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Tätigkeitsbericht 2017

Das zurückliegende Jahr 2017 war eines der arbeitsintensivsten und erfolgreichsten in der Geschichte des Komitees gegen den Vogelmord. Im Mittelpunkt unserer Aktivitäten stand in diesem Jahr die Bekämpfung der illegalen Vogeljagd im östlichen Mittelmeerraum, wo jedes Jahr Millionen europäische Singvögel, Störche und Greifvögel illegal getötet werden. Besonders wirksam war unsere Kampagne gegen den Vogelfang auf Zypern, wo wir bei drei großen Einsätzen insgesamt 6.043 Leimruten und Netze unschädlich machen und mehr als 1.170 Vögel aus den Fallen befreien konnten. Durch die in diesem Jahr deutlich bessere Zusammenarbeit mit der Militärpolizei konnten allein in der britisch kontrollierten Militärbasis Dhekelia 8 Wilderer auf frischer Tat ertappt und der Justiz zugeführt werden.

Erster Einsatz im Nahen Osten: Das Komitee-Team im LibanonErster Einsatz im Nahen Osten: Das Komitee-Team im LibanonIm Libanon haben wir zusammen mit unserem neuen Partnerverband, der Society for the Protection of Nature in the Lebanon (SPNL), im September das erste Vogelschutzcamp im Nahen Osten organisiert. Bei dem zweiwöchigen Einsatz gelang es unseren Teams, den weitgehend unkontrollierten Massenabschuss von Greifvögeln im Libanon-Gebirge erstmals auf Video zu dokumentieren. Das von uns veröffentlichte Filmmaterial sorgte weltweit für Aufsehen und erhöht den Druck auf die libanesische Regierung, mehr Ressourcen für die Bekämpfung der Wilderei bereit zu stellen. Darüber hinaus haben wir zahlreiche Kontakte geknüpft und wichtige Erfahrungen gesammelt, die bei kommenden Aktionen im Libanon sehr hilfreich sein werden.

Natürlich waren wir auch in den anderen Hochburgen der Vogel-Wilderei in Europa im Einsatz. Die Ergebnisse unserer Aktivitäten und Camps gegen die Jagd auf Zugvögel in Italien, Malta, Spanien, Frankreich, Serbien und gegen die Artenschutzkriminalität in Deutschland haben wir in diesem Tätigkeitsbericht für Sie zusammengefasst. Besonderen Anlass zur Freude geben die Zahlen aus Katalonien, wo wir den Singvogelfang mit Leimruten durch unsere Aktionen mit der Polizei praktisch zum Erliegen bringen konnten. Ein ähnlicher Trend zeichnet sich auch in Norditalien ab. Dort ist die Anzahl der von uns gefundenen Bogenfallen und Netze in den letzten 10 Jahren um mehr als 85% zurückgegangen.

Januar

Vergiftete Mäusebussarde in Heinsberg (NRW)Vergiftete Mäusebussarde in Heinsberg (NRW)

  • Die Mitarbeiter unserer vom Bundesumweltministerium geförderten Dokumentationsstelle für Greifvogelverfolgung und Artenschutzkriminalität (E.D.G.A.R.) entdecken bei Kontrollen am Niederrhein und im Münsterland mehr als 20 vergiftete Greifvögel und 2 aktive Lebendfallen für den Fang von Habichten. Alle Fälle werden ausführlich dokumentiert und zur Anzeige gebracht.
  • Nach langjähriger Recherche übergibt das Komitee gegen den Vogelmord der italienischen Polizei ein umfangreiches Dossier über den illegalen Vogelschmuggel von Italien nach Malta. Die darin enthaltenen Informationen führen zur Verhaftung von insgesamt 13 Vogelfängern sowie zur Beschlagnahmung von über 2.000 lebenden Singvögeln – vor allem Stieglitze, Grünfinken, Girlitze und Hänflinge. Es ist einer der größten Aufgriffe der letzten Jahre und unsere erste gemeinsame Aktion mit der neuen Umwelteinheit der Carabinieri (die die am 31.12.2016 aufgelöste Forstpolizei ersetzt).
  • Im Auftrag von Premierministerin May kündigt das Oberkommando der britischen Streitkräfte auf Zypern ein härteres Vorgehen gegen Vogelfänger und eine engere Zusammenarbeit mit dem Komitee in den von Großbritannien verwalteten Militärbasen an. Die Entscheidung ist eine direkte Reaktion auf unsere „In your name“-Protestaktion, an der sich bis Mitte des Monats rund 20.000 Vogelfreunde aus ganz Europa beteiligt haben.
  • Bei einem Einsatz auf Malta dokumentieren unsere „Bird Guards“ den illegalen Nachtfang von Goldregenpfeifern mit elektronischen Lockgeräten und riesigen Klappnetzen. Insgesamt werden im Dezember und Januar 82 nachts aktive Fangstellen gefunden – mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr. Aufgrund fehlender Ressourcen gelingt es der Polizei nur in zwei Fällen, die Wilderer zu überführen.

Februar

Ausbeute einer Nacht: Komitee-Team mit 200 FangnetzeAusbeute einer Nacht: Komitee-Team mit 200 Fangnetze

  • Auf Zypern organisiert das Komitee einen Einsatz gegen den Fang von überwinternden Drosseln mit Netzen und Leimruten. Innerhalb von einem Monat finden unsere Teams im Süden der Mittelmeerinsel 178 aktive Fangstellen. 517 Netze mit einer Gesamtlänge von mehr als 10 Kilometern sowie 648 Leimruten werden unschädlich gemacht. 16 Wilderer werden von der Polizei in flagranti erwischt und 631 Vögel lebend aus Fallen und Netzen befreit.
  • Bei einem Wochenend-Einsatz in Norditalien gehen uns gleich zwei Vogelfänger ins Netz: In der Nähe des Iseosees (Val Camonica) findet ein Komiteeteam eine Großfanganlage mit 4 riesigen Fangnetzen und 21 Schlagfallen für Singvögel. Gleichzeitig wird eine weitere Gruppe am Idrosee (Val Sabbia) fündig und entdeckt ein etwa 20 Meter langes Netz direkt neben einer Jagdhütte. Der von uns verständigten Polizei gelingt es, beide Wilderer auf frischer Tat zu erwischen. Insgesamt werden 17 lebende Lockvögel (Wacholderdrosseln, Singdrosseln und Buchfinken) sichergestellt.
  • Kurz vor Beginn der Brutzeit werden in unserem Schutzgebiet „Raisdorfer Teichlandschaft“ (Schleswig-Holstein) großflächige Pflegemaßnahmen durchgeführt. Dabei werden verbuschte Uferbereiche freigeschnitten und ein ein alter Fischteich abgelassen und entschlammt. Auch ein in die Jahre gekommener Überlauf wird abgerissen und durch einen neuen Abfluss ersetzt. Von den umfangreichen Maßnahmen sollen vor allem die im Flachwasser laichenden Amphibien profitieren, aber auch Wasserinsekten wie Libellen und Brutvögel wie Zwergtaucher und Teichrohrsänger.

März

Hänfling als lebender Lockvogel an einem maltesischen SchlagnetzHänfling als lebender Lockvogel an einem maltesischen Schlagnetz

  • Gemeinsam mit einem Filmteam des Fernsehsenders ARTE dokumentieren wir auf Malta den illegalen Fang von Finken und anderen Zugvögeln auf ihrem Weg zurück in die Brutgebiete. Bei dem insgesamt dreiwöchigen Einsatz werden 133 aktive Fanganlagen gefunden und teilweise stillgelegt. Trotz teilweise sehr langsamer Reaktion der Polizei werden am Ende neun Wilderer überführt und vor Gericht angeklagt.
  • Auf Zypern beginnt unser Frühlingscamp gegen den Fang von Mönchsgrasmücken und anderen Singvögeln für den Kochtopf. Mit einer Einsatzzeit von Mitte März bis Anfang Mai ist es einer der längsten Einsätze in der Geschichte des Komitees gegen den Vogelmord. Insgesamt nehmen mehr als 40 Freiwillige aus Deutschland, Großbritannien, Italien, Zypern, Slowenien und der Schweiz teil. Dazu kommt ein Filmteam der BBC, das die Aktion dokumentiert.
  • In Deutschland zeigt das Komitee erneut zahlreiche Fälle von illegaler Greifvogelverfolgung bei den Behörden an. Neben mehreren Tötungen von Habichten durch Taubenzüchter werden auch zahlreiche Nestzerstörungen und Horstbaumfällungen dokumentiert. Bei einigen Fällen besteht der Verdacht, dass Nester von Rotmilanen oder Seeadlern gezielt zerstört wurden, weil sie ein Planungshindernis für den Bau von Windkraftanlagen darstellen.
  • Kampagne gegen den illegalen Vogelhandel auf Malta: Das Komitee prangert öffentlich fehlende Kontrollen auf dem Vogelmarkt in der Hauptstadt Valletta an. Zuvor hatten maltesische Komitee-Mitglieder mit versteckten Kameras den Verkauf hunderter gefangener Grünfinken und anderer Singvögel auf dem Markt dokumentiert. Auch auf maltesischen Internetseiten werden illegale Verkaufsangebote für gefangene Goldregenpfeifer entdeckt.

April

Auf der Insel Palamrola (Italien) nach Komitee-Hinweis sichergestellte MunitionAuf der Insel Palamrola (Italien) nach Komitee-Hinweis sichergestellte Munition

  • Bei einer Exkursion auf die Mittelmeerinsel Palmarola (Italien) entdecken unsere Teams zwei illegale Waffendepots mitten in einem Naturschutzgebiet. Beamte der von uns verständigten Militärpolizei stellen vier nicht registrierte Schrotflinten und mehr als 1.330 Schrotpatronen für die Vogeljagd sicher. Auf der Insel Ischia erwischen Mitglieder des Komitees und unseres Partnerverbandes ENPA einen Vogelfänger mit 7 Schlagfallen und mehreren frisch gefangene Braunkehlchen.
  • Im Rahmen einer großangelegten Suche auf Malta entdecken unsere Teams an der Nordküste der Insel Gozo und bei Mellieha zwei Großfanganlagen mit rund 80 frisch gefangenen Turteltauben. Die Vögel werden von der Polizei beschlagnahmt und umgehend freigelassen. Die Besitzer der Grundstücke müssen sich vor Gericht verantworten. Bei Girgenti filmen unsere Mitarbeiter einen Jäger mit einem illegalen Schlagnetz, das später zusammen mit der Waffe des Mannes beschlagnahmt wird. Ihm droht der Entzug der Jagderlaubnis.
  • Schlag gegen die Greifvogel-Wilderei in Süditalien: Nachdem sie von Komiteemitgliedern beim Abschuss von Bussarden an der Straße von Messina gefilmt wurden, werden drei Männer von den Carabinieri festgenommen. Eine nicht registrierte Jagdflinte, zwei Dutzend Schuss Schrotmunition und ein frisch geschossener Wespenbussard werden sichergestellt. Die Täter werden wegen Wilderei und Verstößen gegen das Waffenrecht angeklagt.
  • Auf Malta überwachen insgesamt 18 ehrenamtliche Vogelschützer vom 7. bis zum 28. April die Frühlingsjagdsaison. Obwohl offiziell nur Wachteln freigegeben sind, filmen unsere Mitglieder die Abschüsse zahlreicher geschützter Arten, darunter Greifvögel, Bienenfresser, Turteltauben und Triele. Aufgrund unseres Videomaterials gelingt es der Polizei, fünf Wilderer dingfest zu machen, darunter auch einen ihrer Kollegen. Den Mann erwartet neben einer Strafe für die Wilderei auch die Entlassung aus dem Polizeidienst.

Mai

Drosselküken: Nesträuber plündern die Obstplantagen von Bozen, um Lockvögel für die Jagd zu bekommenDrosselküken: Nesträuber plündern die Obstplantagen von Bozen, um Lockvögel für die Jagd zu bekommen

  • Kükendiebe in Norditalien geschnappt: Bei der Observation einer Apfelplantage südlich von Bozen beobachtet ein Komiteeteam zwei Personen beim Plündern von Drosselnestern. Bei einer Kontrolle durch die zu Hilfe gerufene Polizei werden bei den beiden Wilderern sieben wenige Tage alte Singdrosseln gefunden und sichergestellt. Die Ermittlungen ergeben, dass die Vögel illegal aus der Natur entnommen waren und später als zahme Lockvögel an Tarnhüttenjäger verkauft werden sollten.
  • Bilanz unseres Vogelschutzcamps auf Zypern: Während des fünfwöchigen Einsatzes entdecken unsere Aktivisten 65 aktive Fangstellen. Zusammen mit der Polizei werden insgesamt 1.362 Leimruten und 20 Netze sichergestellt. Mehr als 120 Vögel, darunter Mönchsgrasmücken, Nachtigallen, Wendehälse, Grauortolane und ein Maskenwürger, können lebend aus den Fallen befreit werden.
  • Auf einem internationalen Workshop im Beekaa-Tal (Libanon) diskutieren Experten des Komitees gegen den Vogelmord zusammen mit einheimischen Vogelschützern und Regierungsbeamten Wege zur Eindämmung der illegalen Zugvogeljagd im Land. Mit Unterstützung des Umweltministeriums in Beirut und der UNO-Konvention zum Schutz wandernder Tierarten (CMS) wird das Projekt „Safe Haven“ ins Leben gerufen, das auch einen Einsatz des Komitees im kommenden Herbst 2017 beinhaltet.
  • Und wieder ein Fall illegaler Greifvogelverfolgung in Deutschland: Im Westen Thüringens finden Greifvogelschützer einen toten Wanderfalken. Der Vogel wird im Auftrag des Komitees gegen den Vogelmord in einem Labor untersucht, das eine gezielte Vergiftung mit dem Insektizid Carbofuran nachweist. Fast an gleicher Stelle war bereits 2016 ein mit demselben Wirkstoff getöteter Wanderfalke gefunden worden. Die Kriminalpolizei ermittelt.

Juni

Wiesenweihen-Küken in der Zülpicher BördeWiesenweihen-Küken in der Zülpicher Börde

  • In der Zülpicher Börde (Nordrhein-Westfalen) suchen Biologen des Komitees nach Bruten der gefährdeten Rohrweihe. Um zwei Nester in Gerstefeldern werden in Zusammenarbeit mit den Landwirten und der Naturschutzbehörde zwei jeweils 600 Quadratmeter große Horstschutzzonen errichtet, die bei der Ernte von den Mähdreschern ausgespart werden. Vier junge Rohr-weihen fliegen Mitte Juli erfolgreich aus.
  • Erfolg für unsere Kampagne auf Zypern: Die Regierung in Nicosia ändert das Jagdgesetz und führt erstmals höhere Geldstrafen für Vogelwilderer an. Statt der bisher üblichen „Verwarnungsgebühr“ von wenigen hundert Euro sind nun Strafen von mehreren tausend Euro möglich. Das Komitee begrüßt die Verschärfung und kündigt für Herbst 2017 eine Ausweitung seiner Aktionen auf Zypern an.
  • Rekord-Belegung: Auf den vom Komitee gegen den Vogelmord in Brandenburg und Sachsen-Anhalt angelegten Brutflößen brüten in diesem Jahr insgesamt 65 Paare der gefährdeten Trauerseeschwalbe. Das sind immerhin rund 7 % der gesamten deutschen Population dieses Zugvogels. Trauerseeschwalben gehören zu den in Deutschland vom Aussterben bedrohten Arten und sind streng geschützt.
  • Turteltaubenjagd mit Folgen: Als Hauptzeugen der Anklage sagen zwei Aktive des Komitees vor dem Strafgericht in Valletta (Malta) gegen einen Wilderer aus. Der beschuldigte Jäger hatte im Mai 2015 bei Ghaxaq während der Schonzeit auf Turteltauben geschossen und wurde dabei von unserem Team gefilmt. Nach Anhörung der Zeugen verurteilte der Richter den Mann zu einer Geldstrafe von 1.000 Euro. Außerdem wurde sein Jagdschein für zwei Jahre eingezogen.
  • Am 22. Juni trifft sich auf Malta die Arbeitsgruppe gegen Wilderei der UNO-Konvention zum Schutz wandernder Tierarten. Das Komitee gegen den Vogelmord hat bei dieser Naturschutzkonvention der Vereinten Nationen einen Beobachter-Status und kann sich bei den Beratungen der beteiligten Regierungen einbringen und wertvolle Kontakte knüpfen.

Juli

Bei einem im Juli 2017 verurteilten Vogelfänger aus Düren sichergestellter SperberBei einem im Juli 2017 verurteilten Vogelfänger aus Düren sichergestellter Sperber

  • Ein Rentner aus Düren wird wegen verbotenem Vogelfang zu einer Strafe von 100 Tagessätzen á 40 Euro (4.000 Euro) verurteilt. Das Verfahren gegen den Mann war ins Rollen gekommen, nachdem Angestellte des Komitees im November 2016 ein Netz und mehrere verbotene Vogelfallen auf dem Grundstück des Mannes entdeckt und die Behörden verständigt hatten. Bei der anschließenden Kontrolle wurden neben Dutzenden Fallen auch 32 einheimische Singvögel und zwei Greifvögel in Käfigen entdeckt und beschlagnahmt. Das Urteil ist rechtskräftig.
  • Illegaler Fang und Handel mit Singvögeln in Frankfurt am Main: Nach einer Strafanzeige des Komitees gegen den Vogelmord wird gegen einen Vogelfänger aus Frankfurt-Riederwald ein Strafbefehl in Höhe von 70 Tagessätzen á 8 Euro (560 Euro) erlassen. Der Mann hatte an seinem Haus wilde Stieglitze und Meisen mit Käfigfallen und lebenden Lockvögeln gefangen.
  • Strafanzeige wegen mutwilliger Zerstörung von Schwalbennestern: Ein Zeuge, der im Landkreis Nordsachsen die Entfernung einer besetzten Mehlschwalbenkolonie beobachtet hat, meldet sich in unserer Bonner Geschäftsstelle und ist bereit, vor Gericht gegen den Täter auszusagen. Das Komitee dokumentiert den Fall und erstattet Strafanzeige wegen Tierquälerei und Verstoß gegen das Bundesnaturschutzgesetz.
  • Razzia in Aurich (Niedersachsen): Auf dem Grundstück eines Vogelhändlers stoßen Polizei und Naturschutzbehörde bei einer Kontrolle auf mehrere aktive Singvogelfallen und 20 wildgefangene Stieglitze. Anlass für die Durchsuchung war eine Anzeige des Komitees gegen den Vogelmord, dessen Mitarbeiter auf ein verdächtiges Verkaufsangebot des Mannes bei Ebay-Kleinanzeigen gestoßen waren.

August

Unsere Standbetreuung auf der Britisch Birdfair im August 2017Unsere Standbetreuung auf der Britisch Birdfair im August 2017

  • Auf Malta beginnt unser Einsatz gegen den Fang durchziehender Regenpfeifer, Wasserläufer und anderer Watvögel. Bis Mitte September entdecken unsere Teams insgesamt 14 riesige Klappnetze, die über künstlich angelegte Teiche gespannt sind. Alle Anlagen werden von der Polizei stillgelegt. Drei Vogelfänger werden identifiziert und müssen sich vor Gericht verantworten.
  • Komitee auf der größten Vogel-Messe der Welt. Dank der Unterstützung der Kosmetikkette Lush können wir unsere Arbeit auf der britischen „BirdFair“ im Rutland Water Park (England) präsentieren. Schwerpunktthema unseres Standes und mehrerer Fachvorträge ist der illegale Vogelfang in den britischen Militärbasen auf Zypern. Neben zahlreichen Komitee-Aktivisten aus England macht auch der bekannte BBC-Moderator Chris Packham Werbung für unsere Kampagnen. Nebenbei erhielt das Komitee den Preis für den am schönsten gestalteten Stand der Messe!
  • Startschuss für unsere Operation zum Schutz durchziehender Greifvögel in Kalabrien: Von Mitte August bis Anfang Oktober überwachen insgesamt 28 Freiwillige für das Komitee gegen den Vogelmord den Durchzug von Wespenbussarden, Weihen und Falken an der Straße von Messina. Die Aktion wird in enger Abstimmung mit der örtlichen Polizei, den Carabinieri und italienischen Ornithologen durchgeführt.
  • Erfolgreicher Einsatz gegen den Fang von Trauerschnäppern in der Provinz Brescia (Norditalien): Von Ende August bis Anfang September finden Komitee-Mitglieder zusammen mit der Polizei insgesamt 12 aktive Fangstellen für Trauerschnäpper in den Bergen westlich des Gardasees. Die Beamten können 8 Wilderer überführen; 120 Schlagfallen und 25 Netze werden abgebaut und sichergestellt. 76 Trauerschnäpper werden lebend aus den Netzen befreit und fliegen gelassen.

September

In Euroa hochgradig gefährdet, im Libanon begehrte Jagdbeute: WespenbussardIn Euroa hochgradig gefährdet, im Libanon begehrte Jagdbeute: Wespenbussard

  • Erstes Vogelschutzcamp im Nahen Osten: Im Libanon dokumentieren Experten des Komitees und der Society for the Protection of Nature in the Lebanon (SPNL) erstmals ausführlich den Massenabschuss geschützter Adler und Falken sowie den Fang und das Geschäft mit toten Singvögeln für Restaurants. Die von uns veröffentlichten Videos vom Abschuss hunderter Wespenbussarde lösen internationale Proteste aus und belegen, dass wirksame Kontrollen weitgehend fehlen.
    Unsere beiden im Libanon gedrehten Videos finden Sie hier: Libanon: Komitee-Team dokumentiert Zugvogelmassaker
  • Auf Malta beginnt unser traditionelles Vogelschutzcamp zur Überwachung der Jagdsaison im Herbst. Insgesamt nehmen vom 8. bis zum 29. September 23 Freiwillige aus 7 Ländern an der Aktion teil und überwachen wichtige Rastplätze und bekannte Hochburgen der Wilderei. Fünf Fälle von Abschuss geschützter Arten und zwei Fälle von illegalem Vogelfang werden gefilmt und zur Anzeige gebracht.
  • Schlag gegen die Wachteljagd in Serbien: Zusammen mit Kollegen der Bird Protection and Study Society of Serbia dokumentieren Experten des Komitees illegale Massenabschüsse von Wachteln in Serbien. In 16 Jagdrevieren werden insgesamt 24 verbotene elektronische Lockanlagen gefunden, mit denen Wachteln in großen Mengen vor die Flinten der Jäger gelotst werden sollten. Die Polizei kann aufgrund unserer Hinweise sieben Jäger überführen. Einer der überführten Männer war selbst Jagdaufseher!
  • Jagdfunktionär verliert Jagdschein: Ein ehemaliges Präsidiumsmitglied des Landesjagdverbandes Nordrhein-Westfalen zieht seine Berufung gegen eine Verurteilung wegen Greifvogel-Wilderei zurück. Im Sommer 2015 hatten Mitglieder des Komitees den Mann an einer illegalen Habichtfalle erwischt, wofür er später vom Amtsgericht Ahlen zu einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen á 70 Euro (3.500 Euro) und dem Entzug der Jagderlaubnis verurteilt wurde. Das Urteil ist damit rechtskräftig.

Oktober

Von der Polizei in Brescia (Norditalien) sichergestellte Schlagfallen und RotkehlchenVon der Polizei in Brescia (Norditalien) sichergestellte Schlagfallen und Rotkehlchen

  • In Norditalien führt das Komitee vom 30. September bis zum 5. November seinen mittlerweile 36. Herbsteinsatz gegen den illegalen Fang von Singvögeln mit Netzen und Fallen durch: An 73 Standorten werden insgesamt 96 Bogen- und 630 Schlagfallen, 41 Fangnetze und 15 kleine Schlagnetze sowie 7 Käfigfallen gefunden. Die Polizei kann aufgrund unserer Hinweise 48 Wilderer überführen. Bei Hausdurchsuchungen werden zusätzliche 62 Fangnetze, 450 tiefgefrorene und mehr als 800 lebende Singvögel sichergestellt. Der Rückgang bei den brutalen Bogenfallen ist dabei besonders erfreulich: 1997 hatten wir noch 9.400 Stück gefunden, 2007 waren es immerhin 1.200. Mit 96 haben wir nun einen historischen Tiefstand erreicht!
  • Abschlussbilanz unserer Herbst-Kampagne auf Zypern: Seit Ende August waren mehr als 30 Natur- und Tierfreunde aus Großbritannien, Zypern, Deutschland, Italien, Slowenien, Frankreich, Polen, Serbien, Ungarn, der Schweiz und den USA im Süden der Insel im Einsatz. Dabei haben sie 3.353 Leimruten, 143 Fangnetze und 96 elektronische Lockanlagen gefunden und zusammen mit der Polizei abgebaut. 20 Wilderer konnten aufgrund unserer Hinweise überführt werden. 420 Vögel wurden aus den illegalen Fanggeräten befreit. Durch den Dauereinsatz von Komitee und Polizei sind die Vogelfänger massiv unter Druck – die Zahl der Leimruten ist gegenüber Herbst 2016 um fast ein Viertel zurückgegangen!
  • Gute Nachricht aus Frankreich: Der neue Umweltminister der Macron-Regierung, Nicolas Hulot, verkündet öffentlich, dass der illegale Fang von Ortolanen nicht mehr toleriert wird. Gleichzeitig bestätigt das Landgericht in Pau (Département Pyrénées-Atlantiques) in letzter Instanz die Urteile gegen 11 Ortolan-Fänger aus der Region Mont de Marsan, die nach einer Anzeige des Komitees gegen den Vogelmord zu jeweils 1.000 Euro Strafe verurteilt wurden.
  • Erfolgreiche Kampagne gegen den Vogelfang in Spanien: Trotz intensiver Suche finden Mitarbeiter des Komitees in Katalonien nur noch 13 aktive Fangstellen mit jeweils etwa 400 Leimruten. Vier Wilderer wurde von der Guardia Civil überführt. Noch vor fünf Jahren haben wir innerhalb weniger Tage im gleichen Gebiet mehrere hundert dieser Anlagen entdeckt und an die Behörden gemeldet. Ein schöner Erfolg für die Vögel und unsere Aktivisten.
  • Im süditalienischen Kalabrien hat ein Komitee-Team im Oktober bei mehreren Einsätzen zusammen mit den Carabinieri insgesamt 15 Wilderer überführt. Ein Großteil hatte bei der Singvogeljagd verbotene elektronische Lockgeräte verwendet oder geschützte Arten geschossen (vor allem Buchfinken). In einem Fall filmten die Komitee-Mitarbeiter einen Jugendlichen bei der Jagd – sein Vater bekommt nun die Jagdlizenz entzogen, weil er dem Jungen seine Waffe überlassen hatte.

November

Komitee-Mitarbeiter mit in einem libanesischen Supermarkt gefundenen Tiefkühl-GrasmückenKomitee-Mitarbeiter mit in einem libanesischen Supermarkt gefundenen Tiefkühl-Grasmücken

  • Unterstützer des Komitees entdecken bei Kontrollen in libanesischen Supermärkten hunderte gefrorene Singvögel. Trotz offiziellem Fang- und Vermarktungsverbot werden gerupfte Mönchsgrasmücken offen als Delikatessen zum Verkauf angeboten. Eine von uns initiierte Protestaktion in den sozialen Medien löst eine Flut von Protestschreiben aus, die nach wenigen Tagen zu einem Verkaufsstopp führen. Betroffen sind zwei Supermarktketten mit mehr als 30 Filialen im Libanon.
  • Trotz eines schwebenden Verfahrens vor dem Europäischen Gerichtshof stellt die maltesische Regierung erneut unglaubliche 6.000 (sechstausend!) Lizenzen für den Fang von Finken, Drosseln und Regenpfeifern aus. Das Komitee ist von Mitte November bis Mitte Dezember mit mehreren Teams vor Ort, um die nach Europäischen Recht illegale Fangsaison zu dokumentieren.
  • Habichtfalle aufgestellt – Falkner muss 1.500 Euro zahlen: Vor drei Jahren haben Mitarbeiter des Komitees gegen den Vogelmord im sauerländischen Menden (Nordrhein-Westfalen) auf dem Grundstück eines Falkners einen fängig gestellten Habichtfangkorb entdeckt. Im November 2017 steht der Mann vor Gericht. Seiner Behauptung, er habe einen ihm angeblich entflogenen Habicht einfangen wollen, schenkt der Richter keinen Glauben. Der Falkner muss 1.500 Euro an die Staatskasse zahlen.
  • Einsatz auf Sardinien: Mitglieder unseres italienischen Partnerverbandes Lega Abolizione Caccia (L AC) suchen zusammen mit Komitee-Mitarbeitern auf der Mittelmeerinsel Sardinien nach Rosshaarschlingen. Innerhalb einer Woche finden sie rund 550 der illegalen Fallen, die die Vogelfänger vor allem zum Fang von Drosseln und Rotkehlchen aufstellen. Noch vor wenigen Jahren haben wir bei diesem Einsatz bis zu 10.000 Schlingen abgebaut – der Rückgang geht unmittelbar auf unsere langjährigen Vogelschutzcamps zurück!

Dezember

Baggern für den Naturschutz: Anlage eines Gewässers in Schleswig-HolsteinBaggern für den Naturschutz: Anlage eines Gewässers in Schleswig-Holstein

  • Baggerarbeiten: Im Rahmen des vom Land Schleswig-Holstein zu 100 % geförderten Komitee-Projektes „Froschland“ wurden im Jahr 2017 in fünf Landkreisen im Nordosten des Bundeslandes 31 neue Gewässer angelegt. Ziel ist die Wiederherstellung von Laichgewässern für gefährdete Amphibien wie Laubfrosch und Rotbauchunke, aber natürlich auch die Schaffung von Lebensräumen für Libellen und Wasservögel. Seit dem Start des Projektes im Jahr 2009 wurden damit inzwischen 380 (!) Teiche angelegt.
  • Die Vogelfänger auf Zypern haben keine Ruhe: Nur vier Wochen nach dem Ende des Herbstcamps und sechs Wochen vor Beginn des Wintercamps macht das Komitee gegen den Vogelmord einen kleinen Vogelschutz-Einsatz auf der Mittelmeerinsel. 72 Netze und über 300 Leimruten werden eingesammelt!
  • In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Rat für Vogelschutz (DRV) erstellt und veröffentlicht das Komitee eine europaweite Studie über den Abschuss von 82 Zugvogelarten im Rahmen der legalen Jagd. Anhand offizieller Jagdstatistiken kann belegt werden, dass jedes Jahr mindestens 40 Millionen Zugvögel in der EU legal getötet werden, darunter 1,4 Millionen Turteltauben, 1,6 Millionen Wachteln, 107.000 Kiebitze und 899.000 Feldlerchen. Die Studie erscheint in Ausgabe Nr. 53 der renommierten Fachzeitschrift „Berichte zum Vogelschutz“.
  • Das vom Komitee gegen den Vogelmord seit vielen Jahren mitfinanzierte Wildtierauffangzentrum „Il Pettirosso“ in Modena wächst stetig. Im Sommer werden weitere Volieren für Kleinvögel errichtet, das Gehege für verletzte oder von den Behörden sichergestellte Luchse und Wölfe wird im Spätherbst ausgebaut. Im Jahr 2017 werden über 3.800 Tiere aufgenommen, darunter alleine 2.900 Vögel (davon rund 2.200 Singvögel und 450 Greifvögel), mehr als 520 Paarhufer (vor allem Rehe), 220 Marder, Wiesel und Dachse sowie 65 Stachelschweine und 8 Wölfe.
  • Unser Vorsitzender Heinz Schwarze wird in Kiel mit dem „Emmy und Karl Kaus“-Preis für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Die Karl Kaus-Stiftung würdigt damit seine herausragenden Verdienste für den Vogelschutz in Schleswig-Holstein und seinen jahrelangen Kampf gegen die Vogeljagd im Mittelmeerraum, insbesondere auf Malta. Wir sagen: Herzlichen Glückwunsch, lieber Heinz, du hast es verdient!

Danksagung

Für ihre freundliche Unterstützung und gute Zusammenarbeit bedanken wir uns ganz herzlich bei der Stiftung Pro Artenvielfalt (Bielefeld), der Karl-Kaus-Stiftung für Tier und Natur (Bremen), der Minara-Stiftung (Schweiz), der Firma LUSH, der Umweltpolizei von Malta (ALE), den Carabinieri-Forestale in Italien und ihrer Antiwilderereinheit SOARDA, der Guardia Civil in Spanien (SEPRONA), dem Anti-Poaching-Squad (APS) der Polizei auf Zypern, der UNO-Polizei auf Zypern, der SBA-Polizei in der britischen Militärbasis Dhekelia, dem Sekretariat der Berner Konvention zum Schutz der europäischen Tierwelt (Straßburg), dem Büro der Bonner Konvention zum Schutz wandernder Arten (CMS, Bonn), dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP), dem Bundesamt für Naturschutz und dem Bundesumweltministerium, der Stabsstelle Umweltkriminalität im Düsseldorfer Umweltministerium, der Ligue pour la Protection des Oiseaux (LPO, Paris), der Lega Italiana Protezione Ucelli (LIPU, Rom), den Jagdaufsehern des italienischen WWF, der Lega Abolizione Caccia (L AC) in Mailand, der Ente Nazionale Protezione Animali (ENPA) auf Ischia, dem Wildtierauffangzentrum „Il Pettirosso“ des CSA in Modena, der Society for the Protection of Nature in the Lebanon (SPNL), der Lebanese Bird Conservation Coalition (LBCC), unseren Freunden von BirdLife Malta, den spanischen Naturschutzgruppen GECEN, AE-Agró und GER-EA (alle Valencia), dem Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW, Berlin), dem Dachverband Deutscher Avifaunisten, dem Landesbund für Vogelschutz in Bayern, dem NABU Bundesverband, den NABU Landesverbänden Berlin, NRW und Baden-Württemberg, dem Deutschen Tierschutzbund, der Nordrhein-Westfälischen Ornithologengesellschaft (NWO), der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft Helgoland, dem Institut für Vogelforschung – Vogelwarte Helgoland, dem Verein ProRing e.V., dem Deutschen Rat für Vogelschutz, der Arbeitsgemeinschaft Wanderfalkenschutz, dem Verein Sächsischer Ornithologen, der Berliner Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft, der Wildvogelpflegestation Kirchwald, dem Verein Aquila e.V., der Bergischen Greifvogelhilfe, der Vogelpflegestation Paasmühle, den Biologischen Stationen Düren, Euskirchen und Bonn/Rhein-Sieg, dem Projekt Froschland e.V. , der Gemeinde Schwentinetal (ehem. Raisdorf), der Bundesstadt Bonn und natürlich all unseren Mitgliedern, Förderern und ehrenamtlichen Helfern.