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PRESSEMITTEILUNG - 8. August 2014

Kreis Kleve: Naturschutzgebiete in "Safariparks" umgestaltet
800 zahme Enten als "Kanonenfutter" für Jäger ausgesetzt - illegale Fütterungen

Zur Jagd ausgesetzte Zuchtenden in Wachtendonk/NRW im August 2014Zur Jagd ausgesetzte Zuchtenden in Wachtendonk/NRW im August 2014Geldern. Vogelschützer werfen Jägern im Kreis Kleve vor, zwei wertvolle Naturschutzgebiete (NSG) durch das massenhafte Aussetzen und Füttern gezüchteter Enten stark zu beeinträchtigen. Betroffen sind die beiden geschützten Flächen "Niersaue" bei Wachtendonk sowie das Naturschutzgebiet "Fleuthkuhlen" in Geldern. Mitarbeiter des Komitees gegen den Vogelmord haben auf den Gewässern beider Schutzgebiete etwa 800 frisch ausgesetzte, junge Hochbrutflugenten - eine Zuchtform der Stockente - gezählt und zahlreiche illegale Fütterungen entdeckt. Die zahmen Tiere wurden in den letzten Wochen dort freigelassen und sollen zu Beginn der Jagdsaison im September bei Gesellschaftsjagden abgeschossen werden, so der Verband.

Futtertonne im Naturschutzgebiet Fleuthkulen bei Kleve/NRW. Hier gilt ein abolutes Fütterungsverbot!Futtertonne im Naturschutzgebiet Fleuthkulen bei Kleve/NRW. Hier gilt ein abolutes Fütterungsverbot!"Die Gewässer werden durch den massiven Eintrag von Mais, Futtergetreide und Vogelkot stark geschädigt. Der Uferbewuchs ist durch Fütterungen und Trittschäden an vielen Stellen völlig verschwunden", berichtet Komiteevorsitzender Heinz Schwarze. Außerdem würden insbesondere im Bereich der Niersaue fast alle anderen wildlebenden Wasservögel durch die schiere Masse der Zuchtenten aus den Gebieten verdrängt, kritisiert der Ornithologe. Zwei der wichtigsten Schutzziele des NSG - nämlich der Schutz wildlebender Wasservögel sowie der Erhalt einer naturnahen Auenlandschaft - würden dadurch ad absurdum geführt. Das offene Ausbringen großer Futtermengen in und an den Gewässern beider Schutzflächen stellt nach Ansicht des Komitees außerdem einen eindeutigen Verstoß gegen §25 des Landesjagdgesetzes dar. Im NSG Fleuthkuhlen, wo den Enten das Futter zusätzlich auch von mindestens 6 Futterstationen "automatisch" serviert wird, besteht laut Landschaftsplan für das Gebiet Geldern/Issum ein grundsätzliches Verbot für das Betreiben von Fütterungen für Wasservögel sowie das Aussetzen von Wassergeflügel. Das Komitee fordert deshalb, dass die ausgesetzten Vögel auf Kosten der Verantwortlichen wieder eingefangen und sämtliche Fütterungen unverzüglich entfernt werden.

Bereits im September letzten Jahres hatte das Komitee die Untere Jagdbehörde des Kreises Kleve schriftlich auf das Aussetzen und illegale Füttern von Enten im NSG "Fleuthkulen" aufmerksam gemacht. "Was auch immer die Kreisverwaltung zum Schutz des Gebietes veranlasst hat - es hat offenbar Niemanden beeindruckt", so Komiteesprecher Axel Hirschfeld. "Das massenhafte Aussetzen und der Abschuss zahmer Tiere schadet der Natur und dient allein dem Vergnügen der beteiligten Jäger". Das Komitee hat Umweltminister Remmel deshalb aufgefordert diese Praxis bei der für 2015 anstehenden Reform des Landesjagdgesetzes ganz zu verbieten. Das gilt auch für die Ausübung der Jagd in Naturschutzgebieten.

V.i.S.d.P/Rückfragen/Bildmaterial: Komitee gegen den Vogelmord, Axel Hirschfeld, An der Ziegelei 8, 53127 Bonn, Tel.: 0228/665521, Email: komitee@komitee.de, Internet: www.komitee.de