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Greifvogeljagd in Süditalien:
Erste Komitee-Aktion an der Straße von Messina

Ehrenamtliche Komitee-Mitarbeiter an der Straße von Messina im EinsatzEhrenamtliche Komitee-Mitarbeiter an der Straße von Messina im EinsatzDie Vögel, die den mittleren Zugweg wählen, fliegen im Herbst über die Alpen und Italien, überqueren südwestlich von Sizilien das Mittelmeer und gelangen so nach Afrika. Im Frühling kommen sie von Afrika und fliegen über Italien in ihre mitteleuropäischen Brutgebiete. Dabei passieren sie ganz zwangsläufig die Straße von Messina. Die Meerenge liegt in Süditalien zwischen dem italienischen Festland und der Insel Sizilien. Jeden Frühling und Herbst kommen hier Abermillionen Vögel vorbei.

Wie überall, wo Zugvögel in dichten Schwärmen regelmäßig auftreten, hat sich auch an der Straße von Messina eine sehr ausgeprägte Jagdtradition entwickelt. Was einst wichtig für die Ernährung war, ist heute reiner Zeitvertreib. Dazu kommt die Sammelwut nach präparierten Tieren und eine unselige Tradition aus überkommenen Männerriten – nur wer jährlich einen Greifvogel schießt, so heißt es hier, kann auch seinen ehelichen Pflichten nachkommen. Das glaubt heute zwar kaum mehr jemand und selbstverständlich sind alle Greife inzwischen streng geschützt, doch Tradition ist Tradition. Nirgends sonst in Italien ist die illegale Greifvogelverfolgung noch so verbreitet, wie an der Straße von Messina.

Die Straße von Messina ist eine "Zwangspassage" für Zugvögel, die von Europa nach Afrika oder umgekehrt ziehen wollen (Quelle: GoogleEarth)Die Straße von Messina ist eine "Zwangspassage" für Zugvögel, die von Europa nach Afrika oder umgekehrt ziehen wollen (Quelle: GoogleEarth)In den 70er und 80er Jahren war die Jagd auf Großvögel an Straße von Messina so schlimm, wie auf Malta. Jedes Jahr wurden Tausende Bussarde, Weihen und Falken, Adler, Störche und Reiher geschossen. Es ist engagierten Natur- und Tierschützern verschiedener Verbände – allen voran der italienischen Vogelschutzliga LIPU und dem WWF – zu verdanken, dass sich die Situation in Messina deutlich verbessert hat. Vor allem auf der sizilianischen Seite ist es in enger Kooperation mit der Polizei gelungen, dem illegalen Treiben der Wilderer ein weitgehendes Ende zu bereiten. Auf der anderen Seite der Meerenge, in Kalabrien, hat sich aber die Wilderei bis heute behaupten können. Auch hier im „Wilde Süden“ Italiens haben zwar viele Greifvogeljäger schon die Flinte an den Nagel gehangen, aber einige Hundert notorische Wilderer sind immer noch auf der Pirsch nach Wespenbussarden und anderen Krummschnäbeln. Dazu kommen Vogelfänger, die in Gärten und Olivenhainen mit Schlagnetzen Finken fangen. Die Tiere landen entweder im Kochtopf oder enden als Stubenvögel in Wohnzimmern.

Seit 1985 gibt es die Vogelschutzaktion in Kalabrien. Bis zum Jahr 2012 hat die LIPU das Camp finanziert, im Jahr 2013 hat das Komitee gegen den Vogelmord die Leitung des Vogelschutzcamps auf der kalabrischen Seite der Straße von Messina (Provinz Reggio Calabria) übernommen. Vom 27.04. bis zum 12.05. werden insgesamt 17 Komitee-Mitglieder die wichtigsten Durchzugsgebiete und Rastplätze der Greifvögel überwachen. Ziel ist es vor allem, in enger Zusammenarbeit mit der Staatlichen Forstpolizei die Wilderer in flagranti zu überführen. Aber wie bei den Komitee-Aktionen auf dem nur 300 km südlich gelegenen Malta wird alleine die Anwesenheit der Teams viele Wilderer abschrecken.

Die Karl-Kaus-Stiftung für Tier und Natur unterstützt uns jedes Jahr bei der Finanzierung unserer Zugvogelschutzcamps an der Straße von Messina.