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Fallenjagd: Anachronismus im Herzen Europas

Die Jagd mit Fallen ist in den meisten EU-Staaten schon lange verboten. Deutschland, das sein Jagdgesetz seit über 25 Jahren nicht mehr novelliert hat, bildet hier eines der Schlusslichter.

Fallen werden hierzulande vor allem zur Jagd auf für die Jäger lästige Beutegreifer wie Füchse, Marder und Waschbären sowie angeblich wildernde Hauskatzen eingesetzt. Das Sammelsurium der bis heute gängigen Fallentypen, wie sie in Jagdzeitschriften und auf Jägermessen öffentlich angeboten werden, deckt nahezu die gesamte Palette der Beutegreifer ab, egal ob offiziell geschützt oder jagdbar. Es reicht von Habichtfangkörben über Fangkäfige für Katzen und Füchse bis hin zu Schlageisen, in denen Mardern "tierschutz- und waidgerecht" die Wirbelsäule zerschlagen wird. Besonders mittelalterlich muten die sog. Scherenfallen an, mit großen Steinen beschwerte Holzkonstruktionen, unter denen Marder, Füchse und Dachse gleichermaßen zerquetscht werden. Neuerdings wird es zudem wieder Mode, lange Betonröhren als Kunstbauten für Füchse in den Revieren zu vergraben. Jagdhunde hetzen die so angelockten Tiere direkt aus den Röhren hinaus in die Fallen oder vor die Gewehrläufe der Jäger.

Laut Bundesjagdgesetz dürfen nur Fallen verwendet werden, die die Tiere entweder unversehrt fangen oder sofort töten. Tatsächlich gibt es solche Fallen überhaupt nicht. Niemand kann nämlich garantieren, dass etwa ein Tier wirklich so in eine Falle gerät, dass es sofort tot ist. Waschbären etwa betasten sämtliche Nahrung zunächst mit den Vorderpfoten, ihnen werden bei der Untersuchung von in Schlageisen angebrachten Ködern oft die Gliedmaßen zerschlagen. Gerät das kleine Mauswiesel in ein für den viel größeren Steinmarder bestimmtes Fangeisen, wird ihm mit Leichtigkeit der Unterleib und nicht das Genick zerschmettert. Selbst in Kastenfallen, die die Tiere lebend fangen, erleiden die Opfer oft stundenlange Todesangst, bis der Jäger sie mit einem gezielten Revolverschuss in die ewigen Jagdgründe befördert.

Offizielle Statistiken über die Anzahl der in Deutschland mit Fallen getöteten Tiere gibt es nicht. Da die meisten Beutegreifer wie etwa der "schlaue" Fuchs mit Gewehr nur schwer gejagt werden können, dürfte ein beachtlicher Teil der Jagdstrecke auf die Fallenjagd zurückzuführen sein. 23.687 Waschbären, 1.343 Baummarder, 24.289 Iltisse und Wiesel, 47.625 Dachse, 51.363 Steinmarder und 566.406 Füchse wurden nach offiziellen Jägerangaben alleine im Jagdjahr 2005 bundesweit getötet (siehe Jagdstrecke).

Das auch von der Bundesrepublik schon vor zwanzig Jahren ratifizierte Europäische Naturschutzübereinkommen lässt die Fallenjagd allenfalls noch in Ausnahmefällen zu. Während konsequenterweise die Niederlande z.B. nicht nur Besitz, Verkauf und Anwendung von Fallen, sondern auch die Jagd auf alle Beutegreifer verboten haben, sind deutsche Politiker bislang noch nicht einmal bereit, wenigstens das Europäische Naturschutzübereinkommen in geltendes Recht umzusetzen. Einige Bundesländer haben lediglich sog. "Fangjagdverordnungen" erlassen, die der Fallenjagd einen tierschutzgerechten Anstrich geben sollen. Trotzdem werden in Nordrhein-Westfalen selbst im Frühling, zur Setz- und Schonzeit, immer wieder illegal aufgestellte Fallen gefunden.