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Pressemeldung 03.03.2013

Hier verenden unsere Zugvögel:
Schock-Video zeigt nächtlichen Massenfang von Singvögeln in Spanien

Bonn/Valencia. Vogelschützer haben heute ein Video veröffentlicht, das erstmals den brutalen Massenfang von Singvögeln in der spanischen Provinz Valencia dokumentiert. Die Bilder zeigen ungeschminkt, wie brutal die Vogelfänger vorgehen und nachts mit Hilfe von Leimruten und modernen Klangattrappen unzählige Vögel fangen. Nach Angaben des Komitees gegen den Vogelmord, auf dessen Homepage das Video veröffentlicht wurde, werden mit dieser nach EU-Recht verbotenen Methode jedes Jahr etwa 1,2 Millionen Zugvögel, darunter auch zahlreiche bedrohte Arten, gefangen.

In einem "parany" mit Leimruten gefangene Singdrossel in ValenciaIn einem "parany" mit Leimruten gefangene Singdrossel in ValenciaSchauplatz des nächtlichen Massakers sind die sog. "Paranys", speziell für den Vogelfang angelegte Fanggärten, deren aufwendig beschnittene Bäume die Landschaft zwischen Valencia und Tarragona prägen. Jeder dieser Bäume ist gespickt mit Hunderten kleinen Leimruten, die bei der kleinsten Berührung das Gefieder der Vögel verkleben und sie so zum Absturz bringen. Die flugunfähigen Tiere landen in einem unter den Leimruten-Bäume angelegten Tunnel, wo sie von den Fänger am nächsten Morgen eingesammelt und getötet werden. Das Video ist hier abrufbar.

Mitarbeitern des Komitees ist es erstmals gelungen, den Fang in den parany mit Nachtsichtkameras zu dokumentieren. "Die Bilder beweisen, dass Wildvögel zu Tausenden gequält werden und zahlreiche streng geschützte Arten unter den Opfern sind", so Komiteepräsident Heinz Schwarze. So ist unter anderem zu sehen, wie panisch kreischende Drosseln und Mönchsgrasmücken völlig verklebt neben den Kadavern ihrer Artgenossen um ihr Leben kämpfen.

Parany in Valencia: In den hochgebogenen Ästen werden die Leimruten postiertParany in Valencia: In den hochgebogenen Ästen werden die Leimruten postiertDer Film dokumentiert zudem, dass die spanischen Behörden trotz eindeutiger Verbote praktisch nichts gegen die weithin sichtbaren und von ihren Besitzern völlig offen betriebenen Anlagen unternehmen. "Wir haben etliche Male die Polizei verständigt, doch niemand fühlte sich zuständig", so Schwarze. Das Komitee wirft der Regionalregierung vor, den Vogelfang aktiv zu dulden, in dem die für Kontrollen zuständigen Jagdaufseher an ihrer Arbeit gehindert und Vogelfänger vor Verfolgung geschützt werden. So ist es den Jagdaufsehern zum Beispiel verboten, in der Nacht - wenn die Vogelfänger aktiv sind - zu arbeiten, was effektive Kontrollen unmöglich macht. Selbst wenn es einzelnen Beamten gelingt, einen Fall vor Gericht zu bringen, haben die Beschuldigten meist keine Strafe zu erwarten . Erst in der letzten Woche wurde ein Vogelfänger von einem Gericht in der Stadt Vignaros von einem Gericht freigesprochen, weil an dem von dem Beschuldigten verwendeten Vogelleim Marke "Il Tordo" angeblich keine geschützten Arten kleben bleiben.

Das Komitee hat angekündigt, wegen der Duldung der Fanganlagen und der massenhaften Tötung geschützter Vogelarten eine Umweltbeschwerde gegen Spanien bei der EU auf den Weg zu bringen. Um die Behörden in Spanien zusätzlich unter Druck zu setzen und die Behörden endlich zu einem konsequenten Durchgreifen zu bewegen, hat das Komitee eine internationale Protestaktion an die spanische Regierung gestartet. Unter http://www.komitee.de/content/protest/leimruten-jagd-spanien können Vogelfreunde ein vorgefertigtes Protestschreiben an Valencias Umweltministerin Isabel Bonig Trigueros abschicken.