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Hauskatzen und Vogelschutz
Probleme mit dem Stubentiger
Kaum ein Thema im Vogelschutz wird so kontrovers diskutiert wie der Umgang mit Hauskatzen. Während Natur- und Tierfreunde sonst in vielen Dingen einer Meinung sind, scheiden sich beim Stubentiger die Geister - Freunde und Gegner der Hauskatze stehen sich nicht selten unversöhnlich gegenüber.
Sind Hauskatzen so schlimm wie ihr Ruf? (© 3268zauber/Wikimedia Commons)In Deutschland leben rund 7 Millionen Hauskatzen, 6 Millionen davon sind "Freigänger" - dürfen also das Haus verlassen. Wenn ihre Hauptnahrung auch aus Mäusen besteht, so sind nach Untersuchungen des Institutes für Haustierkunde der Universität Kiel etwa 20 % der Beutetiere Vögel. Wissenschaftler in der Schweiz haben errechnet, dass freilaufende Katzen in Mitteleuropa im Durchschnitt 25 Vögel im Jahr fangen und töten, also einen Vogel in 2 Wochen. Die 6 Millionen deutschen Katzen "mit Ausgang" dürften demnach im Jahr etwa 150 Millionen Wildvögel töten - mehr als alle Jäger in Europa zusammen schießen!
Nun stellt sich die Frage, wie groß der Einfluss der Stubentiger auf die Vogelpopulationen ist. Hauptsächlich landen Amseln, Buchfinken, Sperlinge und Stare in den samtenen Pfoten - die häufigsten mitteleuropäischen Arten. Nach Berechnungen des Deutschen Rates für Vogelschutz brüten hierzulande etwa 10 Millionen Paare des Buchfinks, jeweils 8 Millionen Paare des Haussperlings und der Amsel und 2 Millionen Paare des Stars. Allein dieser Bestand macht gemeinsam mit den jährlich erbrüteten Jungvögeln fast 300 Millionen Individuen aus. Das macht die 150 Millionen toten Vögel nicht wieder lebendig, relativiert die Zahl aber etwas.
Tierbestände werden aber nicht in erster Linie durch die Zahl der Beutegreifer beeinflusst, sondern durch das Angebot an geeigneten Lebensräumen, durch Kontaktkrankheiten und Witterungsbedingungen. Katzen, wie alle anderen Räuber, erbeuten vor allem das, was in großer Zahl verfügbar ist. Trotz zahlreicher Studien konnten Wissenschaftler deswegen auch noch keinen Einfluss der Hauskatzen auf unsere Vogelbestände erkennen.
Und dennoch blutet jedem Vogelfreund - wie auch vielen Katzenbesitzern - das Herz, wenn Felix, Minka oder Tommy wieder einen Vogel davonschleppen. Um die hohen Verluste an Singvögeln zu verringern, haben wir hier einige Tipps zusammengestellt:
Tipps für Katzenbesitzer und Vogelfreunde
- Lassen Sie Ihre Katze kastrieren bzw. sterilisieren - nur so lässt sich die Flut herrenloser Tiere verringern
- Spielen Sie mit Ihrer Katze viel - so kann sie ihren Jagdtrieb zum Teil ausleben
- Sorgen Sie für ausreichend Futter. Satte Katzen jagen weniger, als hungrige.
- Vögel fallen vor allem in der Dämmerung den Katzen zum Opfer. Versuchen Sie - zumindest im Frühjahr und Frühsommer - Ihre Katze in dieser Zeit im Haus zu lassen
- Wenn Sie ein Futterhaus oder eine Wassertränke besitzen, sorgen Sie für ausreichend "Rundumsicht", damit die Vögel herannahende Katzen sehen können.
- Hängen Sie Nistkästen stets so auf, dass eine Katze nie Zugang haben kann. Denken Sie daran: Katzen sind ausgesprochen gute Kletterer und können weit springen!
- Nistkästen auf Bäumen lassen sich mit "Katzenabwehrgürteln" sehr gut sichern - übrigens auch gegen Marder
- Der Harfenstrauch (Plectranthus caninus) - oft unter dem rustikalen Namen "Verpiss-Dich-Pflanze" im Handel - vertreibt Katzen recht wirkungsvoll. Der Geruch, den Menschen nicht wahrnehmen können, hält Katzen auf etwa 3 bis 5 Metern Abstand!
- Und zum Schluss: Ein umgehängtes Glöcken ist für die empfindlichen Katzenohren sehr unangenehm. Es rettet auch nur die erwachsenen Vögel, die ohnehin selten ein Opfer werden. Hilflose und unerfahrene Jungvögel werden dadurch nicht gewarnt. Gewöhnen Sie den Stubentiger sehr früh an ein Halsband mit Glöckchen oder verzichten Sie besser ganz darauf!







