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Caserta: Camorra und Entenjagd

In den Ebenen nördlich von Neapel, rund um die Kleinstadt Caserta, haben Jäger Teiche und Seen in Abschussanlagen für Wasservögel umgewandelt. Im Frühling, wenn die Jagd in ganz Italien offiziell ruht, vermieten lokale Kriminelle die Gewässer an gut zahlende Wilderer, die hier ungestört auf die Entenpirsch gehen können. Bislang jedenfalls.

Lockenten in Caserta (© WWF Italia)Lockenten in Caserta (© WWF Italia)Seit 2012 engagieren sich Mitglieder der italienischen Tierschutzvereinigung ENPA (Ente Nazionale Protezione Animali) gegen den Schießtourismus in Caserta. Das Komitee gegen den Vogelmord hat sich der Kampagne angeschlossen und entsendet seit 2014 Mitarbeiter nach Caserta, um die Überwachung der Teiche zu erweitern. Im März und April werden die „Schieß-Teiche“ von besonders unerschrockenen Natur- und Tierfreunden kontrolliert. Nachts sind die für die Jagd vorbereiteten Teiche besonders gut zu finden, weil elektronische Lockgeräte Enten- und Limikolenrufe abspielen. Neben Enten - hauptsächlich Knäkenten - werden auch Watvögel wie Stelzenläufer und Säbelschnäbler unter Beschuss genommen. Sind die Anlagen in Betrieb, werden mit Video- und Fotokameras Beweise gesichert und die Polizei zu Hilfe gerufen. Das größte Probleme dabei ist, dass die Vermieter der Gewässer im Kreis der Camorra-Familien zu suchen sind. Sie sind nicht nur gefährlich, sondern haben es bislang verstanden, sich durch gute Kontakte zu den Behörden jeder Strafverfolgung zu entziehen. Die Jäger dagegen können mit Hilfe der Polizei dingfest gemacht werden, wenn die Beamten mit entsprechenden Informationen versorgt werden. Unter den bislang überführten Wilderern waren auffällig viele Prominente aus Verwaltung, Polizei und Justiz.

Unsere Bemühungen gegen die illegale Wasservogeljagd in Caserta wird von der Karl Kaus Stiftung finanziell unterstützt.