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Kormoranmassaker am Bodensee

Regierungspräsidium plant Zerstörung einer Kormorankolonie - Komitee und NABU Baden-Württemberg rufen zu Protesten auf

Der Kormoran hat als fischfressender Vogel schon seit Jahren einen schweren Stand in Deutschland. In fast allen Bundesländern ist der unter Naturschutz stehende Vogel inzwischen zum Abschuss freigegeben, nun will man auch die Zerstörung seiner Kolonien während der Brutzeit voranbringen. Den ersten Schritt dazu hat die Verwaltung des baden-württembergischen Regierungsbezirkes Freiburg gemacht. Die plant im April 2008 die Zerstörung der größten Kormorankolonie am deutschen Bodenseeufer!

Im Naturschutzgebiet "Radolfzeller Aachried", gelegen untweit von Konstanz im westlichsten Teil des Bodensees, haben sich in den letzten Jahren wieder Kormorane angesiedelt. Sie waren hier wie fast überall in Mitteleuropa in den 70er Jahren ausgestorben, die Bestände konnten sich nur aufgrud strikter Schutzvorschriften wieder erholen. Nun brüten wieder über 90 Paare in dem Schutzgebiet - und sind Anglern und Fischern ein Dorn im Auge.
Die Argumente, die die Befürworter der Aktion ins Feld führen, sind fadenscheinig. Wie so oft werden angebliche fischereiwirtschaftliche Schäden angeführt, die aber nie tatächlich dem Kormoran als Ursache angelastet werden können. Wirksame Schutzmaßnahmen zur nachhaltigen Sicherung der Fischbestände sind bislang ebenso unterblieben wie der Versuch, die Vögel an besonders kritischen Stellen zu vertreiben.

Mit Halogenscheinwerfern will die Bezirksregierung Freiburg nun den brütenden Kormoranen zu Leibe rücken. Ziel ist es, die Vögel in einer kalten Aprilnacht von den Nestern zu scheuchen, damit die Eier auskühlen und absterben. Den Beamten scheint dabei egal zu sein, dass wahrscheinlich schon Küken in den Nestern sitzen werden, die ohne den Schutz des Elterntieres binnen kürzester Zeit erfrieren würden. Auch die Tatsache, dass das Aachried ein Vogelschutzgebiet internationaler Bedeutung ist, dass mit EU-Geldern mitfinanziert wurde, schein in Freiburg niemanden zu interessieren. Die nächtliche Störaktion, die im Zweifelsfall auch mehrmals durchgeführt werden müsste, würde zweifellos auch die in der Nachbarschaft brütendenden bedrohten Rot- und Schwarzmilane, Rohrweihen, Kolbenenten und Zwergtaucher empfindlich stören - die Entwertung des Schutzgebietes wäre die Folge.

Geben Sie Ihre Stimme gegen die Koloniezerstörung ab!

Das Komitee gegen den Vogelmord hat bei der Bezirksregierung Freiburg gegen die geplante Maßnahme protestiert und droht mit rechtlichen Schritten, wenn die Vertreibungsaktion stattfinden sollte. Der NABU Baden-Württemberg hat auf seiner Internetseite eine vorgefertigte Protestmail an den Freiburger Regierungspräsidenten Julian Würtenberger geschaltet, die Sie hier finden.

Wenn Sie sich direkt an den verantwortlichen Beamten wenden möchten, benutzen Sie bitte diese Adresse:

Regierungspräsidium Freiburg
Herrn Regierungspräsident Julian Würtenberger
79083 Freiburg
Email: poststelle@rpf.bwl.de

Denken Sie dran: Die Zerstörung der Kormorankolonie ist im April 2008 geplant - die Zeit für den Protest ist also knapp!