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Komitee-Vogelschutzcamp im Herbst 2011

Online-Tagebuch vom Einsatz auf Zypern, 24.09. - 02.10.2011

Gartenrotschwanz - der Vogel des Jahres 2011 - auf einer zypriotischen LeimruteGartenrotschwanz - der Vogel des Jahres 2011 - auf einer zypriotischen LeimruteVom 24.09. bis 02.10.2011 werden insgesamt 10 Komiteemitglieder aus Deutschalnd und Italien sowie Mitarbeiter der Stiftung Pro Artenvielfalt gemeinsam Leimruten und Fangnetze auf Zypern einsammeln. Der Vogelfang für Restaurants ist im griechischsprachigen Teil der Mittelmeerinsel - EU-Mitglied seit dem Jahr 2004 - ein zunehmend größer werdendes Problem. Das Geschäft mit den gefiederten Sängern blüht wie nie zuvor, die Behörden haben bislang fast stets beide Augen zugedrückt. Die Polizei hat eine bessere Kooperation als in den Vorjahren angekündigt, nachdem wir im letzten Frühling in unserem Abschlussbericht zum Frühjahrs-Vogelschutzcamp massive Kritik an deren Arbeit geübt hatten. Es wird sich zeigen, ob sie ihrem Versprechen Taten folgen lassen.

Die Aktion wird gemeinsam mit unserem Partnerverband "Friends of the Earth Cyprus" durchgeführt und maßgeblich von der Stiftung Pro Artenvielfalt finanziert.

Wenn Sie unsere Vogelschutzcamps unterstützen möchten, freuen wir uns über eine Spende ... oder Sie schicken einfach eine Charity-SMS.

  • eingesammelte Leimruten: 4.014
  • eingesammelte Fangnetze: 21
  • eingesammelte elektronische Lockgeräte: 24
  • überführte Wilderer: 1

Letzte Aktualisierung: 30.09.2011

02.10.2011, Sonntag

Mitten in der Nacht - praktisch Augenblicke vor dem Abflug - hat ein Team noch eine altbekannte Fangstelle westlich von Agia Napa aufgesucht und ein letztes Mal Fallen gefunden: 130 Leimruten und ein elektronisches Lockgerät wurden abgebaut! Im Laufe des Morgens haben alle Komitee-Mitglieder Zypern verlassen, das Vogelschutzcamp in diesem Herbst ist damit abgeschlossen. Mit über 4.000 eingesammelten Leimruten haben wir einen neuen traurigen Rekord aufgestellt - es ist noch viel zu tun auf der Mittelmeerinsel!

01.10.2011, Samstag

Am letzten Einsatztag war nochmal einige los auf Zypern: Am Morgen waren alle Teilnehmer gemeinsam unweit von Agia Napa im Einsatz und konnten zusammen 350 Leimruten abbauen. An einer Stelle wurden die insgesamt 10 Vogelschützer von 8 sehr würenden Männern beschimpft und bedroht - zum Glück waren alle Komitee-Aktivisten zusammen, so dass sich die Wilderer nicht trauten, handgreiflich zu werden. Bei Protaras wurden am Nachmittag weitere 103 Klebfallen gefunden und abgebaut.
Insgesamt konnten 11 Vögel lebend befreit werden, darunter Mönchsgrasmücken, Gartengrasmücken und ein Waldlaubsänger.

30.09.2011, Freitag

Heute gab es erstmals keinen Nachteinsatz - die Teilnehmer des Vogelschutzcamps haben sich erstmals ein paar Stunden zusammenhängenden Schlaf gegönnt.
Vormittags waren zwei Teams östlich von Paralimni eingesetzt und haben fünf Fangstellen mit insgesamt 345 Leimruten gefunden, 17 Vögel wurden freigelassen. An drei der Stellen liefen elektronische Lockanlagen, allerdings konnte nur ein Tonbandgerät abgebaut werden - die beiden anderen wurden von den wütenden Wilderern vor den Augen der Vogelschützer in Sicherheit gebracht. Wieder einmal zeigt sich, dass ein Polizist in zivil, der mit uns ins Gelände käme, ohne Probleme Vogelfänger in flagranti überführen könnte.
Am Nachmittag waren alle Teilnehmer in Agios Theodoros auf der Suche nach Fanggeräten. Sie haben 130 Leimruten und 1 Fangnetz sichergestellt. Es kam zu einem Zwischenfall, als die Wache eines unserer Mietfahrzeuge von einem Wilderer bedroht wurde. Der Mann war sehr aggressiv, forderte den italienischen Vogelschützer auf, den Ort und gleich die ganze Insel zu verlassen und trat aufgebracht gegen das Auto. Die von uns informierte Polizei kam schnell, die Beamten waren sehr hilfsbereit - der Aggressor war aber schon verschwunden.

29.09.2011, Donnerstag

Ein weiterer Tag ohne schwere Zwischenfälle auf Zypern. Drei Teams waren im Einsatz und haben wieder mehr als 700 Leimruten eingesammelt.

In der Nacht wurden 3 elektronische Lockgeräte gefunden. An einer der Anlagen fanden sich 130 Leimruten - exakt an der Stelle, an der in der Nacht vom 27. auf den 28.09. ein Lockgerät und 160 Leimruten gefunden und abgebaut worden waren! Der Mann hat einfach binnen 24 Stunden alles wieder aufgebaut.

Tagsüber wurden 609 Leimruten, 3 große Fangnetze und weitere 5 elektronische Lockanlagen gefunden. Alle Fangeräte und Lockanlagen wurden eingesammelt und zerstört. Sieben Vögel wurden freigelassen, 4 Mönchsgrasmücken und 3 Waldlaubsänger. Bei mehreren Aufeinandertreffen mit Vogelfängern gab es kleinere verbale Schlagabtausche, aber keine ernsthaften Bedrohungen.

28.09.2011, Mittwoch

Weiterhin reichlich Arbeit auf Zypern. Die Teilnehmer des Vogelschutzcamps haben heute 1.017 Fallen unschädlich gemacht - ein neuer Rekord! In der Nacht war ein Team um Sotira im Einsatz. Hunderte elektronische Lockvögel laufen auf der ganzen Insel - es hört sich an, wie in einem Frühlingswald. 4 Lockgeräte wurden gefunden und zerstört, 153 Leimruten wurden eingesammelt und 7 Vögel befreit: 1 Baumpieper, 1 Neuntöter, 3 Klappergrasmücken und 2 Schilfrohrsänger.
Am Tag dann viel Arbeit: Eines der Teams hat drei Fangstellen mit insgesamt 261 Leimruten und einem am Tage laufenden Lockgerät gefunden. Alles wurde abgebaut. 17 Vögel wurden von den klebrigen Leimfallen abgepflückt: Mönchgrasmücken, Klappergrasmücken, Fitise und Sprosser.
Ein weiteres Team war in Paralimni unterwegs und hatte dort besonderen Erfolg: Es hat nicht nur 603 Leimruten eingesammelt, sondern konnte auch mit Hilfe von lokaler Polizei, Kripo und Jagdaufsicht einen Wilderer dingfest machen, den ersten des Einsatzes. Der Mann hatte ein riesiges Netz aufgebaut und daneben einen elektronischen Lockvogel laufen, der durch seine enorme Lautstärke die deutschen Vogelschützer angelockt hatte! Die gerufenen Polizeibeamten reagierten schnell und waren sehr kooperativ - kein Vergleich zu ihrem Verhalten in den letzten Jahren!

27.09.2011, Dienstag

Heute hatten die Komiteemitglieder auf Zypern alle Hände voll zu tun: Noch vor der Dämmerung haben zwei Komitee-Teams bei Paralimni 5 Fangnetze gefunden, an denen 7 elektronische Lockanlagen installiert waren. Die Netze und die Tonbandgeräte wurden eingesammelt.
Beim ersten Tageslicht wurden die Leimruten gefunden, bis 9 Uhr waren es 255 der klebrigen Fallen! Die Aktion rief auch wieder einen wütenden Vogelfänger auf den Plan, der schimpfend und eine Mistgabel schwenkend auf einige italienische Vogelschützer losging. Als er einem Mitarbeiter des Komitees an den Hals ging und zu würgen versuchte, gelang es den anderen Vogelschützern, den Mann abzudrängen. Die umgehend informierte Polizei erschien nach 80 Minuten - der Vogelfänger war natürlich schon über alle Berge. Die Polizisten waren nichts desto trotz sehr hilfsbereit und haben eine Anzeige wegen Körperverletzung aufgenommen. Videomaterial von dem Angriff wurde den Beamten übergeben.

Auch der Nachmittag blieb spannend: Zwei eingesetzte Teams konnten südlich von Paralimni insgesamt 380 Leimruten abbauen und zerstören. Diesmal gerieten deutsche Vogelschützer in die Fänge zweier Wilderer. Die waren außer sich vor Wut und so dumm, dass sie selbst die Polizei riefen. Diese erschien schnell und erklärte den aufgebrachten Männern, das Komitee dürfe die illegalen Fallen einsammeln. Was das Team dann auch weiterhin tat.
Insgesamt wurden 1 Sprosser, 1 Fitis, 4 Mönchsgrasmücken und 3 nicht näher bestimmte Singvögel unversehrt freigelassen.

Heute hatten alle Beteiligten den Eindruck, dass die Polizei kooperativer als in den letzten Jahren schien - vielleicht tut sich doch etwas auf der Insel?

26.09.2011, Montag

Am Vormittag hat ein Team italienischer Komitee-Mitglieder unweit von Sotira nach Leimruten gesucht und ist schnell fündig geworden. Nach kurzer Zeit hatten sie in drei Obstplantagen insgesamt 70 Leimruten eingesammelt. Auf der weiteren Suche erschienen mehrere wütend schreiende Wilderer in zwei Geländeagen, die die Vogelschützer vor sich hertrieben und in die Flucht schlugen. Wir werden das Gebiet in den nächsten Tagen noch einmal kontrollieren müssen.
Ein Großteil des restlichen Tages wurden vor allem leere Fangstellen gefunden, mit Ausnahme eines Geländes bei Protaras, wo auf engstem Raum Platz für über 200 Leimruten und zwei Netze geschaffen war. Bis auf 5 vergessene Klebfallen waren alle Fanggeräte vom Wilderer selbst abgebaut worden, und zwar wenige Stunden zuvor, wie ein frisch toter Maskenwürger auf einer der Ruten belegte. Das Team hat die Vorrichtungen für die Fallen und Netzen komplett zerstört.

Ein weiteres Team hat heute einen "diplomatischen Tag" eingelegt und die Polizeichefs von Larnaca und Famagusta sowie die Zentrale der Jagdaufsicht besucht. Die Beamten waren - wie immer - sehr nett und haben - wie immer - keine konkreten Zusagen gemacht. Das einzige Versprechen des Polizeichefs von Famagusta, nämlich eine Polizeipatrouille an unserem Hotel als Wache zu platzieren und eine Patrouille an unserem jeweiligen Einsatzgebiet zur Verfügung zu halten, scheiterte an der lokalen Dienststelle. Die wusste offenbar nichts von der Weisung des Polizeichefs!

25.09.2011, Sonntag

Heute waren alle Teams rund um die Stadt Paralimni eingesetzt. Viele der kleinen, unprofessionell betriebenen Fangplätze waren verwaist - die großen Fanggärten waren aber wie zu erwarten aktiv: An einer Stelle standen mehr als 200 Leimruten, zusammen haben alle Aktivisten heute 396 Leimruten und 3 Fangnetze abgebaut. 4 Mönchsgrasmücken und ein Fitis wurden von den klebrigen Fallen befreit.

An der besonders großen Fangstelle südlich von Paralimni überraschten die Vogelschützer den Wilderer. Der trat den Rückzug an, holte aber telefonisch Hilfe herbei. Die erschien in Form von 6 kräftigen Schlägern, die unser Team bedrohten und beschimpften, dann zunächst zu Fuß verfolgten und anschließend mit Geländewagen hinter ihnen herfuhren. Es ergab sich eine Verfolgungsjagd, die erst nach 45 Minuten beendet war. Die Touristen lagen nur wenige Hundert Meter weiter am Stand!
Ein US-Amerikanischen Fernsehteam, das die Komiteemitglieder begleitet, hat die Situation filmen können.

24.09.2011, Samstag

In der Nacht von Freitag auf Samstag begann vor unserem Hotel in Agia Napa plötzlich ein elektronisches Lockgerät laut Mönchsgrasmückengesänge abzuspielen. Die aufgewachten Vogelschützer trauten ihren Ohren nicht und kontrollierten die Umgebung ihrer Unterkunft und fanden keine 30 Meter von ihren Zimmern entfernt 4 große Fangnetze und das Tonbandgerät. Alles wurde abgebaut und zerstört.

Tagsüber haben die eingesetzten Teams westlich von Agia Napa insgesamt 4 große Fangnetze und 90 Leimruten sichergestellt. Eine frisch gefangene Gartengrasmücke wurde unverletzt von einer der Leimruten befreit. Es gab keine Zwischenfälle.

23.09.2011, Freitag

Heute sind die Teilnehmer des Vogelschutzcamps auf Zypern angereist - die meisten mit erheblicher Verspätung, weil in Athen die Fluglotsen gestreikt hatten.