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Texel und Utrecht: 4.000 Wildgänse vergast

Verladung zusammengetriebener Gänse aud TexelVerladung zusammengetriebener Gänse aud TexelAuf der niederländischen Nordseeinsel Texel haben Behörden im Juni und Juli 2008 Tausende Wildgänse von einer Firma mit Netzen einfangen und anschließend mit Kohlendioxid vergasen lassen. Niderländische Naturschützer haben das Treiben vor Ort dokumentiert und sprechen von einem beispiellosen Tierschutz-Skandal. Wie Beobachter des Bonner Komitee gegen den Vogelmord und der Vereinigung Faunabescherming mitteilen, wurden von Mitarbeitern der Firma „Duke Faunabeheer“ bei 6 Fangaktionen etwa 3.000 Tiere zusammengetrieben, in LKWs verladen und an einen unbekannten Ort verfrachtet. In Deutschland sorgen indes Berichte für Wirbel, nach denen die auf Texel getöteten Gänse an eine deutsche Schlachterei weiterverkauft worden sind. Die Tageszeitung „Leeuwarder Courant“ berichtete, dass die toten Tiere nach Deutschland transportiert und dort u.a. zu Gänseleberpastete verarbeitet werden sollen.

Auf dem Weg zur Vergasungsanlage: WildgänseAuf dem Weg zur Vergasungsanlage: WildgänseAls Grund für die Tötungen im Wattenmeer führt die zuständige Provinz Noord-Holland sog. Fraßschäden an, die fressende Graugänse auf landwirtschaftlichen Kulturen angerichtet hätten. Im letzten Jahr sei dadurch auf Texel ein Schaden von rund 90.000 Euro entstanden. Um den betroffenen Bauern zu helfen, sollen nach Plänen der Provinzregierung in diesem Sommer insgesamt rund 6.000 Grau-, Bläss- und Nonnengänse eingefangen und getötet werden. Die bislang letzte Tötungsaktion wurde am Samstagmittag in einem Vogelschutzgebiet nahe der Ortschaft Den Burg durchgeführt. Nach Angaben des Komitees sind dabei etwa 350 Tiere gefangen worden. „Ein derartig brutaler Eingriff, dazu noch in einem international bedeutendem Brutgebiet, ist ökologischer Unfug und aus Sicht des Tierschutzes schlicht eine Riesensauerei“, kritisiert Biologe Axel Hirschfeld vom Komitee gegen den Vogelmord die Aktion. Seiner Ansicht nach sind Alternativen wie Ablenkungsfütterungen oder eine finanzielle Entschädigung der Bauern von den Behörden nicht ausreichend geprüft worden.

Um weitere Fangaktionen zu verhindern, haben die Vogelschützer eine Beschwerde beim niederländischem Justizministerium eingereicht. Grund: Das niederländische Jagdgesetz verbietet das Töten von Wild mittels Gas und Gänse gehören in Holland zum Jagdwild.
Um den Druck auf die Behörden zusätzlich zu erhöhen, hat das Komitee eine Protestkampagne im Internet organisiert. Nachdem im Spätsommer 2008 beim Direktor der niederländischen Forstverwaltung mehr als 4.000 Protestmails eingegangen sind, ist die Vergasungsaktion erst einmal eingestellt worden. In den Jahren 2009 und 2010 hat es keine weiteren derartigen Genehmigungen gegeben. Das Komitee gegen den Vogelmord und sein niederländischer Partner "Faunabescherming" haben aber weiter ein wachsames Auge auf die Behörden.