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Pressemeldung 23.05.2012

Vogel des Jahres: Junge Dohlen wurden in Mülltonne entsorgt
Strafanzeigen gegen Schornsteinfeger aus Mönchengladbach und Gevelsberg

Mönchengladbach/Schwelm. Der Bonner Verein Komitee gegen den Vogelmord hat heute das „Entsorgen“ lebender Dohlen-Jungvögel durch Schornsteinfeger angeprangert. In zwei voneinander unabhängigen Fällen sind in Mönchengladbach und im Ennepe-Ruhr Kreis in der letzten Woche Nester vom Vogel des Jahres 2012 bei Kaminarbeiten entfernt und samt Jungvögeln in die Mülltonne geworfen worden, so der Verband. In beiden Fällen wurde Strafanzeige wegen Tierquälerei und Verstoß gegen das Bundesnaturschutzgesetz gegen die verantwortlichen Kaminreiniger erstattet.

In Gevelsberg war es ein aufmerksamer Nachbar, der eine tote und drei noch lebende Jungvögel in einer Mülltonne auf dem Suinderholzer Weg entdeckte. Wie Recherchen des Komitees ergeben haben, wurden die Tiere und das Nest zwei Tage bei Kaminreinigungsarbeiten entfernt und – in Kenntnis der Tatsache, dass es sich um lebende Jungvögel handelte – von Mitarbeitern des Bezirksschornsteinfegers in der Mülltonne entsorgt. „Die Tiere wurden ohne Skrupel dem Hungertod ausgesetzt. Wir haben wegen Tierquälerei und Verstoß gegen das Bundesnaturschutzgesetz Strafanzeige erstattet.“, so Komitee-Geschäftsführer Alexander Heyd. Die drei noch lebenden Vögel wurden in die Wildvogelpflegestation Paasmühle gebracht, wo sie gereinigt, aufgepäppelt und später ausgewildert werden sollen.

Ihr lautes Piepen war auch die Rettung für drei junge Dohlen, die am Freitagabend in einer Biotonne in Mönchengladbach-Neuwerk entdeckt wurden. Die Tiere wurden in die Station der Greifvogelhilfe Mönchengladbach gebracht, wo sie nun versorgt und auf das Leben in Freiheit vorbereitet werden sollen. Auch in diesem Fall steht fest, dass das Nest samt Jungvögeln vom zuständigen Schornsteinfeger entfernt und in den Müll geschmissen wurden. Die Polizei Mönchengladbach hat nach einer Strafanzeige ein Ermittlungsverfahren gegen den Verantwortlichen eingeleitet.

Dohlen haben in Deutschland in den letzten Jahren bundesweit stark abgenommen und wurden deshalb vom Naturschutzbund Deutschland zum Vogel des Jahres 2012 erklärt. Als Höhlenbrüter und Kulturfolger nutzen sie für ihre Bruten gerne alte Gebäude und Kamine. Während der Brutzeit kommt es deshalb immer wieder vor, dass Nester bei Kaminreinigungsarbeiten zerstört werden. „Wir haben Verständnis dafür, dass die Kamine freigemacht werden müssen. Wer aber lebende Tieren in der Mülltonne entsorgt, muss mit Strafverfolgung rechnen“, so Heyd.

Damit Schornsteine, die noch in Betrieb sind, nicht durch Nistmaterial verstopfen, kann man vorbeugend Schutzgitter oder Abdeckungen anbringen und den Vögeln andernorts alternative Brutplätze anbieten. Dazu eignen sich spezielle Dohlen-Nistkästen, die gerne angenommen werden und in Baumärkten sowie im Internet bestellt werden können.

V.i.S.d.P/Rückfragen/Bildmaterial: Axel Hirschfeld,
Komitee gegen den Vogelmord, An der Ziegelei 8, 53127 Bonn,
Tel.: 0228/665521 oder 0179 480 3805, Email: presse@komitee.de,
Internet: www.komitee.de