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Borken: Greifvogel-Fänger gefilmt und angezeigt

Illegale Tier-Fallen bei Reken – Polizei ermittelt

Pressemeldung vom 09.04.2008

Borken. Im Münsterland haben Vogelschützer eine illegale Greifvogel- und Krähenfalle entdeckt und den mutmaßlichen Fänger in flagranti erwischt!

Acht Tage hatten sich Mitarbeiter des Komitees gegen den Vogelmord mit Videokameras im Wald bei Groß-Reken (Kreis Borken) versteckt und die Falle observiert. Am Morgen des 9.4.2008 gegen 9:30 Uhr schlug die Falle der Vogelschützer zu. „Wir haben gefilmt, wie sich eine Person an der Falle zu schaffen machte und die Lockvögel versorgte", so Alexander Heyd. Der Vogelfänger war derart in seine Arbeit an der Falle vertieft, dass er nicht bemerkte, wie sich die drei Vogelschützer bis auf 5 Meter näherten. Nachdem es den Komiteemitgliedern gelang, etwa 4 Minuten unbemerkt aus nächster Nähe alle Einzelheiten zu filmen, sprachen sie den Mann an, der sich in wirre Ausflüchte zu retten versuchte. Nach kurzer - auf Video dokumentierter - Diskussion mit dem Mann riefen die Vogelschützer die Polizei. Die verdächtige Person, die sich den Vogelschützern gegenüber als Jagdaufseher des betreffenden Gebietes ausgab, entfernte sich allerdings wenige Minuten vor Eintreffen der Beamten vom Tatort. Er habe „Dringendes zu erledigen“, so der Jäger, und fuhr davon.

In bzw. um die Falle herum wurden Reste eines toten Sperbers und Federn eines Mäusebussardes sichergestellt. Bei beiden handelt es sich um streng geschützte Arten. Weiterhin befanden sich in der Falle zwei lebende Krähen und eine Brieftaube, die als Lockvögel gedient hatten. Auf die Ködertiere angesprochen erklärte der Verdächtige, die Krähen seien "krank" und er pflege die Tiere gesund, um sie im Revier "wieder anzusiedeln". Unfreiwillig komisch waren seine Ausführungen zu der - immerhin gesunden - Locktaube; diese sei die "Gesellschaft für die Krähen"!

Neben der Greifvogelfalle entdeckten die Naturschützer weiterhin zwei illegale, aktivierte Totschlagfallen zum Fang von Füchsen, eine weitere trotz Schonzeit fängisch gestellte Marderfalle sowie in einiger Entfernung drei tote Mäusebussarde und einen toten Habicht. Woran die Tiere gestorben sind, sollen nun Analysen des Kreisveterinäramtes klären. Die Polizei hat alle Fallen und toten Tiere in Augenschein genommen und fotografisch dokumentiert, den Abbau der Fanggeräte übernahm der Bauhof des Kreises Borken. Die Vogelkadaver wurden von einem Mitarbeiter der Unteren Naturschutzbehörde sichergestellt.

Das Komitee gegen den Vogelmord hat Strafanzeige gegen den Jagdaufseher und gegen Unbekannt wegen Verdacht auf Verstoß gegen das Bundesnaturschutzgesetz, Tierquälerei und Schonzeitvergehen erstattet. Eine disziplinarrechtliche Folge könnte die Vogelfängerei für den Jäger auch noch nach sich ziehen - er war nämlich mit dem Dienstwagen einer Borkener Behörde im Wald unterwegs!

V.i.S.d.P.: Axel Hirschfeld, Komitee gegen den Vogelmord, An der Ziegelei 8, 53127 Bonn