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Aktionen gegen Vogelfang und Tierhandel in Neapel

Finkenfang am Vesuv

Viele Vögel - hier Grünfinken - überleben die Tortour des Fangs nichtViele Vögel - hier Grünfinken - überleben die Tortour des Fangs nichtIn der ausufernden Metropole Neapel (Region Kampanien/Süditalien) sind Stieglitze, Grünfinken und Zeisige traditionelle Glücksbringer. Von unzähligen Balkonen in den engen und mit Autos überfüllten Häuserschluchten der Altstadt hört man die in kleine Käfige gesperrten Tiere singen - für viele alteingesessene Neapolitaner gehört ein Fink schlicht zum Inventar des Haushaltes.
Mit Stell- und Schlagnetzen sowie mit speziellen Fangkäfigen wird den Singvögel auf den wenigen verbliebenen Freiflächen nachgestellt, vor allem an den Hängen des Vesuvs ist der Vogelfang noch weit verbreitet. Die Tiere werden über den regulären Zoohandel verkauft, der im Übrigen auch die notwendigen Utensilien für die Wilderei feilhält. Oft genug wird die "heiße Ware" nicht einmal unter dem Ladentisch, sondern für Jedermann sichtbar angeboten.
Der Fang der Finkenvögel ist nach italienischem Recht eine Straftat, ebenso wie der Verkauf und der Besitz von Fallen und Netzen. Doch in einer Stadt, in der das Verbrechen in Form der Camorra allgegenwärtig ist, gehören Verstöße gegen das Naturschutz- und Jagdgesetz eher zu den Kleinigkeiten.

Razzias bei Zoohändlern und Tierpräparatoren

Polizisten und Vogelschützer mit der "Ausbeute" einer Razzia: Käfigfallen und Dutzende FinkenPolizisten und Vogelschützer mit der "Ausbeute" einer Razzia: Käfigfallen und Dutzende FinkenUnsere Partner von der LIPU Neapel haben sich auf diesen typisch neapolitanische Art von Wilderei spezialisiert und gehen in Zusammenarbeit mit der Forstpolizei gegen Vogelfang und Tierhandel vor. So werden in zuvor ausgekundschafteten Zoogeschäften in regelmäßigen Abständen lebende, meist frisch gefangene Singvögel beschlagnahmt, ebenso wie die für den Vogelfang benötigten Netze und - in großer Zahl - die kleinen Fangkäfige. Jedes Jahr werden auf diese Art und Weise Hunderte Finken und große Mengen von Fanggeräten sichergestellt.
Fast nebenbei finden die Naturschützer und Polizisten bei den Razzien auch oft andere geschützte Arten. So sind alleine im Herbst 2006 Dutzende Leguane und geschützte Schildkröten aus den Tropen beschlagnahmt worden. Zudem haben die Beamten immer wieder tiefgefrorene oder bereits ausgestopfte Vögel bei Präparatoren ausfindig gemacht und einkassiert.

Damit die Einwohner Neapels mehr für die Belange des Natur- und Tierschutzes sensibilisiert werden, werden die von der Forstpolizei beschlagnahmten Vögel einmal im Jahr öffentlich am Rande der Großstadt freigelassen. An diesen "Freilassungsfesten" beteiligen sich meist mehrere Schulklassen - für die Lokalmedien ein guter Anlass, über die Wilderei und ihre Folgen zu berichten.

Besonders aufsehenerregend war die "Operazione Faraone" (Operation Pharao) im April 2007. Bei der von langer Hand vorbereiteten Aktion wurden drei Präparatoren in den neapolitanischen Vororten Giugliano, Ponticelli und Miano festgenommen, insgesamt 65 Präparate geschützter Arten wurden beschlagnahmt, darunter Mäusebussarde, Wanderfalken, Fischadler, Kraniche, Kiebitze und Wiedehopfe. Zudem wurden 11 tiefgefrorene Tiere (darunter 6 Eisvögel und mehrere Griechische Landschildkröten) und 8 lebende Käfigvögel (Buchfinken, Stieglitze und 4 Feldlerchen) gefunden. Zudem konnten die Jagdaufseher 2 Fangnetze und 1 Fangkäfig sicherstellen.