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Zyperncamp Frühling 2012 erfolgreich abeschlossen
4.439 Leimruten eingesammelt - 14 Wilderer überführt

Sperbergrasmücke auf LeimruteSperbergrasmücke auf LeimruteDas große Vogelschutzcamps des Komitees gegen den Vogelmord im Frühling 2012 ist am 07.05.2012 erfolgreich abgeschlossen worden. Mit dem Einsatz haben wir in mehrfacher Hinsicht Rekorde gebrochen - es war das bislang erfolgreichste Vogelschutzcamp einer Naturschutzorganisation auf der Mittelmeerinsel!

Mit drei Wochen war der Einsatz vom 13.04. bis 07.05.2012 unser bislang längstes Vogelschutzcamp auf Zypern. 24 Natur- und Tierfreunde aus Groß-Britannien, Ungarn, Italien, Zypern und Deutschland haben sich beteiligt und so viele Fallen wie noch nie eingesammelt: Insgesamt wurden 4.439 Leimruten, 15 Netze und 9 elektronische Lockanlagen abgebaut (zum Vergleich Frühling 2011: 3.353, 15 Netze, 12 Lockgeräte). 241 Vögel wurden in den Fallen und Netzen gefunden, 184 davon konnten unversehrt freigelassen werden, der restlichen Tiere waren leider bereits tot. Mönchsgrasmücken machen fast genau die Hälfte der aufgefundenen Vögel aus (50, 6 % / 122 Tiere), dazu kommen 31 Klappergrasmücken, 11 Nachtigallen sowie Masken-, Brillen- und Spergrasmücken, Wendehälse, Rauchschwalben und viele weitere Arten. In sechs Fällen wurden illegal in Volieren und Käfigen gefundene geschützte Arten festgestellt - insgesamt konnten 113 Vögel freigelassen werden, mehrheitlich verschiedene Grasmücken, aber auch sechs Ortolane und ein Turmfalke. Auch dies ein Rekord.

Komitee-Mitarbeiter mit eingesammelten LeimrutenKomitee-Mitarbeiter mit eingesammelten LeimrutenDas wirklich Besondere am diesjährigen Frühlingseinsatz war die erfolgreiche Kooperation mit der Polizei - 14 Wilderer wurden überführt (im letzten Jahr war es nur ein einziger)! Während wir im letzten Frühling noch weitgehend vergleblich versucht haben, die Beamten zur Zusammenarbeit zu bewegen, hatten wir in den drei Wochen in diesem Jahr nahezu täglich eine Patrouille der Polizei-Sonderheinheit zur Wildereinbekämpfung (APS) zur Verfügung, die uns bei der Suche nach Leimruten und Netzen begleitet hat. Die Polizisten haben damit unsere Sicherheit während der Aktion garantiert und konnten mit unserer Unterstützung 9 Wilderer in flagranti fassen. Den Jagdaufsehehern des Game Fund gelang es, drei weitere Wilderer nach unseren Hinweisen zu überführen, die reguläre Polizei konnte gemeinsam mit uns zwei Vogelfänger schnappen. Bei mehreren Aktionen mit der SBA-Police, die die britischen Militärliegenschaften auf Zypern kontrolliert, wurden keine aktiven Fangstellen gefunden. Die Kooperation mit allen vier Behörden war sehr erfreulich und effektiv.

Abbau eines FangnetzesAbbau eines FangnetzesDa immer nur eines von zwei eingesetzten Teams mit den Beamten im Gelände war, wurde die zweite Gruppe zeitweise von einem zypriotischen Polizisten im Ruhestand begleitet, der für ihre Sicherheit und gute Kontakte zur Polizei gesorgt hat. In der letzten Woche hatten wir einen britischen Polizisten als ehrenamtlichen Teilnehmer dabei, der durch sein professionelles Auftreten mehrere kritische Situationen entschärfen konnte. Trotz dieser im Vergleich zu den Vorjahren deutlich verbesserten Sicherheits-Situation hat es einen ernsten Zwischenfall gegeben, bei dem ein Komitee-Mitglied aus Rheinland-Pfalz beim Einsammeln von Leimruten von einem Wilderer im wahrsten Sinne des Wortes "krankenhausreif" geschlagen wurde. Seine Kopfverletzung musste im Krankenhaus genäht werden. Zudem gab es neben einigen wüsten Beschimpfungen und Bedrohungen mehrere rasante Verfolgungsjagten.

Die Stiftung Pro Artenvielfalt hat den Einsatz mit einer großzügigen Zuwendung mitfinanziert und auch personell mit freiwilligen Helfen unterstützt. Unser Partner Friends of the Earth (FoE) Cyprus hat das Vogelschutzcamp logistisch begleitet, mit den ehrenamtlichen Mitarbeiter der schweizer Gruppe MBCC hatten wir einen regen Austausch von Informationen über Fangstellen und konnten uns mehrfach gegenseitig unterstützen. Unser besonderer Dank gilt der Deutschen Botschaft in Nikosia, die erheblichen Anteil daran hatte, dass uns die Polizei so umfangreich geholfen hat.

Ein Abschlussbericht wird in den nächsten zwei Wochen an dieser Stelle veröffentlicht.