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Tätigkeitsbericht 2016

Komitee-Mitarbeiter mit aus Netzen befreiten Zwergohreulen (Zypern)Komitee-Mitarbeiter mit aus Netzen befreiten Zwergohreulen (Zypern)Das Jahr neigt sich dem Ende und es ist wieder mal Zeit, zurückzublicken. Wie dieser Bericht belegt, konnten wir auch im Jahr 2016 wieder viele Tausend Vögel vor dem sicheren Tod retten und hunderte Vogel-Wilderer in ganz Europa überführen. Im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses standen dabei vor allem unsere Vogelschutzcamps in Italien, Malta, Zypern, Spanien und Frankreich, an denen in diesem Jahr rund 140 Freiwillige aus 11 Nationen teilgenommen haben. Deutsche und internationale Medien, darunter die BBC, die ARD, RTL, National Geographic und die Neue Zürcher Zeitung, stehen mittlerweile Schlange, um über unsere teilweise nicht ganz ungefährlichen Aktionen gegen die Wilderer zu berichten.

Besonders wichtig war für uns in diesem Jahr die Zusammenarbeit mit den britischen Medien und dem Filmemacher Chris Packham, der die sehr populäre BBC-Reihe „springwatch“ moderiert. Zusammen mit unseren Teams war Chris im September in den Hochburgen auf Zypern unterwegs, um den millionenfachen Vogelfang auf dem Gelände der britischen Militärbasis Dekelia anzuprangern. Um den Druck weiter zu erhöhen, haben wir im August zusätzlich die internationale Protestkampagne „In your honour“ – In Ihrem Namen - gestartet. Ziel ist es, die Verantwortlichen in London davon zu überzeugen, dem bisher weitgehend tolerierten Vogelfang endlich den Kampf anzusagen.

Ein weiterer Schwerpunkt in diesem Jahr waren Recherchen und Aktionen gegen illegale Verfolgungen, Fang und Handel mit wildgefangenen Vögeln in Deutschland. Durch die Arbeit unserer im letzten Jahr gestarteten Erfassungs- und Dokumentationsstelle für Greifvogelverfolgung und Artenschutzkriminalität – kurz E.D.G.A.R. – konnten zahlreiche Tötungen von Habichten, Rotmilanen und anderen „Krummschnäbeln“ aufgeklärt und vor Gericht angeklagt werden. Ebenfalls äußerst erfolgreich war unsere Abteilung „Illegaler Vogelhandel“, die sich um die Bekämpfung des Fangs und des illegalen Handels mit Stieglitzen und anderen Finken in Deutschland kümmert. Allein in den letzten 12 Monaten hat das Komitee gegen 27 Personen Anzeige erstattet, die über das Internet wildgefangene geschützte Vögel zum Verkauf angeboten hatten. Bei anschließenden Kontrollen der Behörden wurden über 300 geschützte Singvögel, darunter mehr als 100 Stieglitze – der Vogel des Jahres 2016 - beschlagnahmt.

Sie sehen also, unsere Arbeit macht durchaus einen Unterschied. Zu verdanken ist dies in erster Linie der unermüdlichen Unterstützung durch unsere Mitglieder, Förderer, Helfer, Vogelpfleger und Aktivisten. Bei Ihnen allen möchten wir uns an dieser Stelle im Namen des gesamten Vorstandes ganz herzlich bedanken.

Januar

Bei einem Vogelfänger im Ruhrgebiet beschlagnahmter StieglitzBei einem Vogelfänger im Ruhrgebiet beschlagnahmter Stieglitz

  • Operation „Stieglitz“: Im Rahmen einer großangelegten Recherche im Internet erstattet das Komitee Strafanzeige gegen zahlreiche Tierhändler, die auf dem Portal „Ebay-Kleinanzeigen“ oder „Quoka“ illegal gefangene Stieglitze und andere Singvögel zum Verkauf anbieten. Bei Razzien in NRW und Baden-Württemberg werden daraufhin von den Behörden rund 100 unberingte Singvögel sichergestellt und später freigelassen. Gegen die Anbieter wird wegen Verstoß gegen das Bundesnaturschutzgesetz ermittelt.
  • Die von uns unterstützten Jagdaufseher des WWF in Pavia (Norditalien) erwischen im nördlichen Apennin zwei Jäger bei der illegalen Jagd auf geschützte Singvögel. Bei den beiden Männern werden zwei Dutzend tote Buch- und Bergfinken, mehrere Drosseln und Rotkehlchen sowie zwei verbotene elektronische Lockgeräte gefunden und zusammen mit den Flinten beschlagnahmt. Die Männer erwartet nun ein Strafverfahren
  • Illegale Gänsejagd am Niederrhein: Im Kreis Heinsberg nehmen Jäger am 14. Januar in der Nähe von Ophoven einen Schwarm geschützter Blässgänse unter Beschuss und erlegen zwei Tiere. Die Abschüsse wurden von einem Vogelfreund beobachtet, der unsere Geschäftsstelle in Bonn informiert. Nach einer Anzeige leiten die Behörden ein Verfahren wegen Verstoß gegen das Jagdgesetz ein. Blässgänse genießen in NRW eine ganzjährige Schonzeit und dürfen nicht bejagt werden.
  • Nach wochenlangen Recherchen gelingt es dem Komitee, einem kriminellen Falkner aus Hattersheim (bei Frankfurt am Main) das Handwerk zu legen. Am 12. Januar rufen unsere Mitarbeiter die Polizei zu einem Grundstück in einer Schrebergartenkolonie im Stadtteil Okriftel, auf dem der Mann mehrere illegale Greifvogelfallen aufgestellt hatte. In einer Voliere werden zudem acht wildgefangene lebende Greifvögel (fünf Habichte und drei Bussarde) entdeckt und freigelassen.

Februar

Habichtfangkorb am Arendsee in der UckermarkHabichtfangkorb am Arendsee in der Uckermark

  • Bei der Kontrolle eines berüchtigten „Problemrevieres“ in der Uckermark entdeckt ein Komitee-Team eine verbotene Greifvogelfalle und daneben zwei frisch getötete Habichte und einen Sperber. Der Fall ist der vorläufige Höhepunkt einer jahrelangen Serie von Verfolgungen geschützter Tiere, der in den letzten Jahren fast 100 Tiere, darunter 26 Seeadler, zum Opfer gefallen sind. Inzwischen hat das Landeskriminalamt die Ermittlungen übernommen.
  • Erfreuliche Bilanz unseres zweiwöchigen Einsatzes gegen den Fang überwinternder Singvögel auf Zypern: Alles in allem konnten unsere Teams 63 aktive Fangstellen mit insgesamt 163 Netzen, 308 Leimruten und 44 elektronischen Lockanlagen aufspüren. Gemeinsam mit der Polizei wurden sämtliche Fanggeräte sichergestellt und Strafverfahren gegen drei Wilderer eingeleitet. Etwa 250 Vögel wurden von uns aus den Fallen befreit und freigelassen.
  • Mit finanzieller Unterstützung des Bundesumweltministeriums geht die Homepage unserer Erfassungs- und Dokumentationsstelle für Greifvogelverfolgung und Artenschutzkriminalität (E.D.G.A.R.) online. Unter der Adresse www.greifvogelverfolgung.de kann ab sofort eine breite Palette an Informationen rund um das Thema Greifvogelschutz abgerufen werden. Neben den gängigen Gesetzestexten gibt es hier auch konkrete Tipps für Tauben- und Geflügelzüchter, wie Angriffe auf Hausgeflügel verhindert werden können.

März

Von der Polizei auf Malta sichergestelltes Fangnetz und LockvogelVon der Polizei auf Malta sichergestelltes Fangnetz und Lockvogel

  • Finkenfang auf Malta: Während eines dreiwöchigen Einsatzes spüren unsere Freiwilligen insgesamt 41 illegale Fanganlagen für Finken und Watvögel auf. Bei Kontrollen der Fangstellen werden durch die Polizei 34 lebende Lockvögel und Fangausrüstung im Wert von mehr als 10.000 Euro beschlagnahmt. Fünf Fänger werden später zu Geldstrafen verurteilt, zudem werden ihre Jagdlizenzen eingezogen.
  • Im Falle eines in Thüringen vergifteten Wanderfalken erstattet das Komitee gegen den Vogelmord Anzeige gegen Unbekannt. Der Falke wurde von Mitarbeitern der Arbeitsgemeinschaft Wanderfalkenschutz (AGW) Anfang des Monats tot unter seinem Brutplatz im Kreis Eichsfeld gefunden. Laboruntersuchungen im Auftrag des Komitees ergeben, dass sowohl der Falke als auch eine von ihm angefressene Zuchttaube hohe Dosen eines verbotenen Insektizides enthielten.
  • Eine Bande von Wilderern wird vor einem Gericht im südfranzösischen Dax wegen des Angriffs auf ein Komitee-Team im Herbst 2014 angeklagt. Fünf Beschuldigte – alle sind Mitglieder der Vogelfängervereinigung - werden wegen Nötigung, Bedrohung und Sachbeschädigung zu Haftstrafen zwischen zwei und vier Monaten auf Bewährung sowie zur Zahlung von mehreren tausend Euro Schadensersatz und Schmerzensgeld verurteilt.
  • Jubiläum: In Deutschland erscheint die mittlerweile 20. Ausgabe unserer Zeitschrift „Artenschutzbrief“, in der das Komitee seit 1996 regelmäßig über die Ergebnisse seiner Camps und Kampagnen und den Schutz unserer Zugvögel berichtet. Die Auflage liegt bei mittlerweile 10.000 Exemplaren. Tendenz: Steigend.

April

Turteltauben in einer Lebendfalle auf Maltas Nachbarinsel GozoTurteltauben in einer Lebendfalle auf Maltas Nachbarinsel Gozo

  • Schlag gegen den illegalen Fang von Turteltauben auf Malta: Im Rahmen einer großangelegten Suche entdecken Komitee-Mitarbeiter auf Maltas Nachbarinsel Gozo insgesamt acht riesige Reusenfallen für den Fang durchziehender Turteltauben. Bei einer gemeinsamen Aktion mit der Polizei werden alle Fallen stillgelegt und 102 lebende Turteltauben freigelassen.
  • Bei unserem sechs Wochen langen Einsatz gegen den Vogelfang auf Zypern machen 22 Aktivisten des Komitees zusammen mit der Polizei insgesamt 1.817 Leimruten und 50 Fangnetze unschädlich. 132 Vögel können lebend aus den Fallen befreit und ausgewildert werden. 15 Vogelfänger werden auf frischer Tat ertappt und angeklagt. Bei Hausdurchsuchungen werden insgesamt 1.258 tiefgefrorene Vögel beschlagnahmt.
  • Vier mit Hilfe von versteckten Kameras überführte Vogelfänger, ein in flagranti bei der Frühlingsjagd erwischter Jäger, vier illegale Jagdwaffen, 50 Fallen und 2.500 Schuss Munition beschlagnahmt - das ist das Ergebnis unseres Frühlingseinsatzes auf der Insel Ischia, an dem in diesem Jahr insgesamt acht Komitee-Mitglieder und Jagdaufseher des italienischen WWF teilgenommen haben.
  • Auf der Naturschutz-Insel Palmarola (Italien) gelingt es einem Team des Komitees, einer Wilderer-Bande das Handwerk zu legen. Aus einem Versteck heraus filmen unsere Leute am 22. April drei Männer bei der Vogeljagd im Schutzgebiet und alarmieren die Forstpolizei. Um keine Zeit zu verlieren, rückten die Einsatzkräfte per Hubschrauber an und verhinderten so eine Flucht der Männer. Bei ihnen wurden drei nicht registrierte Schrotflinten, 71 Schuss Munition sowie 111 Schlagfallen für den Singvogelfang gefunden.

Mai

Bei einem Nesträuber in Bozen (Norditalien) gefundene Drosselnester voller KükenBei einem Nesträuber in Bozen (Norditalien) gefundene Drosselnester voller Küken

  • In Südtirol legen sich Komitee-Aktivisten auf die Lauer, um Drosselnester vor professionellen Nestplünderern zu schützen. Die geraubten Küken werden in Italien als lebende Lockvögel an Tarnhüttenjäger verkauft. Nach tagelangem Ansitz gelingt es, einen Wilderer mit 28 frisch aus Nestern geraubten Jungvögeln zu überführen. Der Mann wird verhaftet, die Vögel kommen in eine Pflegestation.
  • Zeugen informieren das Komitee über illegal aufgestellte Tellereisen und eine darin verendete Rohrweihe auf dem Gelände eines Geflügel-Zuchtbetriebes im brandenburgischen Hardenbeck. Das Komitee dokumentiert die Straftat und erstattet Strafanzeige. Später stellt die Polizei bei einer Hausdurchsuchung beim Hühnerzüchter weitere Beweise sicher, darunter eine tiefgefrorene Rohrweihe.
  • Nach jahrelangen Protesten des Komitees und seines lokalen Partners Birdlife Malta kündigt die Regierung in Valletta endlich einen kompletten Stopp der Jagd auf Turteltauben an. Das Komitee, das die Jagdsaison in Malta jedes Jahr mit mehr als 60 Freiwilligen überwacht, begrüßt die Entscheidung, weist jedoch auch darauf hin, dass andere bedrohte Arten wie Kampfläufer, Goldregenpfeifer und Feldlerchen in Malta weiterhin gejagt werden dürfen.
  • Im süditalienischen Kalabrien überwachen Mitglieder des Komitees gegen den Vogelmord drei Wochen lang den Greifvogeldurchzug und kontrollieren Vogelmärkte. Während es keine nennenswerten Zwischenfälle mit Greifvogeljägern gab, konnten insgesamt drei illegale Vogelhändler überführt werden. Bei anschließenden Kontrollen der Forstpolizei werden 33 Stieglitze, 15 Turteltauben, drei Drosseln, ein Star und ein Girlitz beschlagnahmt.

Juni

Mit einer lebenden Taube vergifteter Habicht in BerlinMit einer lebenden Taube vergifteter Habicht in Berlin

  • Giftalarm in Berlin: Auf dem St. Elisabeth-Friedhof in Berlin Wedding werden ein Habicht und zwei Mäusebussarde mit Hilfe so genannter „Kamikazetauben“ vergiftet. Das Komitee gegen den Vogelmord wird eingeschaltet und veranlasst eine Untersuchung der Kadaver, bei der im Nackengefieder der Tauben und den toten Greifvögeln das hochgiftige Insektizid Methomyl nachgewiesen wird. Die Polizei ermittelt gegen Unbekannt.
  • Ein Präsidiumsmitglied des Landesjagdverbandes Nordrhein-Westfalen wird am 14. Juni vom Amtsgericht Ahlen wegen des Aufstellens einer illegalen Habichtfalle zu 3.500 € Geldstrafe verurteilt. Auf die Spur gekommen waren die Behörden dem Jäger, weil Mitglieder des Komitees gegen den Vogelmord ihn im August 2015 an der Falle und mit einem toten Vogel in der Hand beobachtet und die Polizei informiert hatten.
  • Trophäenhandel im Internet: Die Polizei in Nordrhein-Westfalen ermittelt gegen zwei Präparatoren aus Heinsberg und Kleve, die im Internet illegal Trophäen von geschützten Vogelarten, darunter Eisvögel, eine Rohrweihe und zahlreiche weitere Greifvögel und Eulen verkauft haben. Aufgeflogen war der verbotene Handel nach einer Anzeige des Komitees gegen den Vogelmord, das die Annoncen entdeckt hatte.
  • Schlag gegen die Stieglitz-Mafia: Bei einem gemeinsamen Einsatz von Experten des Komitees und der italienischen Forstpolizei werden am 19. Juni auf dem berüchtigten Vogelmarkt in Palermo (Sizilien) insgesamt 215 wildgefangene Stieglitze beschlagnahmt. Gegen insgesamt neun Straßenhändler werden Strafverfahren eingeleitet.

Juli

Komitee-Mitarbeiterin auf Malta bei der Freilassung eines Wasserläufers. Das Tier war als Lockvogel an einem Fangnetz gefunden worden.Komitee-Mitarbeiterin auf Malta bei der Freilassung eines Wasserläufers. Das Tier war als Lockvogel an einem Fangnetz gefunden worden.

  • ARTE berichtet über das Komitee: Die beiden Wissenschaftsmagazin „Xenius“ (ARTE) und „Planet Wissen“ (ARD) widmen sich in zwei ganzen Sendungen dem Problem der illegalen Verfolgung geschützter Raubtiere in Deutschland. Das Komitee ist durch Axel Hirschfeld als Studiogastgast in beiden Filmen vertreten.
  • 10 Monate Haft auf Bewährung für Vogel-Dieb: Das Amtsgericht Bottrop verurteilt einen bereits einschlägig vorbestraften Singvogelhändler erneut zu einer Haftstrafe auf Bewährung und einer Geldstrafe von 3.500 Euro. Vor Gericht gesteht der Mann, dass er trotz einer laufenden Bewährung weiterhin gefangene Singvögel verkauft hatte. Ins Rollen gebracht hatte das Verfahren das Komitee gegen den Vogelmord, dessen Experten den Händler überführt und angezeigt hatten.
  • Komitee in Kairo: In der ägyptischen Hauptstadt findet auf Einladung der Bonner Konvention zum Schutz Wandernder Tierarten (CMS) und der UNO das erste Treffen einer internationalen Sondereinheit gegen die illegale Vogeljagd im Mittelmeerraum statt. Mit dabei sind Vertreter des Komitees, die über das Ausmaß der Wilderei auf Zypern und in Nordafrika berichten.
  • Mit Hilfe eines Kleinflugzeuges spüren Komitee-Mitarbeiter auf Malta und Gozo sechs riesige Anlagen für den Fang von Regenpfeifern, Strandläufern und anderen Watvögeln auf. Die Fänger benutzten zum Fang bis zu 50 Meter lange Klappnetze, die sie zwischen künstlich angelegten Teichen ausgelegt haben. Gemeinsam mit der Polizei werden alle Anlagen stillgelegt. Den Grundstücksbesitzern drohen hohe Geldstrafen.

August

Unsere Protestpostkarte an Thesera May, die britische PremierministerinUnsere Protestpostkarte an Thesera May, die britische Premierministerin

  • Startschuss für unsere Protestkampagne gegen den Fang von Millionen Zugvögeln auf britischem Hoheitsgebiet auf Zypern. Begleitet von zahlreichen Medienberichten schreiben innerhalb weniger Wochen tausende Vogelfreunde an die neue britische Regierung und fordern ein härteres Vorgehen gegen die Vogelfänger. Nachdem auch die BBC über die Zustände berichtet, kündigt ein Militärsprecher eine Verdopplung der Streifen der Polizei in den Fanggebieten an.
  • Erfolgreiche Brutsaison in unseren Trauerseeschwalben-Kolonien in Sachsen-Anhalt: Insgesamt können Ornithologen in diesem Jahr 45 Bruten der Trauerseeschwalbe auf den von uns ausgebrachten Nisthilfen in der Havelbucht und an der Alten Elbe nachweisen. Bis Ende August werden mindestens 60 Jungvögel flügge.
  • Mitarbeiter unseres Partnerverbandes ENPA und Mitglieder des Komitees stoßen bei einer Routinekontrolle im süditalienischen Salerno auf einen Fangplatz für geschützte Stieglitze und alarmieren die Carabinieri. Den Polizisten gelingt es, zwei Fänger in flagranti zu überführen. 19 Stieglitze und mehrere Fangnetze werden sichergestellt.
  • Spezialeinsatz in Brescia: In Italien haben wir den ersten Vogelfänger der "Herbstsaison" erwischt: Bei Marone (Provinz Brescia/Lombardei) hat ein Komitee-Team eine Fangstelle mit Schlagfallen gefunden und Polizisten der lokalen Forstpolizei informiert. Die Beamten schnappen den Wilderer nach dreistündigem Ansitz - 109 Schlagfallen wurden sichergestellt, in ihnen befinden Baumpieper, Trauerschnäpper und Rotkehlchen.

September

Von Leimrute befreiter Bienenfresser auf ZypernVon Leimrute befreiter Bienenfresser auf Zypern

  • Zypern: An unserem jährlichen Großeinsatz zum Schutz der Zugvögel auf Zypern nehmen insgesamt 30 Freiwillige aus 6 EU-Ländern teil. Gemeinsam mit der örtlichen Polizei werden innerhalb von sechs Wochen 4.112 Leimruten, 181 Netze und 110 elektronische Lockgeräte gefunden und abgebaut, 29 Wilderer werden aufgrund unserer Hinweise überführt, fast 700 Singvögel und rund ein Dutzend Eulen, Sperber und Kuckucke werden aus den Fallen befreit und freigelassen.
  • Recherche in Frankreich: Gemeinsam mit einem Team des NDR dokumentieren Mitglieder des Komitees in Südfrankreich den illegalen Fang von Ortolanen für den Kochtopf. Mit dabei ist auch eine Biologin des renommierten Ortolan-Schutzprojektes im niedersächsischen Wendland. Der Fernseh-Beitrag läuft im Herbst unter dem Titel „Die letzten Ortolane“ auf dem NDR und etwas abgewandelt als „Die Ammer-Allianz“ auf dem SWR und wird von mehr als 5 Millionen Menschen gesehen.
  • Auf Malta überwachen die „Bird Guards“ des Komitees vom 9. September bis Mitte Oktober den Durchzug Tausender Weihen, Adler und anderer Greifvögel. Dank der Dauerpräsens unserer Teams an den wichtigsten Rastplätzen können die meisten Vögel die Insel unbeschadet verlassen. Trotzdem werden auch in diesem Jahr zahlreiche Verstöße gefilmt, darunter der Abschuss mehrerer Wespenbussarde und eines Schlangenadlers.
  • Zusammen mit Mitgliedern unseres Partnerverbandes "Bird Protection and Study Society of Serbia" ist ein Team des Komitees drei Wochen in Serbien gegen die illegale Wachteljagd mit Hilfe von elektronischen Lockvögeln im Einsatz. An 41 Stellen werden insgesamt 56 Lockanlagen gefunden und später von der Polizei abgebaut. Gegen 21 Jäger, darunter der Präsident des lokalen Jagdverbandes, wird Anzeige erstattet.

Oktober

Von der Forstpolizei bei Komitee-Aktionen in Norditalien sichergestellte LockvögelVon der Forstpolizei bei Komitee-Aktionen in Norditalien sichergestellte Lockvögel

  • Vom 4. bis zum 27. Oktober sind insgesamt 78 Natur- und Tierfreunde aus ganz Europa beim Komitee-Vogelschutzcamp in Brescia (Norditalien) im Einsatz. Dabei spüren 87 illegale Fangstellen mit insgesamt 288 Bogenfallen, 661 Schlagfallen und 48 Netzen auf. Bei der Überwachung der von uns gemeldeten Fallen durch die Forstpolizei werden 55 Wilderer auf frischer Tat erwischt und verhaftet. Mehr als 1.200 tote und lebende geschützte Vögel werden aus Fallen befreit oder bei anschließenden Hausdurchsuchungen konfisziert.
  • An der süditalienischen Straße von Messina (Kalabrien und Sizilien) überführen Komitee-Mitarbeiter im Oktober zusammen mit der Polizei vier Jäger bei der Jagd auf geschützte Singvögel und zwei Singvogelhändler. Der eine Händler hat 90 Stieglitze und Girlitze zum Verkauf angeboten, der anderen wollte mit einem Boot fast 1.000 Finken nach Malta schmuggeln. Zudem werden vier Wilderer, die Drahtschlingen für Wildschweine aufgestellt hatten, mit versteckten Kameras gefilmt und mit diesem Beweismaterial überführt.
  • Greifvogelverfolgung in Köln: In der Domstadt werden innerhalb weniger Monate drei Fälle von illegalen Tötungen geschützter Greifvögel bekannt. Es handelt sich um den Abschuss eines Mäusebussards mitten in einem Wohngebiet, eine Vergiftung eines Habichts und einmal um einen Fall von Fang und anschließender Tötung eines Habichts durch einen Taubenzüchter. Während die Polizei sowohl im Falle des vergifteten Habichts als auch des abgeschossenen Mäusebussards im Dunkeln tappt, werden der Taubenzüchter und ein Helfer als Täter ermittelt. Beide werden angeklagt und müssen Geldbußen in Höhe von 1000 und 500 Euro bezahlen.
  • „Birdrace“ zugunsten des Komitees auf Helgoland: Auf Einladung der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft Helgoland und des Institutes für Vogelforschung tragen 208 der besten Ornithologen Deutschlands, aufgeteilt in 59 Teams, auf der Hochseeinsel einen Vogelbeobachtungs-Wettbewerb aus. Sieger ist, wer innerhalb von 24 Stunden die meisten Vogelarten beobachtet. Insgesamt werden 120 Arten beobachtet. Durch Sponsoren kommen über 2000 Euro an Spenden zusammen, die das Komitee gegen den Vogelmord erhält.

November

Bei Düren (NRW) in einem Garten beschlagnahmte Sing- und GreifvogelfallenBei Düren (NRW) in einem Garten beschlagnahmte Sing- und Greifvogelfallen

  • Vogelfang mitten in Deutschland: In einem Privatgarten im Kreis Düren (NRW) stellen Veterinäre und Polizisten mehr als 20 Vogelfallen sowie insgesamt 34 lebende geschützte Vögel, darunter 32 Singvögel, ein Turmfalke und ein Sperber, sicher. Gegen den Vogelfänger wird ein Strafverfahren eingeleitet. Ins Rollen gebracht hatten den Fall zwei Mitglieder des Komitees, die am Morgen die Fallen im Garten des Mannes entdeckt und die Behörden alarmiert hatten.
  • Ein sechsköpfiges Komitee-Team untersucht auf Malta das unglaubliche Ausmaß der Naturzerstörung durch den Bau von mehr als 3000 Fanganlagen für Finken und Goldregenpfeifer. Gleichzeitig veröffentlicht das Komitee Belege dafür, dass Polizei und Naturschutzbehörden mit der Kontrolle von mehr als 4.500 lizensierten Vogelfängern völlig überfordert sind.
  • Vogelfang in Spanien geht stark zurück: Bei ihren jährlichen Kontrollen in der Provinz Valencia finden die Teilnehmer des Komitee-Einsatzes in diesem Jahr nur noch 32 aktive Singvogel-Fangstellen mit insgesamt 2100 Leimruten. Im gleichen Gebiet wurden noch vor fünf Jahren mehr als 400 Fangstellen gezählt. Ein schöner Erfolg, der vor allem auf unsere Kooperation mit der Umweltpolizei SEPRONA zurückzuführen ist.
  • Schon wieder Malta: Auf der Mittelmeerinsel werden unsere Beobachter Zeugen des bisher stärksten Einfluges von Zwerg- und Schlangenadlern auf dem Herbstzug. Mehr als 100 Adler nutzen die Insel vom 1. bis zum 3. November als Rastplatz. Leider gibt es auch dieses Mal wieder Zwischenfälle mit Jägern, die mindestens vier der stolzen Vögel vom Himmel schießen. In zwei Fällen gelingt es, die Taten zu filmen. Einer der Schützen wird ermittelt und muss sich vor Gericht verantworten.

Dezember

Verletzter Steinadler im Wildtierauffangzentrum "Il Pettirosso" in Modena (Italien)Verletzter Steinadler im Wildtierauffangzentrum "Il Pettirosso" in Modena (Italien)

  • Das Wildtierauffangzentrum „Il Pettirosso“ unseres italienischen Partnerverbandes CSA Modena wird im Jahr 2016 erheblich ausgebaut. Neben einer neuen Flugvoliere für Greifvögel wird ein Gehege für Wölfe und Luchse errichtet. Zwei bei einem Tierhändler gefundene Luchse und ein im Straßenverkehr verletzter Wolf können die neuen Unterkünfte im Herbst beziehen. Außerdem werden mehr als 4.500 weitere Wildtiere gepflegt, darunter alleine 600 Singvögel, die die Polizei beim Vogelschutzcamp in Brescia im Oktober 2016 sicherstellt.
  • Auf Sardinien führen unsere italienischen Mitglieder ihren mittlerweile dreizehnten Wintereinsatz durch, um gegen den Fang von Drosseln und anderen Wintergästen mit Netzen und Rosshaarschlingen vorzugehen. Schwerpunkt der Kontrollen sind die Hochburgen der Wilderei rund um die Städte Cagliari und Capoterra an der Südspitze der Insel. Im November hatten Komitee-Teams hier bereits 780 Fangschlingen entdeckt und abgebaut.
  • Unserer Erfassungsstelle für Greifvogelverfolgung veröffentlicht erste Zahlen des bundesweiten Monitorings: In den Jahren 2005 bis 2015 wurden in Deutschland 998 Fälle illegaler Greifvogelverfolgungen mit insgesamt 1489 Opfern erfasst. Alle in Deutschland heimischen Arten sind betroffen. Insgesamt wurden 72 Personen als Täter ermittelt, darunter 29 Jäger und 32 Tauben- oder Geflügelhalter. Eine umfangreiche Auswertung wird 2017 veröffentlicht.
  • Vogelschutz digital: Die Homepage des Komitees sowie unsere Seiten auf Facebook und YouTube sind wichtige Kampagneninstrumente, mit denen wir viele Menschen erreichen und Missstände schnell öffentlich machen können. Im Jahr 2016 haben wir allein mit unseren deutschen, italienischen und englischen Seiten auf Facebook mehr als eine halbe Million Menschen erreicht.

Danksagung

Für ihre freundliche Unterstützung und gute Zusammenarbeit bedanken wir uns ganz herzlich bei der Stiftung Pro Artenvielfalt (Bielefeld), der Karl-Kaus-Stiftung für Tier und Natur (Bremen), der Umweltpolizei von Malta (ALE), der Antiwilderereinheit des Corpo Forestale dello Stato in Italien (NOA) und der Guardia Civil in Spanien (SEPRONA), dem Anti-Poaching-Squad (APS) der Polizei auf Zypern, der UNO-Polizei auf Zypern, dem Sekretariat der Berner Konvention zum Schutz der europäischen Tierwelt (Straßburg), dem Büro der Bonner Konvention zum Schutz wandernder Arten (CMS, Bonn), dem Bundesamt für Naturschutz und dem Bundesumweltministerium (beide Bonn), der Stabsstelle Umweltkriminalität im Düsseldorfer Umweltministerium, der Ligue pour la protection des Oiseaux (LPO, Paris), der Lega Italiana Protezione Ucelli (LIPU, Rom), den Jagdaufsehern des italienischen WWF, der Lega Abolizione Caccia (LAC) in Mailand, dem Wildtierauffangzentrum „Il Pettirosso“ des CSA in Modena, dem Lebanon Eco Movement (LEM) und T.E.R.R.E. Liban (beide Beirut), unseren Freunden von BirdLife Malta, den spanischen Naturschutzgruppen GECEN, AE-Agró und GER-EA (alle Valencia), dem Leibnitz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW, Berlin), dem Dachverband Deutscher Avifaunisten, dem Landesbund für Vogelschutz in Bayern, dem NABU Bundesverband, den NABU Landesverbänden Berlin, NRW und Baden-Württemberg, dem Deutschen Tierschutzbund, der Nordrhein-Westfälischen Ornithologengesellschaft, der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft Helgoland, dem Institut für Vogelforschung – Vogelwarte Helgoland, dem Verein ProRing e.V., dem Deutschen Rat für Vogelschutz, der Arbeitsgemeinschaft Wanderfalkenschutz, dem Verein Sächsischer Ornithologen, der Berliner Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft, der Wildvogelpflegestation Kirchwald, der Naturschutzstation Woblitz, der Bergischen Greifvogelhilfe, der Station Paasmühle, der Wildvogelhilfe Mönchengladbach, den Biologischen Stationen Düren, Euskirchen und Bonn, dem Projekt Froschland e.V. , der Gemeinde Raisdorf, der Bundesstadt Bonn und natürlich all unseren Mitgliedern, Förderern und ehrenamtlichen Helfern.