Wilderei im Libanon – betroffene Vogelarten
Im Libanon sind nahezu alle Vogelarten, die hier brüten oder durchziehen, von Jagd und Wilderei betroffen. Bei über 250 von insgesamt je im Libanon beobachteten 400 Vogelarten sind Abschuss oder Fang nachgewiesen. Damit stellt der Libanon eine Ausnahme dar, denn in den meisten Ländern beschränken sich die herausgebildeten Jagdtraditionen in der Regel auf eine relativ überschaubare Artenauswahl. Im Libanon wird buchstäblich alles geschossen oder gefangen, was fliegt.
Dennoch sind manche Arten deutlich stärker betroffen als andere. In einer Auswertung von Trophäenbildern im Jahr 2014 haben wir 598 von Jägern in den Sozialen Medien eingestellte Bilder mit insgesamt 13.164 geschossenen Vögel analysiert. 11.213 der Tiere konnten dabei zuverlässig identifiziert werden. Diese umfassten 143 Arten, darunter zahlreiche gefährdete europäische Arten, für deren Erhaltung erhebliche Anstrengungen unternommen werden, wie Schmutzgeier (Neophron percnopterus), Schreiadler (Clanga pomarina), Wespenbussard (Pernis apivorus), Rotfußfalke (Falco vespertinus), Nachtreiher (Nycticorax nycticorax), Rohrdommel (Botaurus stellaris), Kranich (Grus grus), Wachtelkönig (Crex crex), Blauracke (Coracias garrulus), Ziegenmelker (Caprimulgus europaeus), Weißstorch (Ciconia ciconia), Schwarzstorch (Ciconia nigra), Krauskopfpelikan (Pelecanus onocrotalus), Ortolan (Emberiza hortulana) und Pirol (Oriolus oriolus).
Die drei am häufigsten geschossenen Arten, die auf den analysierten Fotos abgebildet sind, sind Singdrossel (Turdus philomelos), Buchfink (Fringilla coelebs) und Feldlerche (Alauda arvensis), die mit einer Gesamtzahl von 6.653 Individuen etwa 59 % der auf den Fotos abgebildeten Vögel ausmachen. Bei unseren Vogelschutzcamps haben wir darüber hinaus festgestellt, dass auch Bienenfresser (Merops apiaster), Rauchschwalben (Hirundo rustica) und Mehlschwalben (Delichon urbica) in großen Mengen illegal geschossen werden.
Beim Vogelfang mit Netzen und Leimruten haben es die Wilderer hauptsächlich auf Grasmücken – insbesondere Mönchsgrasmücken (Sylvia atricapilla) abgesehen, die mit elektronischen Geräten angelockt werden. Aber auch andere Grasmücken, etwa Gartengrasmücke (Sylvia borin) und Klappergrasmücke (Curruca curruca) werden gezielt gefangen, ebenso wie verschiedene Rohrsänger (Acrocephalus), Haussperlinge (Passer domesticus) und Weidensperlinge (Passer hispaniolensis).
Unsere Auswertung aus dem Jahr 2014 finden Sie hier.
Wilderei im Libanon - betroffene Vogelarten
Wespenbussarde
Baumfalke
Schreiadler
Ortolan
Kuckuck
Nachtreiher