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Komitee-Vogelschutzcamp Herbst 2010

Online-Tagebuch vom Einsatz auf Zypern 2010

Grauschnäpper auf LeimruteGrauschnäpper auf LeimruteVom 26.09. bis zum 03.10.2010 hat das erste Herbst-Zugvogelschutzcamp des Komitees auf Zypern stattgefunden. Italienische und zyprische Komiteemitglieder haben eine Woche lang in Kooperation mit den zuständigen Behörden nach illegalen Netzen und Leimruten für den Vogelfang gesucht. Das Komitee gegen den Vogelmord ist seit dem Jahr 2001 im griechischen Teil der Mittelmeerinsel im Einsatz - bislang fanden aber alle Aktionen im Frühling statt. Mit diesem erstmaligen Herbstcamp wollten wir unter anderem auch das Ausmaß der Wilderei in der zweiten Jahreshälfte dokumentieren und die gewonnenen Informationen in einem Bericht der Europäischen Kommission zur Verfügung stellen.

Die Aktion wurde gemeinsam mit unserem neuen Partnerverband "Friends of the Earth Cyprus" durchgeführt und finanziell von der Stiftung Pro Artenvielfalt unterstützt.

  • eingesammelte Leimruten: 934
  • eingesammelte Fangnetze: 11
  • eingesammelte elektronische Lockgeräte: 9

Aktuelle Pressestimmen aus Zypern:

05.10.2010 - Cyprus Mail Game Fund doing all they can to combat bird trapping
03.10.2010 - Cyprus Mail Bird Poachers bully activists
30.09.2010 - Cyprus Mail: Harsher fines needed to curb poaching
16.09.2010 - Cyprus Mail: Bird slaughter is killing tourism
15.09.2010 - Cyprus Mail: Bird poaching reaching new heights
13.09.2010 - Famagusta Gazette: Report suggests nearly 200.000 birds killed in Cyprus


26.09.2010

Mit der Anreise der Teilnehmer beginnt heute das erste Herbstcamp des Komitees gegen den Vogelmord auf Zypern. Insgesamt werden zwei Teams auf der Mittelmeerinsel im Einsatz sein.

27.09.2010

Der erste Einsatztag dieses Camps auf Zypern verlief relativ ruhig. Bei sommerlichen 32 Grad und Sonnenschein haben die zwei Teams heute im Großraum Agios Theodoros 2 Fangnetze von je 10 m Länge und 88 Leimruten abebaut. Es wären fast 100 der illegalen Klebefallen mehr gewesen, aber ein Vogelfänger hat unsere Mitglieder entdeckt und kam uns zuvor - er hat seine Fallen eilig selber abgebaut.
In den Netzen fanden sich zwei Haussperlinge, die unversehrt freigelassen werden konnten. Auf den Leimruten fanden sich zum Glück keine Vögel.

28.09.2010

Nach einem Gespräch mit den Beamten des Gamefunds - der Jagdaufsicht Zyperns - sind die Komiteemitarbeiter heute im Südosten der Insel rund um Agia Napa unterwegs gewesen.
Mehrere Stellen mit Leimruten wurden ausgemacht, die meisten Fallen wurden für die Sondereinheit zur Wildereibekämpfung der Polizei stehen gelassen. Die Polizisten sollen am morgigen Mittwoch zu den Fangstellen geführt werden. Einen Einsatz gab es bereits am Abend - die Beamten hatten sich an einem Dutzend Leimruten auf die Lauer gelegt.
An einer Stelle wurden 17 der illegalen Klebefallen abgebaut - ein Turmfalke konnte unverletzt geborgen werden und wird nun bei einer Naturschützerin aufgepäppelt, für einen Bienenfresser und einer Zwergohreule kam leider jede Hilfe zu spät.

29.09.2010

In der Nacht vom 28. auf den 29. September waren 2 Komitee-Teams im Famagusta-District im Einsatz. Sie haben 14 elektronische Lockanlagen (10 x Mönchsgrasmücke und 4 x Wachtel) sowie 294 Leimruten gefunden. 96 der Fallen und 5 Lockgeräte wurden abgebaut - die restlichen wurden für Einsätze der Polizei stehen gelassen.
Am Tage waren die Teams vor allem im Bereich des britisch verwalteten Cape Pyla unterwegs. Hier haben sie vier riesige Fangnetze gefunden, an denen selbst tagsüber zwei Lockgeräte die Gesänge von Mönchsgrasmücken abspielten. Drei der Netze wurden von den Vogelfängern bewacht - unsere Mitglieder hatten keine Chance, sie abzubauen. Ein Netz stand verlassen in einem Gebüsch, es wurde mitgenommen.
Am Abend gab es zwei Polizei-Einsätze: Bei Sotira sammelten Komitee-Mitarbeiter gemeinsam mit Polizei-Beamten 33 am 28.09. gefundene Leimruten ab, bei Agia Napa wurden die in der Nacht zuvor gefundenen 198 Leimruten sichergestellt.

Heute konnten 12 Mönchs- und eine Brillengrasmücke aus Netzen und von Leimruten befreit werden.

30.09.2010

Bei einem langen Nachteinsatz hat ein Team Teile des Cape Pyla kontrolliert. Insgesamt konnten sie über 40 elektronische Lockgeräte finden, die die Gesänge von Mönchsgrasmücken abspielten! An jedem Gerät ist zumindest ein Netz von 6 m Höhe und bis zu 30 m Länge montiert. Das ganze Gebiet ist auf mehreren Dutzend Quadratkilometern eine einzige Todesfalle für Singvögel. Dass die Fangstellen zumindest teilweise von den kriminellen Wilderern bewacht sind, mussten zwei italienische Komitee-Mitglieder am eigenen Leib erfahren: Kurz bevor sie mitten in der Nacht ein Netz abbauen konnten, tauchte aus dem Nichts ein Jeep mit 2 Männern auf. Die Vogelschützer warfen sich auf den Boden und mussten 10 Minuten bewegungslos ausharren, während die Wilderer nach ihnen suchten und zum Teil nur wenige Meter entfernt an ihnen vorbeiliefen.
Bei Einbruch der Morgendämmerung hatte das Team aber doch insgesamt 5 große - und unbewachte - Fangnetze abgebaut. Am Morgen fand ein Treffen mit der britischen SBA-Police statt, die für das betroffene Gebiet zuständig ist. Die Beamten sagten zu, sich um die Missstände zu kümmern.

Während des Tages wurden Bereiche im westlichen Famagusta-District durchsucht. Es konnten nur 12 Leimruten und ein Netz gefunden werden, alles wurde abgebaut. Auf einer der Leimruten klebte ein Bienfresser, der befreit werden konnte. An einer Stelle lagen ein Dutzend weitere toter Bienenfresser und Pirole - entweder Opfer der Leimruten oder illegal abgeschossen.

01.10.2010

Heute wurden mehrere Fangstellen im Großraum Agios Theodoros gefunden und z.T. mit Unterstützung der Polizei abgeräumt: 2 riesige Fangnetze und 210 Leimruten wuden sichergestellt. Die Beamten mussten drei Mal ausrücken, um die Komitee-Mitarbeiter zu unterstützen.
Ein Mann, den die Vogelschützer direkt an einer Leimruten-Installation beobachtet hatten, wurde zwar von den Polizisten verhört, konnte aber nicht überführt werden. Er behauptete, auswärts zu wohnen und selten in seinem Garten nach dem Rechten zu sehen - die Fallen wollte er nie zuvor gesehen haben. Das Grundstück war eingezäunt!

02.10.2010

In der Nacht waren alle Teilnehmer des Vogelschutzcamps auf Zypern Im Einsatz. Im Bereich um Sotira - unweit der innerzyprischen Grenze zum türkisch besetzten Gebiet - waren zahlreiche elektronische Lockanlagen zu hören, die Gesänge von Mönchsgrasmücken abspielten. die Vogelschützer hatten aber kaum eine Gelegenheit festzustellen, ob Netze oder Leimruten installiert waren, denn alle Fangstellen waren bewacht! In einem Gebüsch hatten italienische Komiteee-Mitglieder schon fast begonnen, die dort stehenden 2 Fangetze abzubauen, als sie von aufgebrachten Wilderern verjagt wurden. Als sie an einer anderen Stelle mit ihrem Fahrzeug nur kurz angehalten hatten, um nach weiteren Geräten zu hören, erschien ein maskierter Mann, der die Komitee-Mitarbeiter mit einer Jagdflinte bedrohte. Trotz dieser Umstände gelang es, insgesamt 4 Lockanlagen zu zerstören. Die Polizei ließ sich nicht dazu bewegen, zu Hilfe zu kommen.

Am Tag sind im Bereich nördlich von Agia Napa zahlreiche Fangstellen gefunden worden. Insgesamt konnten 280 Leimruten abgebaut werden. 60 davon waren direkt um Bienenstöcke aufgestellt, um offenbar gezielt Bienenfresser zu fangen. Mit Erfolg, denn auf den Ruten fanden sich 6 der bunten Zugvögel - 3 waren bereits tot, die anderen 3 konnten gerettet werden!

03.10.2010

Heute sind die Teilnehmer des Vogelschutzcamps in aller Frühe abgereist.

Binnen einer Woche haben die insgesamt 8 Vogelschützer aus Italien und Zypern 934 Leimruten, 11 Netze und 9 elektronische Lockanlagen gefunden und abgebaut. Wir werden spätestens im November - nach Abschluss unserer Vogelschutzcamps in Italien - einen Bericht über den diesjährigen Herbsteinsatz auf Zypern veröffentlichen.