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Habichtsadlerschutz in Italien

Komitee unterstützt ein Nestbewachungs-Programm italienischer Ornithologen auf Sizilien

Habichtsadler sind durch Nesträuber und illegale Jagd in Europa vom Aussterben bedrohtHabichtsadler sind durch Nesträuber und illegale Jagd in Europa vom Aussterben bedrohtAuf Sizilien brüten Italiens letzte Habichtsadler, Lannerfalken und Schmutzgeier. Die Bestände dieser Arten sind in den letzten Jahrzehnten dramatisch geschrumpft, der Schmutzgeier steht sogar knapp am Rande des Aussterbens. Vom Habichtsadler brüten gerade noch 22 Paare auf Sizilien!

Der Grund für den Rückgang dieser Arten ist neben Habitatzerstörung und illegale Jagd vor allem Eierklau! Skrupellose Tierhändler rauben die Nester aus, um die begehrten Vögel an Falkner, Vogelsammler und andere "Tierfreunde" für viel Geld zu verkaufen. In den letzten Jahren hat sich ein großes Netzwerk von Schmugglern etabliert, die von Sizilien aus halb Europa mit Adlern und anderen Greifvögeln bedienen.

Komitee-Mitarbeiterin auf ihrem Beobachtungsposten unweit des AdlernestesKomitee-Mitarbeiterin auf ihrem Beobachtungsposten unweit des AdlernestesUm dieser Besorgnis erregenden Entwicklung entgegen zu wirken, hat sich im Jahr 2012 aus verschiedenen ornithologischen Verbänden und Naturschutzvereinen die Gruppe "Coordinamento Tutela Rapaci Sicilia" gebildet. Das erklärte Ziel ist eine Überwachung aller durch Nesträuber gefährdeter Nester bedrohter Arten zu koordinieren. Der Habichtsadler steht als "gewinnbringendste Art" ganz oben auf der Liste der Naturfreunde, hier sollen künftig alle Horste während der gesamten Brutzeit observiert werden. Das Komitee gegen den Vogelmord beteiligt sich an der Aktion mit einem finanziellen Zuschuss und mit ehrenamtlichen Komitee-Mitgliedern aus verschiedenen europäischen Ländern.

Die "Saison 2014" ist im Juli erfolgreich abgeschlossen worden, kein Adlernest wurde gestört. Aus den 54 bekannten Nestern sind mindestens 27 Jungvögel ausgeflogen. Einzelne Nester waren so ablegen, dass eine Brutkontrolle kaum möglich war - es sind also sehr wahrscheinlich mehr Junge gewesen. Insgesamt haben sich 65 Natur- und Tierfreunde an der Aktion beteiligt, darunter 5 Mitglieder des Komitees gegen den Vogelmord.

Juni 2013: Polizei überführt Adlerdiebe

Junger Habichtsadler (© Antonio Guarrera)Junger Habichtsadler (© Antonio Guarrera)Trotz der aufwändigen Überwachung ist es Wilderern im Mai 2013 gelungen, ein Nest zu plündern. Unweit der Kleinstadt Campobello di Licata sind am 08.05. zwei Jungadler aus einem Horst verschwunden. Die sofort aufgenommenen Ermittlungen einer Sondereinheit der Staatlichen Forstpolizei führten einen Monat später zum Erfolg: Mitte Juni 2013 haben Polizisten umweit Alessandria (Piemont/Norditalien) die beiden Jungadler in einem herunter gekommenden Gebäude gefunden. In der Ruine stieß die Polizei auf eine geheime Fälscherwerkstatt zur Herstellung amtlicher Ringe, die Ermittler fanden zudem gefälschte Dokumente für die Adler, Kletterausrüstung und zahlreiche tote Tiere in einer Tiefkühltruhe. Die Adler werden nun in einer Auffangsatation für Wildvögel im sizilianischen Palermo auf ihre Auswilderung vorbereitetet - gegen die Täter läuft ein Verfahren wegen Wilderei und Tierquälerei. In den folgenden Wochen ist einer der beiden Jungadler an den Folgen der "Entführung" gestorben, sein Geschwister konnte aber erfolgreich wieder ausgesetzt werden. Die Altvögel haben den "verlorenen Sohn" problemlos wieder angenommen!