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Kämpferin für den Vogelschutz

Nachruf auf Komitee-Gründerin Dr. Inge Jaffke (1925 - 2012)

Dr. Inge JaffkeDr. Inge JaffkeDr. Inge Jaffke hatte ihr Leben dem Vogelschutz verschrieben. 1975 scharte sie Gleichgesinnte um sich und gründete das Komitee gegen den Vogelmord, das sich dem Schutz der Wildvögel vor Verfolgung durch Jäger, Vogelfänger und Tierhändler zum Ziel gesetzt hat. Bei diesen Gegnern musste man – zumal als Frau und in jener Zeit – Durchsetzungsvermögen haben. Der Begriff „Kompromiss“ kam in ihrem Vokabular nicht vor, sie war resolut und gradlinig. Bei so mancher Anhörung in einem Ministerium hat sie für ein Donnerwetter gesorgt, bei dem alle Anwesenden die Köpfe einziehen mussten. Sie hat bei Verhandlungen die Latte hoch gehängt und damit mehr für den Natur- und Tierschutz herausgeholt, als die „Kompromissheinis“, wie sie gerne mal ihre Verhandlungspartner nannte. Sie war zweifellos die richtige Frau zur richtigen Zeit, ohne die so manches Naturschutz- und Jagdgesetz in Deutschland und Europa heute anders aussehen würde.

Ein besonderes Anliegen war Inge Jaffke das Ende von Vogelfang und Vogelhandel in Deutschland. In den 1970er Jahren war der Fang von Vögeln für die „Stubenvogelhaltung“ mit Netzen noch erlaubt. Vermeintliche Vogelliebhaber fingen Stieglitze, Dompfaffe und andere Finken, die zur Zucht verwendet und mit denen der große Bedarf an Käfigvögeln gedeckt werden sollte. Unter Federführung von Frau Dr. Jaffke hat das Komitee gegen den Vogelmord in zahlreichen Untersuchungen nachgewiesen, dass ein Großteil dieser angeblichen Züchter mit wildgefangenen Vögeln handelte. Mit viel List hat Inge Jaffke dabei persönlich in den Züchterkreisen recherchiert und nicht wenige Händler ans Messer geliefert. Der Markt für heimische Wildvögel brach daraufhin zusammen, letztlich wurde auch der Vogelfang komplett verboten.

Dri, Inge Jaffke (Mitte) bei einem Besuch der Komitee-Schutzgebiete in Raisdorf 2006 (zusammen mit - v.L.- Schutzgebietsbetreuer E.-A. Schulz, Komitee-Präsident H. Schwarze, Geschäftsführer A. Heyd und dem ehemaligen Schatzmeister H. Schlitte)Dri, Inge Jaffke (Mitte) bei einem Besuch der Komitee-Schutzgebiete in Raisdorf 2006 (zusammen mit - v.L.- Schutzgebietsbetreuer E.-A. Schulz, Komitee-Präsident H. Schwarze, Geschäftsführer A. Heyd und dem ehemaligen Schatzmeister H. Schlitte)Auch die Arbeit gegen die Wattenjagd vor den Toren ihrer Heimatstadt Hamburg, wo jährlich zehntausende Wasservögel und Seehunde geschossen wurden, war ein wichtiges Projekt der Komitee-Gründerin. Das Ende der Jagd im Wattenmeer im Jahr 1985 war einer ihrer größten Erfolge.

Der Ankauf einer Teichkette und wertvoller Feuchtwiesen in Raisdorf (bei Kiel) ist ein weiterer großer Verdienst von Frau Dr. Jaffke. Sie hat für die Finanzierung dieses Großprojektes gesorgt, die dortige „Naturschutzgruppe Raisdorf“ in das Komitee gegen den Vogelmord integriert und damit dafür gesorgt, dass wir heute ein über 70 Hektar großes Vogelschutzgebiet in Schleswig-Holstein betreuen können.

Einen Schwerpunkt hat Inge Jaffke von Beginn an auf die internationale Naturschutzarbeit gelegt. Sie war die erste, die Kontakt zu den Vogelschutzverbänden in Italien, auf Malta und Belgien geknüpft und damit unsere bis heute wichtigsten Kampagnen in den Brennpunkten der Wilderei angeschoben hat. Ihren größten Verdienst hatte sie aber vielleicht am Verhandlungstisch in Bonn und Brüssel, wo sie in den 1970er Jahren für eine einheitliche Vogelschutz-Gesetzgebung in Europa gekämpft hat. Mit Rechtsgutachten und einer ganzen Reihe von Naturschutzexperten hat das Komitee gegen den Vogelmord die Europäische Vogelschutzrichtlinie, die bis heute der wichtigste Baustein für den Naturschutz in der EU darstellt, ganz entscheidend mit gestaltet.

Mehr als 20 Jahre hat Frau Dr. Jaffke als geschäftsführende Vizepräsidentin die Geschicke des Komitees gegen den Vogelmord gelenkt. Bis 1996 war die Geschäftsstelle des Vereins in ihrer Arztpraxis in Hamburg untergebracht, wo sie sich meist mehr mit dem Vogelschutz als mit Kieferchirurgie beschäftigt hat. Mitte der 1990er Jahre fand beim Komitee gegen den Vogelmord ein Generationenwechsel statt, der naturgemäß von Meinungsverschiedenheiten begleitet war. Dass aber auch in der Folgegeneration ihr Geist und ihre Zielsetzung Grundbestandteil der Komitee-Arbeit blieb, hat Inge Jaffke rasch versöhnt. Sie war das einzige Ehrenmitglied des Vereins und bis zuletzt großzügige Spenderin und Ratgeberin.

Dr. Inge Jaffke ist am 31. Oktober 2012 im Alter von 86 Jahren verstorben.