Komitee gegen den Vogelmord e.V. Committee Against Bird Slaughter (CABS)

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Bogenfallen - eine Tradition stirbt aus

Mit Bogenfallen werden fast ausschließlich Rotkehlchen gefangen
Mit Bogenfallen werden fast ausschließlich Rotkehlchen gefangen

Die Mechanik der zunächst simpel aussehenden Bogenfalle ist verblüffend und ausgesprochen brutal: Ein kleines Stöckchen und eine Schnur halten den traditionell aus einer Haselnussrute gefertigten Bogen (heute meist aus Draht) auf Spannung. Vögel werden von Vogelbeeren angelockt und werden dazu verleitet, sich auf dem waagerecht angebrachten Stöckchen niederzulassen. Berühren sie es, schnellt der Bogen auseinander. Die Tiere hängen im Bruchteil einer Sekunde kopfüber mit zerquetschten Beinen in dem Fanggerät. So bleiben sie auch in der warmen Herbstsonne lange frisch und werden erst vom Vogelfänger nach stundenlangem Todeskampf erlöst. Manche sterben allerdings auch an Blutstau im Kopf, allgemeinem Herz-Kreislauf-Versagen oder sie verbluten schlicht.

Rotkehlchen machen rund 90 % der mit Bogenfallen gefangenen Vögel aus. Unter den restlichen 10 % finden sich vor allem Singdrosseln, Zaunkönige und Wintergoldhähnchen, seltener verfangen sich Buch- und Bergfinken, Meisen und Großvögel wie Waldohreulen oder Eichelhäher. Gelegentlich sterben auch Siebenschläfer und Haselmäuse in den Fallen.

Zaunkönig in einer Bogenfalle
Zaunkönig in einer Bogenfalle

Bogenfallen wurden bereits in der Bronzezeit eingesetzt und waren bis zu den Anfängen der Neuzeit in fast allen Ländern Europas zu finden. In Deutschland, hier wurden die Fallen "Sprenkel" genannt, wurden sie im 19. Jahrhundert verboten und letztmalig in den Jahren vor dem 1. Weltkrieg gefunden.

Seither sind die brutalen Fanggeräte aus den Wäldern Europas verschwunden, mit einer Ausnahme: Brescia, gelegen zwischen Gardasee und Iseosee.

Mitte der 1980er Jahre des letzten Jahrhunderts standen die Bogenfallen in den Bergdörfern der Provinz Brescia noch in den Vorgärten für Jedermann sichtbar. Auch entlang von Hecken, auf Weideland und Wiesen waren die Fallen von Straßen und Wanderwegen aus zu sehen, obwohl sie auch in Italien schon mehr als 100 Jahre verboten waren.

Beim ersten Bresciaeinsatz des Komitees im Jahr 1983 sammelten sechs Aktivisten in zwei Tagen 3.266 Bogenfallen ein. Seither wurden die Camps immer länger - aus dem ehemals mehr spontan veranstalteten Fallensammeln wurden binnen 15 Jahren gut organisierte Vogelschutzcamps mit Hunderten von Teilnehmern. Die Zahl der während der Einsätze gefundenen Bogenfallen stieg bis einschließlich 2001 mit den stetig umfangreicheren Aktionen. Im Jahr 2001 waren am Vogelschutzcamp des Komitees insgesamt 71 Personen beteiligt, die über zweieinhalb Wochen Fallen gesucht haben - sie fanden 12.104 Bogenfallen!

In den Folgejahren griff erstmals die im Jahr 1999 vereinbarte Zusammenarbeit mit der staatlichen Forstpolizei. Statt die Fallen abzubauen, zeigten wir die gefundenen Fangstellen den Beamten, damit sie sich dort postieren und die Wilderer in flagranti überführen konnten. Schnell wurden in jedem Herbst mehr als 50 Wilderer gestellt - die um sich greifende Angst der Vogelfänger zeichnet sich in der Zahl der im Jahr 2002 gefundenen Bogenfallen ab: Es waren nur noch 9.500. Bis heute geht die Zahl der Bogenfallen weiter drastisch zurück. Im Herbst 2007 haben wir noch 1.320 Fallen gefunden, 2012 konnten wir mit 963 Stück erstmals die "magische" Grenze von 1.000 unterschreiten, 2019 waren es nur noch 224. 

Geändert hat sich aber nicht nur die Zahl der Fallen an sich, sondern auch die "Fangsaison". Wegen der ständigen Gefahr erwischt zu werden, nutzen die Vogelfänger heute nur noch die Kernzeit des Vogelzugs. Die Fallen stehen nicht mehr - wie früher - drei Monate im Herbst auf, sondern nur noch von Anfang Oktober bis Mitte November!