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Mindestanforderungen an eine zeitgemäße Jagd in Deutschland

Das Komitee gegen den Vogelmord e.V. engagiert sich seit Jahren für die Abschaffung der Jagd auf Zugvögel, der Fallenjagd, der Falknerei und vielen anderen Missständen in Deutschland.
Tierarten wie Rehe, Kaninchen und Hirsche sollten nur noch dann bejagt werden dürfen, wenn dies aus wichtigen Gründen des öffentlichen Wohls, etwa dem Schutz von Bergwäldern vor Verbissschäden, unbedingt nötig ist. Die Tötung von wildlebenden Tieren zur Befriedigung der "Waidfreuden" einer Minderheit muss in zivilisierten Ländern endgültig der Vergangenheit angehören.

Dies sind unsere wichtigsten Forderungen:

1. Keine Jagd auf Vögel

Blässgänse (© D.Thienel)Blässgänse (© D.Thienel)Es gibt keinen vernünftigen Grund, wildlebende Vögel zu bejagen. Auch angebliche Fraßschäden von Wildgänsen und einigen wenigen anderen Arten auf landwirtschaftlichen Nutzflächen können angesichts der europaweiten Überproduktion im Agrarsektor kaum mehr als Begründung herhalten. Zudem kommt es so oft zur Verwechslung jagdbarer mit geschützten und gefährdeten Arten, dass die Jagd nicht mehr tragbar ist.

2. Schutz der Beutegreifer

Die verbliebenen Beutegreifer wie Füchse, Marder und Greifvögel dürfen nicht länger als lästige Konkurrenten von den Jägern verfolgt werden. Sie sind ein wertvoller Bestandteil des Ökosystems und beteiligen sich maßgeblich an der Erhaltung eines natürlichen und gesunden Tierbestandes. Der Wunsch der Jäger nach der einseitigen "Hege" von besonders beliebter Jagdbeute wie Fasanen, Hasen oder Rebhühnern darf kein Grund für die gnadenlose Verfolgung von Fuchs, Marder und Co. sein. Die "Raubtiere" gehören nach niederländischem Vorbild unter Schutz gestellt.

3. Schluss mit der Fallenjagd

Durchlauffalle für FüchseDurchlauffalle für FüchseIn Deutschland werden jedes Jahr immer noch Zehntausende Säugertiere - vor allem Füchse und Marder - mit brutalen Fallen gefangen und getötet. Die Fanggeräte sind in ihrer Mehrzahl tierquälerisch und führen zu zudem zahllosen Fehlfängen geschützter oder geschonter Arten. Die Anwendung und der Verkauf von mittelalterlichen Abzugeisen, Scherenfallen, Habichtfangkörben und anderen Fallen müssen endlich verboten werden.

4. Weniger jagdbare Arten

In Zukunft sollten alle Tierarten dem Naturschutzrecht unterliegen. Lediglich einige "Problemarten" wie Rehe, Hirsche und Wildschweine könnten zum Abschuss freigegeben werden, wenn sie nachweislich Schäden in der Land- und Forstwirtschaft anrichten. Die Lister der jagdbaren Arten sollte sich auf jeden Fall an den internationalen Schutzvorschriften ausrichten - nicht wie bislang, wonach Dutzende von Tierarten in Deutschland jagdbar sind, obwohl sie in ganz Europa geschützt sein sollten.

5. Keine Wildfütterung

Rüben als WildfütterungRüben als WildfütterungDie Fütterung jagdbarer Tiere behindert die natürliche Regulation, führt zu genetischer Degeneration und überhöhten Wildbeständen. Die Folge sind Schäden in der Land- und Forstwirtschaft. Ein nicht unerheblicher Teil der deutschen Jagdstrecke - im Jahr immerhin mehr als 3 Millionen Tiere - könnte vermieden werden, wenn die "Jagdbeute" nicht gemästet werden würde.

6. Kurze Jagdzeiten

Während der Zug- und Rastzeit nordischer Vögel, der Fortpflanzungs- und Aufzuchtzeit der heimischen Tiere muss die Jagd wegen der damit einhergehenden Störungen völlig unterbleiben. Eine Regelung wie bislang, die die Jagd an jedem Tag im Jahr erlaubt, ist nicht zielführend, sondern nutzt nur den Bedürfnissen der Hobbyjäger.

7. Keine Jagd mit Schrot und Blei

BleischrotBleischrotDie Verwendung von Schrotmunition gehört endlich verboten. Bei jedem Schuss werden hunderte von Kugel abgefeuert, die die Tiere oft nur verletzen ("anschroten"), aber nicht töten. Die Schrote aus Blei verseuchen zudem Gewässer und Böden und führen zu Vergiftungen bei Wildtieren.
Das gleiche gilt für die Verwendung von bleihaltiger Jagdmunition. Mehr zu diesem interessanten Thema lesen Sie hier.

8. Verbesserte Jagdaufsicht

Deutschland hat keine funktionierende Jagdaufsicht! Das Jagdgesetz sieht vor, dass die Jäger selbst die Einhaltung der Gesetze kontrollieren und macht damit den Bock zum Gärtner. Es bedarf auch in Deutschland unabhängiger Jagdaufseher, die etwa nach italienischem Vorbild von Forstbehörden oder von den staatlich anerkannten Naturschutzverbänden gestellt werden könnten.

9. Jagdfreie Schutzgebiete

Naturschutzgebiete, Nationalparks und durch internationale Übereinkommen geschützte Reservate (wie z.B. EU-Vogelschutzgebiete) müssen wirkliche Rückzugs- und Ruhezonen für sämtliche wildlebende Tiere sein. Sie sind deshalb, wie das in vielen anderen europäischen Ländern schon längst der Fall ist, von der Jagd zu verschonen.

Da in Deutschland kaum 4 % der Landesfläche unter Schutz stehen, ist die Einrichtung weiterer jagdfreier Ruhezonen sinnvoll.

10. Wildtiere gehören niemandem

Wildlebende Tiere gehören nicht einer kleinen, jagenden Minderheit. Wenn überhaupt, sind sie ein gemeinschaftliches Naturgut aller Bürger und sollten auch in ausreichendem Maße erlebbar sein. "Scheugeschossene" und rund ums Jahr bejagte Tierbestände können diese Anforderung nicht erfüllen. Dies sollte bei der Gesetzgebung einer modernen Gesellschaft Berücksichtigung finden.