Alle Greifvogelarten sind in Deutschland offiziell immer noch
"jagdbares Wild", doch dürfen sie aufgrund übergeordneter nationaler und internationaler Rechtsvorschriften nicht mehr verfolgt werden. Manche Jagdfunktionäre möchten sich mit dieser Situation nicht abfinden und werden nicht müde, sie als angebliche Niederwildschädlinge anzuprangern. Schützenhilfe erhalten sie dabei aus Kreisen der Brieftaubenzüchter, denen die sich langsam erholenden Bestände von Wanderfalke und Habicht schon lange ein Dorn im Auge sind.
Tatsächlich stehen bevorzugte Beuteobjekte der Jäger wie etwa Wildtauben auch auf dem Speisezettel mancher einheimischer Greifvogelarten. Von den Jägern zum späteren Abschuß ausgesetzte Zuchtfasane, oft zahm wie entlaufene Haushühner, werden vom Habicht gern erbeutet. Einige Jäger akzeptieren inzwischen zwar die lästige Konkurrenz durch die "Krummschnäbel", doch in führenden Jagdzeitschriften wird immer noch die Wiedereinführung einer Jagdzeit auf Greifvögel gefordert.
Das geht allerdings nach europäischem Naturschutzrecht nicht. Lediglich Bayern setzt sich bislang dreist über die Europäische Vogelschutzrichtlinie hinweg und erlaubt die Tötung von jährlich Hunderten Habichten und Bussarden. Andernorts wird zur Selbsthilfe gegriffen. Vor allem im niederwildreichen Flachland nördlich der Mittelgebirge werden von Komiteemitarbeitern immer wieder Fallen, Giftköder und getötete Greifvögel gefunden.
Besonders beliebt zur illegalen Greifvogeljagd sind nach wie vor Tellereisen, die mit einem Fleischbrocken geködert meist auf Zaunpfählen angebracht werden. Will ein Greifvogel mit den Füßen den Köder packen, schlägt die Falle zu, wobei die Füße nicht selten vollkommen abgetrennt werden. Ähnlich qualvoll die Verfolgung mit Gift. Insbesondere dann, wenn Nervengifte wie etwa E 605 verwendet werden, reißen sich die Tiere nicht selten im Todeskampf vor Schmerzen die Federn aus. Zahlreiche Greifvögel bis hin zum Seeadler wurden auch schon mit Schrotkugeln im Körper aufgefunden.
Die Täter können dabei so gut wie sicher sein, nicht erwischt zu werden. Selbst dann, wenn Giftköder und Fallen direkt neben von Jägern angelegten Fasanenfütterungen gefunden werden, wollen die Revierinhaber oft nichts davon bemerkt haben. Immerhin ist an vielen Stellen die Greifvogelverfolgung deutlich zurückgegangen, seit das Komitee gegen den Vogelmord diese Praktiken immer wieder angeprangert und auf Hinweise, die zur Ergreifung der Täter führen, hohe Belohnungen ausgesetzt hat.
In Nordrhein-Westfalen, wo in den vergangenen Jahren vom Komitee zahlreiche Fälle von illegaler Greifvogelverfolgung dokumentiert wurden, hat eine Initiative von Mitarbeitern der Nordrheinwestfälischen Ornithologengesellschaft dazu geführt, daß Anfang 2005 im Landesumweltministerium eine Stabsstelle "Umweltkriminalität" eingerichtet wurde. Sie soll Maßnahmen gegen die Wilderei koordinieren und ist ein wichtiger Ansprechpartner für die örtlichen Polizeidienststellen.
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