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Frühlings-Vogelschutzcamps
des Komitees gegen den Vogelmord 2018

Komitee-Einsatzgebiete Frühling 2018Komitee-Einsatzgebiete Frühling 2018Von Anfang März bis Ende Mai 2018 haben 10 Vogelschutzcamps des Komitees gegen den Vogelmord im Mittelmeerraum stattgefunden.

Insgesamt haben wir dabei in Italien, auf Malta, Zypern und im Libanon 305 Leimruten, 80 Schlagfallen, 37 Netze und 13 Käfigfallen gefunden, 31 Wilderer wurden überführt und vor Gericht gestellt, 5 Flinten und 400 Schuss Munition wurden beschlagnahmt. Mehr als 300 Vögel konnten freigelassen werden.

Hier ist eine kurze Übersicht über die Ergebnisse:


Ponza (Italien) März/April/Mai 2018

Im Boden eingesenkter Fangkäfig (Ponza 2018)Im Boden eingesenkter Fangkäfig (Ponza 2018)Auf der kleinen Mittelmeerinsel Ponza (Lazien/Italien) hatten wir in diesem Frühling zwei Aktionen: Anfang März war ein Team auf der Insel und hat nach illegalen Vogelfallen gesucht. Nur eine von zuletzt noch 10 Fangstellen war in Betrieb. Der Vogelfänger hatte versucht, es uns besonders schwer zu machen: Er hat seine Vogelfallen - Fangkäfige zum Lebendfang von Finken - im Boden eingesenkt, so dass sie praktisch unsichtbar waren (Foto). Genutzt hat es dem Wilderer nichts, er wurde trotzdem nach unserem Hinweis von den Carabinieri überführt. Mehrere frisch gefangene Vögel, darunter Grünfinken und Girlitze, konnten freigelassen werden. Von Mitte April bis Anfang Mai haben dann unsere Partner von der italienischen Lega Abolizione Caccia (LAC) wieder die wichtigsten Rast- und Durchzuggebiete auf der Insel jeden Tag besetzt. Alleine durch ihre Anwesenheit konnten Turteltauben, Wachteln, Pirole und Braunkehlchen ungestört durchziehen – es gab keine Fälle von Wilderei!


Brescia (Italien) März/April 2018

Amsel in Fangnetz (Brescia 2018)Amsel in Fangnetz (Brescia 2018)In den Hügeln nördlich der italienischen Stadt Brescia (Lombardei/Norditalien) haben Komitee-Mitarbeiter Mitte März 2018 drei Fangstellen mit großen Stellnetzen gefunden und ausgekundschaftet. Der Polizei wurden detaillierte Informationen übergeben - die Beamten konnten zwischen dem 28.3. und 2.4. drei Wilderer an den von uns gefundenen Stellen überführen. Sechs Singdrosseln und Amseln (Foto) wurden befreit.

Der Vogelfang im Frühling geht nach mehreren derartigen Einsätzen in den letzten Jahren inzwischen deutlich zurück. So hatten wir im Jahr 2012 noch 8 aktive Fangstellen in nur der Hälfte der Zeit gefunden! Der Rückgang ist auf unsere Kontrollen und die Polizei-Einsätze zurückzuführen. Für die Wilderer lohnt es sich unter diesen Umständen nicht mehr, im Frühlimng Fallen und Netze aufzustellen. Im Herbst, wenn mehr Vögel ziehen, ist die Wilderei hier um ein Vielfaches weiter verbreitet.


Malta März/April/Mai 2018

Auf Malta gab es in diesem Frühling zwei Einsätze: Die Aktion gegen den Vogelfang vom 17.3. bis 7.4. und das Vogelschutzcamp gegen die Greifvogel- und Turteltaubenjagd vom 8.4. bis 8.5.2018.

An einem Schlagnetz sichergestellte Wachtel (Malta 2018)An einem Schlagnetz sichergestellte Wachtel (Malta 2018)Durch die jagdfreundliche Politik der Regierung Muscat, die auch im Herbst 2017 wieder tausende Fanganlagen genehmigt hat, sind die Vogelfänger im Aufwind und fühlen sich offenbar sicher genug, um auch außerhalb der Fangsaison im Frühling vermehrt Netze aufzustellen. In diesem März haben wir sage und schreibe 180 aktive Fangstellen gefunden, 35 % mehr als noch 2017. 16 der Fänger konnten wir in Zusammenarbeit mit der Umweltpolizei inflagranti überführen; ein Dutzend Fangnetzte und rund 35 lebende Lockvögel – vor allem Stieglitze und Hänflinge – wurden sichergestellt.

Gerettete angeschossene Turteltaube (Malta 2018)Gerettete angeschossene Turteltaube (Malta 2018)Der darauf folgende Einsatz im April zum Schutz durchziehender Greifvögel und anderer geschützter Arten verlief dagegen relativ ruhig. Durch unsre Präsenz und die hohen Strafen ist die Wilderei mit der Flinte spürbar zurückgegangen. Einzig die Jagd auf Turteltauben, die seit 2017 im Frühling nicht mehr geschossen werden dürfen, ist noch sehr weit verbreitet. Bei mehreren Polizei-Einsätzen wurden illegale Turteltaubenjagden beendet, ein Wilderer konnte dabei überführt werden. Auf Maltas kleiner Nachbarinsel Gozo hat ein speziell ausgebildetes Team des Komitees Mitte April den Vogelfängern einen schweren Schlag zugefügt: Sie haben mit viel Mut und Geschick abgelegene Fangstellen kontrolliert und konnten gemeinsam mit der Polizei 7 Turteltauben-Käfigfallen, 7 Käfigfallen für Singvögel (Finken, Stare), 3 Wachtelnetze und 2 große Schlagnetze für Finken abbauen!


Zypern März/April/Mai 2018

Komitee-Mitarbeiter mit Leimrute und gefangenem Pirol (Zypern 2018)Komitee-Mitarbeiter mit Leimrute und gefangenem Pirol (Zypern 2018)Auf Zypern fand das längste Vogelschutzcamp des Komitees des Frühjahrs 2018 statt. Vom 10.3. bis zum 20.5. waren insgesamt 25 Komitee-Mitglieder auf der Mittelmeerinsel im Einsatz. Unsere Hartnäckigkeit zahlt sich inzwischen richtig aus: Insgesamt haben wir in den 9 Wochen 305 Leimruten und 9 Netze gefunden - so wenige wie noch nie! Zum Vergleich: Im letzten Jahr haben wir im gleichen Zeitraum noch 1.834 Leimruten und 19 Netze abgebaut! Mehr als 200 Vögel konnten freigelassen werden, darunter zahlreiche Pirole, Klapper- und Dorngrasmücken, Nachtigallen, Gartenrotschwänze und Zwergohreulen.
Zwei Wilderer wurden überführt, sie müssen 8.540 € bzw. 8.400 € Strafe zahlen. Neben unserer dauerhaften Anwesenheit sind es diese hohen Strafen, die die Wilderer abschrecken. Leider gelten sie nur für den Frühling – im Herbst während der offiziellen Jagdzeit ist der Vogelfang kaum mehr als ein Kavaliersdelikt, die Vogelfänger kommen dann mit weniger als 500 € davon! Und zu allem Unglück plant die Regierung eine Reduzierung der Strafen auch im Frühling, was eine erneute Zunahme des mühsam unter Kontrolle gebrachten Problems bedeutet. Wir stehen deswegen bereits mit der EU-Kommission in Kontakt.


Libanon März 2018

Vogeljäger außerhalb der Jagdsaison im Libanon (2018)Vogeljäger außerhalb der Jagdsaison im Libanon (2018)Der erster Komitee-Frühlingseinsatz im Libanon fand vom 19. bis 30.3.2018 statt. Ein international besetztes Team hat zusammen mit Mitarbeitern unseres Partnerverbandes SPNL vor allem die wichtigen Durchzuggebiete im Bekaa-Tal an der syrischen Grenze überwacht. An mehreren Tagen gab es einen starken Durchzug von Weißstörchen, während unserer Anwesenheit wurden keine Jagd auf die auch im Libanon geschützten Vögel festgestellt. Allerdings konnten in Kooperation mit der Polizei insgesamt 4 Wilderer bei der Jagd auf Wachteln, Schwalben und andere Singvögel überführt werden. Südlich von Beirut wurden zudem zwei illegale Fangnetze, an denen elektronische Lockanlagen mit Teichrohrsänger-Gesängen postiert waren, abgebaut. Während des gesamten Frühjahrs haben wir wieder die sozialen Medien nach Bildern durchsucht, die Wilderer ins Netz gestellt haben und auf denen Jagdverstöße zu sehen sind. Insgesamt wurden zwei Dutzend Personen angezeigt, weil sie Bilder illegal geschossener Weißstörche, Pirole, Bienenfresser oder verschiedener Greifvögel veröffentlicht hatten.


Ischia (Italien) April/Mai 2018

Maskierter Vogelfänger (Ischia 2018)Maskierter Vogelfänger (Ischia 2018)Die Ferieninsel Ischia – gelegen im Golf von Neapel – ist bis heute ein Schwerpunkt der Wilderei in der Region Kampanien (Italien). Vom 28.4. bis 6.5.2018 waren 4 Komitee-Teams auf Ischia im Einsatz, eng abgestimmt mit den Carabinieri und unseren Partnern von der ENPA und dem WWF. Insgesamt haben wir 6 aktive Fangstellen mit 80 Schlagfallen für Braunkehlchen, Steinschmätzer und Gartenrotschwänze gefunden. Zwei Wilderer konnten inflagranti überführt werden. Dazu kommen zwei für die illegale Jagd auf Wachteln und Turteltauben versteckte Flinten samt etwa 300 Schuss Munition. Das Foto zeigt einen der Wilderer, den wir beim Fallenstellen filmen konnten – er wurde trotz Maske identifiziert!


Kalabrien (Italien) - Vogeljagd April/Mai 2018

Geschossener Wespenbussard (Archivbild)Geschossener Wespenbussard (Archivbild)In den Bergen Kalabriens – der „Stiefelspitze Italiens – ist in manchen Dörfern die Jagd auf Greifvögel bis heute eine Tradition. Vom 28.4. bis 20.5.2018 waren Komitee-Teams in dem unzugänglichen Areal im Einsatz. In enger Absprache mit den Carabinieri haben sie sich jeden Tag an den wichtigsten Zugrouten der Vögel postiert und konnten so meistens allein durch ihre Anwesenheit die Wilderei verhindern. Dennoch gab es einige Fälle, darunter leider ein ganzes Massaker mit mehr als 20 abgeschossenen Wespenbussarden. Drei Wilderer wurden aufgrund unserer Hinweise von der Polizei überführt, eine illegale Schlinge für Säugetiere wurde sichergestellt und ein darin gefangener Dachs unversehrt befreit. Zwei geschossene Wespenbussarde konnten als Beweismittel geborgen werden. Die Aktion zeigt einmal mehr, dass die Minderheit fanatischer Jäger in den Bergen Kalabriens immer noch aktiv ist – es wird noch eine ganze Weile dauern, bis wir die Situation wirklich im Griff haben!


Kalabrien (Italien) - Vogelschmuggel Mai 2018

Bei Wildererbande gefundene tote Singvögel (Kalabrien 2018)Bei Wildererbande gefundene tote Singvögel (Kalabrien 2018)In Kalabrien wurden Ende Mai 2018 Haftbefehle gegen 7 Männer im Alter zwischen 27 und 70 Jahren erlassen. Der Bande wird zur Last gelegt, mindestens 13.000 Singvögel gefangen und geschmuggelt und damit einen Umsatz von rund einer Million Euro erzielt zu haben. Lebende Vögel - Finken wie Kernbeißer und Stieglitze - wurden vor allem nach Malta geschafft, um dort den Schwarzmarkt zu bedienen. Tote Vögel gingen an Restaurants in Norditalien. Den entscheidenden Tipp erhielten die Behörden vom Komitee gegen den Vogelmord im Jahr 2016. Die Verdächtigen sitzen in Untersuchungshaft.


Bozen (Italien) Mai 2018

Singdrosselnest in den Obstplantagen Bozens (Archivbild)Singdrosselnest in den Obstplantagen Bozens (Archivbild)Der letzte Komitee-Einsatz im Frühling 2018 fand in Bozen (Südtirol) statt. Vom 19. bis 27. Mai waren drei Komitee-Teams in den Obstplantagen der Alpen im Einsatz. In den Tälern rund um Bozen und Meran gehen Wilderer auf die Suche nach Drosselnestern, die sie komplett mitnehmen und die handaufgezogenen Küken dann später als lebende Lockvögel für die Jagd verkaufen. In Absprache mit der Polizei haben unsere Mitglieder mehrere hundert Hektar Apfelplantagen regelmäßig nach verdächtigen Aktivitäten kontrolliert. Während der Aktion haben die Beamten drei Wilderer auf frischer Tat ertappt – der Jüngste war 18 Jahre alt und mit den geraubten Küken im Zug auf dem Weg nach Hause! Insgesamt wurden rund 60 junge Sing- und Wachholderdrosseln sichergestellt.


Danke!

An dieser Stelle ein großes Dankeschön an die ehrenamtlichen Helfer, die sich oftmals ihren ganzen Jahresurlaub nehmen, um unsere Aktionen überhaupt zu ermöglichen. Dabei setzen sie nicht selten ihre Gesundheit auf´s Spiel - gerade die Aktionen auf Zypern und im Libanon sind zum Teil sehr gefährlich und bedürfen einer guten Portion Mut! Unser Dank gilt aber natürlich auch den Mitgliedern, Förderern und Spendern, mit deren Unterstützung wir die Vogelschutzcamps finanzieren.

Für ihre großzügige finanzielle Unterstützung danken wir zudem ganz besonders der Stiftung Pro Artenvielfalt , der Karl-Kaus-Stiftung für Tier und Natur und dem Landesbund für Vogelschutz Bayern .