Komitee gegen den Vogelmord e.V. Committee Against Bird Slaughter (CABS)

Komitee gegen den Vogelmord e. V.
Committee Against Bird Slaughter (CABS)

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Tagebuch von den Vogelschutzcamps im Herbst 2020

Während der Zugzeit von Anfang August bis Mitte November 2020 finden wieder die Vogelschutzcamps des Komitees gegen den Vogelmord im Mittelmeerraum statt. Aktionen gibt es in Spanien, Italien, auf Malta und Zypern sowie im Libanon. Mit unserem Tagebuch informieren wir Sie regelmäßig über den Fortgang der Aktionen.

Unsere bisherigen Ergebnisse in Kürze:

Aktuelle Camps: Zypern, Valencia (Spanien)Malta.

Überführte Wilderer: 105

Sichergestellte Fallen: 2.440

Sichergestellte Netze: 94

Gerettete Vögel*: 353

Letzte Aktualisierung: 22.11.2020

* Aus Netzen oder Fallen gerettete Tiere bzw. befreite illegal gehaltene Lockvögel

22.11.2020, Norditalien

Massiver Rückgang der Wilderei in Norditalien: 35 Jahre Vogelschutzcamps in der Lombardei zahlen sich aus. Der Rückgang der Fallenstellerei hat sich noch einmal verstärkt - so wenige Fallen und Netze wie in diesem Herbst haben wir noch nie gefunden. Alleine innerhalb des letzten Jahrzehntes ist die Zahl der von uns gefundenen Bogenfallen um 93% von 1.228 (2010) auf jetzt 78 Stück gesunken. Auch bei den Schlagfallen geht´s bergab - um 63% von 802 (2010) auf jetzt 169. Die Netze halten sich hartnäckig, dennoch hat sich auch hier die Zahl immerhin halbiert - und zwar um 51% von 116 (2010) auf nun 57. Der Grund für das tolle Ergebnis liegt in der kontinuierlichen Anwesenheit des Komitees gegen den Vogelmord während der gesamten Fangsaison und unserer engen Kooperation mit der Polizei. Dennoch bleibt einiges in Norditalien zu tun - die letzten verbliebenen Fallensteller sind notorische Kriminelle und müssen jeder einzeln vor Gericht gebracht werden, und die Wilderei mit der Flinte scheint aktuell sogar wieder zuzunehmen.

20.11.2020, Libanon

Schlag gegen die nächtliche Wilderei im Libanon: In den Städten des „Zedernstaates“ gibt es die ungewöhnliche – und hochgradig illegale – Jagdmethode, kleine Bäume auf Dächern zu platzieren, sie nachts mit elektronischen Lockgeräten zu beschallen, mit Scheinwerfern anzuleuchten und auf diese Weise Zugvögel anzulocken. Wenn diese sich auf den „fake trees“ niederlassen, werden sie – wohlbemerkt mitten in der Stadt – mit Schrot unter Beschuss genommen. Jetzt im Spätherbst sind vor allem Drosseln betroffen. Unsere libanesischen Freunde von SPNL und MESHC haben mit Unterstützung durch das Komitee gegen den Vogelmord Beweise für diese haarsträubende Jagd in den Wohngebieten von Bchamoun, Qumatiyeh und Barja gesammelt und an die Polizei gegeben. Die Beamten haben in den letzten Tagen eine ganze Reihe dieser „Dachjagden“ stillgelegt und zahlreiche Lockanlagen sichergestellt. Mehrere Wilderer wurden auf frischer Tat überführt.

18.11.2020, Zypern

Illegale Singvogeljagd auf Zypern geht weiter: Die Teams des Komitees gegen den Vogelmord auf Zypern werden jeden Tag Zeugen illegaler Singvogeljagd. Polizei oder Jagdaufsicht sind fast nie im Gelände oder reagieren zu spät auf unsere Anrufe, so dass die Täter fast immer unbestraft davonkommen. Jetzt hatten wir einen der eher seltenen Fälle, in denen ein Wilderer überführt werden konnte. Komitee-Mitglieder hatten bei Akrotiri im Süden der Insel einen Mann beobachtet, der geschützte Zugvögel unter Beschuss nahm. Jagdaufseher des Game Fund waren überraschend schnell zur Stelle und konnten den lizenzierten Jäger auf frischer Tat stellen - leider hatte er bereits 7 Bachstelzen geschossen. Einen Vogel konnten wir verletzt bergen, leider starb er trotz unserer Bemühungen an der Schussverletzung. Der Wilderer muss 2.000 € Geldstrafe zahlen.

16.11.2020, Italien

Jagdverbot zur Pandemie-Bekämpfung! Italien hat ein Ampelsystem eingeführt, um Maßnahmen zur Einschränkung der COVID 19-Pandemie besser regional koordinieren zu können. In den besonders stark betroffenen „roten“ Regionen ist die Singvogeljagd deswegen ab sofort verboten. Die Behörden wollen auf diese Weise die Hunderttausenden von Hobbyjägern von unnötigen Fahrten ins Revier und dem anschließenden obligatorischen Wein in der Bar abhalten. Bislang wurde das Jagdverbot in der Lombardei und der Toskana, im Piemont, Kalabrien, Kampanien und Südtirol verhängt. Den Waidmännern in weiteren Regionen droht in Kürze das gleiche Schicksal. Ob die Ampel vor Ende der Jagdsaison am 31.01.2021 nochmal auf grün springt, darf bezweifelt werden. Mehrere Millionen Zugvögel, die sonst geschossen worden wären – allen voran Feldlerchen und Drosseln – können jetzt ungestört die Apenninhalbinsel überfliegen

10.11.2020, Malta

31 lebende Finken auf Malta beschlagnahmt: In den letzten drei Tagen hat ein gemeinsames Team des Komites und von Birdlife Malta die umstrittene Fangsaison für Singvögel auf Malta und Gozo überwacht. Dabei wurden drei große Fanganlagen entdeckt, die ohne jegliche Genehmigung betrieben und deshalb sofort an die Umwelteinheit EPU der Polizei gemeldet wurden. Zwei weitere Verdachtsfälle werden derzeit noch von den Behörden überprüft. Zwar konnten die Vogelfänger vor Eintreffen der Beamten flüchten, nicht jedoch ohne vorher lange von unseren Aktivisten gefilmt worden zu sein. Bildmaterial, dass die Gesichter der Täter sowie in zwei Fällen die Nummernschilder ihrer Fluchtwagen zeigt, wurde der Polizei übergeben. An den aufgegeben Fangplätzen wurden vier riesige Klappnetze, eine Käfigfalle sowie insgesamt 31 lebende Buchfinken, Grünfinken, Hänflinge, Kernbeißer und Erlenzeisige beschlagnahmt. Die Tiere wurden als Lockvögel eingesetzt und fliegen mittlerweile wieder in Freiheit.

08.11.2020, Brescia

Jäger beim Vogelfang erwischt: In den Bergen nördlich von Brescia (Italien) haben wir einen Jagdscheininhaber dabei gefilmt, wie er Schlagfallen für Singvögel aufgestellt hat. Der Mann ist kein Unbekannter - seine Fangstelle kennen wir seit 2008, hunderte Fallen und Netze haben wir hier bereits abgebaut, bis wir den Täter 2015 endlich überführen konnten. Vier Jahre war Ruhe in dem Berghang, in diesem Oktober hat ein Komitee-Team dann wieder Schlagfallen für Rotkehlchen gefunden. Um den vorsichtig agierenden Täter erneut überführen zu können, haben wir das Gelände überwacht und tatsächlich gelang es uns, ihn auf frischer Tat zu filmen. Das Beweismaterial haben wir vorgestern der Polizei übergeben, der Vogelfänger hat die Tat jetzt gestanden. Es ist Wilderer Nr. 35 des Vogelschutzcamps in Brescia, das heute nach 5 Wochen zuende geht. Insgesamt wurden während unseres Einsatzes 78 Bogenfallen, 188 Schlagfallen und 57 Netze sichergestellt. Bei drei Fällen dauern die Ermittlungen noch an.

07.11.2020, Zypern

Schlag gegen die Wilderei auf Zypern: Am Monte Phanos bei Paralimni im Südosten der Mittelmeerinsel haben wir die bislang größte Leimruten-Fangstelle dieses Herbstes. Ein Team des Komitees gegen den Vogelmord hatte sich hier noch vor der Morgendämmerung auf die Lauer gelegt und den Wilderer beim Auslegen der illegalen Vogelfallen gefilmt. Die von uns gerufene Jagdaufsicht kam schnell und konnte den Mann trotz eines Fluchtversuches stellen. Durch das von uns vorgelegte Videomaterial hatte der Täter keine andere Wahl, als zu gestehen. 115 Leimruten wurden sichergestellt und zahlreiche Vögel freigelassen, darunter die Kohlmeise auf dem Foto. Leider ist die Strafe lächerlich gering - der Mann kommt mit 850 € davon. Alleine durch den Verkauf der Vögel, die er in den letzten Wochen gefangen hat, konnte er ein Vielfaches der nun verhängten Strafe verdienen. Nichts desto trotz sind wir froh, diese beachtlich große Fangstelle nun erst einmal stillgelegt zu haben - hier sterben in diesem Jahr keine Vögel mehr!

06.11.2020, Spanien

Spanien: Vogelschutz ist systemrelevant! Zur Eindämmung der COVID-19-Pandemie hat die Regierung in Madrid strenge nächtliche Ausgangssperren verhängt. Das Problem: Die Vogelfänger, gegen die wir zusammen mit der Polizei arbeiten, sind fast nur nachts aktiv. Die Regionalregierung von Valencia hat unserem Antrag auf Ausnahmegenehmigung von den Beschränkungen stattgegeben - die Teams des Komitees gegen den Vogelmord dürfen jetzt auch wieder von 22 bis 5 Uhr im Gelände sein. Ein schönes Zeichen des Vertrauens und der Wertschätzung unserer Arbeit. Die Teilnehmer unseres derzeit laufenden Vogelschutzcamps in Ostspanien haben schon ausgiebig von der Genehmigung Gebrauch gemacht und in kurzer Zeit weitere 7 Vogelfänger überführt. Seit Beginn der Aktion haben wir damit 27 Wilderern in Spanien das Handwerk gelegt (15 Fänger mit Netzen, 12 mit Leimruten), 30 Schlagnetze und 1.300 Leimruten wurden insgesamt sichergestellt und Dutzende Vögel von zähem Leim bzw. aus Lockvogelkäfigen befreit.

04.11.2020, Brescia

Wilderer Nr. 32 und Nr. 33 des Vogelschutzcamps in Brescia überführt: Auch wenn sich die Fangsaison dem Ende neigt, sind immer noch einige unverbesserliche Vogelfänger aktiv. In den Bergen zwischen Iseosee und Gardasee (Norditalien) hat das Komitee gegen den Vogelmord nun in Zusammenarbeit mit der Polizei zwei weitere Täter erwischt. Wilderer Nr. 32 dieses Herbstes hatte 10 Schlagfallen unweit von Vestone aufgestellt, bei Wilderer Nr. 33 wurden 15 der verbotenen Fanggeräte bei Gargnano gefunden. Sie werden mit Fliegenlarven beködert und locken vor allem Rotkehlchen an, die mit Maisbrei als "polenta ösei" eine beliebte - aber natürlich illegale - Delikatesse sind. Drei Rotkehlchen wurden tot geborgen. Das Tier auf dem Bild musste zumindest nicht lange leiden - sein Schädel ist von den Fangbügeln völlig zertrümmert worden ...

 

03.11.2020, Kalabrien (Italien)

Illegale Entenjagd beendet: Ein Komitee-Team konnte in Kalabrien (Süditalien) zusammen mit der Polizei zwei Entenwilderern das Handwerk legen. Die beiden Männer hatten an einem als Natura 2000-Schutzgebiet ausgewiesenem Gewässer bei Sibari im Nordosten der "Stiefelspitze" Italiens illegal auf Wasservögel geschossen. Die Jagd ist in dem wertvollen Areal komplett verboten - und die Jäger hatten illegale elektronische Lockgeräte mit Entenrufen im Einsatz. Die Polizei konnte zwei geschossene Schnatterenten und jeweils eine Löffel- und Pfeifente sicherstellen (Foto Motorhaube). Gegen die Täter wurden Strafverfahren eingeleitet.

02.11.2020, Malta

Finkenfänger auf Malta geschnappt. In Selmun im Norden Maltas haben Mitarbeiter des Komitees gegen den Vogelmord am Wochenende zusammen mit der Polizei eine Anlage für den illegalen Fang von Kernbeißern stillgelegt. Dabei handelte es sich um eine auf einen Strauch installierte Käfigfalle mit einem lebenden Kernbeißer als Lockvogel. Ein Video, das den Wilderer beim Auf- und Abbau seiner Falle zeigt, wurde der Polizei vor Ort übergeben. Der Täter konnte daraufhin identifiziert werden und gab bei der Befragung durch die Beamten zu, die Falle aufgestellt zu haben. Dafür muss er sich demnächst vor Gericht verantworten. Die Falle und der Lockvogel wurden beschlagnahmt. Unser Team auf Malta ist noch bis Ende des Monats im Einsatz, um die laufende Jagdsaison sowie den umstrittenen Fang von Singvögeln mit großen Klappnetzen zu dokumentieren.

01.11.2020

Artenschutz mit Atemschutz: Internationale Vogelschutzcamps in Zeiten einer Pandemie sind alles andere als einfach - inzwischen sind alle Einsatzgebiete im Mittelmeerraum auch Risikogebiete geworden. Die Einschränkungen im Rahmen von COVID-19 stellen uns bei den aktuell laufenden Einsätzen in Italien und Spanien, auf Malta und Zypern täglich vor neue Herausforderungen. Aber trotz nächtlicher Ausgangssperren, Reise- und Kontaktbeschränkungen und die zum Teil sehr strengen Quarantänevorschriften konnten alle Aktionen bislang fast störungsfrei stattfinden. Die für den November angekündigten Lockdowns kommen pünktlich zum Ende des Vogelzugs und beeinträchtigen unsere Arbeit zum Glück nur noch teilweise. Danke an alle Helfer des Komitees gegen den Vogelmord, die seit zwei Monaten trotz aller Widrigkeiten im Einsatz sind!

31.10.2020, Spanien

Spanische Wilderer schießen Wiedehopf ab: Beim Vogelschutzcamp des Komitees gegen den Vogelmord in Ostspanien geht es vorrangig um die Arbeit gegen den Vogelfang - erst gestern konnten wir wieder einen Fänger mit Netzen und einen weiteren mit 80 Leimruten überführen. Aber auch die Wilderei mit der Flinte ist auf der Iberischen Halbinsel weit verbreitet, was unsere Teams tagtäglich miterleben müssen. Mit dem Gesetz nehmen es viele Jäger leider nicht ganz so genau. Bei Valencia hat ein Komitee-Team diesen angeschossenen Wiedehopf gefunden - sein rechter Flügel war zerschossen, einige Schrotkugeln hatten auch den Körper getroffen. Leider starb er, bevor wir ihn zum Tierarzt bringen konnten. Von dem Täter fehlt jede Spur.

30.10.2020, Zypern

Auf Zypern kündigt sich der Winter an - die Grasmücken sind inzwischen nach Afrika abgezogen, Leimruten werden nun zusehends seltener. Stattdessen setzen die Wilderer jetzt auf Netze, die sie illegal für überwinternde Drosseln aufstellen. Einen solchen ersten Fall von Winterfang hatte ein Komitee-Team letzte Nacht unweit der Stadt Aradippou, wo sie eine Lockanlage mit lautem Singdrosselgesang zu einer Fangstelle mit einem großen Fangnetz führte. Die Jagdaufsicht war schnell zur Stelle und konnte den Täter überführen - er wird 4.000 € Strafe zahlen müssen! Drei frisch gefangene Singdrosseln konnten von den Komitee-Mitgliedern freigelassen werden.

28.10.2020, Brescia (Italien)

Alpenbraunellen-Wilderei, illegale Fangnetze, Singvogelschießer - beim Vogelschutzcamp des Komitees gegen den Vogelmord im norditalienischen Brescia ist immer noch viel zu tun! In den letzten Tagen haben wir in den Südalpen zwischen Gardasee und Iseosee sechs weitere Wilderer überführen können. Zwei hatten Fangnetz aufgestellt, und drei Männer wurden bei der illegalen Singvogeljagd erwischt - sie hatten entweder auf geschützte Arten geschossen bzw. verbotene elektronische Lockgeräte in Benutzung. Einen besonders ungewöhnlichen Fall hatten wir unweit der Stadt Gardone, wo wir einen Jäger mit Alpenbraunellen als Lockvögel ertappt haben. Um sie legal aussehen zu lassen, waren sie mit gefälschten Zuchtringen versehen (Foto). Offenbar hatte der Jäger sich auf den Abschuss dieser seltenen Art spezialisiert.

27.10.2020, Valencia (Spanien)

Einsatz in Spanien trotz Corona-Beschränkungen erfolgreich: In den letzten Tagen haben wir zwischen Valencia und Vinaros im Osten Spaniens insgesamt 12 Wilderer erwischt und ihre Fanganlagen stillgelegt. Sieben Täter hatten riesige Schlagnetze montiert, einer vier Stellnetze. Zwei Dutzend Lockvögel konnten beschlagnahmt werden. Weitere vier Wilderer hatten ihre schon seit langem verbotenen „Parany“ (traditionelle Leimruten-Fanganlage) wieder in Betreib genommen – bei ihnen wurden insgesamt 280 Leimruten sichergestellt. Die mit Netzen und Ruten gefangenen Drosseln, Rotkehlchen und Grasmücken werden in der Regel gegessen, manche Finken - vor allem Hänflinge und Stieglitze - landen als Käfigvögel in den Wohnzimmern vermeintlicher „Vogelliebhaber“. Die meisten Wilderer in Spanien sind vor allem im Dunkeln aktiv, unsere Arbeit wird deswegen durch die nächtliche Ausgangssperre im Rahmen der COVID-19-Pandemie etwas erschwert. Dennoch sind wir mit dem bisherigen Ergebnis des Vogelschutzcamps zufrieden - vor allem die Kooperation mit der Umwelteinheit der Guardia Civil und den regionalen Naturschutzbehörden war erfreulich.

25.10.2020, Libanon

Kranichmassaker im Libanon: Aktuell gibt es im östlichen Mittelmeerraum einen ungewöhnlich starken Durchzug europäischer Kraniche. Bereits gestern Nachmittag erreichten uns erste Informationen über eine völlig ausgeuferten Jagd auf die streng geschützten Zugvögel unweit der Stadt Tyros im Süden des Libanon. Jäger hatten hier an einer Flussmündung die Vögel unter Beschuss genommen - Augenzeugen berichten von einem wahren Massaker. Im Laufe des Abends und letzte Nacht haben Jäger auf den sozialen Medien nach und nach dutzende erschreckende Bilder von der gestrigen Kranichjagd veröffentlicht - so wie in Tyros hat es offenbar an vielen Stellen im Libanon ausgesehen. Das Ausmaß ist überhaupt nicht abschätzbar, die Bilder legen nahe, dass binnen weniger Stunden viele hundert Kraniche illegal getötet wurden. Dazu kommen Berichte von angeschossenen Pelikanen aus dem ganzen Land. Von Kontrollen durch die Polizei ist nichts bekannt. Unsere libanesischen Partner von Society for the Protection of Nature in Lebanon und MESHC Anti-Poaching Unit sind dabei, auf Facebook und Instagram weitere Bilder und Videos zu sichern, um sie den Behörden zu übergeben. Wir hoffen sehr, dass mit dem nun von uns veröffentlichen Beweismaterial die Täter identifiziert und vor Gericht gebracht werden können.

24.10.2020, Zypern

3.000 Euro Geldstrafe für Vogelfänger auf Zypern: Auf der Mittelmeerinsel haben wir ganz aktuell zwei Wilderer überführt - einer hatte 21 Leimruten ausgelegt und muss lächerliche 200 € Strafe zahlen, der andere wurde mit 19 Leimruten erwischt und darf satte 3.000 €  berappen. Der Unterschied: Der glückliche Wilderer mit der "Vogelfanggebühr" wurde in der Republik Zypern ertappt, der mit der hohen Strafe auf dem Gebiet des britischen Truppenübungsplatzes am Cape Pyla. Während die Republik Zypern die Wilderei in keinster Weise als ernstzunehmendes Problem ansieht, haben die Briten nach einer Protestaktion des Komitees gegen den Vogelmord und der englischen RSPB die Strafen deutlich erhöht. Als Ergebnis ist der Vogelfang in dem riesigen Militärareal fast völlig verschwunden. Insgesamt haben wir bei den Aktionen in den letzten Tagen 286 Leimruten gefunden (fast alle in der Republik Zypern) und 6 Vögel befreien können, darunter auch den Sprosser auf dem Foto.

22.10.2020, Brescia

Jetzt ist es doch passiert – unsere Hoffnung auf das erste Jahr ohne Bogenfallen in Italien hat sich zerschlagen: Am Westufer des Gardasees (Provinz Brescia) hat ein Team des Komitees gegen den Vogelmord 41 der verbotenen Rotkehlchenfallen gefunden. Die von uns informierte lokale Polizei konnte den Täter auf frischer Tat überführen. Kurze Zeit später wurde auch im Val Trompia nach unserem Hinweis ein Mann mit Bogenfallen erwischt, er hatte 12 Stück davon in seinem Garten aufgestellt. Trotzdem ist das ein Riesenerfolg, denn bis vor wenigen Jahren haben wir noch Tausende der brutalen Vogelfallen in den Bergen Brescias gefunden! Aber auch ansonsten waren wir schwer beschäftigt: In den letzten Tagen konnten wir weitere acht Wilderer schnappen – fünf Vogelfänger mit Netzen und drei Jäger, die geschützte Vögel abgeschossen hatten.

21.10.2020, Malta

Malta erlaubt den Vogelfang und verhöhnt damit die Europäische Kommission: Seit gestern dürfen auf der Mittelmeerinsel wieder europaweit geschützte Finken mit Schlagnetzen gefangen werden. Um die EU-Vogelschutzrichtlinie zu umgehen, bedient sich die Regierung in Valletta eines dreisten Tricks: Die gefangenen Vögel sollen umgehend wieder freigelassen werden und nicht - wie üblich und seit Generationen "Tradition" - als Käfigvögel eingesperrt oder an gut zahlende Vogelsammler verscherbelt werden. Eine Kontrolle dieser absurden Regelung ist nicht in Sicht und schon jetzt ist absehbar, dass sich viele Fänger nicht an die Gesetze halten. So hat das Komitee gegen den Vogelmord bei einer Befliegung mit einem Kleinflugzeug festgestellt, dass bei 69 Fanganlagen bereits vor dem Start der Saison die Netze ausgelegt waren. Gleichzeitig drohen 16 Strafverfahren gegen bereits überführte Vogelfänger zu verjähren, weil die Justiz die Fälle immer wieder verschleppt. Unser Vogelschutzcamp auf Malta startet in diesen Tagen - Ziel wird es vor allem sein, die Einhaltung der neuen Regelungen zu überwachen und etwaige Belege für Verstöße zu sammeln und für Brüssel zu dokumentieren.

20.10.2020, Spanien

Vogelschutzcamp in Spanien: In der ostspanischen Region Valencia haben wir unseren diesjährigen Herbsteinsatz erfolgreich gestartet – innerhalb weniger Tage konnten wir fünf Wilderer überführen! Zwei der Männer hatten Schlagnetze zum Singvogelfang in Verwendung, einer ein Stellnetz und der vierte hatte in einer alten Leimruten-Fanganlage eine illegale Elsternfalle aufgestellt. Ein weiterer Täter war mit einem verbotenen elektronischen Lockgerät bei der Vogeljagd erwischt worden. Drei Hänflinge und eine Elster konnten freigelassen werden. Da Spanien sehr stark von der Pandemie betroffen ist, müssen wir von Woche zu Woche sehen, inwiefern wir unseren Einsatz uneingeschränkt durchführen können. Wir hoffen, bis zum Ende der Fangsaison im November vor Ort bleiben zu können.

17.10.2020, Cyprus

Grasmücken-Jagd auf Zypern: Die Verwendung verbotener Leimruten und Netze ist aufgrund unserer Arbeit auf Zypern in den letzten 10 Jahren zurückgegangen. Dafür gehen nun mehr und mehr der ehemaligen Vogelfänger mit ganz regulärer Jagdlizenz auf die Vogelpirsch und schießen dabei die streng geschützten Arten, die sie früher gefangen haben. Im Fokus stehen dabei vor allem Mönchsgrasmücken (Foto) die eine begehrte Delikatesse sind. Die Teams des Komitees gegen den Vogelmord, die seit Anfang September auf der Mittelmeerinsel eingesetzt sind, beobachten tagtäglich Jäger, die sich mit illegalen elektronischen Lockanlagen mit Grasmückengesängen auf die Lauer legen, um die Zugvögel zu schießen. Obwohl diese Jagd für jeden offen sichtbar ist, sind die Behörden kaum bereit einzuschreiten. Trotzdem konnten wir zusammen mit der Jagdaufsicht inzwischen 18 Jäger bei der Grasmückenjagd überführen - dazu kommen 5 Vogelfänger, die Fallen verwendet hatte. 1.098 Leimruten und 12 Netze wurden sichergestellt.


16.10.2020, Brescia

Tannenmeisen-Fänger ertappt: Im oberen Valcamonica (Provinz Brescia/Italien) hat ein Komitee-Team einen Mann dabei erwischt, wie er in seinem Garten eine Lebendfalle zum Fang von Tannenmeisen aufgestellt hat. Er wollte die Tiere offenbar als Käfigvögel halten - eine verbreitete "Tradition" in dem Alpental. Ein Lockvogel wurde von der Polizei sichergestellt (Foto). In zwei anderen Fällen konnten die Behörden ebenfalls die Wilderer überführen: Einer hatte ein Netz am Iseosee aufgestellt, ein anderer 20 Schlagfallen im Gebirge nördlich von Brescia. Damit haben wir seit dem Start des Vogelschutzcamps Anfang Oktober 11 Wilderer geschnappt, 9 Netze und 52 Vogelfallen wurden beschlagnahmt. Zwei Dutzend von der Polizei bei Wilderern und Jägern einkassierte lebende Lockvögel haben wir in unsere Wildtierauffangstation nach Modena eingeliefert.


15.10.2020, Libanon

Der Vogelmord im Libanon geht weiter: Der Greifvogelzug im östlichen Mittelmeerraum dauert an – Schrei- und Schlangenadler ziehen aktuell nach Süden, ebenso wie viele Kurzfangsperber. Unsere Kollegen von SPNL und MESHC sind mit Finanzierung durch das Komitee gegen den Vogelmord regelmäßig in den Brennpunkten der Wilderei östlich von Beirut im Einsatz, um vor Ort Präsenz zu zeigen und möglichst Täter zu überführen. 

Bei der letzten Kontrolle in Eghbe hat einer unserer Jagdaufseher eine frisch geschossene Wiesenweihe gefunden (siehe Foto) – der diesjährige Jungvogel war auf seiner ersten Reise nach Afrika! Der Täter konnte nicht zweifelsfrei ausfindig gemacht werden, ein in der unmittelbaren Nähe postierter Jäger wurde verwarnt. Wie immer beruhigt sich die Situation nach solchen Kontrollen, so dass hier keine weiteren Abschüsse geschützter Vögel mehr beobachtet wurden.

13.10.2020, Zypern

Leimruten sind das absolute Gegenteil einer selektiven Fangmethode - auf ihnen klebt schlicht alles fest, was versehentlich vorbeikommt. So enden nicht nur Vögel auf den verbotenen Fallen, sondern auch zahlreiche Reptilien, die im Gebüsch nach Beute suchen. In den letzten Tagen haben die Teams des Komitees gegen den Vogelmord auf Zypern wieder solche Fälle von "Beifang" gehabt - darunter ein junges Chamäleon und eine Troodos-Eidechse (eine auf Zypern endemische Art). Wir konnten die beiden Tiere mit viel Mühe reinigen und wieder freilassen. Seit dem Start des Vogelschutzcamps vor fünf Wochen haben wir bereits 1.029 Leimruten eingesammelt!

12.10.2020, Brescia

Update vom Vogelschutzcamp in Norditalien: In den letzten Tagen konnten die fünf derzeit in der Provinz Brescia eingesetzten Teams des Komitees gegen den Vogelmord weitere vier Wilderer Überführen. Einer hatte am Iseosee 12 Schlagfallen aufgestellt und damit Rotkehlchen gefangen (Foto), einer hatte nördlich von Brescia drei Netze aufgespannt und zwei der Täter hatten illegal auf geschützte Singvögel geschossen - unter anderem Laubsänger, Finken und Misteldrosseln. Damit haben wir in der ersten von insgesamt vier Einsatzwochen acht Wilderer überführt - ungewöhnlich wenig für die Hauptzugzeit!

10.10.2020, Brescia

Auf der Suche nach der letzten Bogenfalle: Die Provinz Brescia in Norditalien ist die letzte Stelle der Welt, an der bis heute Bogenfallen verwendet werden. Die Falle wird zum Fang von Rotkehlchen eingesetzt, selten geraten Zaunkönige hinein. Sie ist besonders brutal - den Tieren werden bei lebendigem Leib die Beine zerschlagen, sie hängen tödlich verletzt stundenlang kopfüber in dem Fanggerät, bis sie endlich sterben. Seit 1985 arbeitet das Komitee gegen den Vogelmord in den Bergen Brescias gegen diese grausame "Tradition" - in manchen Jahren (z.B. 2001) haben wir über 10.000 Bogenfallen eingesammelt. 2012 waren es das erste Mal weniger als 1.000 Stück, letztes Jahr nur noch 224. Während des jetzt laufenden Vogelschutzcamps in Brescia haben wir innerhalb der ersten Einsatzwoche KEINE EINZIGE Bogenfalle finden können. Es ist zwar noch zu früh, sich über das Aussterben der Bogenfallen zu freuen (unser Einsatz läuft noch bis November), aber es dauert nicht mehr lange, bis wir wirklich die letzte gefunden haben!

08.10.2020, Zypern

Weidensperlings-Massaker auf Zypern: Die Jagd auf Zypern ist scheinbar völlig außer Kontrolle geraten. Nachdem wir erst letzte Woche einen ganzen Zugvogelfriedhof mit hunderten toten Bienenfressern gefunden hatten, hat ein Team des Komitees gegen den Vogelmord nun eine komplett ausgeartete Jagd auf Sperlinge dokumentiert. Jäger hatten im Bereich der Dörfer Mazotos und Ayios Theodoros in kurzer Zeit über 100 streng geschützte Weidensperlinge geschossen. Die Jagdaufseher erscheinen auf unseren Notruf, weigerten sich aber, die immer noch anwesenden Täter mit zwei Säcken voller toter Vögel zu kontrollieren - getreu dem Motto "Sind doch bloß Spatzen". Sie konnten in seelenruhig den Tatort verlassen. Unser Team übergab daraufhin der Polizeiwache in Kofinou Beweismaterial zu dem Vorfall - hier hat man zumindest dafür gesorgt, dass die Jagdaufseher mehr Präsenz in der Gegend zeigen. Immerhin haben sie nun einen Jäger mit einem Beutel voller frisch geschossener Weidensperlinge und Bachstelzen erwisch und angezeigt. Dennoch zeigt der Fall deutlich, wie wenig ernst die Behörden auf Zypern die Wilderei nehmen.

07.10.2020, Malta

Wenige Tage vor Beginn der umstrittenen Fangsaison für Singvögel und Goldregenpfeifer haben unsere Teams auf Malta bereits die ersten beiden Fälle von Wilderei während der Schonzeit aufgedeckt. In einem Tal bei Birzebbugia konnten unsere Teams am Wochenende einen Mann beim Fang von Kernbeißern mit einem 20 Meter langen Klappnetz filmen. Dank unseres Videomaterials konnte der Wilderer von der Polizei schnell identifiziert werden. Netze und mehrere lebende Lockvögel wurden sichergestellt. Am Montag wurde ein weiterer Fänger bei Zurrieq aus großer Entfernung mit acht lebenden Kernbeißern und Erlenzeisigen gefilmt. Leider kam die Polizei hier zu spät, so dass der Mann mit seiner Beute entkommen konnte. Die Ermittlungen dauern noch an. Die Teams des Komitees sind noch bis Ende des Monats auf Malta, um die illegale Zugvogeljagd zu dokumentieren und den Wilderern das Handwerk zu legen.

06.10.2020, Dienstag

Drei Vogelfänger in drei Tagen geschnappt! Das große Vogelschutzcamp des Komitees gegen den Vogelmord im norditalienischen Brescia hat grade erst vor drei Tagen begonnen und schon haben unsere Teams fünf aktive Fangstellen gefunden. Nach unseren Hinweisen konnten die Behörden bereits drei Wilderern das Handwerk legen: Einer hatte ein Netz zum Fang von Drosseln aufgebaut (vermutlich um sie als lebende Lockvögel bei der Jagd zu verwenden), einer hatte Fangkäfige in Gebrauch (vermutlich zum Fang von Stubenvögeln) und der dritte hatte ein Dutzend Schlagfallen zum Fang von Rotkehlchen aufgestellt (sie gelten hier als lokale Spezialität). Unser Einsatz dauert noch bis zum Ende der Zugzeit im November.

05.10.2020, Zypern

Unsere Teams auf Zypern haben mal wieder eine tolle Nachtschicht hinter sich gebracht. Während einer Kontrolle von Fangstellen entlang der Waffenstillstandslinie zum türkisch besetzten Norden der Insel haben sie zwei riesige Fangnetze gefunden - dem laut laufenden Lockgerät mit Mönchsgrasmückengesang sei Dank. 22 frisch gefangene Vögel hingen in den Netzen - 19 Mönchsgrasmücken, 1 Zilpzalp sowie eine Schleiereule und eine Waldohreule. Leider waren die Behörden mal wieder nicht erreichbar, also haben wir die Fanggeräte selbst abgebaut. Dass wir oft keine Unterstützung haben, hat übrigens System: Die Jagdaufsicht arbeitet nachts nicht - allerdings sind fast alle Fangstellen nur nachts aktiv! Aber immerhin konnten wir diese große Stelle stilllegen und alle Vögel in die Freiheit entlassen.

03.10.2020, Zypern

Seit dem erschreckenden Fund des "Vogelfriedhofs" bei Larnaka (siehe 01.10.2020) haben Mitglieder des Komitees gegen den Vogelmord den Bereich regelmäßig kontrolliert und dabei erneut zwei Jäger bei der verbotenen Jagd auf Bienenfresser erwischt. Die von uns gerufenen Jagdaufseher konnten zwar keine geschossenen Vögel bei den Männern finden, einer erhielt allerdings einen Strafzettel in Höhe von 85 Euro für das Wegwerfen leerer Schrotpatronen. Seither ist an der Stelle immerhin Ruhe eingekehrt. Die gute Nachricht am Rande: Vor drei Tagen hatten wir zwischen all den Vogelkadavern einen noch lebenden Bienenfresser gefunden (Foto) und zu einem Tierarzt gebracht. Dort bestätigte man uns heute, dass er gute Chancen hat, die Schussverletzung zu überleben!

02.10.2020, Malta

Ortolan-Fänger überführt: Bei Zurrieq im Südwesten Maltas hat das Komitee in dieser Woche einen Wilderer beim Fang von europaweit bedrohten Ortolanen gefilmt. Zuvor hatten die Teilnehmer unseres Vogelschutzcamps den Fangplatz des Mannes entdeckt und mehrere Tage lang überwacht. Videomaterial, das den Vogelfänger auf frischer Tat, sein Gesicht und sein Autokennzeichen zeigt, wurde der Polizei übergeben. Ebenfalls in dieser Woche wurde bei Birzebbugia im Süden der Insel eine große Netzfanganlage für Wachteln auf dem Grundstück eines Jägers entdeckt und von der Polizei stillgelegt. Auch hier kam der entscheidennde Hinweis von unseren Aktivisten, die die Anlage am Vortag bei einer Suche entdeckt und fotografiert hatten. Dabei wurde neben dem Fangplatz auch ein frisch abgeschossener Turmfalke neben einer Jagdhütte gefunden.

01.10.2020, Zypern

Zugvogelfriedhof auf Zypern entdeckt: Teilnehmer des Komitee-Vogelschutzcamps haben an der Küste südlich von Larnaka hunderte tote Zugvögel gefunden. Neben vielen Dutzend Bienenfressern sind auch zahlreiche Rauschschwalben sowie jeweils ein Turmfalke, Wiedehopf, Nachtreiher und eine Blauracke zum Vorschein gekommen. Offensichtlich sind die geschützten Vögel - die zusammen mit Tausenden Schrotpatronen auf einem Areal bei Meneou verstreut liegen - von Wilderern als lebende Zielscheiben missbraucht worden. Die direkt von uns informierte Polizei hat sich geweigert, einen Streifenwagen zu schicken, bislang wurden keine Ermittlungen aufgenommen und niemand hat die Beweise gesichert. Das Komitee gegen den Vogelmord hat deswegen heute eine Pressemitteilung veröffentlicht und die Behörden zu einem sofortigen Einschreiten aufgefordert. Gleichzeitig kontrollieren unsere Teams das Gebiet jetzt intensiv, um weitere Abschüsse zu verhindern. Unsere Pressemeldung dazu finden Sie hier.

30.09.2020, Libanon

Nachdem in den Sozialen Medien in den letzten Tagen wiederholt Bilder illegal geschossener Vögel aus Akkar im Norden des Libanon aufgetaucht sind, haben die Teilnehmer unseres aktuell laufenden Vogelschutzcamps diese Region genauer unter die Lupe genommen. In einem Jagdgebiet unweit der Stadt wurden viele tote Greifvögel gefunden, darunter Wespenbussarde, Turmfalken und Kurzfangsperber. Bei einem Treffen mit der Polizei und lokalen Behördenvertretern wurde uns zudem eine angeschossene Rohrweihe übergeben, die wir in ein Wildvogelauffangzentrum eingeliefert haben. Bei einem weiteren Einsatz konnte ein Team unserer Partnerverbände SPNL und MESHC zusammen mit der Polizei zwei Fangstellen für Singvögel bei Barja und Jadra stilllegen – Netze und elektronische Lockgeräte wurden hier sichergestellt. Durch unsere Kontrollen rund um Barja hat sich die Situation in diesem ehemaligen Wilderei-Brennpunkt deutlich entspannt! Danke an unsere Libanesen für die tolle Aktion!

29.09.2020, Zypern

Ein Team des Komitees gegen den Vogelmord hat im Famagusta-District im Südosten Zyperns eine Fangstelle mit zwei riesigen Netzen gefunden. Ein lautes Lockgerät mit Grasmückengesang hat sie zu der gut versteckten Stelle mitten in einem Akazienhain geführt, wo sie insgesamt 26 Mönchsgrasmücken und 2 Bienenfresser in den illegalen Netzen fanden. Die Behörden waren für einen Einsatz nicht verfügbar, deswegen haben unsere Mitglieder die Anlage kurzerhand selbst stillgelegt und alle 28 Vögel unversehrt befreit! Der Wilderer konnte so zwar nicht überführt werden, aber wir kennen nun die Stelle und werden sie in den nächsten Wochen nicht aus den Augen lassen. 

Während der ersten drei Wochen unseres Vogelschutzcamps auf Zypern haben wir damit 4 Netze und 819 Leimruten gefunden und abgebaut, 14 Vogelfänger und Wilderer wurden aufgrund unserer Hinweise von der Jagdaufsicht überführt.

 

27.09.2020, Malta

Komitee-Team erwischt Kind bei der Vogeljagd. Bei Birzebugia im Süden Maltas hat ein Team des Komitees gegen den Vogelmord einen bestenfalls 12jährigen Jungen bei der Zugvogeljagd gefilmt. Was zunächst wie ein "Dummer-Jungen-Streich" aussieht, stellt sich als handfester Fall einer Straftat nach dem Waffenrecht heraus, denn ein Erwachsener war dabei, hat dem Kind die Waffe gegeben und das Laden mit Munition überwacht. Wir haben das ausgezeichnete Videomaterial an die Polizei gegeben, gegen den 62jährigen Erwachsenen wurde ein Ermittlungsverfahren wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz eingeleitet.

26.09.2020, Malta

Nachtreiher-Abschuss auf Malta: Gestern Abend hat ein Team des Komitees gegen den Vogelmord einen angeschossenen Nachtreiher gefunden. Der Vogel hat eine Schusswunde im linken Flügel und saß flugunfähig auf einem Fußweg unweit des maltesischen Flughafens. In der gleichen Gegend hatten wir in den Tagen zuvor bereits mehr als ein Dutzend Abschüsse geschützter und bedrohter Vogelarten dokumentiert. Der Nachreiher wurde in einer Vogelauffangstation eingeliefert - vielleicht hat er Glück und kann nach der Behandlung seinen Weg nach Süden fortsetzen.

Nachtreiher gehören zu den schönsten Vögeln Europas und sind deswegen - ausgestopft - bei Vogelsammlern auf Malta hochbegehrt.

25.09.2020, Malta

Update aus Malta: Die Teams des Komitees gegen den Vogelmord haben in den letzten zwei Tagen weitere Abschüsse geschützter Arten auf Malta dokumentiert - neben mehreren Wespenbussarden wurde auch eine hochgradig gefährdete Blauracke getötet. Die Vögel landen ausgestopft in den Vitrinen fanatischer Jäger und Tiersammler. Aufgrund der offenbar (mal wieder) außer Kontrolle geratenen Jagdsaison haben wir die Regierung in Valletta aufgefordert, für bestimmte Regionen ein Jagdverbot zu verhängen und dort für einen dauerhafte Polizeipräsenz zu sorgen. Betroffen sind vor allem die Bereiche westlich des internationalen Flughafens, die sich zu einem Massengrab für Zugvögel entwickeln. Um unserer Forderung Nachdruck zu verleihen, haben wir heute erneut ein Video mit illegalen Abschüssen aus diesem Gebiet veröffentlicht:

https://www.youtube.com/watch?v=wPAuL0YpPjI&feature=youtu.be

24.09.2020, Zypern

Zypern: Angriff auf ehrenamtliche Komitee-Mitarbeiter. Gestern morgen wurden zwei Teilnehmer des Komitee-Vogelschutzcamps unweit der Stadt Agia Napa/Zypern von bewaffneten Wilderern angegriffen. Die beiden Täter hatten illegale Leimruten auf Büschen rund um ihren Jagdansitz postiert und mit einer elektronischen Lockanlage versehen. Als sich unsere Mitglieder - ein junger Mann und eine junge Frau - an die Fangstelle anschleichen wollten, um die Situation für einen Einsatz der Jagdaufseher auzukundschaften, überraschten sie die Jäger, die ohne jede Vorwarnung angriffen. Sie stießen beide Vogelschützer zu Boden, drohten sie umzubringen, würgten den jungen Mann und zerstörten sein Mobiltelefon. Bevor die Jagdaufseher eintrafen, flüchteten die Täter. Dem brutalen Überfall vorausgegangen war ein von der zypriotischen Jägerschaft lancierter Zeitungsartikel, in dem das Komitee gegen den Vogelmord verunglimpft und ausländerfeindliche Stimmung gegen uns geschürt wurde. Wir haben Anzeige gegen die Angreifer erstattet, die Leimruten wurden eingesammelt. Unsere beiden Mitglieder sind mit blauen Flecken und einem gehörigen Schrecken davongekommen.

24.09.2020, Malta

Wespenbussard-Abschüsse auf Malta: In den letzten Tagen haben die Teilnehmer des derzeit laufenden Vogelschutzcamps des Komitees gegen den Vogelmord auf Malta eine ganze Reihe schwerer Verstöße gegen Jagd- und Naturschutzvorschriften dokumentiert. Gleich an mehreren Rastplätzen rund um den Internationalen Flughafen wurde auf streng geschützte Wespenbussarde geschossen, insgesamt wurden dabei mindestens sechs der gefährdeten Zugvögel getötet. An verschiedenen Stellen wurden zudem Jäger beobachtet, die illegal Schalldämpfer auf ihren Waffen montiert hatten, in jagdfreien Schutzgebieten auf der Pirsch waren oder außerhalb der regulären Jagdzeit auf Vögel schossen. Mindestens zwei Täter wurden bereits überführt - gegen weitere ermittelt die Polizei, nachdem wir Videos als Beweismaterial an die Behörden übergeben konnten.

Unsere aktuelle Pressemeldung dazu finden Sie hier.

Ein Video mit einem der Wespenbussard-Abschüsse haben wir auf Youtube hochgeladen.

23.09.2020, Brescia

Wilderer Nr. 5 in Brescia schnappt: Auch wenn unser Sommereinsatz in den Bergen des norditalienischen Brecias inzwischen abgeschlossen ist, konnten die Carabinieri noch einen weiteren Vogelfänger aufgrund unserer Hinweise Überführen. Wir hatten seine Fangstelle unweit des Iseosees schon vor 2 Wochen gemeldet, aber der Täter war mehrere Tage nicht wieder aufgetaucht, so dass die Beamten sich erst nach einer Weile wieder auf die Lauer gelegt haben. Nun wurde der Mann mit einem Dutzend Schlagfallen für Trauerschnäpper und Gartenrotschwänze erwischt. Es ist Wilderer Nr. 5 unserer Augustaktion. Die beiden Bilder stammen aus diesem Sommer und aus Brescia, aber nicht vom aktuellen Fall.

21.09.2020, Libanon

Und wieder ein Greifvogelmassaker im Libanon: Das gemeinsame Vogelschutzcamp von SPNL, MESHC und Komitee gegen den Vogelmord hat erst vorgestern begonnen und schon haben wir im Libanongebirge eine schreckliche Entdeckung gemacht: Bei Eghbe im Keserwan District hat eines unserer Teams 16 geschossene Greifvögel geborgen - neben Wespenbussarden auch einen Schreiadler und eine Rohrweihe (siehe Fotos). Einem Teil der Vögel war das Brustfleisch entnommen - es gilt als Delikatesse. Andere Tiere waren offenbar einfach nur aus reinem „Jagdvergnügen“ getötet und achtlos liegengelassen worden. Die Polizei ist wegen der Unruhen im Land und der durch die Explosion weiterhin unübersichtlichen Lage in Beirut kaum in der Lage, unsere Teams zu unterstützen. Trotzdem werden unsere libanesischen Kolleginnen und Kollegen, die aktuell in diesem Brennpunkt der Wilderei eingesetzt sind, in den nächsten Tagen alles versuchen, um weitere Abschüsse zu verhindern.

20.09.2020, Zypern

Brutaler Vogelfang mit Leimruten: Die Verwendung von Leim zum Fang von Wildvögeln ist eine besonders perfide Methode. Der Klebstoff wird auf waagerecht postierten Ästen gestrichen - perfekte Sitzwarten für Vögel. Die Tiere, vom Zug geschwächt, landen auf den einladenden Zweigen und kleben augenblicklich mit den Füßen fest. Sie kippen vornüber und geraten als nächsten mit Flügeln und dem Schwanz auf dem Leim, bis sie am Ende komplett festkleben. Bei unserem Vogelschutzcamp auf Zypern haben wir jeden Tag mit solchen Funden zu tun - wenn wir die Tiere früh genug finden, können wir sie immerhin meist unverletzt befreien. Wenn die Vögel schon Stunden in der mediterranen Herbstsonne hängen, haben sie aber kaum eine Chance zu überleben.

Seit Beginn unseres Einsatzes vor zwei Wochen haben wir bereits 642 der brutalen Leimruten unschädlich gemacht und 10 Wilderer überführt. Die Mönchsgrasmücke auf dem Foto konnten wir mit viel Mühe und Geduld reinigen und nach einer Nacht bei uns im Hotel wieder freilassen.

19.09.2020, Libanon

International koordinierte Rettungsaktion für einen Schmutzgeier im Libanon: Die vom Komitee gegen den Vogelmord ausgebildeten und mitfinanzierten Wildereiexperten unserer libanesischen Partnerverbände SPNL und MESHC konnten zusammen mit der Polizei einen angeschossenen Schmutzgeier bergen. Biologen eines Naturschutzprojektes in Bulgarien hatten festgestellt, dass sich der von ihnen mit einem GPS-Sender ausgestattete und per Satellit überwachte Zugvogel unweit der Stadt Douar nicht mehr bewegte. Unsere Kollegen vor Ort konnten das Tier dank der GPS-Daten schnell orten und bergen - ein Tierarzt stellte 13 Schrotkugeln in dem Vogel fest, ein Flügel und ein Bein sind gebrochen. Der Geier ist operiert worden und wird nun in einer Auffangstation gepflegt.

Heute beginnt auch unser Komitee-Vogelschutzcamp im Libanon - ab sofort sind unsere Mitglieder wieder in den Brennpunkten der Wilderei östlich von Beirut im Einsatz!

17.09.2020, Zypern

Eimer voller toter Singvögel
Eimer voller toter Singvögel

Gestern Vormittag wäre uns beinahe ein ganz dicker „Fang“ geglückt: Nicht weit entfernt von Larnaka im Südosten Zyperns hat ein Team des Komitees gegen den Vogelmord bei der Kontrolle einer seit langem bekannten Fangstelle zwei große Stellnetze gefunden, die mit elektronischen Lockanlagen bestückt waren. In den Netzen zappelten Dutzende Vögel. Der Wilderer – ein bekannter Krimineller – konnte mit seinem Fahrzeug vor den Beamten der von uns gerufenen Jagdaufsicht fliehen. Er hatte bereits 57 Singvögel getötet, ein Eimer voller Grasmücken! Dennoch gelang es uns, 52 Tiere aus den Netzen zu retten. Neben Grasmücken hatte er auch verschiedene Würger und Rohrsänger gefangen. Wir werden die Stelle nun verstärkt unter Kontrolle behalten und versuchen, den Wilderer doch noch zu überführen!

16.09.2020, Frankreich

Frankreich stellt Turteltaube unter Schutz! Paris scheint eine 180 Grad-Wende in der Jagdpolitik zu vollziehen: Nachdem erst vor zwei Wochen die Verwendung von Leimruten zum Vogelfang verboten wurde, hat das Oberste Verwaltungsgericht nun auch die Turteltaubenjagd komplett gestoppt. Bei dem Zugvogel wurden in den letzten Jahrzehnten dramatische Bestandseinbrüche beobachtet - nicht zuletzt aufgrund der völlig ausufernden Jagd in Frankreich und Italien. Das Komitee gegen den Vogelmord und seine Partner haben in den letzten Jahren mit Kampagnen und Aktionen insbesondere auf die dramatische Situation bei der Turteltaube aufmerksam gemacht - erst in diesem Frühjahr haben wir bei der EU-Kommission eine Beschwerde gegen Frankreich eingereicht. Brüssel hat nun das Heft in die Hand genommen und macht erheblichen Druck auf die Länder, in denen gefährdete Vogelarten bis heute in Massen geschossen werden dürfen. Man kann diesen Erfolg gar nicht hoch genug bewerten, denn Frankreich gehörte bislang zu den großen "Jagdnationen", die jeden Fortschritt im Zugvogelschutz blockiert haben. Ähnliche Einschränkungen wie bei der Turteltaube erwarten wir jetzt auch für Arten wie den Großen Brachvogel und die Feldlerche.

14.09.2020, Libanon

Mit dem Beginn des Vogelzuges erreichen uns auch wieder die ersten Beweise für die schrecklichen Massaker, die libanesische Wilderer unter unseren europäischen Zugvögeln anrichten.  Diese Aufnahme von letzter Woche zeigt eine Gruppe Männer, die stolz mit über 500 frisch geschossenen Zugvögeln für ein „Selfie“ posieren. Bei der Beute handelt es sich fast ausschließlich um auch im Libanon streng geschützte Arten wie Schwalben, Pirole, Steinschmätzer, Bienenfresser, Wendehälse und Neuntöter.  Das Foto entstand nach unseren Recherchen im Norden des Landes und wurde letzten Freitag auf der Plattform Instagram hochgeladen. Die Anti-Wilderer-Einheit der Polizei wurde informiert. Gleichzeitig laufen die Vorbereitungen für den vom Komitee finanzierten Vogelschutz-Einsatz im Libanongebirge, der nächste Woche beginnt. Bis Ende des Monats werden die von uns seit 2017 trainierten „Bird Guards“ unseres Partnerverbandes SPNL wichtige Zugkorridore überwachen und gemeinsam mit den Behörden gegen Wilderer vorgehen.

11.09.2020, Zypern

Sichergestelltes Lockgerät
Sichergestelltes Lockgerät

Grasmückenjäger auf frischer Tat ertappt: Nicht weit entfernt von Larnaka (Zypern) hat ein Team des Komitees gegen den Vogelmord einen illegalen Vogeljäger entdeckt. Der Mann hatte sich in einem Gebüsch versteckt und eine elektronische Lockanlage in Betrieb (das Foto zeigt das sichergestellte Gerät). Mit dem lauten Mönchsgrasmückengesang vom Band hat er nicht nur die Vögel angelockt, sondern auch unsere Mitglieder, die sofort die Jagdaufsicht verständigten. Die Beamten haben den Täter überführt, die Strafe beträgt leider nur 500 €. Bei so geringen Summen müssen wir uns nicht wundern, dass die illegale Singvogeljagd auf Zypern immer mehr zunimmt ...

08.09.2020, Brescia (Italien)

Geschossene Trauerschnäpper
Geschossene Trauerschnäpper

Erfolgreicher Sommereinsatz in Brescia: In den Bergen Norditaliens waren in den letzten zwei Wochen insgesamt fünf Teams des Komitees gegen den Vogelmord im Einsatz. Die Vogelschützer aus Italien und Deutschland haben in der Bergregion zwischen Iseosee und Gardasee insgesamt ein Dutzend aktiver oder präparierter Fangstellen für Singvögel gefunden. So zeitig im September stellen die Wilderer vor allem den früh ziehenden Trauerschnäppern nach, aber auch Gartenrotschwänze und Baumpieper stehen auf dem saisonalen "Speiseplan". In Kooperation mit den Carabinieri konnten vier Täter erwischt werden. Ein Vogelfänger hatte Schlagfallen für Schnäpper aufgestellt, drei Jäger waren mit der Flinte und elektronischen Lockanlagen mit Pieper- und Schnäppergesang illegal auf der Pirsch. Im Vergleich zu den Vorjahren scheint die Aktivität der Wilderer nachzulassen.

06.09.2020, Zypern

Zwergschnäpper auf Leimrute
Zwergschnäpper auf Leimrute

Zwergschnäpper gerettet: Einem Team des Komitees gegen den Vogelmord ist ein besonderer Fund gelungen. Auf einer Leimrute unweit der südzyprischen Stadt Agia Napa haben sie einen Zwergschnäpper entdeckt. Der seltenen Zugvogel aus Osteuropa ist bislang erst 10 Mal auf Zypern beobachtet worden - Nummer 11 wäre beinahe in der Pfanne gelandet - zusammen mit einer Nachtigall, die ebenfalls auf einer der illegalen Fallen gefangen war. Beide Tiere konnten freigelassen werden, der Täter wurde von der Jagdaufsicht überführt. Unser Vogelschutzcamp auf Zypern läuft seit einer Woche, bislang konnten wir drei Vogelfänger und einen Jäger überführen, 279 Leimruten wurden sichergestellt, ebenso wie sechs elektronische Lockanlagen. Der Einsatz ist mit 12 Wochen der längste dieses Herbstes und endet im November!

02.09.2020 Kalabrien (Italien)

Bei den Garsmückenjägern sichergestellte Waffen, Munition und Lockanlagen
Bei den Garsmückenjägern sichergestellte Waffen, Munition und Lockanlagen

Erster Sommereinsatz des Komitees gegen den Vogelmord in Süditalien abgeschlossen: In Kalabrien gibt es eine Tradition, bei der mit der Flinte Jagd auf Gartengrasmücken gemacht wird. Die Vögel sammeln sich dort, um sich vor dem Flug über Mittelmeer und Sahara an den dann reifen Feigen zu stärken. Wilderer legen sich mit Schusswaffen an den Feigenbäumen auf die Lauer und schießen die Kleinvögel aus nächster Nähe. Wir hatten bislang nur Gerüchte zu dieser Form der Wilderei gehört und uns in diesem August erstmals ein Bild vor Ort gemacht. Zusammen mit den Carabinieri-Forestale konnten wir zwei Täter mit insgesamt 26 geschossenen Vögeln überführen. Flinten und elektronische Lockanlagen wurden sichergestellt. In den nächsten Jahren wollen wir hier regelmäßig im Spätsommer eine Aktion durchführen.

28.08.2020, Frankreich

In Frankreich mit Leimrute gefangene Singdrossel
In Frankreich mit Leimrute gefangene Singdrossel

Riesenerfolg in Frankreich: Macron-Regierung verbietet den Vogelfang mit Leimruten! In der Provence durften bis jetzt entgegen den Regeln der EU-Vogelschutzrichtlinie Drosseln mit Leimruten gefangen werden, um sie als lebende Lockvögel bei der Singvogeljagd verwenden zu können. Begründet wurde die Genehmigung mit "alten Jagdtraditionen". Rund 7.000 Fänger durften letztes Jahr 42.000 Wildvögel fangen. Nachdem die EU-Kommission massiv Druck gemacht hat, ist Frankreich gestern endlich eingeknickt und hat - zunächst für diesen Herbst - den Einsatz der brutalen Fallen untersagt. Es wird erwartet, dass die Leimruten auch in Zukunft nicht mehr genehmigt werden. Dem Verbot vorausgegangen ist eine Jahrzehnte lange Kampagne des französischen Vogelschutzverbandes LPO und des Komitees gegen den Vogelmord. Komiteemitarbeiter haben vor Ort Fangstellen kontrolliert und Daten über die Missstände erhoben, mit denen am Ende die Behörden und Politiker überzeugt werden konnten. Ein schöner Erfolg für unsere Kampagne.

26.08.2020, Malta

Illegale Fangstelle für Watvögel auf Malta
Illegale Fangstelle für Watvögel auf Malta

Illegaler Fang von Wasservögeln auf Malta: Das Komitee gegen den Vogelmord hat Anfang dieser Woche acht schwere Fälle von Wilderei bei der maltesischen Polizei zur Anzeige gebracht. Dabei geht es um acht riesige Fanganlagen für Brachvögel, Regenpfeifer und andere früh durchziehende Watvögel, die an extra für den Vogelfang angelegten Teichen mit riesigen Klappnetzen gefangen werden. Um die Anlagen zu finden, hatten Mitarbeiter des Komitees in der letzten Woche die Insel mit einem Kleinflugzeug überflogen und alle aktiven Fanganlagen fotografiert. Besonders traurig: Die Hälfte der von uns gemeldeten Fanganlagen wurden auch schon im Juli 2019, August 2018 und Juli 2017 illegal betrieben und mit den genauen GPS-Koordinaten an die Behörden gemeldet. Das Komitee gegen den Vogelmord wird mit seinen Teams in den nächsten Wochen auf Malta weiter nach illegalen Fangplätzen suchen und ab dem 1. September – dem Beginn der Jagdsaison – auch Fälle von illegalen Abschüssen dokumentieren und melden.

25.08.2020, Brescia (Italen)

Komitee-Mitarbeiter in den Bergen Brescias
Komitee-Mitarbeiter in den Bergen Brescias

Vogelschutzcamp in den Südalpen: In den Bergen der norditalienischen Provinz Brescia sind aktuell vier Teams des Komitees gegen den Vogelmord im Einsatz. In der Region werden jetzt im August früh ziehende Singvögel illegal mit Schlagfallen gefangen. Derzeit sind ein gutes Dutzend Fangstelle unter Beobachtung. Vor allem von den Berggipfeln aus lassen sich die Wilderer auf den tiefer gelegenen Almwiesen gut observieren. Das von uns erstellte Beweismaterial hilft den Behörden beim Überführen der Täter.

22.08.2020 - Start der großen Vogelschutzcamps

Komitee-Vogelschutzcamps starten: Der Vogelzug kommt langsam in Gang - Zeit für die Einsätze des Komitees gegen den Vogelmord. Den Auftakt machen heute die Sommeraktionen in den Bergen Norditaliens und an der Küste südlich von Neapel, wo Wilderer mit Schlagfallen und der Flinte auf die Pirsch nach früh ziehenden Singvögeln gehen. Weiter geht es Anfang September mit unserem großen Vogelschutzcamp auf Zypern (Arbeit gegen Leimruten und Netze für den Fang von Singvögeln) und dem Einsatz auf Malta (Schutz durchziehender Wat- und Greifvögel), bevor es zum Start des Herbstes mit den Aktionen im Libanon und in Norditalien weitergeht. Später im Jahr geht es auch noch nach Ostspanien, die italienische Insel Sardinien und erneut nach Malta. Wir drücken allen Teams die Daumen!