Komitee gegen den Vogelmord e.V. Committee Against Bird Slaughter (CABS)

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"Ambelopoulia" - Singvögel als Delikatessen

Gerupfte Grasmücken, sichergestellt in einem Restaurant bei Paralimni
Gerupfte Grasmücken, sichergestellt in einem Restaurant bei Paralimni

In keinem Land der Europäischen Union boomt der Vogelfang so sehr wie auf Zypern. Während es anderswo Vogelschützern und Behörden gelungen ist, der Wilderei Herr zu werden, ist sie im griechischsprachigen Teil der Mittelmeerinsel kaum kontrollierbar. Hohe Gewinnspannen und ein geringes Risiko, erwischt zu werden, machen den Vogelfang für viele Wilderer zu einer lukrativen Einnahmequelle.

Nicht nur Feinschmecker schwören auf "Ambelopoulia" - die traditionelle Singvogel-Speise auf Zypern. Ein nicht unerheblicher Teil der Bevölkerung liebt die winzigen Happen. Hunderttausende Zyprioten genehmigen sich zumindest gelegentlich - z.B. zu Festen und Feiertagen - das Gericht, bei dem nach Gemüse und Meeresfrüchten als Höhepunkt drei oder vier Grasmücken auf den Tisch kommen. Und sie sind bereit, für das karge Mahl mehr als 40 Euro hinzublättern! Die Fänger selbst erhalten rund 4 Euro pro Vogel.

Eingemachte Drosseln - gekauft in einem Supermarkt bei Larnaka
Eingemachte Drosseln - gekauft in einem Supermarkt bei Larnaka

An guten Tagen erbeuten die Vogelfänger 100 und mehr Tiere - kein Wunder also, dass die Landschaft gespickt ist mit Leimruten und Netzen, an denen elektronische Lockanlagen Gesänge abspielen und die Zugvögel in den Tod locken. Die Polizei spricht wegen der Gewinnspannen schon vom "Kaviar des 21. Jahrhunderts" und fürchtet inzwischen die professionellen Wildererbanden. Diese schrecken nicht vor Gewalt zurück, wenn sie ihr lukratives Geschäft gefährdet sehen. Das haben auch schon Komitee-Mitarbeiter auf den Vogelschutzcamps zu spüren bekommen, bei denen sie mehr als einmal tätlich angegriffen wurden.

Unerwartet gestiegene Nachfrage erhalten die Restaurants aus dem Tourismus: Insbesondere russische Gäste haben "Ambelopoulia" in letzter Zeit für sich entdeckt und fragen immer öfter nach dem illegalen Gericht. Als Touristen getarnte Komiteemitarbeiter haben schon Dutzende Gaststätten kontrolliert und sind erschreckend oft fündig geworden. Dutzende Restaurants wurden so bereits angezeigt.

Durch die Aktionen des Komitees gegen den Vogelmord geht zumindest die Zahl der Restaurants zurück, in denen die Singvögel dreist auf der Speisekarte angeboten werden. Aber Einheimische wissen, wo sie hingehen müssen, um Grasmücken serviert zu bekommen.