Komitee gegen den Vogelmord e.V. Committee Against Bird Slaughter (CABS)

Komitee gegen den Vogelmord e. V.
Committee Against Bird Slaughter (CABS)

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Der "Vogelfriedhof" von Mizieb

Grausige Funde in einem Jagdgebiet der maltesischen Jagdvereinigung FKNK

Völlig zerschossene Rohrweihe - in Mizieb frisch tot unter Unrat entdeckt.
Völlig zerschossene Rohrweihe - in Mizieb frisch tot unter Unrat entdeckt.

Im Herbst 2009 haben Mitglieder des Komitees gegen den Vogelmord eine Entdeckung gemacht, die wie ein Schlaglicht das Ausmaß der Wilderei auf Malta beleuchtet: In Mizieb, dem größten zusammenhängenden Waldgebiet der Insel, wurden binnen weniger Stunden die Überreste von 192 streng geschützten Vögeln gefunden. Es handelte sich um 38 Rohrweihen, 35 Nachtreiher, 18 Wespenbussarde, mehr als 80 weitere unbestimmte Greifvögel sowie vier Ziegenmelker, drei Wiedehopfe, eine Nachtigall und einen Pirol.

Die Kadaver waren in dem Waldstück unter Steinen und Müll versteckt worden und in allen Stadien der Verwesung - von frisch geschossen bis hin zu fast nicht mehr erkennbaren Knochen- und Federresten. Alle Fundorte lagen in unmittelbarer Nähe nummerierter Jagdunterstände. Die maltesische Polizei stellte die Vögel sicher, auf eine professionelle Tatort- und Spurensicherung verzichteten die Beamten aber ebenso wie auf eine eigene Durchsuchung des riesigen Areals. 

Skelett eines Wespenbussards
Skelett eines Wespenbussards

Was hinter diesen Funden steckt, ist geklärt. Einerseits ist es sicher so, dass manche Jäger die geschützten Vögel einfach nur als lebende Zielscheiben betrachten und die Beweise auf diese Art verschwinden lassen. Das erklärt, warum auch relativ gut erhaltene Vögel gefunden wurden. Trophäensammler dagegen trachten nach einer möglichst großen Zahl gut erhaltener Tiere verschiedener Arten, Geschlechter und Farbmorphen. Wenn sie aus der Ferne ein Tier schießen, dass sich bei näherer Betrachtung als unbrauchbar erweist - z.B weil sie die Farbvariante bereits in der Kollektion haben oder das Gefieder vom Schrotschuss stark beschädigt ist - verstecken sie es als nutzlos unter Steinen oder Unrat. Und nicht zuletzt gibt es Fehlabschüsse. Dies erklärt vermutlich die immer wieder in Mizieb versteckt aufgefundenen Kuckucke und Ziegenmelker, die in der Dämmerung mit ihren schmalen Flügeln und raschem Flug mit der zur Jagd freigegebenen Turteltaube verwechselt werden.

An einer anderen Stelle - den Dweijra Lines bei Mgarr - wurde im gleichen Zeitraum eine ähnliche Situation vorgefunden: Hier lagen die Tiere in einem fast unzugänglichen historischen Grabenanlage. Betroffen waren überwiegend Bienenfresser, aber auch Rohrweihen, Wespenbussarde, Kuckucke und Mauersegler. Die Vögel waren hier offenbar bei der illegalen Jagd hineingefallen, ohne geborgen werden zu können, zum Teil aber auch ganz offensichtlich in dem Graben entsorgt worden.

In den Folgejahren gab es weitere Durchsuchungen in Mizieb, bei denen nach und nach immer weniger tote Vögel unter Steinen gefunden wurden. Inzwischen hat sich die Lage in Mizieb weitgehend beruhigt, die Zahl der beobachteten Illegalitäten ist deutlich rückläufig – nicht zuletzt wegen unserer dauerhaften Präsenz auf der Insel und speziell in diesem Gebiet.

Den Bericht über unsere Funde aus dem Jahr 2009 können Sie hier herunterladen:

Malta: The Mizieb Dossier 2009 (Englisch)