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Vogelschutzcamp Zypern Frühling 2012
13.04. – 06.05.2012 - Abschlussbericht

1. Einleitung

Klappergrasmücke auf LeimruteKlappergrasmücke auf LeimruteDer Fang von Wildvögeln ist immer noch ein großes Problem auf Zypern. Bereits vor dem Beitritt zur Europäischen Union im Jahr 2004 gab es erste Versuche der Regierung, dem ausufernden Vogelfang Einhalt zu gebieten.
Der nach dem Jahr 2001 zu beobachtende Rückgang der Verwendung von Leimruten und Netzen zeigt, dass dies zunächst auch erfolgreich war. In den letzten Jahren hat die Wilderei aber in erheblichem Ausmaß zugenommen und inzwischen wieder einen Umfang wie vor dem EU-Beitritt erreicht. Nach Angaben von BirdLife Cyprus werden auf Zypern in jedem Jahr rund 3 Millionen Vögel illegal gefangen, der Umsatz auf dem Schwarzmarkt beträgt mehrere Millionen Euro. Die Regierung Zyperns geht davon aus, dass der Vogelfang die wichtigste Einnahmequelle des organisierten Verbrechens nach Drogenhandel und Prostitution ist.

Das Komitee gegen den Vogelmord, Friends of the Earth Zypern und die Stiftung Pro Artenvielfalt haben im Jahr 2009 begonnen, regelmäßige Aktionen gegen die Wilderei durchzuführen. In Ermangelung einer nennenswerten Unterstützung durch die Polizei haben die Teilnehmer der Einsätze die aufgefundenen Fanggeräte nur eingesammelt. Eine Kooperation mit den Behörden, wie z.B. in Italien, mit dem Ziel, die Wilderer in flagranti zu überführen und so eine Strafverfolgung zu ermöglichen, gab es bis zum Jahr 2012 nicht.

Während der Einsätze in den letzten Jahren waren Teilnehmer der Vogelschutz-camps nahezu täglich mit gewaltbereiten Wilderern und deren Helfern konfrontiert. Die Vogelfänger haben - mit Worten und Taten - unmissverständlich klargemacht, dass sie sich das Geschäft mit den gefangenen Vögeln weder von uns, noch von den Behörden verderben lassen. Um die Sicherheit der Teilnehmer zu erhöhen, haben wir nach dem Einsatz im Herbst 2011 die Behörden gebeten, unsere Teams von einer Polizei-Eskorte begleiten zu lassen.

Im Frühling 2012 hatten wir erstmals eine solche Zusammenarbeit. An jedem Tag stand uns eine Patrouille der Anti-Wilderer-Einheit APS zur Verfügung, die uns jeweils 8 Stunden lang begleitete. Durch die Anwesenheit der Polizisten in unseren Teams ist die Zahl der gewalttätigen Übergriffe gegen ehrenamtliche Vogelschützer drastisch gesunken und die Zahl der überführten Wilderer erheblich gestiegen. Für die Teams, die keine Polizei-Begleitung hatten, wurde ein zypriotischer Polizist im Ruhestand eingesetzt, der bei Konfrontationen deeskalierend eingreifen und einen schnellen Kontakt zur Polizei herstellen konnte.

2. Ergebnisse des Vogelschutzcamps im Frühling 2012

Komitee-Mitarbeiter bauen Fangnetz abKomitee-Mitarbeiter bauen Fangnetz abUnser diesjähriges Frühlingscamp war mit 25 Tagen unser bislang längstes auf Zypern. Vom 13.04.bis 06.05.2012 waren insgesamt 15 Natur- und Tierfreunde aus Ungarn, Großbritannien, den USA, Italien, Zypern und Deutschland im Einsatz. In der Regel waren täglich zwei Teams im Gelände. Sie haben 280 von 324 bislang bekannten Fangplätzen kontrolliert und weitere 58 neue gefunden. Alle Fangplätze des im Südosten der Insel gelegenen Famagusta-Distrikts waren aktiv, zeigten Anzeichen von Aktivität oder waren für den Vogelfang präpariert. Außerhalb dieses Bereiches wurden nur wenige Fangstellen aktiv vorgefunden, so etwa zwei in Agios Theodoros, drei in Vrysoules und sechs östlich von Liopetri. Diese Beobachtung belegt, dass sich im Frühling der Fang im Südosten Zyperns konzentriert.

An 112 Fangplätzen (entspricht 33 % aller besuchten Stellen) wurden insgesamt 4.439 Leimruten, 15 Netze und 12 elektronische Lockgeräte gefunden und sichergestellt. Bei den Leimruten haben wir damit einen Rekord aufgestellt. Die in der unten stehenden Tabelle aufgeführten Zahlen werden durch die Anzahl der Einsatztage etwas relativiert. So haben wir im Herbst 2011 die 4.014 Leimruten in nur 9 Tagen eingesammelt (entspricht 446 Leimruten am Tag), die 4.430 Leimruten im Frühling 2012 wurden dagegen in 3 Wochen sichergestellt (entspricht 202 Leimruten pro Tag). Dies liegt leider nicht am Rückgang der Wilderei, sondern an einer Änderung in der Strategie der Vogelfänger (siehe Punkt 3.).

3. Verhalten der Vogelfänger

Vogelfmord am Urlaubsort: Mönchsgrasmücken auf Leimrute - im Hintergrund ein HotelVogelfmord am Urlaubsort: Mönchsgrasmücken auf Leimrute - im Hintergrund ein HotelIm Frühling 2012 haben wir großen Wert darauf gelegt, das Verhalten der einzelnen Vogelfänger zu durchschauen und so eine Strafverfolgung zu ermöglichen. Es wurde auch eingehender untersucht, wie sich in den Vorjahren bereits überführte Wilderer aktuell verhalten.

Stellt man die Zahl der aktiven Fangstellen (112) mit der Zahl der von uns besuchten potentiellen Fangstellen (338) gegenüber, könnte man den falschen Eindruck gewinnen, nur rund ein Drittel aller Fangplätze waren im Frühling 2012 mit Fallen und Netzen bestückt. Tatsächlich war das Gegenteil der Fall – nahezu alle Fangstellen im Famagusta-Distrikt wiesen Spuren aktuellen Vogelfangs auf, wie etwa Leimreste an den Ästen der Bäume oder frisch präparierte Fangvorrichtungen.

Wir gehen davon aus, dass praktisch alle potentiellen Fangstellen im Südosten Zyperns im Frühling 2012 aktiv waren, allerdings nicht ständig. Grund hierfür sind neben der Tatsache, dass der Frühling nicht die wichtigste Fangzeit ist, vor allem unsere stetigen Kontrollen. Wir haben festgestellt, dass die meisten Fangstellen nur an wenigen Tagen in der Woche und dann jeweils nur für wenige Stunden mit Fallen oder Netzen bestückt waren. Zum einen war dies offenbar abhängig von der Intensität des Durchzugs, aber auch von den individuellen Eigenheiten des Fängers, wie z.B. Vorlieben oder verfügbarer Freizeit.

Wir können feststellen, dass die Vogelfänger nach unseren Kontrollen ihre Aktivitäten ändern. Sie geben die betroffenen Fangstellen entweder auf, reduzieren die Zahl der Fallen oder fangen nur für wenige Stunden und an wenigen Tagen.

Die Zahl der Fälle, bei denen Fänger überführt wurden, ist noch sehr gering. Wir können deswegen noch nicht mit Sicherheit sagen, wie sich die Wilderer in der Folgezeit verhalten. Anhand der Daten über die folgenden fünf Fangstellen können wir aber vermuten, dass eine Bestrafung nicht ohne Wirkung bleibt:

  • An Fangstelle Nr. 222 hat die Polizei (APS) den Fänger mit 5 Netzen überführt. In den Folgejahren wurden nie wieder Netze gefunden, allerdings seither in jedem Jahr Leimruten.
  • An Fangstelle Nr. 224 hat die Polizei (APS) den Fänger mit einem Netz überführt. Seither ist die Fangstelle verlassen.
  • An Fangstelle Nr. 211 wurde der Fänger von der Paralimni Polizei mit einigen Leimruten und einem Lockgerät überführt. Seither ist die Fangstelle verlassen.
  • An Fangstelle Nr. 181 hat der Game Fund den Fänger mit Leimruten überführt. Seither ist die Fangstelle verlassen.
  • An Fangstelle Nr. 82 hat die Polizei (APS) den Fänger mit 90 Leimruten überführt. Fünf Tage später waren hier 130 neue Leimruten ausgelegt.

Es gibt Fälle, in denen Polizisten entscheiden, aufgrund von angeblicher Geringfügigkeit den Wilderer nur zu verwarnen. Die Maßstäbe hierzu legen die Beamten nach eigenem Dafürhalten fest. Diese verwarnten Wilderer setzen ihre Aktivität unvermindert fort. Ein eindrucksvolles Beispiel hierfür ist Fangstelle Nr. 129. Der Wilderer wurde im Frühjahr 2011 wegen 20 Leimruten vom Game Fund verwarnt. An den Folgetagen wurden an dieser Stelle 60, 74 und 165 Leimruten von uns gefunden und abgebaut.

4. Polizei-Unterstützung

Polizei und Komitee-Mitglieder im EinsatzPolizei und Komitee-Mitglieder im EinsatzIm Frühling 2012 hatten wir eine bedeutende Unterstützung durch die Spezialeinheit zur Wilderei-Bekämpfung der Polizei (APS) und eine gute Kooperation mit den Beamten der Jagdaufsicht (Game Fund) und der lokalen Polizeistationen. Mit der SBA-Polizei, die die britischen Militärliegenschaften auf Zypern kontrolliert, gab es einen Nachteinsatz.

Die dauerhafte Anwesenheit von ein bis zwei APS-Polizeibeamten in den Komitee-Teams hat nicht nur die Aggressionen seitens der Wilderer minimiert, sondern vor allem einen schnellen Zugriff bei aktiven Fangstellen und eine Strafverfolgung der Vogelfänger garantiert. Die Zahl von insgesamt 14 überführten Wilderern ist ein guter Start in eine erfolgreiche Kooperation zwischen Vogelschützern und Polizei. Im gleichen Gebiet waren in den Vorjahren jeweils maximal 2 Wilderer in flagranti gestellt worden.

Es muss hinzugefügt werden, dass die Zusammenarbeit mit den sehr effektiv arbeitenden Beamten des APS erst ab dem 6. Tag des Komitee-Vogelschutzcamps (nach dem griechischen Osterfest) begann - einem Zeitpunkt, an dem viele Fangstellen von uns bereits einmal besucht und die Fallen abgebaut wurden. Eine frühere Anwesenheit der Beamten hätte ohne Zweifel zu einer noch größeren Zahl von Aufgriffen geführt.

5. Probleme der beteiligten Behörden und der Strafverfolgung

Die Ergebnisse des Vogelschutzcamps im Frühling 2012 mit der exzellenten Kooperation zwischen Behörden und Vogelschützern waren ein Meilenstein für unsere Arbeit und den Vogelschutz auf Zypern. Nichts desto trotz möchten wir an dieser Stelle einige kritische Punkte anmerken, die die Arbeit gegen die Wilderei immer noch erheblich erschweren.

Immer mehr Vogelfänger zäunen Ihre Fangstellen einImmer mehr Vogelfänger zäunen Ihre Fangstellen einUmzäunte Gärten: In den letzten 10 Jahren haben viele Wilderer ihre Gärten eingezäunt, um dem Abbau ihrer Fallen durch uns oder der Strafverfolgung zu entgehen. Vielfach sind Leimruten und Netze oder Installationen für Fanggeräte von außen sichtbar oder man hört elektronische Lockanlagen, die in den Gärten laufen und Vögel anlocken. Trotzdem ist ein Polizei-Einsatz hier stets mit erheblichen Hindernissen verbunden.

Die Verfahrensweise der Behörden in solchen Fällen ist unnötig verkompliziert: Polizisten von der Spezialeinheit zur Wilderei-Bekämpfung, die Fallen oder Netze in umzäunten Gärten finden, müssen zunächst die reguläre Polizei aus der betroffenen Gemeinde rufen. Die örtlichen Polizisten versuchen dann, den Eigentümer ausfindig zu machen. Dieser wird angerufen oder zu Hause besucht. Der Eigentümer wird aufgefordert, den Beamten Eintritt in den Garten zu gewähren. Wenn der Eigentümer nicht ausfindig gemacht werden kann, muss der APS-Beamte persönlich zum nächsten Gericht fahren (und zwar in Larnaka, 1 Std. mit dem Auto entfernt) und eine Hausdurchsuchung beantragen, die erst nach einigen Stunden bis hin zu einem Werktag vorliegt. Der Besitzer des Gartens wird in der Regel in der Zwischenzeit von Nachbarn gewarnt und hat Zeit genug, alle Fanggeräte abzubauen. Wir hatten drei derartige Fälle im Frühling 2012 - die Fallen konnten nicht abgebaut werden, der Vogelfang fand trotz erheblichen Aufwands durch die Polizei unvermindert hinter dem Zaun statt. Wenn die Polizei mit dem Durchsuchungsbefehl später den Garten besucht und die Fallen nicht mehr findet, ist eine Strafverfolgung des Täters nicht mehr möglich. Selbst wenn die Beamten die Fanggeräte mit eigenen Augen gesehen habe, kann ein Verfahren nur eingeleitet werden, wenn das Beweismaterial in Form sichergestellter Fallen oder Netze vorliegt.

Fazit: Wilderer, die ihren Garten umzäunen, können einer Strafverfolgung entgehen, indem sie nicht ans Telefon gehen, wenn die Polizei anruft oder sich gegenüber der anrufenden Polizei als jemand anderes ausgeben. Die Vogelfänger können dann sicher sein, mehrere Stunden Zeit zu haben, die Beweise verschwinden zu lassen.

Oft finden sich seltene und gefährdete Vögel auf Leimruten - hier eine SperbegrasmückeOft finden sich seltene und gefährdete Vögel auf Leimruten - hier eine SperbegrasmückeFalsche Einschätzung des Vogelfangs mit Leimruten: Mit Leimruten lassen sich Vögel in erheblichem Umfang und für kommerzielle Zwecke fangen. Weil die Fallen nicht selektiv sind, sind häufige wie auch bedrohte Arten betroffen. Trotz dieser Erkenntnisse ist in den Köpfen vieler Polizeibeamter die Annahme verankert, die traditionellen Leimruten seien im Vergleich zu den erst in den letzten Jahren aufgekommenen Netzen weniger bedeutend. In der Folge wird einer Fangstelle mit einem Netz sehr viel mehr Aufmerksamkeit gewidmet, als einer Fangstelle mit ausgelegten Leimruten.

  • Der Südosten Zypern liegt in einem wichtigen Zugkorridor für Kleinvögel. Leimruten in Gärten und in bestimmten Bereichen des Offenlandes sind - besonders wenn mit elektronischen Lockanlagen versehen - eine ausgesprochen effektive Fangmethode. Untersuchungen des Komitees gegen den Vogelmord zufolge ist an geeigneten Fangplätzen von einer Fangrate von 0,5 Vögeln pro Leimrute und Tag auszugehen.
  • Von Leimruten sind keineswegs nur oder überwiegend Mönchsgrasmücken betroffen, wie vielfach behauptet wird. Aufgrund der Daten von MAGNIN (1986) ist die am häufigsten gefangene Art die Dorngrasmücke. Die Mönchsgrasmücke rangiert nach dieser Ausarbeitung auf „Platz 2“, gefolgt von Dutzenden weiterer Arten. Unseren eigenen Daten zufolge macht die Mönchsgrasmücke je nach Jahreszeit maximal zwischen 30 und 45 % aller gefangenen Vögeln aus.
  • Es gibt keinen wissenschaftlich erbrachten Beleg, dass Netze eine effektivere Fangmethode als Leimruten sind. Unsere Daten zeigen, dass man im Durchschnitt pro Meter Fangnetz einen Vogel am Tag fangen kann. Es macht also keinen erkennbaren Unterschied, ob man 20 Leimruten oder ein 10 m langes Netz verwendet - die Fangquote liegt in beiden Fällen bei 10 Vögeln!

Meldung von Fangstellen: In Norditalien stehen Fallen und Netze während der gesamten Fangzeit. Wenn man Fanggeräte findet, kann man sicher sein, dass sie auch noch an Ort und Stelle sind, wenn man am Folgetag die Polizei dorthin führt. Aufgrund des zuvor eingehend beschriebenen Verhaltens der Wilderer auf Zypern ist diese Methode hier nicht anwendbar, denn die Fallen liegen nur an wenigen Tagen und nur zu unterschiedlichen Zeiten aus. Dennoch wünschen einzelne Beamte, zu zuvor aufgefundenen aktiven Fangstellen hingeführt zu werden. Das Ergebnis ist, dass hierbei in der Regel keine Leimruten oder Netze mehr ausliegen, wenn man mit den Beamten eintrifft. Es ist deshalb unerlässlich, dass die Komitee-Teams von Beamten begleitet werden, die unverzüglich ein Verfahren einleiten können, sobald eine aktive Fangstelle gefunden wird.

Anmerkungen zu den beteiligten Behörden: Während unseres Vogelschutzcamps im Frühling 2012 haben wir mit vier verschiedenen Behörden zusammen gearbeitet:

  • Spezialeinheit der Polizei zur Wildereibekämpfung (APS): Der APS war aus Sicherheitsgründen und für die Überführung von Wilderern unser wichtigster Ansprechpartner. Die Beamten waren professionell, sachkundig, freundlich, hilfsbereit und sehr flexibel. Der APS ist sicher die effektivste Einheit, die derzeit in der Republik Zypern im Einsatz ist - 11 der 14 überführten Wilderer gehen auf ihr „Konto“.
  • Jagdaufsicht (Game Fund): Die Effektivität des Game Fund hängt sehr von den eingesetzten Mitarbeitern ab. Die Patrouillen waren zwar recht gut verfügbar, freundlich und hilfsbereit, schienen aber kaum in der Lage (oder Willens?), Wilderer in umzäunten Grundstücken zu überführen. Mehr als einmal sind sie an solchen von uns gemeldeten Grundstücken nicht aktiv geworden und haben die Fanggeräte vor Ort belassen. Die Kommunikation mit der Einsatzzentrale war nie einfach und es gab keine Rückmeldung über die von uns gemeldeten Fälle. Die Game Fund-Mitarbeiter haben klar gemacht, dass sie uns nicht zu Fuß im Gelände begleiten können, was das Überführen von Vogelfängern stark erschwert hat.
  • Lokale Polizei: Unsere Erfahrungen mit den örtlichen Polizeidienststellen hingen stark von der jeweiligen Station und den jeweils beteiligten Beamten ab. Alles in allem konnten wir aber eine deutliche Verbesserung der Kooperation gegenüber den Vorjahren feststellen. Die Beamten waren meist freundlich und haben uns unterstützt.
    Wenn die lokale Polizei von den APS-Beamten kontaktiert wurde, waren die Reaktionszeiten schnell und vorbildlich. Haben Komitee-Mitarbeiter die Polizei gerufen, war es sehr viel schwieriger, geeignete Unterstützung zu erhalten - bisweilen erschienen die Beamten schlicht nicht am vereinbarten Treffpunkt oder haben ihn nicht gefunden. Die besten Erfahrungen haben wir mit der Polizei von Paralimni gemacht.
  • UN-Pufferzone: In der von den Vereinten Nationen (UN) überwachten Pufferzone zwischen dem griechischen Süden und dem türkisch besetzten Norden der Insel sind in nahezu jedem Garten Fangstellen zu finden. Die Beamten der Polizei und des Game Fund haben keine Zuständigkeit in diesem Sicherheitsbereich und dürfen ihn nicht einmal betreten. Die Gegend wird von uns als sehr gefährlich eingeschätzt - eine effektive Arbeit gegen die Wilderei ist ohne bewaffnete Beamten kaum möglich. Die Republik Zypern sollte deswegen offiziell Unterstützung bei den dort stationierten Blauhelm-Soldaten anfordern.
  • Britische SBA-Polizei: Die SBA-Police, die die britischen Militärliegenschaften auf Zypern überwacht, ist stets freundlich, hilfsbereit und arbeitet professionell. Im Gegensatz zu den Vorjahren hatten wir in diesem Frühling nur eine einzige gemeinsame Aktion, bei der sich herausstellte, dass ihr gesamter Zuständigkeitsbereich zwischen dem 15.04. und 05.05.2012 ohne erkennbare Fangaktivität war.

6. Zwischenfälle

Komitee-Mitglied Willi Schuppert nach der Attacke vom 26.04.2012 im KrankenhausKomitee-Mitglied Willi Schuppert nach der Attacke vom 26.04.2012 im KrankenhausDurch die enge Kooperation mit der Polizei und dem Einsatz des Polizisten im Ruhestand konnten die meisten kritischen Situationen während des Vogelschutzcamps im Frühling 2012 entschärft werden. Es gab mehrfach Fälle, in denen wir mit Sicherheit sagen können, dass unsere Anwesenheit an bestimmten Fangstellen ohne Polizeibegleitung eskaliert wäre.

Nichts desto trotz gab es Zeiten, in denen wir ohne entsprechenden Schutz im Einsatz waren - sei es, weil die Schicht der uns begleitenden Polizisten beendet war oder weil die beiden zur Verfügung stehenden Beamten nicht bei allen Teams gleichzeitig sein konnten. Neben mehreren hitzigen Diskussionen, die zum Glück alle glimpflich ausgingen, und einigen rasanten Verfolgungsjagden, die wir stets mit der Fahrt zur nächsten Polizeistation beenden konnten, gab es einen wirklich ernsten Angriff auf ein deutsches Komitee-Mitglied:

Am 23.04.2012 hat ein Komitee-Team in der UN-Pufferzone einen Garten mit Leimruten und mehreren lebenden Stieglitzen in Lockvogelkäfigen gefunden. Der Vogelfänger war anwesend und schien sich schnell mit der Situation abgefunden zu haben, nun Fallen und Lockvögel zu verlieren. Er erlaubte einem Teilnehmer aus Rheinland-Pfalz, das Grundstück zu betreten. Nachdem dieser die Leimruten abgebaut und die Vögel befreit hat, brauste der Vogelfänger unerwarteter Weise auf und schlug den Komitee-Mitarbeiter vermutlich mit einem Stein oder einem MetallGegenstand nieder. Der Vogelschützer erlitt eine Platzwunde am Kopf, die im Krankenhaus genäht werden musste.

7. Anmerkungen für die Zukunft

Auf der Basis unserer bisherigen Erfahrungen der Jahre 2009 bis 2011 und des erfolgreichen Einsatzes im Frühling 2012 können wir sicher sein, dass ein weiterer Ausbau der Kooperation zwischen den auf Zypern tätigen Naturschutzverbänden und den Behörden auch in kurzer Zeit zu einem spürbaren Rückgang des Vogelfangs führen wird. Folgende Vorschläge würden unseres Erachtens zu einer deutlichen Verbesserung der Situation führen und die Maßnahmen gegen die Wilderei effektiver machen:

  • Der APS muss mit mehr Personal ausgestattet werden. Eine Zahl von 20 Polizisten, die unabhängig von den Schichten täglich im Einsatz sind, ist während des Haupt-Durchzuges im April/Mai und September/Oktober wünschenswert.
  • Die Haupt-Brennpunkte der Wilderei müssen bei den Einsatzplänen mit Priorität bedacht werden. Hier ist der Südosten der Insel an erster Stelle mit Polizisten abzudecken, dann erst die Fangplätze weiter im Westen.
  • Die Kooperation zwischen den Verbänden und den Behörden sollte im Vorlauf der Aktionen besser koordiniert werden, um das auf beiden Seiten verfügbare Personal wirklich sinnvoll einzusetzen.
  • Der Vogelfang mit Leimruten muss als ernst zu nehmende Wilderei anerkannt werden. Leimruten dürfen nicht länger nachrangig nach Netzen und der Wilderei mit Schusswaffen behandelt werden.
  • Die bestehenden Strafen, die das Gesetz vorsieht (100 bis 600 €) haben nicht nur keine abschreckende Wirkung auf die Vogelfänger, sondern werden als eine Art „Gebühr für die Erlaubnis des Vogelfangs“ angesehen. Diese „Gebühr“ fließt in den Preis der verkauften Vögel mit ein und wird vorab von den Wilderern einkalkuliert. Die Strafen müssen so weit angehoben werden, dass sie wirklich abschreckend sind.
  • Umzäunte Gärten dürfen nicht länger ein Freibrief für den Vogelfang sein. Polizisten müssen in die Lage versetzt werden, eingezäunte Grundstücke zu betreten, um gegen aktive Fangstellen vorzugehen. Das Recht der Grundstückseigentümer auf die Unverletzlichkeit ihrer Privatsphäre muss der Aufklärung und Strafverfolgung von Wilderei nachgeordnet werden.

8. Danksagung

Zum Schluss möchten wir Polizeichef Michalis Papageorgiou sowie seinem Stabschef, den Beamten von APS, SBA-Police, Game Fund, den Divisionskommandeuren von Larnaka und Famagusta Districts und ihren untergeordneten lokalen Polizeistationen sowie unseren Partnern vor Ort Friends of the Earth Cyprus, MBCC und Terra Cypria, herzlich danken. Ein ganz besonderer Dank gilt der Stiftung Pro Artenvielfalt, die unser Vogelschutzcamp organisatorisch und operativ unterstützt und zu einem erheblichen Teil finanziert hat und der Deutschen Botschaft in Nikosia, ohne deren engagierte Bitte um Polizei-Unterstützung die Kooperation mit den Behörden niemals in dem Umfang hätte stattfinden können. Unser Dank geht auch an die British High Commission und die italienische Botschaft für Rat und Unterstützung.
Zum Schluss noch ein Dank an alle Teilnehmer der Aktion, die ihren Urlaub investiert und zum Teil auch ihre Gesundheit aufs Spiel gesetzt haben, um das Camp überhaupt erst zu ermöglichen, sowie an unsere Spender und Mitglieder, ohne deren finanzielle Unterstützung wir nicht in der Lage gewesen wären, das Camp durchzuführen und die Vor- und Nachbereitung zu bewältigen.

Komitee gegen den Vogelmord
Andrea Rutigliano und Alexander Heyd
Juni 2012

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