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Frühlings-Vogelschutzcamps
des Komitees gegen den Vogelmord 2017

Vom 18. Februar bis zum 21. Mai fanden die diesjährigen Frühlingseinsätze des Komitees gegen den Vogelmord satt. An den 9 Vogelschutzcamps in Italien, auf Malta und Zypern haben sich insgesamt rund 60 Komitee-Mitglieder beteiligt. In den 13 Wochen haben wir 1.834 Leimruten, 90 Fangnetze, 83 Schlagfallen und 6 Käfigfallen gefunden, aufgrund unserer Hinweise hat die Polizei 41 Wilderer auf frischer Tat überführt – bei ihnen wurden 4 Flinten und 1.342 Schuss Munition sichergestellt. Fast 300 Vögel konnten befreit werden – entweder aus Fallen und Netzen oder aber aus den Volieren krimineller Tierhändler.

In unserem Online-Tagebuch haben wir fast täglich über den Fortgang der Aktionen berichtet. Eine kleine Zusammenfassung der Ergebnisse zu jedem Einsatz haben wir hier für Sie zusammengestellt:


Brescia (Italien) 18.2. – 12.3.2017

Aus einem Netz befreites Rotkehlchen.Aus einem Netz befreites Rotkehlchen.Der Vogelfang im Frühjahr ist in den Südalpen Italiens recht selten. Das Komitee gegen den Vogelmord hat deswegen kein Vogelschutzcamp gemacht, sondern ist mit gezielten Wochenendaktionen von Ende Januar bis Anfang März in den bekannten Brennpunkten aktiv gewesen. Dabei haben die Teams insgesamt drei Wilderer überführt. Fünf Stellnetze, vier kleine Schlagnetze, 21 Schlagfallen und 17 lebende Lockvögel (darunter Wacholderdrosseln, Singdrosseln und Buchfinken) wurden sichergestellt. Eine frisch gefangene Mönchsgrasmücke und ein Rotkehlchen konnten aus den Stellnetzen befreit werden.


Malta [Finkenfang] 11.3.– 2.4.2017

Von der maltesichen Polizei sichergestellte Schlagnetze.Von der maltesichen Polizei sichergestellte Schlagnetze.Das Ergebnis des Komitee-Vogelschutzcamps gegen den Finkenfang auf Malta ist schockierend: Die Vogelfänger haben trotz striktem Fangverbot fast die gesamte Küstenlinie der Mittelmeerinsel mit Netzen zugestellt. Sie fangen Finken wie Stieglitze, Grünfinken oder Hänflinge für die Käfighaltung. Insgesamt konnten die Komitee-Teams 133 aktive Fanganlagen ausmachen. Insgesamt ist es uns gelungen, 21 Täter zu überführen – ihre Netze wurden samt Zubehör sichergestellt und rund 35 lebende Lockvögel (vor allem Hänflinge) beschlagnahmt und anschließend befreit. Weitere 40 Netze wurden an die Behörden gemeldet und von der Polizei abgebaut, ohne dass die Wilderer geschnappt werden konnten. Unser Eindruck, dass die Politik auf Malta den Vogelfang weitgehend toleriert, hat sich nach diesem Frühlingseinsatz weiter verstärkt.


Zypern 23.3. – 14.5.2017

Trauriger Fund: Grauortolan auf zypriotischer Leimrute.Trauriger Fund: Grauortolan auf zypriotischer Leimrute.Der größte Frühlingseinsatz des Komitees gegen den Vogelmord fand auf Zypern statt. Insgesamt waren unsere Teams dort 8 Wochen im Einsatz! Unsere langjährigen Aktionen haben dazu geführt, dass die Wilderei im Frühjahr deutlich zurückgegangen ist - es sind wesentlich weniger Fangstellen als noch vor 5 Jahren aktiv und die Wilderer legen die Leimruten nicht mehr während der gesamten Zeit aus. Weil wir inzwischen genau wissen, welche Vogelfänger noch im Frühling aktiv sind, haben wir diese Stellen von Ende März bis Mitte Mai bis zu 15 Mal kontrolliert, bis wir Fallen oder Netze finden konnten. Insgesamt haben wir dabei 1.834 Leimruten und 19 Netze eingesammelt, die (wenig hilfreiche) Polizei hat 6 Wilderer aufgrund unserer Hinweise überführt. 91 Vögel konnten aus Fallen und Netzen befreit werden. Wie immer hat uns die Stiftung Pro Artenvielfalt umfänglich bei der Finanzierung und Durchführung des Vogelschutzcamps geholfen.


Malta [Greifvogelschutz] 7.4. – 30.4.2017

Komitee-Team auf Malta mit der deutschen Botschafterin, Gudrun Sräga (3. von rechts).Komitee-Team auf Malta mit der deutschen Botschafterin, Gudrun Sräga (3. von rechts).Das große Vogelschutzcamp des Komitees auf Malta begann dieses Frühjahr eine Woche früher, damit unsere Teams die von der Regierung genehmigte Frühlingsjagd auf Wachteln überwachen konnten. Tatsächlich verlief die Jagdsaison im Vergleich zu den Vorjahren sehr ruhig – die illegal Jagd auf Greifvögel, Störche und andere geschützte Arten geht durch unsere Arbeit immer weiter zurück. Vier Wilderer konnten wir außerhalb der Jagdsaison filmen, alle wurden von der Polizei überführt. Der Vogelfang blieb auch im April ein großes Thema: Unsere Teams konnten sieben aktive Fangstellen mit einem Schlagnetz und sechs riesigen Käfigfallen an die Behörden melden, mindestens 75 Turteltauben wurden von der Polizei befreit. Ein Kamerateam des britischen BBC hat die Komitee-Aktion ebenso begleitet wie ein Team von Arte, die deutsche Botschafterin aus Malta, Gudrun Sräga, hat sich vor Ort ein Bild von der Arbeit des Komitees gegen den Vogelmord gemacht.


Palmarola (Italien) 11.4. - 6.5.2017

Mit dem Segelboot nach Palmarola.Mit dem Segelboot nach Palmarola.Die unbewohnte und unter Naturschutz stehende Insel Palmarola in Süditalien ist seit langem ein Ziel von Wilderern, die mit Booten von der Insel Ponza übersetzen. Sie fangen illegal Singvögel mit Schlagfallen und schießen außerhalb der Jagdzeit auf Turteltauben und Wachteln. Weil die Jagdlobby auf Ponza verhindert, dass uns jemand nach Palmarola übersetzt, hat das Komitee in diesem Jahr ein Segelboot gechartert. Das Team war drei Wochen vor Ort und hat die Wilderei komplett verhindert.

Durch versteckt durchgeführte Beobachtungen konnten die Komitee-Mitglieder Hinweise auf Waffenverstecke an die Behörden geben – bei zwei Einsätzen hat die Polizei daraufhin drei Flinten, 1.330 Schuss Munition und 30 Schlagfallen sichergestellt.


Ponza (Italien) 15.4. - 6.5.2017

Wache auf Ponza.Wache auf Ponza.Zusammen mit unseren Freunden von der LAC - Lega Abolizione Caccia - haben wieder eine dreiwöchige Wache auf Ponza durchgeführt. Die kleine Insel vor der Küste Laziens gehörte früher zu den Brennpunkten der Wilderei im zentralen Mittelmeerraum. Bei Komitee-Einsätzen haben wir hier regelmäßig hunderte Vogelfallen gefunden und dutzende Jäger bei der illegalen Jagd auf Turteltauben und Wachteln erwischt. Wie auch in den letzten Jahren haben unsere Mitglieder in diesem Frühling wieder die Brennpunkte der Zugvogeljagd besetzt. Tatsächlich konnten sie mit ihrer Anwesenheit eine fast völlige Befriedung der Insel erreichen. Es gab einzelne Schüsse und nur zwei kurzfristig aktive Fangstellen für Braunkehlchen.


Kalabrien (Italien) 23.4. – 7.5.2017

In kalabrien sichergestellte Flinte, Munition und geschossener Wespenbussard.In kalabrien sichergestellte Flinte, Munition und geschossener Wespenbussard.Die Jagd auf Greifvögel hat an der Straße von Messina eine lange Tradition. Während auf der sizilianischen Seite der Meerenge die Wilderei fast zum Erliegen gekommen ist, halten sich in den Bergen des Aspromonte in der „Stiefelspitze“ bis heute hartnäckige Wildererbanden. Durch die Anwesenheit der Komitee-Teams zur Hauptzeit des Wespenbussard-Durchzugs ist die Situation weitgehend beruhigt worden. Wo doch auf geschützte Arten geschossen wurden, haben unsere Teams Hinweise auf die Täter gesammelt. Auf diese Art und Weise konnten die Carabinieri während des Vogelschutzcamps drei Greigfvogelschießer überführen – eine Flinte, ein Dutzend Schuss Schrotmunition und ein frisch geschossener Wespenbussard konnten sichergestellt werden. Auch die Razzia der Finanzpolizei auf dem Vogelmarkt von Messina (Kalabrien) geht auf die Recherchen des Komitees zurück – hier wurden 83 frisch gefangene Stieglitze sichergestellt


Ischia (Italien) 23.4. bis 2.5.2017

In Schlagfalle auf Ischia gestorbenes Braunkehlchen.In Schlagfalle auf Ischia gestorbenes Braunkehlchen.Auf der süditalienischen Insel Ischia gab es einen gemeinsamen Einsatz des Komitees gegen den Vogelmord mit den Jagdaufsehern des WWF und der ENPA. Durch die massive Präsenz von Vogelschützern ist es sehr ruhig auf der Insel geblieben – es wurden nur wenige aktive Fangstellen mit Fallen für Braunkehlchen gefunden und nur sehr vereinzelt illegale Schüsse verzeichnet. An den Fangstellen wurden in Kooperation mit den Carabinieri und der Staatspolizei zwei Wilderer inflagranti erwischt, 32 Schlagfallen wurden sichergestellt, in der Tiefkühltruhe eines der Täter fanden die Beamten 30 tiefgefrorene Singvögel. Die Jagdaufseher des WWF fanden ein riesiges Fangnetzt, das offenbar für Pirole aufgestellt worden war. Leider wurde hier der Täter nicht überführt.


Südtirol (Italien) 11.5. – 21.5.2017

Bei Wilderer sichergestelltes Drosselküken in Südtirol.Bei Wilderer sichergestelltes Drosselküken in Südtirol.Vom 11. bis 21. Mai waren insgesamt 4 Teams des Komitees in Südtirol (Italien) im Einsatz, um gegen Nesträuber vorzugehen. Die Täter stehlen Drosselküken aus den riesigen Obstplantagen, um sie als angebliche Nachzuchten an Jäger zu verkaufen. Insgesamt haben wir in dem 18.000 Hektar großen Gebiet etwa 50 von Wilderern markierte Nester von Sing- und Wacholderdrosseln gefunden - zusammen mit der regionalen Forstpolizei konnten wir einen Kükendieb dingfest machen, zwei Wilderer konnten fliehen. Der Einsatz in dem riesigen Gebiet ist besonders schwierig, weil es bislang noch sehr wenige Informationen über die Vorgehensweise der Wilderer gibt. Der Einsatz ist diesem Jahr hat uns aber ein ganzes Stück voran gebracht und vor allem dabei geholfen, die Kontakte zur Forstpolizei, den Carabinieri, der Südtiroler Jagdbehörde und den Obstbauern weiter auszubauen.