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“Europa’s tödlichster Ort für Wildvögel”

Komitee-Mitglieder entfernten 274 illegale Fangnetze in nur zwei Nächten auf dem Gebiet der Britische Militärbasen

274 abgebaute Netze liegen vor den Komitee Teams274 abgebaute Netze liegen vor den Komitee TeamsAm 18. Januar 2017 haben wir gemeinsam mit der Stiftung Pro Artenvielfalt eine internationale Pressemitteilung veröffentlicht, in der wir erneut aufdecken, in welchem erschreckenden Ausmaß in den britischen Militärbasen (SBA – Sovereign Base Area) auf Zypern illegal Vögeln nachgestellt wird. Zwei Tage lang haben wir konzentriert vor Ort die illegale Fanganlagen in den SBA-Gebieten kontrolliert. Innerhalb von nur zehn Stunden im Gelände konnten unsere Mitglieder und die Aktiven der Stiftung Pro Artenvielfalt 114 Fangplätze mit mehr als 500 Japannetzen lokalisieren. 274 von diesen Netzen konnten wir abbauen.

Zusammengelegt würden die entdeckten Netze eine Länge von mehr als zehn Kilometern ergeben!

Und gerade weil die Gebiete nicht groß sind, ist selbst für uns diese hohe Zahl an gefundenen Netzen so erschreckend. Einmal mehr zeigt das, wie massiv und auch professionell die zypriotischen Wilderer diese britischen Hoheitsgebiete für ihre illegalen Zwecke nutzen. Und es zeigt auch und vor allem, dass die zuständigen Behörden – die britische Militärpolizei vor Ort – entgegen aller Zugeständnisse von vor zwei Monaten, nicht gewillt oder nicht in der Lage ist, sich dieser Problematik anzunehmen.

“Die Situation in den SBA-Gebieten ist schlimmer als je zuvor!”, so Alexander Heyd, Geschäftsführer des Komitee gegen den Vogelmord. „Wir kontrollieren immer wieder die gleichen allseits bekannten Fangplätze vor Ort. Sie sind jedes Mal aktiv und mit elektronischen Lockvogelanlagen ausgestattet, deren Rufe kilometerweit zu hören sind. Die meisten Fanganlagen sind außerdem kaum 50 Meter voneinander entfernt und die dort aufgestellten Netze sind sogar von den öffentlichen Straßen aus ohne Probleme sichtbar. Das beweist auf so folgenschwere Weise, dass die Bemühungen der britischen Militärpolizei, die Wilderei auf denen von ihnen bewachten Gebieten, zu bekämpfen, gelinde gesagt, ungenügend sind.“ Dabei wurde von der britischen Militärpolizei esogar eine elf Mann starke Spezialeinheit eingerichtet, die sich um nichts anders als die Bekämpfung der Wilderei auf den SBA-Gebieten kümmern soll.

Eine gefangene Singdrossel kurz vor der BefreiungEine gefangene Singdrossel kurz vor der BefreiungIn den vergangenen zwei Jahren hat diese Einheit 62 Wilderer geschnappt und für die Taten Bußgelder verhängt. Das ist umgerechnet ein gefasster Wilderer alle sechs Tage. Unserer mehrjährigen Untersuchungen sagen allerdings aus, dass während der Fangsaison im Herbst und Winter täglich mehr als 150 Fanganlagen in den SBA-Gebieten aktiv sind. Die Ergebnisse der Spezialeinheit können also nicht mehr als ein Tropfen auf dem heißen Stein sein… Und das hat dramatische Folgen für unsere Vogelwelt. Denn selbst vorsichtig geschätzt, werden so jedes Jahr fast eine Millionen Zug- und Standvögel in den britischen Militärgebieten auf Zypern gefangen und getötet.

In den wenigen Stunden, die wir jetzt aktiv waren, konnten wir allein 420 Vögel aus den Netzen befreien. Dabei handelte es sich hauptsächlich um Sing- und Rotdrosseln. Aber auch Amseln, Mönchsgrasmücken, Haussperlinge, Hausrotschwänze, Grauammern, Triele und Waldohreulen waren in den Netzen. Sowohl das Komitee gegen den Vogelmord als auch die Stiftung Pro Artenvielfalt sind mehr als gewillt, der SBA-Verwaltung logistisch und strategisch im Kampf gegen die Wilderei zur Seite zu stehen und beide Organisationen haben das auch wiederholt geäußert. Mittlerweile muss man sich allerdings fragen, ob es überhaupt im Interesse der britischen Militärpolizei auf Zypern ist, die Wilderei in ihrem Verantwortungsbereich zu bekämpfen.