischen Partnerverbänden überwachen die Teams des Komitees den Vogelzug  an den wichtigsten geographischen „Flaschenhälsen“ und dokumentieren erneut zahlreiche Abschüsse von Schreiadlern und anderen Großvögeln . In Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden werden in den ersten beiden Wochen 19 Wilderer verhaftet sowie 9 Schrotflinten, 38 große Fangnetze für Singvögel, 16 elektronische Lockvögel und zwei Schlingfallen für Falken (sog. Bal Chatri) beschlagnahmt. 

Auf Malta kontrollieren die Teilnehmer unsere Vogelschutzcamps, ob sich Jäger bei der Jagd auf Zugvögel an das Gesetz halten. Neben mehreren Fällen von illegalem Vogelfang wird der Abschuss von geschützten Bienenfressern und eines Turmfalken dokumentiert. Im Vergleich zu den Vorjahren ist die illegale Vogeljagd damit weiter zurückgegangen. Für Wirbel in den Medien sorgt der Anschlag auf einen geparkten Komitee-Einsatzwagen, der von Unbekannten mit Schüssen aus einem Schrotgewehr schwer beschädigt wird.

Das Komitee reicht eine umfangreiche Umweltbeschwerde gegen Frankreich, Spanien und Italien bei der EU-Kommission ein. Grund sind die nach wie vor hunderttausendfach ausgestellten Abschussgenehmigungen für  Feldlerchen und Turteltauben, die den Erhalt dieser ohnehin stark zurückgehenden Arten zusätzlich gefährden. Grundlage unserer Klage sind u.a. aktuelle Studien, die den legalen Abschuss von rund 900.000 Feldlerchen und 1,5 Millionen Turteltauben pro Jahr im Mittelmeerraum belegen.

Jäger im Naturschutzgebiet erwischt:  Im Südosten von Kalabrien - der "Stiefelspitze" Italiens - geht das Komitee zusammen mit einer Sondereinheit der Carabinieri gegen die illegale Vogeljagd im Naturschutzgebiet „Marchesato e Fiume Neto” (bei Verzino) vor: Bei einer Kontrolle werden sechs Jäger mitten in der Jagdverbotszone erwischt. Gegen sie wurden Strafverfahren eingeleitet. Zwei Männer müssen sich zusätzlich wegen des Besitzes illegal modifizierter Jagdwaffen verantworten.

Oktober 2019

Bei einem Jäger in Brescia (Italien) sichergestellte Rotkehlchen
Bei einem Jäger in Brescia (Italien) sichergestellte Rotkehlchen

Einsatz in den Südalpen: An unserem mittlerweile 35. Herbst-Vogelschutzcamp in Brescia nehmen 52 Vogelschützer aus ganz Europa teil. Die Provinz gilt als eine der Hochburgen des Vogelfangs mit Netzen und Schlagfallen. Insgesamt können aufgrund unserer Hinweise 55 Wilderer überführt werden (zum Vergleich: 2018 waren es  46). 234 Bogenfallen, 283 Schlagfallen, 5 kleine Schlagnetze, eine Käfigfalle und 97 Fangnetze werden von der Polizei sichergestellt, dazu kommen 2.400 tote Singvögel und etwa 330 lebende Lockvögel.

Erfolg vor Gericht: Das Verwaltungsgericht in Mailand erklärt ein von der Lombardei geplantes Gesetz zur Freigabe des Vogelfangs für rechtswidrig. Konkret ging es darum, den Fang von insgesamt 12.700 Amseln, Sing-, Rot- und Wacholderdrosseln mit Netzen zu erlauben. Die Tiere sollten anschließend als Lockvögel bei der Singvogeljagd eingesetzt werden. Dieses Urteil ist das Ergebnis eines Eilantrages des Komitees gegen den Vogelmord, dem nun wenige Tage vor dem geplanten Beginn der Fangsaison stattgegeben wurde.

Auf Malta leisten die Teams des Komitees ganze Arbeit: Innerhalb von 10 Tagen werden insgesamt 38 illegale Fangplätze für Kernbeißer, Hänflinge und andere Finken entdeckt und an die Polizei gemeldet, fünf Vogelfänger können auf frischer Tat erwischt, 15 Schlagnetze und rund 50 lebende Lockvögel sichergestellt werden. In weiteren 13 Fällen können die Täter zwar vor Eintreffen der Polizei flüchten, werden jedoch vorher von uns ausführlich gefilmt – das Videomaterial wird der Polizei übergeben.

Internationale Pressekonferenz: Im Libanon prangern das Komitee und seine Partner den massenhaften Abschuss von Schreiadlern und anderen bedrohten Arten an. Gemeinsam mit der Deutschen Botschaft in Beirut veranstalten wir am 8. Oktober eine große Pressekonferenz in Eghbe, einer der Hochburgen der Wilderei mitten im Libanongebirge. Neben zahlreichen Medienvertretern, darunter BBC, ARD und die New York Times, nimmt auch der libanesische Umweltminister teil.

November 2019

Zilpzalp auf einer Leimrute (Zypern)
Zilpzalp auf einer Leimrute (Zypern)

Von Ende August bis Mitte November findet auf Zypern das längste diesjährige Vogelschutzcamp statt. Die über 30 Teilnehmer finden 109 aktive Fangstellen und 105 illegale Jagdplätze. Polizei und Jagdaufsicht überführen nach unseren Hinweisen 27 Wilderer. Insgesamt werden 1.960 Leimruten, 87 Fangnetze und 154 elektronische Lockgeräte (41 Mal Mönchsgrasmückengesang und 113 Mal Wachtelrufe) sichergestellt sowie 770 Vögel aus Netzen und Fallen befreit. Einige Einsätze finden auch im türkisch besetzten Nordteil Zyperns und in der von den UN-Blauhelmen gesicherten Pufferzone statt.

Im Auftrag des Bundesumweltministeriums erstellt das Komitee eine umfangreiche Auswertung der Daten des Monitoringprojektes „Illegale Greifvogelverfolgung in Deutschland“. Die Ergebnisse sind schockierend und zeigen die Hilflosigkeit bzw. die Gleichgültigkeit deutscher Behörden im Umgang mit dem Problem: Bei insgesamt 1.188 untersuchten Fällen kam es nur 49 Mal zu einer Verurteilung. Selbst bei geständigen Tätern werden zahlreiche Verfahren ohne Not eingestellt und die Täter lediglich verwarnt.

Weitere Beweise für Vogel-Massaker: Das Komitee veröffentlicht Filmmaterial, das erstmals und umfassend Massenabschüsse von Ziegenmelkern, Eulen und anderen nachts ziehenden Arten im Libanon dokumentiert. Um die Vögel im Dunkeln zu töten, setzen die Wilderer starke Suchscheinwerfer ein und locken z.B. Ziegenmelker mit elektronischen Lockrufen gezielt an. Die Hochburgen der nächtlichen Jagd auf Zugvögel liegen im Norden des Libanon, wo es einem unserer Teams im Oktober gelang, die Aufnahmen zu erstellen.

Zugvogelschutz in Ostspanien: Bei der Kontrolle der in den Vorjahren von uns kartierten, rund 1.500 Leimruten-Fanganlagen (parany)  in Valencia erweisen sich die meisten als inaktiv und verwaist. Lediglich 25 Fälle von illegalem Vogelfang werden dokumentiert und angezeigt, im Vergleich zur Situation im Jahr 2014 ist das ein Rückgang von mehr als 90%. Ein weiterer schöner Erfolg, der zeigt, dass sich unsere  Hartnäckigkeit und die gute Zusammenarbeit mit der Polizei langfristig auszahlen.     

Dezember 2019

Baggerarbeiten für den Amphibienschutz: Neuanlage eines Froschteiches in Schwentinental
Baggerarbeiten für den Amphibienschutz: Neuanlage eines Froschteiches in Schwentinental

Seit dem Jahr 2016 ist das Komitee gegen den Vogelmord Träger des Projektes „Froschland“. Bei dem zu 100 % vom Land Schleswig-Holstein finanzierten Programm koordiniert eine Mitarbeiterin des Komitees die Anlage von Gewässern im Osten des Bundeslandes. Im Jahr 2019 werden dabei insgesamt 40 neue Gewässer angelegt oder verlandete Teiche saniert – Zielarten sind neben Amphibien wie Rotbauchunke, Moor- und Laubfrosch auch auf Feuchtgebiete angewiesene Vogelarten wie Teichrohrsänger, Eisvogel und Zwergtaucher. 

In Modena unterstützt das Komitee gegen den Vogelmord das größte Wildtierauffangzentrum ganz Italiens. Im Jahr 2019 sind mehr als 5.400 Tiere eingeliefert worden – neben 3.860 Kleinvögeln, 360 Greif- und 380 Wasservögeln waren es 300 Paarhufer (darunter alleine 110 Rehe), 80 Griechische Landschildkröten, 420 Igel und 70 Fledermäuse. Neben verletzten Wildtieren werden auch von den Behörden bei Tierhändlern und Jägern sichergestellte Tiere aufgepäppelt und auf die spätere Freilassung vorbereitet.

Soziale Medien: Unsere Kanäle und Seiten auf Facebook, Twitter, Instagram und YouTube haben sich in den letzten Jahren immer wieder als wichtige Kampagneninstrumente erwiesen. Die darauf veröffentlichten Videos und Berichte werden im Jahr 2019 mehr als 15 Millionen Mal angeschaut bzw. gelesen. Zurückzuführen ist das auch auf die zunehmende Internationalisierungen der Meldungen in englischer Sprache sowie auf die stetig steigende Zahl von mittlerweile rund 95.000 Abonnenten bzw. „Followern“.

Bilanz der Arbeiten im Reservat „Raisdorfer Teichlandschaft“ (Schleswig-Holstein): Um das vom Komitee im Jahr 1984 erworbene Gebiet weiter für den Vogelschutz zu entwickeln, werden umfangreiche Pflegemaßnahmen durchgeführt. So waren zum Beispiel zwei der großen Teiche stark verschlammt und müssen mit schwerem Gerät ausgebaggert werden. Parallel dazu werden zahlreiche Bäume und Sträucher in Ufernähe entfernt, um diese Bereiche für Libellen und andere wärmeliebende Arten attraktiver zu machen.

Danksagung

Für ihre Unterstützung und gute Zusammenarbeit bedanken wir uns ganz herzlich bei der Stiftung Pro Artenvielfalt (Bielefeld), der Karl-Kaus-Stiftung für Tier und Natur (Bremen), der Minara Nature Foundation (Schweiz), der Umweltpolizei von Malta (ALE), den Carabinieri-Forestale in Italien und ihrer Antiwilderereinheit SOARDA, der Guardia Civil in Spanien (SEPRONA), dem Anti-Poaching-Squad (APS) der Polizei auf Zypern, den UNO-Blauhelmen auf Zypern und der türkisch-zypriotischen Organisation KUSKOR, der Militärpolizei in der britischen Militärbasis Dhekelia (Zypern), den Jagdaufsehern des Game Fund (Zypern), dem Sekretariat der Berner Konvention zum Schutz der europäischen Tierwelt (Straßburg), dem Sekretariat der Bonner Konvention zum Schutz wandernder Arten (CMS, Bonn), dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP), dem European Union Network for the Implementation and Enforcement of Environmental Law (IMPEL), den Deutschen Botschaften in Beirut und Valletta, dem Bundesamt für Naturschutz, dem Bundesumweltministerium, den Organisatoren der Rutland Birdfair (Großbritannien), der Ligue pour la Protection des Oiseaux (LPO, Paris), den Jagdaufsehern des italienischen WWF, der Lega Abolizione Caccia (LAC) in Mailand, der Ente Nazionale Protezione Animali (ENPA) auf Ischia, dem Wildtierauffangzentrum „Il Pettirosso“ in Modena, der Society for the Protection of Nature in the Lebanon (SPNL), der Association for Bird Conservation in Lebanon (ABCL), dem Middle Eastern Sustainable Hunting Center (MESHC), der Organisation „Lebanese Wildlife“ (Beirut), unseren Freunden von BirdLife Malta, den spanischen Naturschutzgruppen GECEN und AE-Agró (Valencia), dem Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW, Berlin), dem Dachverband Deutscher Avifaunisten, dem Förderverein für Ökologie und Monitoring von Greifvogel- und Eulenarten (Halle), dem Landesbund für Vogelschutz in Bayern, dem NABU und seinen Landesverbänden, dem Deutschen Tierschutzbund, der Nordrhein-Westfälischen Ornithologengesellschaft (NWO), der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft Helgoland, dem Institut für Vogelforschung – Vogelwarte Helgoland, dem Deutschen Rat für Vogelschutz, der Arbeitsgemeinschaft Wanderfalkenschutz, dem Verein Sächsischer Ornithologen, der Arbeitsgemeinschaft Berlin-Brandenburgischer Ornithologen (ABBO), dem Verein Aquila e.V., der Zeitschrift „Der Falke“ und dem Aula-Verlag, der Bergischen Greifvogelhilfe, der Vogelpflegestation Paasmühle, den Biologischen Stationen Düren, Euskirchen und Bonn/Rhein-Erft, der Gemeinde Schwentinental und natürlich all unseren Mitgliedern, Förderern und Aktiven.