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Keine Papageitaucherjagd auf Island!

Protestaktion gegen die Pläne der isländischen Regierung zur Aufweichung der EU-Vogelschutzrichtlinie

Papageitaucher - bis jetzt noch in der ganzen EU geschützt (© Steve Garvie/Wikimedia)Papageitaucher - bis jetzt noch in der ganzen EU geschützt (© Steve Garvie/Wikimedia)Island möchte Mitglied der Europäischen Union werden. Doch die Regierung der Atlantikinsel will internationale Naturschutzstandards nicht umsetzen und drängt darauf, auch nach dem EU-Beitritt die umstrittene Jagd auf Seevögel und Meeressäuger fortsetzen zu dürfen. Wie aus einem Ende November 2012 vom Rat der Europäischen Union veröffentlichten Bericht hervorgeht, hat Reykjavik von Brüssel umfangreiche Änderungen der EU-Naturschutzrichtlinien gefordert, damit isländische Jäger nach einem Beitritt weiter Jagd auf Wale, Seehunde, Papageitaucher, Basstölpel, Trottellummen und andere Alkenvögel machen können. Wir wollen, dass Island seine Jagdgesetzgebung an die in der EU anpasst, und nicht umgekehrt!

Hintergrund

Im Juli 2010 hat die Europäische Union offiziell Beitrittsverhandlungen mit Island aufgenommen. Im Rahmen dieser Gespräche wird auch die Anpassung des isländischen Jagd- und Naturschutzrecht an die in der EU geltenden Standards und Richtlinien verhandelt.

Der Verzehr von Seevögeln und die Jagd auf Meeressäuger haben in Island eine lange Tradition. Die zur Zeit in Island geltenden Jagdgesetze erlauben den Abschuss und Fang von Arten, die in der EU streng geschützt sind und in einigen Mitgliedsstaaten in den letzten Jahren zum Teil starke Bestandseinbrüche erlitten haben. Neben der Jagd auf Finn- und Zwergwale will die Regierung in Reykjavik auch weiterhin den Abschuss und Fang gefährdeter Seevögeln genehmigen. Dabei geht es um:

  • den Fang von Papageitauchern mit Keschern in der Brutzeit.
  • das Sammeln von Eiern in Seevogelkolonien
  • den Abschuss von bislang europaweit geschützten Arten wie Papageitauchern, Tordalken, Gryllteisten, Trottellummen, Dickschnabellummen, Skuas und Eissturmvögeln

Um diese "traditionellen" Jagdmethoden auch nach einem EU-Beitritt fortführen zu können, hat Island von der EU umfangreiche Änderungen der Vogelschutzrichtlinie gefordert. Damit die getöteten Seevögel wie bisher auf lokalen Märkten verkauft werden können, wurden gleichzeitig Befreiungen vom EU-weiten Vermarktungsverbot für diese Arten beantragt.

Das Komitee gegen den Vogelmord, das die tierquälerische und unkontrollierte Vogeljagd in Island seit Jahren kritisiert, lehnt eine solche "Sondergenehmigung" strikt ab. Wichtigster Grund ist, dass die Bestände vieler Seevogelarten in ganz Europa seit Jahren rückläufig sind. Island beherbergt heute die größten Seevogelkolonien des Kontinents und hat deswegen eine besondere Verantwortung für deren Erhalt. Dazu kommt, dass Seevögel nur sehr geringe jährliche Reproduktionsraten haben und deshalb nicht in der Lage sind, Verluste durch Jagd kurzfristig auszugleichen. Die Jagd auf diese Arten, der Fang der Vögel während der Brutzeit, oder die Entnahme von Eiern können deswegen keine „nachhaltige Nutzung“ im Sinne der Europäischen Vogelschutzrichtlinie sein.

Das Komitee gegen den Vogelmord hat deshalb EU-Erweiterungskommissar Štefan Füle aufgefordert, der Regierung in Reykjavik unmissverständlich klar zu machen, dass es in der EU keinen Platz für Tierquälerei und die Jagd auf bedrohte Seevögel gibt. "Wer die Vorzüge und Solidarität einer Gemeinschaft genießen möchte, muss auch bereit sein, gemeinsame Werte umzusetzen", so Komiteepräsident Heinz Schwarze. Um zu zeigen, dass diese Forderungen von zahlreichen EU-Bürgern unterstützt werden, haben wir eine internationale Protestaktion ins Leben gerufen. Ziel der Kampagne ist es, die EU-Kommission davon zu überzeugen, keine Kompromisse einzugehen und die Beendigung der Vogel- und Waljagd zu einer Bedingung für den Beitritt Islands zur EU zu machen.

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