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Föhr: Vogelfang im Nationalpark

Das Wattenmeer gehört weltweit zu den wichtigsten Rastgebieten für Zugvögel überhaupt. Deshalb ist es schon vor Jahren zum Nationalpark erklärt worden. Die früher weit verbreitete Jagd auf Zugvögel und Robben wurde im gesamten Schutzgebiet verboten.

Einziger Schönheitsfehler: Die im Reservat gelegenen Inseln sind vom Jagdverbot ausgenommen. Werden die Wattflächen bei Flut überschwemmt, gelangen die auf die Eilande ausweichenden Tiere in den Bleihagel der Waidmänner. In die sog. Fangpfeife werden die Enten getrieben, um Ihnen am Ende das Genick zu brechen

Und nicht nur das. Auf Föhr ist sogar der Vogelfang für Kochtopf und Bratpfanne immer noch offiziell erlaubt! In "Entenkojen", ausgedehnten Anlagen zum Massenfang von Wasservögeln, dürfen alljährlich Hunderte Wildenten getötet werden. Das Umweltministerium in Kiel hat dies nach bestem italienischem Vorbild per Sonderverordnung erlaubt.

Wenn Ende September die Touristen Föhr verlassen, werden die Entenkojen fangfertig gemacht. Wälder mit großen Teichen locken die durchziehenden Enten an. Kaum haben sich die vom Zug erschöpften Tiere niedergelassen, werden sie in mit Maschendraht überspannte Fangreusen gejagt. Am Ende der bis zu 100 m langen Reusen lauern die Vogelfänger, die den Vögeln mit bloßen Händen das Genick brechen. In zahlreichen Werbeprospekten werden die Entenkojen als besondere Attraktion gepriesen. Im Sommer schleust man Scharen von Touristen durch sie hindurch. Die direkt neben der streng geschützten Kernzone des Nationalparks gelegene Fanganlage "Alt Oevenum" wurde sogar unter Denkmalschutz gestellt.

Die Föhrer Vogelfänger scheuen kaum eine Ausrede, um ihr überkommenes Hobby zu rechtfertigen. Man schreckt noch nicht einmal davor zurück, die Fanganlagen als "Vogelschutzbiotope" zu deklarieren, weil in den Fangwäldern, wie überall anders auch, Amseln, Meisen und ein paar andere recht häufige Vogelarten brüten. Tatsächlich gibt es in ganz Deutschland inzwischen Tausende Vogelreservate, in denen die dort zu schützenden Zugvögel vor menschlicher Verfolgung selbstverständlich geschützt sind.

Das Komitee gegen den Vogelmord hat gegen den Vogelfang auf Föhr eine Umweltbeschwerde bei der EU-Kommission auf den Weg gebracht. Viele unserer Mitglieder und Förderer haben zudem beim Föhrer Fremdenverkehrsverband gegen den Vogelfang protestiert und angekündigt, bis zum Verbot der Entenkojen Föhr als Urlaubsziel zu boykottieren.