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Vogelfang auf Zypern

Mit Netzen und Leim auf der Vogelpirsch

Gartengrasmücke auf einer LeimruteGartengrasmücke auf einer LeimruteDie traditionelle Methode des Vogelfangs auf der Mittelmeerinsel Zypern ist die Verwendung von Leimruten. Aus dem Saft der Syrischen Pflaume wird durch Erhitzen ein klebriger Leim gekocht, der auf 70 cm lange Olivenzweige aufgetragen wird. Die Leimruten werden in Oliven- und Maulbeerbäumen, Japanischen Mispeln, Akazien oder Wacholderbüschen platziert. Anders als alle anderen in Europa verwendeten Vogelfallen müssen Leimruten nicht beködert werden. Die waagerecht ausgelegten Ruten eignen sich hervorragend als Sitzwarten für die vom Zug ermatteten Vögel - die Tiere werden fast magisch von den dargebotenen Ästen angelockt. Beim Landen kleben sie mit den Füßen fest und kippen kopfüber herunter. Mit jeder Bewegung verkleben sie weiter, bis auch Flügel und Schwanz an der Rute hängen.

Früher blieben die Leimruten während der gesamten Zugzeit ausgelegt. Durch unsere Einsätze sind viele Wilderer inzwischen dazu übergegangen, die Fallen nur noch in der Morgen- und Abenddämmerung, wenn die Vögel besonders aktiv sind, in den Büschen zu platzieren. Vielfach werden die Fangstellen auch nachts mithilfe elektronischer Lockanlagen, die die Gesänge von Grasmücken abspielen, betrieben.

Fangnetz mit nächtlich gefangenen ZugvögelnFangnetz mit nächtlich gefangenen ZugvögelnErst in den letzten Jahrzehnten ist die Verwendung von Netzen in Mode gekommen. In Gärten oder eigens für den Vogelfang gepflanzten Akazienwäldchen werden bis zu 200 Meter lange und 4 Meter hohe Fangnetze montiert und fast immer mit elektronischen Lockgeräten versehen. Mit Vogelgesängen vom Band werden vor allem nachtziehende Vögel in die tückischen Gespinste gelockt. Netze sind sehr viel effektiver als Leimruten - die Fanganlagen werden meist von Profis oder ganzen Wildererbanden betrieben. Mit einem laufenden Meter Fangnetz kann an guten Zugtagen ein Vogel gefangen werden - an großen Fangstellen kommen so schnell mehrere hundert Vögel in einer einzigen Nacht zusammen.

Durch unsere Vogelschutzcamps hat sich der Vogelfang aus der frei zugänglichen Landschaft immer mehr in vornehmlich eingezäunte Gärten verlagert. Dort kann man weniger einfach Kontrollen durchführen, dafür ist sehr viel einfacher abzuklären, wer Eigentümer der Fläche und damit verantwortlich für die Wilderei ist.