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Schrot- und Bleiproblematik in Deutschland

3. Verwendung bleihaltigen Schrots bei der Jagd auf "Niederwild"

Schrotkugeln im Magen eines WasservogelsSchrotkugeln im Magen eines WasservogelsBei der Jagd auf das sog. "Niederwild" (mit Ausnahme des Rehs) wird fast ausschließlich Schrot verwendet. Das Treffen kleiner, sich rasch bewegender Tiere ist für die meisten Jäger aufgrund schlechter Ausbildung oder wegen Ungeübtheit mit Büchsengeschossen nicht möglich. Die bei der "Niederwildjagd" in Deutschland zur Anwendung kommenden Schrote sind zu einem erheblichen Teil bleihaltig. Nur rund 5% aller in Deutschland verkauften Schrotpatronen bestehen aus anderen Metallen (Schlederer 2001).
Anders als bei der Jagd auf die großen Paarhufer (siehe Punkt 2.) ist die Trefferquote beim kleineren Niederwild ungleich geringer. Dänische Wissenschaftler haben herausgefunden, dass bei der Jagd auf Niederwild nur jeder 17. Schuss tödlich ist. Demnach rieseln die restlichen 16 Schuss ungehindert zu Boden (Schlederer 2001).
Bei einer Niederwildstrecke von rund 3 Millionen Tieren ergibt dies eine Menge von etwa 50 Millionen umsonst verschossener Schrotpatronen. Das durchschnittliche Bleigewicht einer Schrotpatrone beträgt 31 Gramm (Schlederer 2001), die 50 Millionen "Blindgänger" hinterlassen also mindestens 1.550 Tonnen Blei jährlich in Böden und Gewässern.
Andere Autoren vermuten zwischen 22 (Rutschke 1997) und 64 Schüssen (Meltofte 1979) pro getötetem "Stück Niederwild". So kommen auch die Unterschiede bei Schätzungen der Bleibelastung durch die Jagd in Deutschland zustande. Verschiedene Stellen berichten von 1.500 bis hin zu 9.000 Tonnen unnötig verschossenen Bleis (Schlederer 2001).

Um ihr Futter besser verdauen zu können, nehmen Enten bei der Nahrungssuche kleine Steinchen auf, die als sog. "Magensteinchen" im Verdauungstrakt verbleiben. Untersuchungen in der ganzen Welt haben ergeben, dass bis zu 20% aller Enten dabei Schrotkugeln aufnehmen, die im Magen langsam angelöst werden und in Form von hochgiftigen Bleisalzen ins Blut gelangen. Die Vögel erleiden eine Bleivergiftung, welche sie flug- und gehunfähig macht. Mattigkeit bis hin zum Zusammenbruch des Abwehrsystems und Gewichtsverlust sind die Folge. Die Tiere können weder sich selbst noch ihre Jungen versorgen. Manche Wissenschaftler schätzen, dass bis zu einem Viertel aller Wasservögel in intensiv bejagten Gebieten an Bleivergiftung sterben (Schlederer 2001). In Deutschland sind es bei einem Gesamtbrutbestand von rund 450.000 Entenvögel (Rheinwald 1993) jährlich sicher über 100.000 Tiere, die auf diese Weise qualvoll ums Leben kommen.

Alle Arten von "Niederwild" (mit Ausnahme des Rehs) sind Beutetiere für diverse Kleinraubtiere. So werden insbesondere durch Bleivergiftung geschwächte, angeschossene oder bereits verendete Wasservögel von Seeadlern, Bussarden, Milanen und Kolkraben gerne erbeutet. Die Beutegreifer werden durch das Gift im Körper ihrer Beutetiere oder durch die Aufnahme der im Magen oder Fleisch befindlichen Schrotkugeln vergiftet. In Gipfelprädatoren sammelt sich so über einen langen Zeitraum das aus der Jagd stammende Blei und führt zu überdurchschnittlich hohen Verlusten durch Bleivergiftung. So sind in den vergangenen 10 Jahren in Brandenburg mehr als 10 Fälle an Bleivergiftung verendeter Seeadler bekannt geworden.