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Stromtod von Vögeln: Durchbruch in NRW

RWE will bis 2012 alle Masten umrüsten

Mitarbeiter der Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen (EGE) mit einem Stromopfer - ein UhuMitarbeiter der Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen (EGE) mit einem Stromopfer - ein UhuIm Kampf gegen den Stromtod von Vögeln in NRW zeichnete sich 2008 ein sensationeller Durchbruch ab: Nach einem jahrzehntelangem Streit um den Tod zahlreicher Tiere an Mittelspannungsmasten hatte der Stromriese RWE endlich nachgegeben und öffentlich zugesichert, seine Stromleitungen in NRW innerhalb der nächsten vier Jahre komplett vogelsicher machen zu wollen. Eine Entscheidung, die RWE Millionen Euro kosten, aber vorraussichtlich vielen Tausend Vögeln das Leben retten könnte. Bisher wollte der Versorger seine Leitungen aus Kostengründen lediglich auf 15% der Landesfläche entschärfen – obwohl ihn § 53 des Bundesnaturschutzgesetzes dazu verpflichtet, bis 2012 sämtliche Masten entsprechend umzurüsten. In diesem Zusammenhang hatte RWE noch im Oktober 2008 auf eine Absprache mit dem Düsseldorfer Umweltministerium verwiesen, mit dem eine vollständige Entschärfung lediglich in Vogelschutzgebieten und auf weiteren 10% der Landesfläche vereinbart worden war. Diese – aus Sicht des Vogelschutzes skandalöse – Absprache ist nun offenbar hinfällig. Wie Theo Horstmann, Leiter der Unternehmenskommunikation der RWE Rhein-Ruhr AG, am 28.11.2008 den Aachener Nachrichten mitteilte, will RWE seinen Verpflichtungen aus dem Bundesnaturschutzgesetz vollständig nachkommen und bis 2012 alle Masten im Land umrüsten. Leider ist seither wenig passiert - in NRW stehen weiterhin Tausende ungesicherte Masten und töten Uhus, Bussarde, Reiher und Störche wie eh und je.

Wirbel um toten Uhu

Ungesicherte Masten wie dieser sind eine Gefahr für VögelUngesicherte Masten wie dieser sind eine Gefahr für VögelDem mutmaßlichen Kurswechsel vorausgegangen war eine Kampagne des Komitees gegen den Vogelmord und der Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen e.V. (EGE), die in den letzten Novemberwochen des Jahres 2008 für viel Wirbel in den Medien und bei RWE zu zahlreichen Nachfragen führte. Anlass für die intensive Öffentlichkeitsarbeit war der tragische Stromtod eines zweijährigen Uhu-Weibchens an einem Mast im Kreis Euskirchen. Die seltene Eule musste sterben, weil RWE beim Bau des „Todesmastes“ stromführende Teile nicht isoliert und somit gegen gesetzliche Vorschriften verstoßen hatte. Der betroffene Mast wurde von RWE mittlerweile entschärft.
In Folge der intensiven Berichterstattung zum Tod des Uhus wurden dem Komitee von aufmerksamen Zeitungslesern im Dezember 2008 sechs weitere für Vögel hochgefährliche Masten aus den Kreisen Heinsberg und Euskirchen gemeldet. Komitee-Experten haben die betroffenen Leitungen inzwischen untersucht und darunter die Reste von zwei Mäusebussarden und einer Dohle entdeckt. Alle Masten wurden fotografiert und an die zuständigen Regionalzentren von RWE gemeldet. Dort reagierte man erstaunlich schnell und versprach, mit der Umrüstung zu beginnen, sobald das Wetter dies zulässt.

§ 41 Bundesnaturschutzgesetz

Um dem vielfachen Tod von Eulen, Störchen und Greifvögeln auf Mittelspannungsmasten in Deutschland entgegenzuwirken, verpflichtete der Gesetzgeber die Stromkonzerne im Jahr 2002 dazu, bis 2012 alle für Vögel gefährlichen Leitungen zu entschärfen. Konkret heißt es in § 53 des Bundesnaturschutzgesetzes: „Zum Schutz von Vogelarten sind neu zu errichtende Masten und technische Bauteile von Mittelspannungsleitungen konstruktiv so auszuführen, dass Vögel gegen Stromschlag geschützt sind. An bestehenden Masten und technischen Bauteilen von Mittelspannungsleitungen mit hoher Gefährdung von Vögeln sind innerhalb von zehn Jahren die notwendigen Maßnahmen zur Sicherung gegen Stromschlag durchzuführen“.

Zu diersem Thema finden Sie weitere Informationen bei der Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen e.V. ., die sich schon seit Jahrzehnten für eine Sicherung von Strommasten einsetzt.