Deutschland – 10. 08. 2026
Vogelschutz im Quadrat
Rekordjahr für die Weihen in der Jülich-Zülpicher Börde: 32 Bruten und eine historische Premiere

Jülich-Zülpicher Börde / Kreise Düren, Heinsberg, Euskirchen und Rhein-Erft. Die Zülpicher Börde hat sich in den letzten Jahren zu einem Paradies für seltene Greifvögel entwickelt. Wie das in Bonn ansässige Komitee gegen den Vogelmord mitteilt, wurden bei Kartierungsarbeiten in diesem Jahr neun Nester der in Deutschland stark gefährdeten Wiesenweihe in Getreidefeldern gefunden – so viele wie nie zuvor. Jeweils drei Paare brüteten in den Kreisen Düren und Rhein-Erft, zwei Paare in Euskirchen und eins im Kreis Heinsberg, wo die Art seit mehr als 30 Jahren wieder als Brutvogel nachgewiesen werden konnte. Zusätzlich wurden 22 Bruten der in NRW bedrohten Rohrweihe in Schilfbeständen sowie in landwirtschaftlichen Kulturen festgestellt. Das absolute Highlight der diesjährigen Erfassungen ist eine erfolgreiche Brut der in Deutschland vom Aussterben bedrohten Kornweihe in einem Weizenfeld im Rhein-Erft-Kreis. Dabei handelt es sich um den ersten Brutnachweis dieser Art in der Jülich-Zülpicher Börde seit mehr als 130 Jahren und um nur eins von weniger als zehn Brutpaaren bundesweit.
Weil die Getreideernte aufgrund der Hitzewelle im Juni in diesem Jahr sehr früh stattfand, bestand für alle Küken akute Lebensgefahr. Um den seltenen Nachwuchs vor dem Tod im Mähdrescher zu bewahren, arbeiten Naturschützer, Behörden und Landwirte in der Region eng zusammen. Um jedes entdeckte Nest wurde eine 20x20 Meter große Schutzzone eingerichtet, wo bis zum Ausfliegen der Jungvögel nicht geerntet wurde. Zum Schutz gegen Prädatoren wie z.B. Füchse wurden die Quadrate nach dem Mähen zusätzlich mit Weidezäunen abgesichert. „Alle Landwirte waren sofort bereit, beim Schutz der Bruten zu helfen. Für ihren Ernteausfall werden sie finanziell von den Kreisverwaltungen entschädigt“, fasst Biologe Axel Hirschfeld vom Komitee zusammen. „Die hohe Zahl von über 50 ausgeflogenen Jungvögeln zeigt, wie erfolgreich dieser kooperative Ansatz ist“.
Dass dieses Zusammenspiel gut funktioniert, bestätigt auch Landwirt Guido Krabbel, auf dessen Flächen im Raum Vettweiß seit Jahren Wiesenweihen nisten: „Es ist jedes Mal ein tolles Gefühl, wenn solche seltenen Arten auf unseren Feldern brüten. Dass in diesem Jahr so viele Jungvögel flügge wurden, freut mich riesig!“
Axel Hirschfeld betont, dass der diesjährige Rekord-Bruterfolg ohne die gute Zusammenarbeit aller Beteiligten nicht möglich gewesen wäre. Experten des in Bonn ansässigen Komitees kartieren die Nester und werden dabei von den Biologischen Stationen und lokalen Ornithologen unterstützt. Die Kreisverwaltungen sowie die Landwirtschaftskammer unterstützen das Projekt administrativ und finanziell und die Landwirte sorgen dafür, dass die Maßnahmen auf ihren Flächen umgesetzt werden.
Pressekontakt & Bildmaterial: Weitere Motive und Informationen (z.B. Vögel oder Daten aus bestimmten Kreisen) können hier angefordert werden: presse [at] komitee.de Hintergrundinformationen zum Thema: https://www.komitee.de/de/projekte/deutschland/weihenschutz-in-der-zuelpicher-boerde/
Korrektur: Es handelt sich um den ersten Brutnachweis der Kornweihe seit mehr als 130 in der Jülich-Zülpicher Börde und nicht in der Kölner Bucht, wie in einer früheren Version geschrieben. Wir haben die Stelle korrigiert.




