Komitee gegen den Vogelmord e.V. Committee Against Bird Slaughter (CABS)

Komitee gegen den Vogelmord e. V.
Committee Against Bird Slaughter (CABS)

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Tätigkeitsberichte des Komitees gegen den Vogelmord

Mit seinem Tätigkeitsbericht gibt das Komitee gegen den Vogelmord einmal im Jahr einen zusammenfassenden Überblick über die Aktionen un Kampagnen. Der Bericht erschient immer zur Weihnachtszeit, wenn mit dem Vogelzug auch unsere Vogelschutzcamps abgeschlossen sind. 

Den jeweils letzten Tätigkeitsbericht finden Sie auf dieser Seite als Artikel - die Berichte der Vorjahre können Sie als PDF hier herunterladen:

Komitee gegen den Vogelmord - Tätigkeitsbericht 2019 (0,4 MB)

Komitee gegen den Vogelmord - Tätigkeitsbericht 2018 (0,4 MB) 

Komitee gegen den Vogelmord - Tätigkeitsbericht 2017 (0,4 MB)

Komitee gegen den Vogelmord - Tätigkeitsbericht 2016 (0,4 MB)

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Tätigkeitsbericht 2020

Vogelschutzcamps 2020: Artenschutz mit Artemschutz
Vogelschutzcamps 2020: Artenschutz mit Artemschutz

Liebe Mitglieder und Vogelfreunde,

direkte und wirkungsvolle Aktionen gegen den Fang, Handel und Abschuss unserer Zugvögel im Mittelmeerraum - das ist der Auftrag und gleichzeitig das „Markenzeichen“ des Komitees gegen den Vogelmord. Trotz der teils widrigen Umstände standen unsere Einsätze und Vogelschutzcamps vor Ort auch 2020 wieder im Mittelpunkt unserer Arbeit. Zwar mussten wir aufgrund der Pandemie und den damit verbundenen Einschränkungen erheblich umplanen und einige Aktionen verkürzen - trotzdem ist es gelungen, in allen Einsatzgebieten mit mehreren Teams präsent zu sein. So konnte zum Beispiel der von uns seit vielen Jahren aufgebaute „Fahndungsdruck“ gegen die Vogelfänger in Norditalien und Zypern aufrecht erhalten und der Vogelzug während der Jagdsaison auf Malta wie geplant überwacht werden. Allein in diesen drei Ländern sind 2020 als direktes Resultat unserer Einsätze mehr als 120 Wilderer überführt und rund 400 Wildvögel lebend aus Fallen befreit worden.

Dass unsere Arbeit wirkt, zeigen auch die in diesem Jahr vom französischen Staatsrat beschlossenen Verbote der Jagd auf Turteltauben sowie des Vogelfangs mit Leimruten in der Provence. Beides sind wichtige Erfolge für den Zugvogelschutz, die ohne die jahrelangen Aktionen, Recherchen und Klagen des Komitees und seiner Partner vor Ort undenkbar wären. 

Ein weiterer Arbeitsschwerpunkt war und ist unser im Frühling gestartetes Projekt ORPHEUS (Online Research on Poaching Hotspots in the European Union States, übersetzt „Onlinesuche nach Wildereischwerpunkten in EU-Staaten“), an dem sich bisher 207 Freiwillige aus ganz Europa beteiligt haben. Dabei geht es um die systematische Suche nach auf Privatgrundstücken versteckten Vogelfanganlagen in Spanien anhand von Sattelitenaufnahmen. Koordiniert durch die Geschäftsstelle in Bonn konnten bis Ende des Jahres beeindruckende 48.500 Quadratkilometer in den Regionen Katalonien, Castellon, Valencia, Murcia und Alicante abgesucht und dabei insgesamt 223 bisher unbekannte Fangplätze identifiziert werden. Im Oktober wurden 27 Anlagen mit der Polizei stillgelegt. Für das Jahr 2021 sind weitere große Einsätze in Spanien geplant. 

Die in diesem Bericht beschriebenen Erfolge und Ergebnisse wären ohne die langjährige und großzügige Hilfe unserer Mitglieder, Spender und Aktiven nicht möglich gewesen. Im Namen des Vorstandes möchten wir uns bei Ihnen allen ganz herzlich dafür bedanken und hoffen, dass Sie das Komitee und unsere Zugvögel auch im kommenden Jahr wieder unterstützen. 

Ihr Komitee-Team in Bonn

Januar 2020

Goldregenpfeifer als Lockvogel an einem Fangnetz (Malta)
Goldregenpfeifer als Lockvogel an einem Fangnetz (Malta)

Um den nächtlichen Fang von Goldregenpfeifern auf Malta zu dokumentieren, setzt das Komitee erstmals eine mit Spenden finanzierte Wärmebild-Videokamera ein. So kann gefilmt werden, wie Fänger die nachts aktiven Vögel während der Schonzeit in ihre Netze locken. Insgesamt werden bis Mitte Januar 35 Fälle von illegalem Vogelfang bei der Polizei zur Anzeige gebracht. Alle großen maltesischen Medienhäuser berichten über die Aktion und veröffentlichen die vom Komitee gefilmten Belege.

Kampagne gegen Zugvogeljagd-Safaris: Das Komitee prangert den Verkauf von Jagdreisen auf der Dortmunder Messe „Jagd & Hund“ an. Die Vorwürfe richten sich vor allem gegen acht Aussteller, die dort offen mit Abschüssen von Singvögeln und Turteltauben – dem Vogel des Jahres 2020 – im Ausland werben. In der Kritik steht auch der Landesjagdverband NRW, der in seiner Rolle als „ideeller Träger“ der Messe den Verkauf von Jagdreisen auf gefährdete Zugvögel unterstützt.

Im Süden Italiens führt das Komitee gemeinsam mit einer Sondereinheit der Carabinieri einen Einsatz gegen die illegale Jagd auf überwinternde Zugvögel durch. Dabei werden innerhalb einer Woche neun Jäger und Vogelfänger in Kalabrien überführt. Die Tatvorwürfe umfassen den Abschuss geschützter Bergfinken, die Verwendung elektronischer Lockvögel, den Besitz von unregistrierten Schusswaffen sowie den Fang von Grünfinken und Stieglitzen mit Netzen.

Gewalt gegen Vogelschützer auf Zypern: Am 14. Januar attackieren zwei Wilderer einen Komitee-Mitarbeiter, als dieser gerade Polizisten zu einer illegalen Fanganlage in der Nähe der Stadt Paralimni führt. Bei dem überraschenden Angriff wird unser Aktivist ins Gesicht geschlagen, bevor die anwesenden Beamten einschreiten und Schlimmeres verhindern können. Den Tätern gelingt zunächst die Flucht. Nachdem landesweit alle Medien über den Fall berichten, stellen sie sich eine Woche später der Polizei.

Februar 2020

Aus Netzen gerettete Singdrosseln (Zypern)
Aus Netzen gerettete Singdrosseln (Zypern)

Nach 78 Einsatztagen geht unser Winter-Vogelschutzcamp auf Zypern zu Ende. Seit Mitte Dezember wurden bei dem Einsatz 299 Leimruten und 21 Netze für den illegalen Vogelfang gefunden und abgebaut. 77 Vögel werden lebend befreit und freigelassen. Zusätzlich werden 56 Jagdvergehen dokumentiert und angezeigt, darunter die Jagd in Schutzgebieten und der Abschuss streng geschützter Vogelarten. 14 Wilderer werden aufgrund unserer Hinweise von der Polizei überführt. Besonders erfreulich ist der Rückgang der Wilderei mit Netzen in den britischen Militärgebieten auf Zypern – hier haben die Behörden nach Protesten des Komitees gegen den Vogelmord die Strafen deutlich erhöht und die Kontrollen vervielfacht.

Zuwachs für unseren Biotop-Verbund in Schleswig-Holstein: Das Komitee übernimmt die Verantwortung für das Schutzgebiet „Plesenteich“ im Kreis Plön. Das Gewässer ist Brutgebiet von Zwergtauchern, Nachtigallen und Teichrohrsängern. Kraniche und Seeadler sind tägliche Nahrungsgäste, dazu kommen hunderte Schnatterenten und andere überwinternde Wasservögel. Die gut 25.000 Quadratmeter große Fläche wird von der schleswig-holsteinischen Stiftung Naturschutz übernommen.

Vergiftung von Greifvögeln: Nach Hinweisen von Zeugen bergen Komitee-Mitarbeiter bei Wegberg (Kreis Heinsberg) fünf tote Mäusebussarde und einen Habicht in einem Naturschutzgebiet. Die Vögel werden zum Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt (CVUA) nach Krefeld gebracht, wo eine Vergiftung mit einem verbotenen Insektizid nachgewiesen wird. Nach einer Strafanzeige ermittelt die Polizei gegen Unbekannt.

Flamingos sterben an Bleivergiftung: Am Großen Salzsee im Süden der Stadt Larnaka (Zypern) werden Dutzende tote Flamingos aufgefunden. Auch die auf Zypern stationierten Mitarbeiter des Komitees beteiligen sich an der Suche und entdecken dabei mehrere geschwächte und ein totes Tier. Untersuchungen in einem Labor ergeben, dass der Vogel bei der Nahrungsaufnahme Bleischrote aufgenommen hat, die durch die Wasservogeljagd in den See gelangt sind.

März 2020

Vom Weltraum aus entdeckt: Schlagnetz in Ostspanien
Vom Weltraum aus entdeckt: Schlagnetz in Ostspanien

Startschuss für unser Projekt ORPHEUS (Online Research on Poaching Hotspots in European States): Nach einem Aufruf beteiligen sich 207 Vogelfreunde aus ganz Europa an dem Projekt und suchen auf Satellitenbildern systematisch nach versteckten Vogelfanganlagen in Spanien. Bis Mitte Juni können rund 48.500 Quadratkilometer bearbeitet und 223 bisher unbekannte Fangplätze identifiziert werden. Die Ergebnisse sollen im Herbst vor Ort überprüft werden. Schwerpunkte sind die Regionen Valencia und Castellon.

Erfolgreicher Einsatz gegen die illegale Frühlingsjagd auf Malta: Zwischen dem 12. und 30. März melden unsere ´Bird Guards´ insgesamt 18 Fälle von Vogelfang und fünf Fälle von Jagd auf geschützte Zugvögel an die Behörden. Die Polizei kann neun Täter auf frischer Tat erwischen. Vier weitere Wilderer werden später anhand des von uns erstellten Filmmaterials identifiziert und angeklagt. Drei Schusswaffen, ein Dutzend Klappnetze sowie sechs elektronische Lockvögel werden beschlagnahmt.

Bewachung von Habichtadler-Nestern auf Sizilien: Um die letzten Bruten des vom Aussterben bedrohten Habichtsadlers vor Eierdieben zu schützen, beteiligen sich unsere italienischen Mitglieder und Mitarbeiter – wie jedes Jahr – am Projekt zur Überwachung der Habichtsadler-Nester auf Sizilien. Erstmals kommt es während der gesamten Brutsaison zu keinerlei Zwischenfällen. Um die Nester auch während des strengen Lockdowns täglich besuchen zu können, hatten die Komitee-Mitglieder eine Ausnahmegenehmigung der sizilianischen Regionalregierung erhalten. 

Zugvogelschutz im Libanon: Obwohl die Einsätze wegen der Corona-Pandemie in diesem Frühling ohne internationale Beteiligung stattfinden, gehen unsere Partner von der Vogelschutzliga ABCL und der Gesellschaft für Naturschutz (SPNL) gegen den Abschuss von Weißstörchen vor. Gemeinsam mit der Polizei können zwei Jäger auf frischer Tat erwischt und verhaftet werden. Außerdem werden vier Männer wegen illegalem Vogelhandel verhaftet und 34 frisch gefangene Stieglitze befreit.

April 2020

Braunkehlchen in einer Schlagfalle auf Ischia/Italien
Braunkehlchen in einer Schlagfalle auf Ischia/Italien

Vogelfänger auf Ischia überführt: Nach einem Hinweis des Komitees findet die Polizei im Garten eines Vogelfängers mehrere illegale Schlagfallen für den Fang von Braunkehlchen und Steinschmätzern. Gegen den geständigen Mann wird eine Geldstrafe verhängt. In einem weiteren Fall wird ein Jäger angezeigt, der mitten in der Schonzeit scharfe Schrotpatronen mit sich führte. Obwohl das dazugehörige Gewehr nicht gefunden wurde, wird er wegen Wilderei angeklagt. Die Aktion zeigt deutliche Wirkung – nach dem Polizeieinsatz ebbt die Wilderei deutlich ab.

Im Einsatz für Turteltauben: Auf Malta überwacht ein Team des Komitees den Vogelzug in den Hochburgen der Wilderei. Trotz Schonzeit werden zahlreiche Schüsse auf Turteltauben, Rohrweihen und Falken registriert und teilweise gefilmt. Die Polizei kann mit Hilfe unserer Videos zwei Männer als Täter identifizieren. Ihnen drohen hohe Geldstrafen sowie der Verlust des Jagdscheins. Turteltauben sind seit 2017 auf Malta geschützt und dürfen im Frühling nicht bejagt werden.

Erfolge im Kampf gegen den Fang von Singvögeln als Delikatesse: Nach Hinweisen unserer Partner von der Society for the Protection of Nature in Lebanon (SPNL) kann die libanesische Armee an der Küste südlich von Beirut mehrere riesige Anlagen für den Fang durchziehender Grasmücken und Rohrsänger stilllegen. Bei der Aktion werden rund 120 laufende Meter Fangnetz und zahlreiche Lautsprecher zum Abspielen von Lockrufen sichergestellt. Mehr als 30 Vögel wurden freigelassen, darunter Teichrohrsänger, Mönchs- und Gartengrasmücken. 

Einsatz gegen die illegale Vogeljagd in Süditalien: Bei den Frühlingsaktionen des Komitees in Kalabrien werden vier Wilderer von unseren Teams überführt und bei der Polizei angezeigt. Ein Mann wird bei der illegalen Frühlingsjagd auf Turteltauben gefilmt, zwei Täter haben Netze für Stieglitze aufgestellt und in einem Fall wird ein aus der Natur geraubter Wanderfalke aus illegaler Haltung befreit.

Mai 2020

Von der Polizei in Berlin sichergestellte Stieglitzfalle
Von der Polizei in Berlin sichergestellte Stieglitzfalle

Einsatz gegen Vogelfänger in Berlin: Nach einem Hinweis deaktivieren Mitglieder des Komitees gemeinsam mit der Polizei im Stadtteil Neukölln eine illegale Lebendfalle für Singvögel. Die Falle war an der Fassade eines Hauses montiert und enthielt einem lebenden Stieglitz als Lockvogel. In der Wohnung des geständigen Täters finden die Beamten bei einer Durchsuchung eine zweite Vogelfalle sowie gefälschte Zuchtringe. Gegen den Mann wird ein Strafverfahren eingeleitet.

Riesige Vogelfanganlage auf Gozo entdeckt: Auf Maltas kleiner Nachbarinsel entdeckt unser Team in einem öffentlichen Park ein 40 Quadratmeter großes Stellnetz mit mehreren toten Waldlaubsängern, Grauschnäppern und Weidensperlingen. Um die riesige Anlage aufzubauen, hatten die Fänger zuvor einen mehrere hundert Jahre alten, geschützten Johannisbrotbaum gefällt. Die Polizei beschlagnahmt das gesamte Material und leitet eine Fahndung nach den Tätern ein.

Verbotene Fallenstellerei in Niedersachsen: Bei Gersten (Landkreis Emsland) legt die Polizei nach einer Anzeige des Komitees gegen den Vogelmord zwei illegale Tierfallen auf dem Grundstück eines Geflügelzüchters still. Dabei handelt es sich um eine mit einer toten Ente beköderte Lebendfalle für Greifvögel sowie eine Falle für Füchse und Marder. Gegen den Eigentümer der Zuchtanlage wird ein Verfahren wegen Verstoßes gegen das Bundesnaturschutz- und das Jagdgesetz eingeleitet.

Greifvogelfänger in Schleswig-Holstein erwischt: Nach einem Hinweis aus der Bevölkerung führen Mitarbeiter des Komitees die Polizei zu einem illegal aufgestellten Habichtfangkorb neben einer Taubenzucht in Burg (Landkreis Dithmarschen). Die Falle wird als Tatmittel sichergestellt. Bei der Befragung durch die Polizei gibt der Taubenzüchter zu, mit der Falle Greifvögel fangen zu wollen. Ihn erwartet deswegen nun ein Strafverfahren. 

Juni 2020

Vergiftete Mäusebusarde in Nordrhein-Westfalen
Vergiftete Mäusebusarde in Nordrhein-Westfalen

Greifvogelverfolgung in Deutschland: In der ersten Jahreshälfte werden bei unserem bundesweiten Monitoring insgesamt 30 illegale Nachstellungen registriert - ein Zuwachs um 25 % gegenüber dem Vorjahr. Betroffen sind insgesamt 26 Landkreise in 9 Bundesländern. Die Methoden reichen von Vergiftung und Abschuss von Habichten und Wanderfalken über den Einsatz illegaler Fallen bis hin zur Fällung von Nestbäumen.

Polizeiaktion gegen Vogelfang im Friaul: In einem Privatgarten im norditalienischen Friaul entdecken Beobachter des Komitees mehr als ein Dutzend Stellnetze und zahlreiche Käfige mit über 100 frisch gefangenen Tieren, darunter Bartmeisen, Goldammern, Kernbeißer, Girlitze, Stieglitze, Nachtigallen und Dompfaffen. Die von uns alarmierten Carabinieri beschlagnahmen die Netze und lassen alle Vögel frei. Der Gartenbesitzer wird wegen Wilderei in besonders schwerem Fall vor Gericht gestellt.

Ein von der EU geplantes Verbot von bleihaltiger Munition bei der Wasservogeljagd wird durch ein Veto Deutschlands verhindert. Zusammen mit seinen Partnerverbänden beteiligen sich das Komitee und viele seiner Mitglieder an einer bundesweiten Protestaktion. Ziel ist es, die verantwortliche Ministerin Julia Klöckner zu überzeugen, ihre einseitige Unterstützung der Waffen- und Jagdlobby aufzugeben und das Verbot bei einer erneuten Abstimmung im Juli zu unterstützen.

Gemischte Bilanz beim Projekt zum Schutz von Trauerseeschwalben im Havelland: Vor Beginn der Brutzeit installieren Mitarbeiter des Komitees 74 künstliche Brutflöße für die gefährdete Trauerseeschwalbe in Sachsen-Anhalt und Brandenburg. Trotz einer Rekord-Belegung von 46 Nestern werden leider zahlreiche Bruten von Waschbären und gefiederten Beutegreifern zerstört, so dass am Ende der Brutzeit „nur“ 14 Jungvögel erfolgreich ausfliegen.

Juli 2020

Schlagfalle im Angebot einer italienischen Online-Plattform
Schlagfalle im Angebot einer italienischen Online-Plattform

Kleiner Erfolg im Kampf gegen Handel Vogelfallen im Internet: In Italien ist – anders als in Deutschland – auch der Verkauf und Besitz von Vogelfallen verboten. Dennoch konnte man sie bislang immer noch im Internet kaufen. Das Komitee gegen den Vogelmord dokumentiert zahlreiche Angebote verbotener Schlagfallen und Fangnetze auf verschiedenen italienischen Internetplattformen und sorgt dafür, dass die Firmen die Annoncen gelöscht und die Anbieter im Auge behalten werden.

Und noch einmal Erfolg bei Ebay & Co: Die deutschen Online-Verkaufsplattformen Ebay-Kleinanzeigen und Quoka setzen den Begriff „Stieglitz“ auf ihre schwarze Liste. Hintergrund sind zahlreiche vom Komitee aufgedeckte Fälle, bei denen wildgefangene Tiere als Nachzuchten zum Verkauf angeboten wurden.

Aufklärungsarbeit gegen die illegale Vogeljagd im Libanon. Das Komitee und sein Partnerverband SPNL organisieren in den Regionen West-Bekaa und Keserwan zwei ganztägige Workshops zum Thema Zugvogelschutz und Wilderei. Unter den rund 90 Teilnehmern sind zahlreiche Bürgermeister, Polizisten, Mitarbeiter von Gemeindeverwaltungen sowie Vertreter von Jagdverbänden, die sich für den Schutz bedrohter Zugvögel einsetzen.

Vogelhändler in NRW aufgeflogen: Bei einer Online-Recherche fällt einem Mitarbeiter des Komitees ein Verkaufsangebot für angeblich gezüchtete Stieglitze und Mönchsgrasmücken auf. Der Fall wird an die Behörden im Kreis Mettmann gemeldet, die bei einer Kontrolle in der Wohnung des Verdächtigen 12 illegal gehaltene Hänflinge, Erlenzeisige und Girlitze sowie gefälschte Züchterringe sicherstellen. Dem Verkäufer droht wegen illegalen Handels mit Wildvögeln eine Geldstrafe.

Wende im Streit um „bleifreie“ Jagd. Die Proteste des Komitees und anderer Verbände gegen die Blockadehaltung Deutschlands gegen das europaweite Verbot von bleihaltiger Munition zeigen Wirkung. Kurz vor der zweiten Abstimmung der EU-Länder zieht Agrarministerin Julia Klöckner ihr Veto zurück und das Verbot wird in Brüssel beschlossen. Wissenschaftler gehen davon, dass in der EU jedes Jahr rund eine Million Wasservögel an Bleivergiftungen sterben.

August 2020

Angeschossene Turteltaube
Angeschossene Turteltaube

Erfolg für den Schutz der Turteltaube: Kurz nach Eröffnung der Jagdsaison stoppt das Oberste Verwaltungsgericht in Paris die Jagd auf Turteltauben in ganz Frankreich. Die Richter begründen ihre Entscheidung mit dem europaweiten Rückgang der Art. Noch bis 2019 durften in Frankreich jährlich etwa 100.000 Turteltauben legal geschossen werden, dagegen hatten das Komitee und seine französischen Partner Beschwerde bei der EU-Kommission eingereicht.

Vogelschutzcamp in Italien: In den Bergen rund um den Gardasee werden bei einem ersten Einsatz des Komitees vier Jäger beim Abschuss früh durchziehender Trauerschnäpper und Rotschwänze erwischt und angezeigt. Ein weiterer Wilderer, der 25 verbotene Klappfallen für Singvögel aufgestellt hatte, wird nach tagelanger Überwachung seines Fangplatzes von der Polizei gestellt.

Fang von Wasservögeln auf Malta: Das Komitee gegen den Vogelmord bringt acht Fälle von Wilderei bei der maltesischen Polizei zur Anzeige. Dabei geht es um den massenhaften Fang geschützter Brachvögel, Wasserläufer und Regenpfeifer, die an künstlich angelegten Teichen mit großen Klappnetzen gefangen werden. Um die in Feldern versteckten Teichanlagen zu finden, hatte das Komitee extra ein Kleinflugzeug gemietet, aus dem heraus die Fangplätze fotografiert wurden.

Sommereinsatz gegen die Singvogeljagd in Süditalien. Zusammen mit den Carabinieri-Forestale können Mitarbeiter des Komitees in Kalabrien zwei Wilderer mit insgesamt 26 geschossenen Gartengrasmücken überführen. Drei Flinten und zwei elektronische Lockanlagen werden beschlagnahmt. Gegen die Männer wird ein Strafverfahren wegen der Jagd auf geschützte Vogelarten eingeleitet.

September 2020

Bei Meneou/Zypern aufgefundener angeschossener Bienenfresser
Bei Meneou/Zypern aufgefundener angeschossener Bienenfresser

Zugvogelfriedhof auf Zypern entdeckt: Teilnehmer des Komitee-Vogelschutzcamps finden bei Meneou an der Küste südlich von Larnaka hunderte illegal abgeschossene Zugvögel. Neben fast 100 Bienenfressern und Schwalben werden auch ein toter Turmfalke, ein Wiedehopf, ein Nachtreiher und eine Blauracke geborgen. Weil sich die Polizei zunächst weigert, den Fall zu untersuchen, macht das Komitee den Fall publik und fordert die Regierung zum Handeln auf.

Vogelschutzcamp auf Malta: In den ersten Wochen der Jagdsaison dokumentieren unsere Teams, wie Jäger im Süden der Insel zahlreiche Wespenbussarde, Rohrweihen, Nachtreiher und eine Blauracke abschießen. Drei Täter werden von der Polizei geschnappt und vorläufig festgenommen. Ende September werden drei weitere Wilderer überführt, die zuvor von uns beim Fang von Ortolanen und Wachteln bzw. bei der Jagd mitten in einem Schutzgebiet gefilmt wurden.

Schlag gegen Singvogelfänger: Die Teilnehmer unseres Vogelschutzcamps auf Zypern haben alle Hände voll zu tun. Vom Start Anfang September bis zum Ende des Einsatzes Mitte November werden bei den Kontrollen 114 Fangplätze entdeckt und insgesamt rund 1.929 Leimruten und mehr als 400 laufende Meter Netze zerstört. Etwa 320 gefangene lebende Vögel werden befreit, darunter Nachtigallen, Gartenrotschwänze, Klappergrasmücken und mehrere Waldohreulen. Bei gemeinsamen Einsätzen mit der Jagdaufsicht werden 44 Wilderer überführt und zu Geldstrafen verurteilt.

Im Libanon kontrollieren die vom Komitee in den letzten drei Jahren ausgebildeten Mitglieder der Anti-Wilderei-Einheit unseres Partners SPNL die Vogeljagd im Norden des Landes. Dabei werden zahlreiche illegale Abschüsse, u.a. auf Schreiadler, Pelikane und einen international bedrohten Schmutzgeier dokumentiert. Bei einem gemeinsamen Einsatz mit der Polizei werden an der Küste südlich von Beirut zwei große Singvogel-Fanganlagen mit einem Dutzend riesiger Netze stillgelegt.

Oktober 2020

"Selfie" eines libanesischen Wilderers mit illegal geschossenen Kranichen
"Selfie" eines libanesischen Wilderers mit illegal geschossenen Kranichen

Kranichwilderer im Libanon überführt: Nachdem das Komitee gegen den Vogelmord und seine libanesischen Partner Bilder vom Abschuss von mehreren Dutzend Kranichen im Süden des Landes veröffentlichen, werden drei der Schützen von den Internal Security Forces (ISF) identifiziert und verhaftet. Die Männer im Alter von 26, 34 und 40 Jahren gehören zu einer Gruppe Wilderer aus Tyros, die sich auf die Jagd geschützter Zugvögel spezialisiert hat.

Großeinsatz in Norditalien: Trotz der wegen Corona erlassenen Beschränkungen nehmen insgesamt 28 Freiwillige an unserem großen Vogelschutzcamp in der Provinz Brescia teil. In enger Zusammenarbeit mit den Carabinieri-Forestale werden 21 Vogelfänger an ihren Fangplätzen in den Bergen geschnappt und insgesamt 57 Stellnetze, 78 Bogenfallen und 169 Schlagfallen sichergestellt. Zusätzlich werden 15 Jäger wegen Abschuss geschützter Arten angezeigt.

Auf Malta kontrolliert das Komitee gegen den Vogelmord die Fangsaison für Finken, die von der Regierung als „Forschungsprojekt“ genehmigt wurde. Noch vor Beginn des umstrittenen Projektes werden bei einem Aufklärungsflug mehr als 50 nicht registrierte Fangplätze entdeckt und an die Behörden gemeldet. Bei Selmun wird bei einem Einsatz eine Fanganlage für Kernbeißer gefunden und anschließend von der Polizei stillgelegt.

Vogelschutz in Spanien: Von Mitte Oktober bis Ende November kontrolliert ein Team des Komitees bei Valencia und Vinaros mehrere Dutzend Fanganlagen – darunter auch solche, die im Rahmen unseres Projektes „ORPHEUS“ auf Satellitenbildern entdeckt worden waren. Gemeinsam mit der Polizei werden 27 Vogelfänger angezeigt und rund 30 Schlag- und Stellnetze sowie 1.300 Leimruten sichergestellt. Für die Aktion haben die Behörden unsere Mitarbeiter zuvor extra von der Corona-Ausgangssperre befreit.

November 2020

Bei Wilderern in Kalabrien (Italien) beschlagnahmte Enten
Bei Wilderern in Kalabrien (Italien) beschlagnahmte Enten

Komitee stoppt illegale Entenjagd in Kalabrien: Komitee-Recherchen ergeben, dass in einem Natura2000-Schutzgebiet an der Mittelmeerküste Jäger trotz eines absoluten Jagdverbotes regelmäßig auf Wasservögel schießen. Die von uns alarmierte Polizei ist innerhalb kurzer Zeit vor Ort und kann zwei der Täter noch in ihren Jagdhütten stellen. Zwei frisch geschossene Löffelenten sowie je eine Schnatter- und Pfeifente werden beschlagnahmt.

Innerhalb weniger Tage gehen beim Komitee Hinweise auf illegale Verfolgung von Greifvögeln in Sachsen, Bayern und Nordrhein-Westfalen ein, darunter drei Fälle, bei denen zwei Habichte und ein Bussard von Geflügelhaltern getötet wurden. In einem weiteren Fall aus Hattingen (NRW) wird eine mutmaßlich vergiftete Ködertaube im Auftrag des Komitees zur Untersuchung an die Universität München geschickt.

Baggern für den Naturschutz: Im Rahmen des Projektes „Froschland“ legt das Komitee im Laufe des Jahres insgesamt 41 neue Kleingewässer in Schleswig-Holstein an. Finanziert werden die Arbeiten vom Land, das seit dem Jahr 2009 insgesamt 1,6 Millionen Euro dafür bereitgestellt hat. Seit Projektbeginn wurden damit über 400 Teiche neu angelegt bzw. verlandete Gewässer und Feuchtbiotope saniert oder vergrößert.

Auf Malta suchen gemeinsame Teams des Komitees und von Birdlife Malta eine Woche lang nach Anlagen für den illegalen Fang von Finken und anderen Singvögeln. Dabei werden insgesamt sechs nicht registrierte Fangnetze und zwei Käfigfallen an die Polizei gemeldet. 31 Finken (Buchfinken, Hänflinge, Girlitze und Kernbeißer) sowie zwei Wachteln werden beschlagnahmt und freigelassen.

Dezember 2020

Flussregenpfeifer-Küken im Auffangzentrum Modena/Italien
Flussregenpfeifer-Küken im Auffangzentrum Modena/Italien

Seit 20 Jahren unterstützt das Komitee gegen den Vogelmord das größte Wildtierauffangzentrum ganz Italiens – das „Il Pettirosso“ in Modena. Im Jahr 2020 sind mehr als 5.100 Tiere eingeliefert worden – neben 3.600 Kleinvögeln und 340 Greifvögeln waren es 580 Paarhufer (darunter mehr als 200 Rehe), 450 Igel, 80 Fledermäuse, 25 Stachelschweine und fast 1.000 Marderartige wie Dachse und Steinmarder. Neben verletzten Wildtieren werden auch von den Behörden bei Tierhändlern und Jägern sichergestellte Tiere aufgepäppelt und auf die spätere Freilassung vorbereitet – dieses Jahr unter anderem 4 Wölfe.

Auch im „Coronajahr“ 2020 gelingt es uns, trotz der Einschränkungen einen Wintereinsatz auf der Mittelmeerinsel Sardinien auf die Beine zu stellen. Mit deutlich reduzierter Teilnehmerzahl beginnt am Anfang Dezember die Aktion, die bis in den Januar andauern soll. Ziel der Aktion ist die Arbeit gegen die Vogelfänger, die in der kalten Jahreszeit den hier überwinternden Drosseln mit Netzen und Rosshaarschlingen nachstellen.

In unserem Schutzgebiet in Schwentinental wird im Laufe des Jahres ein baufälliges Gebäude aus dem Jahr 1987 komplett saniert. Hier lagern nicht nur Gerätschaften, die zur Pflege der großen Teichlandschaft benötigt werden, es ist ebenso der Treffpunkt für die Aktiven des Komitees und der „Naturschutzgruppe Schwentinental“, die sich erst 2019 neu zusammengefunden hat.

Öffentlichkeitsarbeit: Unsere Internetseite www.komitee.de ist 2020 komplett überarbeitet und um zahlreiche Themenbereiche und Hintergrund-Informationen erweitert worden. Darüber hinaus haben wir auch unsere Berichterstattung in den sozialen Medien weiter ausgebaut. Auf unseren Facebookseiten in vier verschiedenen Sprachen sowie auf Instagram und Twitter haben wir inzwischen 96.000 „Follower“ – im Jahr 2020 können wir mit mehr als 600 Nachrichten so viele interessierte Menschen erreichen, wie nie zuvor. Auch die Zahl von Hinweisen auf Wilderei und illegalem Vogelhandel, die wir über unserer Internetseite und sie sozialen Medien erhalten, hat mit fast 300 einen Rekordwert erreicht.

Danksagung

Für ihre Unterstützung und gute Zusammenarbeit bedanken wir uns ganz herzlich bei der Stiftung Pro Artenvielfalt (Bielefeld), der Karl-Kaus-Stiftung für Tier und Natur (Bremen), der Minara Nature Foundation (Schweiz), dem Journalistenkollektiv „Flugbegleiter“, der Environmental Protection Unit (EPU) der Polizei auf Malta, den Carabinieri-Forestale in Italien und ihrer Antiwilderereinheit SOARDA, der Guardia Civil in Spanien (SEPRONA), dem Anti-Poaching-Squad (APS) der Polizei auf Zypern, den UNO-Blauhelmen auf Zypern und der türkisch-zypriotischen Organisation KUSKOR, der Militärpolizei in der britischen Militärbasis Dhekelia (Zypern), den Jagdaufsehern des Game Fund (Zypern), dem Sekretariat der Berner Konvention zum Schutz der europäischen Tierwelt (Straßburg), dem Sekretariat der Bonner Konvention zum Schutz wandernder Arten (CMS, Bonn), dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP), dem European Union Network for the Implementation and Enforcement of Environmental Law (IMPEL), den Deutschen Botschaften in Beirut,  Nikosia und Valletta, dem Bundesamt für Naturschutz, dem Bundesumweltministerium, den Organisatoren der German Birdrace, der Ligue pour la Protection des Oiseaux (LPO, Paris), den Jagdaufsehern des italienischen WWF, der Lega Abolizione Caccia (LAC) in Mailand, der Ente Nazionale Protezione Animali (ENPA) auf Ischia, dem Wildtierauffangzentrum „Il Pettirosso“ in Modena, der Society for the Protection of Nature in the Lebanon (SPNL), der Association for Bird Conservation in Lebanon (ABCL), dem Middle Eastern Sustainable Hunting Center (MESHC), der Organisation „Lebanese Wildlife“ (Beirut), unseren Freunden von BirdLife Malta, den spanischen Naturschutzgruppen GECEN und AE-Agró (Valencia), dem Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW, Berlin), dem Dachverband Deutscher Avifaunisten, dem Förderverein für Ökologie und Monitoring von Greifvogel- und Eulenarten (Halle), dem Landesbund für Vogelschutz in Bayern, Pro Wildlife e.V., dem NABU und seinen Landesverbänden, dem Deutschen Tierschutzbund, der Nordrhein-Westfälischen Ornithologengesellschaft (NWO), der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft Helgoland, dem Institut für Vogelforschung – Vogelwarte Helgoland, dem Deutschen Rat für Vogelschutz (DRV), der Arbeitsgemeinschaft Wanderfalkenschutz (AGW), dem Verein Sächsischer Ornithologen, der Arbeitsgemeinschaft Berlin-Brandenburgischer Ornithologen (ABBO), dem Verein Aquila e.V., der Zeitschrift „Der Falke“, der Bergischen Greifvogelhilfe, der Vogelpflegestation Paasmühle, den Biologischen Stationen Düren, Euskirchen und Bonn/Rhein-Erft, der Gemeinde Schwentinental, dem Kreis Euskirchen und natürlich all unseren Mitgliedern, Förderern und Aktiven.