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Tätigkeitsbericht 2018

Das Jahr neigt sich dem Ende zu und es ist wie immer Zeit, Bilanz zu ziehen. Was die Arbeit und die Erfolge des Komitees gegen den Vogelmord in diesem Jahr betrifft, gibt es allen Grund, zufrieden zu sein und optimistisch in die Zukunft zu blicken. Ganz gleich ob in Italien, Spanien, auf Malta oder in Deutschland – unsere Kampagnen gegen illegale Vogeljagd in diesen Ländern verlaufen äußerst erfolgreich. Jedes Jahr werden durch unsere Einsätze vor Ort tausende Vögel gerettet und die Wilderei immer weiter zurückgedrängt.

Komitee-Mitarbeiter auf Zypern mit aus Netzen befreiten Singdrosseln (November 2018)Komitee-Mitarbeiter auf Zypern mit aus Netzen befreiten Singdrosseln (November 2018)Rückgrat bzw. „Eltern“ dieser Erfolge sind neben unseren Mitgliedern und Spendern vor allem unsere mittlerweile rund 250 internationalen Aktivisten, die jeden Frühling und Herbst an den oft nicht ungefährlichen Einsätzen im Mittelmeerraum teilnehmen.

Erheblich ausbauen wollen wir unsere Präsenz im Libanon, wo viele Millionen Zugvögel jedes Jahr einen nur wenige Kilometer breiten Zugkorridor nutzen und dort zu Hunderttausenden abgeschossen oder gefangen werden. Unter den Arten, die besonders unter der Wilderei leiden, sind vor allem seltene Greifvögel wie der Schreiadler, dessen nahezu gesamter Weltbestand jedes Jahr zweimal über den Libanon zieht, darunter auch die verbliebenen 90 deutschen Brutpaare. Für das kommende Jahr planen wir deshalb eine Verlängerung unseres Herbsteinsatzes, um auch während der Spitze des Schreiadler-Durchzuges Anfang Oktober im Libanon präsent zu sein. Außerdem soll die schon bisher erfolgreiche Aufklärungskampagne für Jäger fortgesetzt und die Zusammenarbeit mit der Polizei intensiviert werden. Denn auch hier gibt es durchaus erste Lichtblicke, wie zum Beispiel die Verhaftung von insgesamt 15 Wilderern im Herbst, die von unseren Teams beim Abschuss geschützter Arten gefilmt wurden. Oder das bewundernswerte Engagement der zahlreichen libanesischen Naturschützer, die unsere Einsätze vor Ort unterstützt haben. Gemeinsam mit diesen neuen Freunden und Verbündeten wollen wir unsere Kampagne deshalb in den nächsten Jahren fortsetzen und ausweiten - damit auch der Himmel über dem Libanon irgendwann wieder zu einer sicheren Route für unsere Zugvögel wird.

Januar

Beschlagnahmeter ErlenzeisigBeschlagnahmeter Erlenzeisig

  • Razzia gegen den illegalen Handel mit Finken in Süditalien: Auf dem berüchtigten Vogelmarkt "Ballaró" im sizilianischen Palermo stellt die örtliche Polizei nach einem Hinweis des Komitees gegen den Vogelmord insgesamt 61 wildgefangene Finken sicher. Die Ermittlungen richten sich gegen zwei Vogelhändler, denen eine hohe Geldstrafe droht. Die 22 Girlitze, 21 Stieglitze, 16 Erlenzeisige und zwei Buchfinken können einige Tage später freigelassen werden.
  • Unsere Erfassungs- und Dokumentationsstelle für Greifvogelverfolgung und Artenschutzkriminalität (EDGAR) veröffentlicht einen ersten Zwischenbericht für die Jahre 2005 bis 2015. Insgesamt wurden in diesem Zeitraum 998 Fälle von illegalem Abschuss, Fang, Vergiftung und sonstigen Nachstellungen in Deutschland bekannt und ausgewertet. Dabei wurden 1.445 Opfer registriert, darunter 805 Mäusebussarde, 156 Rotmilane und 136 Habichte. Die meisten Fälle wurden in Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Bayern festgestellt.
  • 137 abgebaute Netze, 118 zerstörte Leimruten, vier überführte Wilderer - das ist das Ergebnis unseres diesjährigen Wintereinsatzes gegen den Vogelfang auf Zypern. Unsere ehrenamtlichen Helfer waren fast den gesamten Januar jeden Tag unterwegs, um illegale Fangplätze aufzuspüren und gemeinsam mit der Polizei stillzulegen. Rund 500 Vögel wurden aus den Fallen befreit. Vier Vogelfänger werden überführt und zu Geldstrafen zwischen 500 € und 8.000 € verurteilt.
  • In unserem Schutzgebiet „Raisdorfer Teichlandschaft“ in Schleswig-Holstein finden großflächige Pflegemaßnahmen statt. So werden Weiden und andere Bäume im Bereich der Gewässer gestutzt und einer der kleineren Teiche entschlammt, um die Flächen für die kommende Brutsaison „fit“ zu machen. Die vom Komitee im Jahr 1984 erworbene Teichkette ist mittlerweile Heimat für zahlreiche bedrohte Tier- und Pflanzenarten wie Eisvogel, Laubfrosch oder Wasserfeder.

Februar

Auf Sardinien sichergestellte Schlingen und tote VögelAuf Sardinien sichergestellte Schlingen und tote Vögel

  • Tolles Resultat unseres Vogelschutzcamps auf Sardinien: Im Süden der italienischen Mittelmeerinsel bauen Komitee-Mitarbeiter und Beamte der Carabinieri innerhalb einer Woche sage und schreibe 180 illegale Fangnetze mit einer Gesamtlänge von mehr als zwei Kilometern ab. Zusätzlich werden einige Dutzend Schlagfallen und mehrere Käfigfallen gefunden. 26 Vögel können lebend befreit und 7 Wilderer auf frischer Tat überführt werden.
  • Zugvogeljagd und Vogelfang gehören ins Museum. Das Naturkundemuseum in Erfurt zeigt eine Ausstellung über die Geschichte des Vogelfangs in Europa. Unter anderem wird auch die aktuelle Arbeit des Komitees gegen den Vogelmord im Mittelmeerraum vorgestellt. Zu sehen sind mehrere „echte“ Fanggeräte, die bei den Vogelschutzcamps des Komitees in Italien und Zypern abgebaut bzw. von der Polizei bei Wilderern sichergestellt wurden.
  • Einsatz gegen Greifvogelfänger in Rheinland-Pfalz: Auf dem Grundstück eines Taubenhalters in Bingen entdecken Mitarbeiter des Komitees eine aktive, mit lebenden Tauben beköderte Habichtfalle; daneben liegen im Gebüsch ein toter Habicht und ein Mäusebussard. Eine von uns alarmierte Polizeistreife beschlagnahmt die Falle und leitet ein Strafverfahren ein. Inzwischen hat das Landeskriminalamt die Ermittlungen übernommen.
  • Netzwerken in London: Auf dem internationalen Natur- und Tierschutzkongress „Lush Summit 2018“ stellt das Komitee seine laufenden Kampagnen gegen die illegale Vogeljagd auf Zypern und im Libanon vor. Mit dabei sind erstmals auch Mitarbeiter unseres Partners SPNL aus Beirut. Die zweitägige Veranstaltung ist ein Treffen engagierter Natur- und Tierschützer aus der ganzen Welt. Die Firma Lush unterstützt zahlreiche Umweltprojekte, darunter auch unsere Arbeit in Spanien.
  • Illegaler Vogelhandel in Berlin: Bei der Kontrolle einer Wohnung im Stadtteil Neukölln stellen Beamte des Landeskriminalamtes sechs wildgefangene Stieglitze sicher. Die unberingten Tiere waren zuvor für 100 Euro pro Stück im Internet zum Verkauf angeboten worden. Anlass für die Kontrolle war eine Anzeige des Komitees gegen den Vogelmord, das die Berliner Behörden auf den verbotenen Vogelhandel aufmerksam gemacht hatte.

März

Am Stadtrand von Beirut dokumentiert das Komitee ein Schwalbenmassaker - die Polizei nimmt mehere Täter fest.Am Stadtrand von Beirut dokumentiert das Komitee ein Schwalbenmassaker - die Polizei nimmt mehere Täter fest.

  • Bei zwei Einsätzen in Italien können unsere Mitarbeiter gemeinsam mit der Polizei insgesamt vier Vogelfängern das Handwerk legen. Ein Wilderer wird auf der Mittelmeerinsel Ponza mit mehreren Käfigfallen für Finken erwischt. In den Hügeln nördlich der Stadt Brescia werden drei große Fangstellen mit Netzen gefunden und an die Polizei gemeldet. Den Beamten gelingt es, hier drei Wilderer auf frischer Tat zu überführen. Insgesamt werden rund ein Dutzend Singdrosseln, Amseln, Grünfinken und Girlitze freigelassen.
  • Aktion im Libanon: Am Stadtrand von Beirut dokumentieren Aktivisten des Komitees gegen den Vogelmord ein regelrechtes Massaker an durchziehenden Schwalben und Seglern. So kann unter anderem ausführlich gefilmt werden, wie etwa zwei Dutzend Personen, darunter auch mehrere Kinder, mit Schrotflinten hunderte an der Küste entlangziehende Tiere töten. Nach etwa einer Stunde greift die von uns verständigte Militärpolizei ein und verhaftet mehrere Beteiligte.
  • Habichtfang am Taubenschlag: Nach einem Hinweis entdeckt ein Komitee-Team in einer Kleingartenanlage bei Köngen (östlich von Stuttgart) einen aktiven Habichtfangkorb mit zwei lebenden Ködertauben. Die Falle steht unmittelbar neben einem Taubenschlag. Die von uns verständigte Polizei beschlagnahmt das Gerät und ermittelt gegen den Besitzer der Parzelle. Die beiden Lockvögel werden der Tierrettung übergeben
  • Polizeieinsatz gegen Vogelfänger in Nordrhein-Westfalen: Ein Komitee-Team findet bei der Kontrolle eines Jagdreviers bei Espelkamp (Kreis Minden-Lübbecke) zwei verbotene Lebendfallen für Greifvögel und Krähen. Ein Gerät ist fängig gestellt und mit Futter und einer Plastikkrähe beködert. Die von uns gerufene Polizei stellt beide Fallen sicher und leitet ein Strafverfahren gegen Unbekannt ein.
  • Illegale Fangplätze aus der Vogelperspektive: Um das Ausmaß des illegalen Vogelfangs im Frühling zu dokumentieren, chartert das Komitee ein Kleinflugzeug und fliegt damit zwei Tage lang über Malta und Gozo. Insgesamt werden 182 aktive Fangplätze mit riesigen Klappnetzen aus der Luft kartiert und fotografiert. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht das einer Zunahme von mehr als 30%. Die Standorte der Fangplätze werden anschließend der Polizei übermittelt.

April

Mit dem "Schwiegermuttergift" E605 vergifteter Rotmilan im Kreis Borken (Nordrhein-Westfalen)Mit dem "Schwiegermuttergift" E605 vergifteter Rotmilan im Kreis Borken (Nordrhein-Westfalen)

  • Bei unserer Erfassungs- und Dokumentationsstelle EDGAR gehen im April zahlreiche Hinweise auf illegale Greifvogelverfolgungen in Deutschland ein. Unter anderem wird aus Bocholt (Nordrhein-Westfalen) ein mit Schrot geschossener Wanderfalke und aus Diepholz (Niedersachsen) eine Lebendfalle für Habichte gemeldet. Kurze Zeit später wird in Bonn ein Mäusebussard mit einem Luftgewehr getötet und im Kreis Borken ein gezielt vergifteter Rotmilan gefunden. In allen Fällen ermitteln die Behörden.
  • Im renommierten Journal „Berichte zum Vogelschutz“ erscheint eine vom Komitee in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Rat für Vogelschutz (DRV) durchgeführte Analyse von offiziellen Vogeljagd-Statistiken aus der EU. Die Ergebnisse sind alarmierend: Trotz zurückgehender Bestände werden in vielen Ländern weiterhin Millionen geschützter Feldlerchen, Turteltauben, Kiebitze oder Bekassinen geschossen. Die Ergebnisse der Studie werden unter anderem vom „Spiegel“ und zahlreichen ornithologischen Fachzeitschriften aufgegriffen und diskutiert.
  • Mit dem Ende des Vogelzugs ist jetzt auch unser Vogelschutzcamp auf Zypern nach acht Wochen Dauereinsatz abgeschlossen. Seit Anfang März waren Komitee-Teams auf der Mittelmeerinsel im Einsatz und haben insgesamt 305 Leimruten und neun Netze gefunden und unschädlich gemacht - so wenige wie noch nie! Zum Vergleich: Im letzten Jahr haben wir im gleichen Zeitraum noch 1.834 Leimruten und 19 Netze gefunden - unsere Hartnäckigkeit zahlt sich offenbar langsam aus!
  • Beim großen Komitee-Vogelschutzcamp auf Malta gehen unseren Teams innerhalb von drei Wochen 13 Finkenfänger und zwei Turteltaubenjäger ins Netz. Alle werden auf frischer Tat beim Aufspannen ihrer Klappnetze bzw. beim Abschuss der im Frühling geschützten Tauben gefilmt. Zehn Männer können später aufgrund des Videomaterials von den Behörden identifiziert werden. Ihnen drohen vierstellige Geldstrafen sowie der lebenslange Entzug der Jagdlizenzen.
  • Bei einer einwöchigen Aktion auf Maltas Nachbarinsel Gozo legen unsere Aktivisten zusammen mit Polizeibeamten neun riesige Fangkäfige für den Fang von Turteltauben sowie mehrere Fanganlagen für Wachteln und Kleinvögel still. Da die meisten Fallen auf Privatgrundstücken stehen, werden Ermittlungen gegen die Grundstücksbesitzer eingeleitet. Insgesamt werden 14 frisch gefangene Turteltauben, acht Stare, zwei Wachteln sowie rund 30 Finken entdeckt und befreit.

Mai

Auf Ischia mit einer Schlagfalle gefangenes BraunkehlchenAuf Ischia mit einer Schlagfalle gefangenes Braunkehlchen

  • Vogelschutzcamp auf Ischia: Im Rahmen unserer alljährlichen Aktion gegen die illegale Frühlingsjagd auf der Mittelmeerinsel werden fünf illegale Fangplätze mit insgesamt 52 Schlagfallen für durchziehende Braunkehlchen und Steinschmätzer unschädlich gemacht. Zusätzlich entdecken unsere Teams zwei von Wilderern versteckte Schrotflinten und 300 Schuss Munition, die von der Polizei beschlagnahmt werden. Ein Wilderer wird später überführt und angeklagt.
  • In Kalabrien erwischen die Teilnehmer unseres Einsatzes gegen die illegale Greifvogeljagd drei Jäger beim Abschuss von Wespenbussarden. Nach einer Anzeige des Komitees werden bei Hausdurchsuchungen zwei weitere frisch geschossene Bussarde und mehrere Drahtschlingen für große Säugetiere entdeckt und als Beweismittel beschlagnahmt. Die Männer erwartet ein Gerichtsverfahren.
  • Nach fast einjähriger Recherche erstattet das Komitee in Italien Anzeige gegen eine Bande professioneller Vogelhändler, die in Kalabrien einen umfangreichen Handel mit illegal gefangenen Singvögeln betreiben. Bei einer anschließenden Großrazzia beschlagnahmen die Behörden mehr als 300 lebende Vögel und umfangreiches Beweismaterial. Die Staatsanwaltschaft erlässt Haftbefehle gegen 7 Männer im Alter zwischen 27 und 70 Jahren.
  • Giftalarm in Thüringen. Im Landkreis Eichsfeld werden innerhalb von einem Jahr 6 Wanderfalken vergiftet. Alle Tiere wurden an einem Brutplatz bei Bodenrode gefunden, zuletzt ein Alt- und zwei Jungvögel im Mai. Zum Verhängnis wurden ihnen laut Laborbefund mehrere mit Gift präparierte "Kamikazetauben", die von unbekannten Tätern unter dem Nest freigelassen und anschließend von den Falken gefressen wurden. Das Komitee erstattet Strafanzeige und setzt eine Belohnung von 5.000 Euro für Hinweise auf die Täter aus.
  • Vom 19. bis 27. Mai überwachen Teams des Komitees zusammen mit der lokalen Polizei die riesigen Apfelplantagen in Südtirol. Dort brüten hunderttausende Drosseln, deren Nester leider immer wieder systematisch geplündert werden. Bei den Tätern handelt es sich um Vogelhändler aus Norditalien, die die Küken als Lockvögel an Drosseljäger verkaufen wollen. Während der Aktion werden drei Wilderer auf frischer Tat ertappt und rund 60 Vogelküken sichergestellt.

Juni

Rieserfolg vor Gericht: Maltas Finkenfang verstößt gegen EU-Recht und ist ab sofort illegal!Rieserfolg vor Gericht: Maltas Finkenfang verstößt gegen EU-Recht und ist ab sofort illegal!

  • Vogelfang auf Malta verstößt gegen EU-Recht: Der Europäische Gerichtshof verurteilt Malta in letzter Instanz wegen der Freigabe des Finkenfangs mit riesigen Klappnetzen. Über Jahre hinweg hatte sich Malta über EU-Recht hinweggesetzt und jedes Jahr tausende Fanggenehmigungen ausgestellt. Das Komitee und sein Partnerverband Birdlife Malta hatten diese Praxis von Beginn an scharf kritisiert und die Folgen des Massenfangs für die EU-Kommission dokumentiert. Das Urteil ist einer der größten Erfolge im europäischen Zugvogelschutz der letzten Jahre.
  • Gezüchtet - ausgesetzt - abgeschossen! Das Komitee startet eine Kampagne gegen die von der neuen Landesregierung in Nordrhein-Westfalen geplante Aufhebung des Aussetzungsverbots für gezüchtete Enten und Fasane. Neben dem Abschuss von Tieren aus Zuchtbetrieben plant das Landwirtschaftsministerium auch, für bisher geschützte Tierarten wieder eine Jagdzeit einzurichten
  • Vogelhändler verurteilt: Weil er mindestens 25 wildgefangene Stieglitze im Internet zum Verkauf angeboten hatte, wird ein Mann aus Oberhausen zu vier Monaten Haft auf Bewährung und 500 € Geldstrafe verurteilt. Auf den verbotenen Handel aufmerksam wurden die Behörden durch eine Strafanzeige des Komitees. Das Urteil ist rechtskräftig. Die 25 beschlagnahmten Stieglitze können unverletzt freigelassen werden.
  • Auch im Juni werden wieder zahlreiche Fälle von gezielten Greifvogeltötungen in Deutschland bekannt. Opfer sind unter anderem ein Uhu aus dem Kreis Soest (NRW) und ein Habicht aus dem Wiesbadener Stadtwald (Hessen), in deren Mageninhalt ein seit Jahren verbotenes Insektizid nachgewiesen wurde. Im Burgenlandkreis (Sachsen-Anhalt) ermitteln die Behörden gegen die Verantwortlichen einer Geflügelhaltung, in der ein Habicht mit einem Tellereisen gefangen wurde.

Juli

Da nutzte ihm auch die Maskerade nichts: Der "Totenkopfwilder von Malta" (hier mit Fangnetz) wurde zu einer Geldstrafe in Höhe von 1.600 € verurteilt.Da nutzte ihm auch die Maskerade nichts: Der "Totenkopfwilder von Malta" (hier mit Fangnetz) wurde zu einer Geldstrafe in Höhe von 1.600 € verurteilt.

  • "Totenkopf-Wilderer" vor Gericht: Auf Malta verurteilt ein Strafgericht drei Vogelfänger zu jeweils 1.600 € Geldstrafe und zieht ihre Jagdlizenzen ein. Teilnehmer des Komitee-Vogelschutzcamps hatten die Männer im März 2017 unweit der Stadt Bahrija beim illegalen Finkenfang erwischt und gefilmt. Um unerkannt zu bleiben, hatten sich die Wilderer maskiert, einer benutzte dazu eine Totenkopfmaske, konnten später jedoch trotzdem identifiziert werden.
  • Der Strom der Meldungen von illegaler Greifvogelverfolgung aus Deutschland reißt nicht ab: Auf der Liste der dabei getöteten Tiere stehen ein Habichtweibchen (in Hessen brütend auf dem Nest mit Schrot abgeschossen), ein Mäusebussard (in NRW mit verbotenem Insektizid vergiftet), vier Wanderfalken (vergiftet in Rheinland-Pfalz) sowie insgesamt fünf Rotmilane, die in Schleswig-Holstein und Sachsen vergiftet aufgefunden wurden.
  • Sozialer Wohnungsbau: Um der in Deutschland vom Aussterben bedrohten Trauerseeschwalbe unter die Flügel zu greifen, installieren die Mitarbeiter unseres Seeschwalbenprojektes jedes Jahr mehr als 90 künstliche Nistinseln an geeigneten Gewässern in Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Wie begehrt dieses Angebot ist, zeigt das Ergebnis der diesjährigen Brutsaison: Insgesamt 41 Trauerseeschwalben- und 10 Lachmöwenfamilien ziehen im Jahr 2018 auf unseren Brutflößen ihre Jungen auf.
  • Legaler Vogelfang in Spanien vor dem Aus: Nachdem ein entsprechendes Urteil des Europäischen Gerichtshofes rechtskräftig geworden ist, stellen die Regionen Castilla-La Mancha, Castilla-Leon, Murcia und Valencia ab sofort keine Genehmigungen für den Vogelfang aus. Das Komitee kündigt an, das neue Fangverbot im Herbst mit mehreren Experten zu überwachen.

August

Storchenmassaker: Innerhalb von zwei Wochen werden 18 Weißstörche illegal abgeschossen.Storchenmassaker: Innerhalb von zwei Wochen werden 18 Weißstörche illegal abgeschossen.

  • Operation gegen den Fang von Fliegenschnäppern: In den Bergen rund um den Gardasee organisiert das Komitee einen zweiwöchigen Einsatz gegen den Fang von Trauerschnäppern und anderen früh ziehenden Singvogelarten. Bei der Aktion, die in enger Abstimmung mit den Carabinieri durchgeführt wird, werden 191 Schlagfallen, 22 Netze und 26 Bogenfallen gefunden und zerstört. 11 Wilderer können direkt an ihren Fallen erwischt und von den Polizeibeamten verhaftet werden.
  • Illegaler Watvogelfang auf Malta: Trotz drückender Hitze von teilweise an die 40 Grad suchen Freiwillige des Komitees auf Malta eine Woche lang nach aktiven Fangstellen für geschützte Regenpfeifer, Strandläufer und andere Limikolen. Insgesamt vier Anlagen mit jeweils zwei bis zu 40 Meter langen Klappnetzen werden entdeckt. Die von uns benachrichtigte Umweltpolizei beschlagnahmt alle Netze nebst umfangreichem Zubehör und leitet Verfahren gegen die Grundstücksbesitzer ein.
  • Komitee auf der "Birdfair 2018": Im englischen Rutland findet vom 17. bis 19. August die mit rund 40.000 Besuchern größte Natur- und Vogelschutzmesse der Welt statt. 400 Firmen, Künstler und Verbände aus aller Welt, darunter auch das Komitee, präsentieren hier ihre Arbeit. Schwerpunkt unseres sehr gut besuchten Standes sowie Thema einer Präsentation sind in diesem Jahr unsere Aktionen im Libanon und auf Zypern.
  • Auf Malta dokumentieren wir zusammen mit den Kollegen von Birdlife Malta den Abschuss von mindestens fünf Weißstörchen. Trotz einer vom Komitee organisierten rund-um-die-Uhr-Bewachung des restlichen Schwarms geraten die Vögel immer wieder unter Beschuss. Von ursprünglich 18 Störchen überlebt vermutlich kein einziger das Massaker, das sowohl auf Malta als auch international für Wirbel sorgt. Aufgrund von Zeugenaussagen werden später zwei Jäger angeklagt.

September

Herbsteinsatz im Libanon: Komitee-Mitarbeiter legen riesige Singvogelfanganlage lahm.Herbsteinsatz im Libanon: Komitee-Mitarbeiter legen riesige Singvogelfanganlage lahm.

  • Im Libanon führt das Komitee vom 9. bis zum 21. September seinen nunmehr dritten Großeinsatz gegen die illegale Vogeljagd durch. Schwerpunkt der Aktion ist die Präsenz an sensiblen Flaschenhälsen für den Vogelzug im Libanongebirge sowie in der Bekaa-Ebene. Dabei werden erneut unvorstellbare Massaker an Zugvögeln dokumentiert. Gleichzeitig gelingt es aber auch erstmals, 15 Wilderer auf frischer Tat von der Polizei verhaften zu lassen. Bei einem Einsatz im Norden wird zudem eine von uns entdeckte Großfanganlage für Singvögel von den Behörden stillgelegt.
  • Auf Malta überwachen Beobachtergruppen des Komitees und maltesische Ornithologen den Beginn der offiziellen Jagdsaison. Insgesamt werden bis Mitte November mehr als 60 Abschüsse geschützter Vogelarten dokumentiert, darunter zahlreiche Wespenbussarde, Weihen, Baumfalken, Sumpfohreulen, Reiher und Flamingos. Damit ist seit vielen Jahren erstmals wieder ein leichter Anstieg der Wilderei spürbar.
  • Nächtliche Aktionen gegen die illegale Wachteljagd in Süditalien: In Apulien – dem „Absatz“ des italienischen Stiefels – geht das Komitee gegen den großflächigen Einsatz von elektronischen Lockvögeln vor, durch deren Gesang Jäger nachts große Mengen an durchziehende Wachteln vor ihre Flinten locken. Innerhalb einer Woche werden insgesamt neun Anlagen aufgespürt und für immer außer Funktion gesetzt. Eine ähnliche Komitee-Aktion gibt es auch in Serbien – hier werden 23 Anlagen stillgelegt und zwei Jäger erwischt.
  • 359.000 Singvögel in Norditalien gerettet: Die rechtspopulistische Lega Nord scheitert im Regionalparlament mit ihrem Plan, eine Ausnahmegenehmigung zum Abschuss von 340.000 Buch- und Bergfinken sowie dem Fang von 19.000 Drosseln in der Lombardei durchzusetzen. Das Komitee gegen den Vogelmord sowie alle großen Natur- und Tierschutzverbände Italiens hatten zuvor mit einer gemeinsamen Kampagne für eine riesige Protestwelle im Parlament gesorgt, das sich am Ende mit knapper Mehrheit gegen das Vorhaben entscheidet.

Oktober

In Norditalien beschlagnahmt die Polizei nach einem Hinweis des Komitees säckeweise gerupfte Rotkehlchen.In Norditalien beschlagnahmt die Polizei nach einem Hinweis des Komitees säckeweise gerupfte Rotkehlchen.

  • Schlag gegen Vogelfänger in Norditalien: Vom 29. September bis zum 28. Oktober sind insgesamt 52 internationale Freiwillige in Brescia für uns im Einsatz, um gemeinsam mit einer Sondereinheit der Carabinieri illegale Fangstellen zu finden und den Wilderern das Handwerk zu legen. 46 Wilderer können in flagranti überführt und 170 lebende Lockvögel befreit werden. Die Beschlagnahme-Protokolle umfassen 392 Bogenfallen, 279 Schlagfallen, 109 Stellnetze, 11 unregistrierte Flinten sowie etwa 2.100 gerupfte und tiefgefrorene Singvögel.
  • Nach dem wegweisenden Urteil des Europäischen Gerichtshofes vom Juni kontrollieren Komiteemitarbeiter die Einhaltung des neu erlassenen Fangverbots für Finken auf Malta. Bis Ende des Monats werden 43 illegale Fangstellen gefunden und der Polizei gemeldet. An 12 dieser Stellen können die Vogelfänger von uns gefilmt und so später von den Behörden identifiziert werden. Insgesamt werden bei der Aktion 20 große Schlagnetze, zwei Käfigfallen sowie 81 lebende Lockvögel sichergestellt.
  • Vogelfang in Deutschland: In der Nähe von Edewecht (Landkreis Ammerland/Niedersachsen) findet ein Mitglied des Komitees eine illegale Lebendfalle für den Fang von Rabenvögeln und anderen Beutegreifern. Die von den Mitarbeitern unserer Erfassungsstelle für Artenschutzkriminalität (EDGAR) verständigte Polizei stellt die Falle sicher und leitet ein Verfahren gegen Unbekannt ein.
  • Um auf den Abschuss von Schreiadlern und anderen gefährdeten Zugvögeln im Libanon aufmerksam zu machen, veröffentlicht das Komitee drei neue Kampagnenvideos, die das massenhafte Abschlachten bedrohter Zugvögel im Libanon in allen Facetten dokumentieren. Die Filme erreichen innerhalb weniger Tage mehr als eine Million Zuschauer, Teile davon werden zur besten Sendezeit in den libanesischen TV-Nachrichten gezeigt.

November

Gerettet: Pirol auf einer illegalen Leimrute (Zypern)Gerettet: Pirol auf einer illegalen Leimrute (Zypern)

  • Unser Vogelschutzcamp auf Zypern ist so lang wie noch nie: Es startet Ende August und läuft bis Mitte November. Die insgesamt 30 Teilnehmer aus ganz Europa finden alles in allem 2.411 Leimruten, 50 Netze und 115 elektronische Lockanlagen, 15 Wilderer werden aufgrund unserer Hinweise überführt. Aus den Fanggeräten werden 519 Vögel lebend befreit. Während sich die Kooperation mit der britischen Polizei auf den großen englischen Militärbasen relativ gut entwickelt, hat die zypriotische Umweltpolizei ihre Unterstützung fast komplett eingestellt. Die Regierung in Nikosia fürchtet offenbar den Unwillen der Wilderer – ihrer Wähler!
  • Komitee-Vogelschutzcamp in Ostspanien: Bei einem zehntägigen Einsatz in der Provinz Valencia geht das Komitee gegen den illegalen Singvogelfang mit Netzen und Leimruten vor. Acht Wilderer werden aufgrund unserer Hinweise von der Polizei überführt. Insgesamt können fünf riesige Schlagnetze, 14 Stellnetze, etwa 400 Leimruten und eine Handvoll kleiner Lebendfallen zum Drosselfang sichergestellt werden.
  • Zuwachs für die Komitee-Familie: Mit dem Umweltexperten Lloyd Scott aus Birmingham stellt das Komitee einen weiteren Vollzeitmitarbeiter ein. Lloyd hat zuvor für die nationale britische Umweltbehörde EA gearbeitet und ist ein erfahrener Ermittler und Ornithologe. Seine Arbeitsschwerpunke sind unsere Kampagnen im Libanon und Malta sowie die Vertretung des Komitees im Vereinigten Königreich.
  • Bei einem ersten Spätherbsteinsatz auf der italienischen Mittelmeerinsel Sardinien finden Komitee-Teams kaum 400 Rosshaarschlingen. Vor 10 Jahren hatten wir hier noch weit über 10.000 dieser brutalen Singvogelfallen gefunden. Ein toller Erfolg unserer langjährigen Arbeit! Ein weiteres Komitee-Vogelschutzcamp auf Sardinien folgt zum Jahreswechsel.

Dezember

Auf Malta findet das Komitee im Dezember insgesamt 40 illegal mit elektronischen Lockgeräten betriebene Fanganlagen für Goldregenpfeifer.Auf Malta findet das Komitee im Dezember insgesamt 40 illegal mit elektronischen Lockgeräten betriebene Fanganlagen für Goldregenpfeifer.

  • Auf Malta und Gozo schlagen sich unsere Aktivisten mehrere Nächte um die Ohren, um den nächtlichen Fang von Goldregenpfeifern mit Klappnetzen zu dokumentieren. Acht Fälle werden an die Behörden gemeldet, die vor Ort drei elektronische Lockanlagen und zahlreiche Netze beschlagnahmen. Den Fänger gelingt es leider ausnahmslos, in der Dunkelheit zu entkommen.
  • Das vom Komitee gegen den Vogelmord finanziell unterstütze Wildtierauffangzentrum „Il Pettirosso“ in Modena wächst und gedeiht: Das ohnehin schon größte Zentrum seiner Art in Italien wird noch einmal weiter ausgebaut – weitere 70.000 Quadratmeter kommen als Gehege für verletzte Paarhufer wie Hirsche und Rehe hinzu. Insgesamt wurden im Jahr 2018 mehr als 3.900 Tiere aufgenommen, darunter 960 Singvögel (davon 520 bei Jägern beschlagnahmte Lockvögel), 420 Greifvögel, 310 Kleinraubtiere (Steinmarder, Dachse, Füchse etc.), 620 Paarhufer (Rehe, Wildschweine, Dam- und Rothirsche), 590 Igel und über 300 Kleinsäuger (Fledermäuse, Siebenschläfer etc.).
  • Neue Teiche für Norddeutschland: Die Mitarbeiterin, die beim Komitee gegen den Vogelmord das „Projekt Froschland“ betreut, hat im Jahr 2018 wieder ganze Arbeit geleistet: Im Großraum Kiel wurden 40 neue Gewässer angelegt – das Land Schleswig-Holstein finanziert das Projekt zu 100 %. Zielarten sind neben Amphibien wie Laubfrosch, Moorfrosch und Rotbauchunke natürlich auch Libellen und Wasservögel. Im Rahmen des Projektes wurden seit dem Jahr 2009 damit schon 359 Teiche neu geschaffen, Schwerpunkte dabei sind die Landkreise Rendsburg-Eckernförde, Plön und Segeberg.

Danksagung

Für ihre Unterstützung und gute Zusammenarbeit bedanken wir uns ganz herzlich bei der Stiftung Pro Artenvielfalt (Bielefeld), der Karl-Kaus-Stiftung für Tier und Natur (Bremen), der Minara Nature Foundation (Schweiz), der Firma LUSH, der Umweltpolizei von Malta (ALE), den Carabinieri-Forestale in Italien und ihrer Antiwilderereinheit SOARDA, der Guardia Civil in Spanien (SEPRONA), dem Anti-Poaching-Squad (APS) der Polizei auf Zypern, der UNO-Polizei auf Zypern, der SBA-Polizei in der britischen Militärbasis Dhekelia, der Jagdaufsicht Zyperns, dem Sekretariat der Berner Konvention zum Schutz der europäischen Tierwelt (Straßburg), dem Büro der Bonner Konvention zum Schutz wandernder Arten (CMS, Bonn), dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP), dem Bundesamt für Naturschutz und dem Bundesumweltministerium, dem Naturkundemuseum Erfurt, der Stabsstelle Umweltkriminalität im Düsseldorfer Umweltministerium, den Organisatoren der Rutland Birdfair, der Ligue pour la Protection des Oiseaux (LPO, Paris), der Lega Italiana Protezione Ucelli (LIPU, Rom), den Jagdaufsehern des italienischen WWF, der Lega Abolizione Caccia (LAC) in Mailand, der Ente Nazionale Protezione Animali (ENPA) auf Ischia, dem Wildtierauffangzentrum „Il Pettirosso“ in Modena, der Society for the Protection of Nature in the Lebanon (SPNL), der Lebanese Bird Conservation Coalition (LBCC), dem Middle East Sustainable Hunting Center (MESHC), unseren Freunden von BirdLife Malta, den spanischen Naturschutzgruppen GECEN und AE-Agró (Valencia), dem Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW, Berlin), dem Dachverband Deutscher Avifaunisten, dem Landesbund für Vogelschutz in Bayern, dem NABU Bundesverband, den NABU Landesverbänden Berlin, NRW und Baden-Württemberg, dem Deutschen Tierschutzbund, der Nordrhein-Westfälischen Ornithologengesellschaft (NWO), der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft Helgoland, dem Institut für Vogelforschung – Vogelwarte Helgoland, dem Verein ProRing e.V., dem Deutschen Rat für Vogelschutz, der Arbeitsgemeinschaft Wanderfalkenschutz, dem Verein Sächsischer Ornithologen, der Berliner Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft, dem Verein Aquila e.V., der Zeitschrift „Der Falke“ und dem Aula-Verlag, der Bergischen Greifvogelhilfe, der Vogelpflegestation Paasmühle, den Biologischen Stationen Düren, Euskirchen und Bonn/Rhein-Erft, der Gemeinde Schwentinetal (ehem. Raisdorf), der Bundesstadt Bonn und natürlich all unseren Mitgliedern, Förderern und Aktiven.