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Tätigkeitsbericht 2015

Komitee-Team bei der Arbeit auf MaltaKomitee-Team bei der Arbeit auf MaltaDie Eintragung des Komitees gegen den Vogelmord in das Vereinsregister des Amtsgerichtes Berlin-Charlottenburg am 2. Juli 1975 war der Startschuss für eine 40jährige Erfolgsgeschichte, in deren Verlauf der Verein zahlreiche wichtige Erfolge für den Vogelschutz in Europa erzielen konnte. Und natürlich hat sich auch das Komitee selbst im Verlauf der Jahrzehnte verändert und weiterentwickelt. Aus der kleinen Graswurzelbewegung ist mittlerweile eine internationale Vereinigung geworden, die mit ihren Kampagnen und Vogelschutzcamps an fast allen Brennpunkten der Wilderei in Europa tätig ist.

Und zwar erfolgreich tätig. Wie zum Beispiel in der spanischen Region Valencia, wo die Anzahl der aktiven Leimruten-Fanganlagen dank der von uns gemeinsam mit der Umweltpolizei durchgeführten Kontrollen innerhalb weniger Jahre von 2.500 auf nunmehr 50 gesunken ist. Und auch auf Malta, dessen Regierung kürzlich die Strafen für Wilderei verzehnfacht hat, zeigen die durch unsere Teams erreichten Verurteilungen und die rund-um-die-Uhr Überwachung von Rastplätzen immer mehr Wirkung. Bestes und aktuelles Beispiel ist der Fall eines Vogelfängers, der am 23. März 2015 von unseren Freiwilligen beim Wildern gefilmt und am 13. Oktober 2015 vom Amtsgericht in Victoria zu einer Rekord-Geldstrafe von 8.000 Euro sowie zum lebenslangen Entzug des Jagdscheins und der Fangerlaubnis verurteilt wurde. Genauso positiv ist auch die Entwicklung in Norditalien, wo die Zahl der von uns gefundenen Fangstellen seit Jahren deutlich sinkt.

Ein ganz herzliches Dankeschön an alle Einzelpersonen, Verbände, Stiftungen und Firmen, die uns in den letzten vier Jahrzehnten unterstützt haben. Denn auch wer nicht direkt bei den Aktionen vor Ort dabei ist, kann durch eine Spende oder Fördermitgliedschaft dazu beitragen, dass unsere Arbeit fortgeführt und die bereits erzielten Erfolge langfristig gesichert werden können.

Januar

Italienische Forstpolizei mit im Januar 2015 beschlagnahmten Tiefkühl-SperlingenItalienische Forstpolizei mit im Januar 2015 beschlagnahmten Tiefkühl-Sperlingen

  • Großer Schlag gegen den Handel mit Sperlingen aus Tunesien: Die italienische Forstpolizei beschlagnahmt in Restaurants, Metzgereien und bei Fleischhändlern mehr als 16.000 tiefgefrorene Weidensperlinge. Acht Personen werden wegen Verdacht auf illegale Einfuhr und Handel mit geschützten Arten verhaftet. Anlass für die Razzia waren Hinweise des Komitees gegen den Vogelmord, das der Forstpolizei im Dezember letzten Jahres mehr als ein Dutzend Adressen von verdächtigen Restaurants und Metzgereien übermittelt hatte.
  • Frankreich. Ein Wilderer, der einen Komitee-Aktivisten am 2. September 2014 im Departement Les Landes mit Tränengas angegriffen und verletzt hatte, wird Anfang des Jahres vom Amtsgericht in Dax zu 45 Tagen Haft auf Bewährung und zur Zahlung von 400 € Schmerzensgeld verurteilt. In einem weiteren Verfahren muss sich der Mann auch wegen seiner illegalen Fanganlage für Ortolane verantworten, an der sich der Zwischenfall ereignete.
  • Erster Erfolg im Kampf gegen die Zugvogeljagd im Libanon: Umweltminister Mohammad Machnouk unterzeichnet eine internationale Vereinbarung, in der sich das Land erstmals zu Anstrengungen für den Schutz von insgesamt 37 Zugvogelarten, darunter Störche und zahlreiche Greifvögel, verpflichtet. Der Vertrag kommt vor allem durch den massiven Druck zustande, den unsere Facebook-Seite STOP Hunting Crimes in Lebanon und ihre mittlerweile mehr als 20.000 Unterstützer aufgebaut haben.
  • Wintereinsatz gegen den Vogelfang auf Zypern: Vom 17. Januar bis zum 1. Februar spüren Komitee-Mitglieder im Süden der Insel insgesamt 27 aktive Fangstellen mit zahlreichen riesigen Fangnetzen auf. Polizisten der Umweltpolizei APS und der ESBA-Polizei – zuständig für die Wilderei in den vom britischen Militär kontrollierten Sperrgebieten - können aufgrund unserer Hinweise drei Wilderer überführen. Insgesamt werden 51 Netze sowie 10 elektronische Lockanlagen nebst Zubehör sichergestellt. Etwa 40 Drosseln werden lebend aus den Netzen befreit und freigelassen.

Februar

Illegaler Habichtfangkorb in Hessen, Februar 2015Illegaler Habichtfangkorb in Hessen, Februar 2015

  • Habichtfalle in Hessen: In der Gemeinde Wohratal fotografiert ein Komiteemitglied am 11. Februar nach einem Hinweis einen scharf gestellten Habichtfangkorb auf einem Scheunendach. Die Falle und zwei lebende Locktauben werden von der Polizei sichergestellt. In Ahlen (NRW) finden Komiteemitarbeiter wenige Tage später mehrere illegale Kofferfallen und einen schwer verletzten Mäusebussard. In beiden Fällen werden Strafverfahren gegen die Verantwortlichen eingeleitet.
  • Im Rahmen der bundesweiten Habicht-Tagung in Recklinghausen stellen das Komitee und der NABU die Ziele der bundesweiten Kampagne zum Schutz des Jahresvogels 2015 vor. Kernpunkte sind die Aufklärung und die bessere Bekämpfung von illegalen Habicht-Tötungen durch Taubenzüchter und einen Teil der Jägerschaft. Dazu wird die vom Komitee erstellte Broschüre „ Greifvogelverfolgung – Erkennen, Bekämpfen, Verhindern“ an sämtliche NABU-Kreis- und Stadtverbände sowie an rund 600 Behörden und Vogel-Pflegestationen verschickt.
  • Malta: Das Strafgericht in Valletta verurteilt drei Vogelhändler aus der Stadt Rabat wegen des illegalen Handels mit wild gefangenen Grünfinken zu Geldstrafen zwischen 800 und 2.000 Euro. Als Zeugen waren auch drei Komiteemitarbeiter geladen, die – getarnt als neugierige Touristen – den Verkauf der unberingten Tiere auf einem Vogelmarkt beobachtet, gefilmt und an die Polizei gemeldet hatten.
  • Schlag gegen den illegalen Handel mit Goldregenpfeifern auf Malta. Nach einer Anzeige des Komitees werden auf Malta insgesamt 6 Männer vor Gericht angeklagt, weil sie trotz eines strengen Vermarktungsverbotes wildgefangene Goldregenpfeifer zum Verkauf angeboten hatten. Bei einer Reihe von Hausdurchsuchungen werden nach Angaben der Polizei mehrere Dutzend Regenpfeifer beschlagnahmt. Alle Angeklagten werden später zu Geldstrafen zwischen 600 und 1.200 Euro verurteilt.

März

Sichergestellte Lockvögel auf Malta, März 2015Sichergestellte Lockvögel auf Malta, März 2015

  • Malta: Mit Hilfe eines gecharterten Kleinflugzeuges entdecken Komiteemitarbeiter 128 illegale Fanganlagen für Finken und andere durchziehende Kleinvögel. Zurück am Boden und zusammen mit der Polizei gelingt es unseren Teams anschließend, insgesamt 8 Fänger zu überführen sowie Fanggerät im Wert von mehreren zehntausend Euro unschädlich zu machen. Nachdem die Presse über die Aufgriffe berichtet und unsere Luftbilder druckt, stellen die meisten anderen Fänger den Fang ein.
  • Schöner Erfolg unseres Frühlings-Einsatzes in Brescia (Norditalien): Nach Hinweisen des Komitees kann die Forstpolizei 6 Wilderer an ihren Fangstellen überführen und 15 Netze, 190 Bogenfallen, eine Krähenfalle und 17 Drahtschlingen (zum Fang von Füchsen) beschlagnahmen. Aus Netzen und Lockvogelkäfigen werden insgesamt 31 Vögel lebend befreit. Im Haus eines Vogelfängers werden 80 tiefgefrorene Singvögel in einer Tiefkühltruhe entdeckt und sichergestellt. Gegen die Männer werden Strafverfahren eingeleitet.
  • Einsatz auf Ponza: Bei Kontrollen auf der italienischen Insel Ponza werden zwei Mitarbeiterinnen des Komitees und unseres Partnerverbandes Lega abolizione caccia (LAC) von einem Vogelfänger attackiert und leicht verletzt. Trotz des Zwischenfalls entdeckt unser Team danach noch drei aktive Vogelfanganlagen mit insgesamt 38 Klappfallen für Braunkehlchen und Steinschmätzer sowie ein 20 Meter langes Fangnetz. Bei Ansitzen der Forstpolizei werden alle drei Wilderer überführt und angezeigt, darunter auch der Vogelfänger, der unser Team angegriffen hatte.
  • Giftanschläge auf Wildtiere in NRW: Im Kreis Heinsberg bergen Mitarbeiter des Komitees nach einem Hinweis insgesamt 7 tote Mäusebussarde sowie einen toten Steinmarder. Untersuchungen ergeben, dass die Tiere mit dem verbotenen Insektizid Carbofuran vergiftet wurden. Auch ein von uns im Februar bei Wettringen (Kreis Steinfurt) an die Polizei gemeldetes Köder-Ei enthielt - wie vermutet – große Mengen des verbotenen Insektizides Carbofuran. In beiden Fällen ermittelt die Polizei.

April

Teichrohrsänger auf Leimrute in Zprern, April 2015Teichrohrsänger auf Leimrute in Zprern, April 2015

  • Zypern: Von Anfang April bis Mitte Mai suchen 11 Komitee-Mitglieder aus 6 unterschiedlichen Nationen auf der Insel nach Fangstellen und unterstützen die Polizei beim Überführen von Wilderern. Insgesamt werden 1.470 Leimruten und 25 Fangnetze gefunden und abgebaut - ein deutlicher Rückgang gegenüber den Vorjahren (2013 wurden noch 3.300 Leimruten und 44 Netze entdeckt). Trotz der vergleichsweise geringen Menge an Fallen können 17 Wilderer überführt werden.
  • Vogelschutzcamp auf Malta: Trotz massiver Proteste erlaubt die maltesische Regierung erneut die Frühlingsjagd auf Turteltauben und Wachteln. Das Komitee ist mit 8 Teams vor Ort, um Verstöße und Jagd auf geschützte Arten zu dokumentieren. Innerhalb weniger Tage werden von uns Abschüsse von drei geschützten Kuckucken, einer Mittelmeermöwe und einer Rohrweihe gefilmt. Das Fass zum Überlaufen bringt schließlich der Abschuss eines Turmfalken neben einer Grundschule. Einen Tag später bricht die Regierung die Jagdsaison vorzeitig ab.
  • In Mettmann dokumentiert das Komitee einen weiteren Fall von illegalem Singvogelfang in Deutschland. Ein Vogelfänger hatte zu diesem Zweck einen Teil seines Balkons zu einer regelrechten Fanganlage für Stieglitze umgebaut. Nach einer Anzeige des Komitees werden bei einer behördlichen Kontrolle mehrere Fallen sowie drei lebende Stieglitze sichergestellt. Die Vögel werden unversehrt freigelassen. Die Polizei leitet ein Verfahren wegen Verstoß gegen das Bundesnaturschutzgesetz ein.
  • Anschläge auf Seeadler in Schleswig-Holstein: Bei Barsbeck und bei Angeln sägen Unbekannte gezielt die Horstbäume der dortigen Seeadlerpaare um und verhindern so eine Brut. Kurze Zeit später werden im Kreis Dithmarschen drei mit Giftködern getötete Seeadler entdeckt. Das Komitee erstattet Strafanzeige und setzt eine Belohnung von 3.000 Euro für Hinweise aus.

Mai

Polizei und Komitee-Mitglieder mit auf Ischia (Italien) sichergestellten Vogelfallen und Flinten, Mai 2015Polizei und Komitee-Mitglieder mit auf Ischia (Italien) sichergestellten Vogelfallen und Flinten, Mai 2015

  • Komitee-Einsätze auf Ischia abgeschlossen: Zusammen mit unseren italienischen Kollegen vom WWF und der ENPA finden Aktivisten des Komitees insgesamt 8 aktive Fangstellen mit insgesamt 147 kleinen Bügelfallen für Singvögel. 2 Vogelfänger werden später von der Polizei überführt und angeklagt. Den von uns finanziell unterstützten Jagdaufsehern gelingt es, zwei Jäger während der Schonzeit zu überführen. Bei den Männern werden zwei nicht registrierte Schrotflinten und 71 Schuss Munition sichergestellt.
  • Sardinien: Nach einem Tipp aus der Bevölkerung führen Komiteemitarbeiter und Kollegen des Tierschutzverbandes LAV rund um das Dorf Domus de Maria eine großangelegte Suche nach illegalen Fangstellen für Singvögel durch. Innerhalb von 48 Stunden werden 11 große Netze für den illegalen Fang von im Frühling durchziehenden Singvögeln entdeckt. Die Netze werden an die Polizei gemeldet und anschließend abgebaut.
  • Zypern: Auf Druck der Vogelfänger und Jagdverbände plant der Ministerrat in Nicosia, den Abschuss von europaweit geschützten Mönchsgrasmücken zu erlauben. Gemeinsam mit unseren Partnern von Friends of the Earth Cyprus und Terra Cypria sowie der SPA startet das Komitee eine Protestaktion und schaltet die Europäische Kommission ein. Mit Erfolg – die Mönchsgrasmücke bleibt auf der Liste der in Zypern geschützten Arten.

Juni

Habichtsadler-Jungvogel auf Sizilien (Italien)Habichtsadler-Jungvogel auf Sizilien (Italien)

  • Habichtsadler im Aufwind. Dank der vom Komitee und seinen italienischen Partnern organisierten rund-um-die-Uhr-Überwachung der letzten Nester des Habichtsadlers auf Sizilien können die Paare im Sommer mindestens 15 Jungvögel großziehen. An zwei nur sporadisch kontrollierten Nestern im Zentrum der Insel kam es jedoch erneut zu Plünderungen. Das Komitee verurteilt diese Taten, betont aber, dass seit Beginn des Schutzprojektes im Jahr 2010 eine drastische Abnahme von Nestentnahmen und gleichzeitig eine deutliche Steigerung des Bruterfolges festgestellt wurde.
  • Illegaler Fanggarten im Schwarzwald stillgelegt: Mitarbeiter des Komitees entdecken nach einem Tipp aus der Bevölkerung auf einem Grundstück in Rheinhausen (Landkreis Emmendingen) drei illegale Vogelfallen, darunter ein aktives Klappnetz und zwei Käfigfallen für Vögel. Der Besitzer des Grundstücks gibt bei der Polizei zu, die Fallen aufgestellt zu haben. Ihn erwartet ein Strafverfahren wegen Jagdwilderei und Verstoß gegen das Bundesnaturschutzgesetz.
  • Komitee auf der EXPO: Im Biodiversity-Park der Weltausstellung in Mailand hält unser italienischer Mitarbeiter Dr. Andrea Rutigliano am 28.6. einen viel beachteten Vortrag zum Thema „Wilderei in Europa“. Auch anderswo sind unsere Experten in diesem Jahr gefragte Referenten. So waren wir im Februar bei der Justizakademie des Landes NRW, im Mai bei der deutschen Richterakademie und im November bei Interpol als Referenten zu den Themen Wildereibekämpfung und Umweltstrafrecht zu Gast.

Juli

Illegal für die Jagd ausgesetzte Enten am Niederrhein (Archivfoto)Illegal für die Jagd ausgesetzte Enten am Niederrhein (Archivfoto)

  • Komiteemitarbeiter kontrollieren am Niederrhein und im Münsterland, ob sich die dortigen Jäger an das seit Juni geltende Aussetzungsverbot für Jagdfasane und Enten halten. In insgesamt vier Jagdrevieren werden Volieren voller gezüchteter Fasanen bzw. Teiche mit Dutzenden Hochbrutflugenten entdeckt. Um zu verhindern, dass die Tiere widerrechtlich ausgesetzt und später als lebende „Zielscheiben“ abgeschossen werden, erstattet das Komitee Anzeige bei den zuständigen Jagdbehörden.
  • Gemeinsam mit Journalisten des Recherchebüros Correct!v ermittelt das Komitee verdeckt in der deutschen Waldvogelhalterszene. Mit versteckten Kameras gelingt es, einen bereits wegen illegalem Vogelfang und –handel vorbestraften Mann aus Bottrop beim Fang und Verkauf geschützter Finken, Gimpel und Stieglitze zu filmen. Das Material wird der Polizei übergeben, die bei einer Hausdurchsuchung etwa 20 wildgefangene Singvögel und zahlreiche Fallen beschlagnahmt. Dem Händler droht wegen Verstoß gegen seine Bewährungsauflagen eine Haftstrafe.
  • Einsatz gegen Watvogel-Fänger auf Malta: Innerhalb weniger Tage gelingt es unserem Malta-Team, gemeinsam mit der Polizei zwei riesige illegale Klappnetz-Fanganlagen für Strandläufer, Regenpfeifer und andere Limikolen stillzulegen. Die Betreiber beider Anlagen können auf frischer Tat überführt und Ausrüstung im Wert von mehreren Tausend Euro sichergestellt werden. Den Männern drohen hohe vierstellige Geldstrafen sowie der Entzug der Jagd- und Fanglizenz.
  • Happy birthday: Am 2. Juli 1975 – also genau vor 40 Jahren - wurde das Komitee gegen den Vogelmord in das Vereinsregister des Amtsgerichtes in Berlin-Charlottenburg eingetragen. Anlässlich dieses Jubiläums veröffentlichen wir eine umfangreiche Vereinschronik, die auf die Entwicklung unseres Vereins und seiner Aktionen in den letzten vier Jahrzehnten zurückblickt. Die Chronik erscheint u.a. im Magazin „Der Falke“, im Artenschutzbrief Nr. 19 und ist auch online unter www.komitee.de abrufbar.

August

Frisch gefangener Ortolan in Frankreich, August 2015Frisch gefangener Ortolan in Frankreich, August 2015

  • Einsatz gegen den Fang von Ortolanen in Frankreich: Bei Kartierungen aus der Luft entdecken unsere Experten insgesamt 47 in Maisfeldern und Wäldern versteckte Fanganlagen für Ortolane. Alle Stellen werden mit Fotos und GPS-Koordinaten bei der Gendarmerie angezeigt. Bei den anschließenden Kontrollen werden von den Beamten insgesamt 700 Fallen sichergestellt und 117 gefangene oder als Lockvögel gehaltene Ortolane befreit. Gegen 28 Fänger werden Bußgeldverfahren eingeleitet.
  • Im Kampf gegen die illegale Verfolgung von Greifvögeln und anderen Beutegreifern in Deutschland erhält das Komitee handfeste Unterstützung von der Bundesregierung und dem Bundesamt für Naturschutz (BfN). Kernpunkt der Zusammenarbeit ist der Aufbau einer bundesweiten Erfassungs- und Dokumentationsstelle für Greifvogelverfolgung und Artenschutzkriminalität - abgekürzt E.D.G.A.R. - die ein bundesweites Monitoring sowie Aufklärungsarbeit durchführen soll.
  • Nach einem Hinweis entdecken Komiteemitarbeiter im nordrhein-westfälischen Albersloh eine illegale Falle für Habichte und zwei verbotene Durchlauffallen. Alle Fallen sind beködert und aktiv und wurden in direkter Nähe zu einer riesigen Voliere mit mehr als 50 gezüchteten Jagdfasanen aufgestellt. Die Polizei stellt das Fanggerät sicher und leitet ein Strafverfahren ein. Pikant: Bei dem Besitzer der Fasanen-Voliere handelt es sich um ein Präsidiumsmitglied des Landesjagdverbandes NRW.
  • Italien: Nach einem Hinweis auf den illegalen Fang von Trauerschnäppern mit Schlagfallen führt das Komitee eine großangelegte Suche im Val Sabbia (Provinz Brescia) durch. Dabei werden rund um die Ortschaft Livemmo insgesamt 41 aktive und beköderte Fallen entdeckt und an die Forstpolizei gemeldet. Ein Wilderer kann später identifiziert und verurteilt werden.

September

Illegal geschossener Löffler, Malta, September 2015Illegal geschossener Löffler, Malta, September 2015

  • Malta – Erste Erfolge sichtbar. Auf Malta & Gozo veranstaltet das Komitee sein nunmehr 18. großes Vogelschutzcamp zur Bekämpfung der Wilderei an den Rastplätzen unserer Zugvögel. Insgesamt nehmen 30 Vogelfreunde aus 8 Ländern an dem Einsatz teil. Dank der ständigen Präsenz der Teams können tausende Wespenbussarde, Adler, Falken und Weihen die Insel unbeschadet verlassen. Gemeinsam mit den Behörden werden zudem 16 illegale Lockanlagen für Wachteln sowie 2 riesige Käfigfallen für den Fang von Turteltauben stillgelegt.
  • Illegale Vogeljagd in Serbien: Auf Einladung der serbischen Vogelschutzvereinigung BSPSS (Bird Protection and Study Society of Serbia) unterstützt ein Komitee-Team örtliche Naturfreunde bei der Suche nach illegalen Lockgeräten für die Jagd auf Wachteln und andere Zugvögel. Mit unserer Erfahrung aus Malta, Italien und Zypern gelingt es, innerhalb weniger Tage insgesamt sieben der verbotenen Anlagen aufzuspüren und stillzulegen.
  • Protestaktion gegen Leimruten, Schlingen und Steinquetschfallen: Um den brutalen Vogelfang in Frankreich endlich zu stoppen, starten die französische Vogelschutzgruppe Ligue pour la protection des oiseaux (LPO) und das Komitee gegen den Vogelmord eine internationale Protestkampagne. Neben intensiver Lobbyarbeit in Brüssel wollen wir vor allem die Regierung in Paris davon überzeugen, dass es keine Alternative zu einem landesweiten Verbot dieser mittelalterlichen Fangmethoden gibt.
  • Während des großen Herbst-Vogelschutzcamps auf Zypern werden 33 Vogelfänger nach unseren Hinweisen von der Polizei überführt und insgesamt 2.500 Leimruten, 153 Fangnetze, 44 elektronische Lockanlagen und drei nicht registrierte Jagdgewehre sichergestellt. 700 Vögel, darunter zahlreiche Mönchsgrasmücken, Neuntöter, Pirole und Zwergohreulen, können lebend befreit werden. Insgesamt nehmen 26 Freiwillige aus 6 Ländern an dem vierwöchigen Einsatz teil.

Oktober

Rotkehlchen in Schlagfallen, Iseo (Italien), Oktober 2015Rotkehlchen in Schlagfallen, Iseo (Italien), Oktober 2015

  • Bei unserem jährlichen Großeinsatz gegen den Vogelfang in Norditalien räumen unsere Teams mächtig auf. 51 Vogelfänger und 12 Jäger werden nach unseren Hinweisen von der Polizei beim Fang bzw. bei der Jagd auf geschützte Arten erwischt und müssen sich demnächst vor Gericht verantworten. Die Beamten können 116 Netze, 495 Bogenfallen und 510 Schlagfallen sicherstellen, dazu kommen 12 nicht registrierte Jagdflinten, über 100 Schuss Munition, rund 400 tiefgefrorene Singvögel und etwa 150 lebende Lockvögel.
  • Einsatz gegen Leimruten in Spanien: Während eines zehntägigen Einsatzes in der Region Valencia legt eine Gruppe Komiteemitglieder zusammen mit der Umweltpolizei Seprona zehn große Fanganlagen (parany) still. Gegen die Eigentümer werden Strafverfahren eingeleitet und 2.650 Leimruten und ein Fangnetz beschlagnahmt. Unsere Kampagne hat inzwischen zu einem deutlichen Rückgang des Vogelfangs geführt: Von den im Jahr 2005 noch gezählten 2.500 Fanganlagen sind 2015 noch etwa 50 in Betrieb.
  • In den französischen Ardennen dokumentiert ein Team des Komitees den tierquälerischen Fang von Drosseln, Rotkehlchen und anderen Singvögeln mit Rosshaarschlingen. Dank einer Sondergenehmigung aus Paris dürfen Vogelfänger in dieser Region mehrere zehntausend dieser unselektiven und durch die Vogelschutzrichtlinie verbotenen Fallen einsetzen. Die Ergebnisse der Recherche werden wir der Europäischen Kommission zur Verfügung stellen.
  • Singvogelfang in Frankfurt am Main: Nach einer Anzeige des Komitees ermittelt die Polizei gegen einen Vogelfänger, der im Stadtteil Riederwald seit Juni regelmäßig Stieglitzen und anderen Singvögeln mit Käfigfallen nachstellt. Bei einer behördlichen Kontrolle werden mehrere Vogelfallen und ein Stieglitz mit einem manipulierten Zuchtring in der Wohnung des Mannes entdeckt und beschlagnahmt. Der Stieglitz ist Vogel des Jahres 2016.

November

Illegale Habichtfalle im Münsterland - einer von 55 Fällen illegaler Greifvogelverfolgung im Jahr 2015Illegale Habichtfalle im Münsterland - einer von 55 Fällen illegaler Greifvogelverfolgung im Jahr 2015

  • In Übach Palenberg (NRW) bergen Komiteemitglieder zwei offensichtlich vergiftete Habichte und schalten die Polizei ein. Bundesweit sind seit Januar von unserer Erfassungs- und Dokumentationsstelle E.D.G.A.R. insgesamt 55 Fälle von illegaler Greifvogelverfolgung erfasst worden. Dabei handelte es sich 21 Mal um Fang oder Nachstellen mit Fallen, 18 Mal um Vergiftung, 10 Mal um Abschuss sowie 6 Fälle von Aushorstung oder gezielter Fällung des Nistbaumes.
  • In Kalabrien (Süditalien) organisiert das Komitee von Oktober bis Mitte November einen größeren Einsatz gegen den Abschuss geschützter Greif- und Singvögel sowie gegen den Vogelfang mit Netzen und Schlagfallen. Insgesamt können 12 Vogelfänger von der Polizei an zuvor von unseren Aktivisten gefundenen Fangstellen überführt werden. Dazu kommen 4 Jäger, die von uns beim Abschuss geschützter Arten gefilmt und dank der Videos später von der Polizei identifiziert werden.
  • Trotz eines laufenden Verfahrens vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) ist auf Malta die Fangsaison für insgesamt 7 Finkenarten in vollem Gange. Von gemieteten Kleinflugzeugen aus dokumentieren unsere maltesischen Aktivisten das unglaubliche Ausmaß des Fangs und fotografieren mehr als 2.000 aktive Fanganlagen aus der Luft. Das Material wird später der Europäischen Kommission für das Verfahren vor dem EuGH zur Verfügung gestellt.
  • Auf der kleinen süditalienischen Insel Lampedusa waren Komiteemitglieder in den letzten Tagen im Einsatz und haben zusammen mit der Forstpolizei 9 Wilderer überführt: Vier wegen Verstoßes gegen des Waffenrecht (zwei davon hatten keine Jagdlizenz) und sechs wegen der Verwendung elektronischer Lockgeräte zur Jagd. Es wurden 4 Flinten und die Lockgeräte sichergestellt sowie alle von der Jägern geschossenen Vögel: 1 Amsel, 2 Hänflinge, 2 Wiesenpieper, 9 Singdrosseln und 55 Feldlerchen.

Dezember

Mit versteckter Wildkamera auf Sardinien gefilmter Singvogel-Wilderer, November 2015Mit versteckter Wildkamera auf Sardinien gefilmter Singvogel-Wilderer, November 2015

  • Auf der italienischen Mittelmeerinsel Sardinien wird der Rückgang der Wilderei immer deutlicher: Bei dem dreiwöchigen Komitee-Einsatz werden lediglich drei aktive Fangstellen gefunden. Mit einer versteckten Kamera gelingt es, einen der Täter zu filmen – der Mann wird daraufhin von der Polizei überführt. Etwa 1.180 Rosshaarschlingen werden sichergestellt. Zum Vergleich: Noch vor zehn Jahren haben wir bei unseren Vogelschutzcamps bis zu 12.000 der brutalen Schlingen gefunden, dazu kamen in einem Jahr (2008) über 100 Netze. Die Netze scheinen inzwischen völlig verschwunden zu sein!
  • Das vom Komitee gegen den Vogelmord finanziell unterstützte Wildtierauffangzentrum „Il Pettirosso“ in Modena (Italien) hat im Jahr 2015 mehr als 4.100 verletzte oder hilflose Tiere aufgenommen. Unter den Pfleglingen waren rund 1.450 Singvögel, 320 Greifvögel, 1.100 Paarhufer, 490 Igel, 60 Fledermäuse, 30 Füchse, 2 Luchse und 1 Wolf nebst etwa 80 Landschildkröten. Dazu kommen fast 100 von den Behörden beschlagnahmte Papageien.
  • Auf Malta filmt und fotografiert ein Team des Komitees den legalen Massenfang europaweit gefährdeter Goldregenpfeifer für den Kochtopf. Bei gemeinsamen Nachteinsätzen mit der Umweltpolizei werden 8 illegale elektronische Lockvögel abgebaut. Zwei Fänger werden gefilmt und angezeigt, weil sie ihre Fanganlagen nachts außerhalb der erlaubten Zeiten in Betrieb hatten.

Danksagung

Für ihre freundliche Unterstützung und gute Zusammenarbeit danken wir ganz besonders der Stiftung Pro Artenvielfalt (Bielefeld), der Karl-Kaus-Stiftung für Tier und Natur (Bremen), der Stadler Naturschutzstiftung (Wehrheim), dem Journalistenbüro Correct!v (Essen), der Umweltpolizei von Malta (ALE), den Antiwilderereinheiten des Corpo Forestale dello Stato in Italien (NOA) und der Guardia Civil in Spanien (SEPRONA), dem Anti-Poaching-Squad (APS) der Polizei auf Zypern, dem Game Fund Cyprus, der UNO-Polizei auf Zypern, dem Sekretariat der Berner Konvention zum Schutz der europäischen Tierwelt (Straßburg), dem Büro der Bonner Konvention zum Schutz wandernder Arten (CMS, Bonn). dem Bundesamt für Naturschutz und dem Bundesumweltministerium (beide Bonn), der Ligue pour la Protection des Oiseaux (LPO, Paris), der Convention vie et nature (CVN, Paris), der Lega Italiana Protezione Ucelli (LIPU, Rom), den Jagdaufsehern des italienischen WWF, der Lega Abolizione Caccia (LAC) in Mailand, dem Wildtierauffangzentrum „Il Pettirosso“ des CSA in Modena, dem Lebanon Eco Movement (LEM) und T.E.R.R.E. Liban (beide Beirut), unseren Freunden von BirdLife Malta, der Aquilarus study group (Malta), der Werkgroep Roofvogels Nederland (WRN), den spanischen Naturschutzgruppen GECEN, AE-Agró und GER-EA (alle Valencia) und der Sociedad Espanola de Ornitologia (SEO/BirdLife, Madrid), dem Dachverband Deutscher Avifaunisten, dem Landesbund für Vogelschutz in Bayern, dem NABU Bundesverband, den NABU Landesverbänden NRW und Baden-Württemberg, dem Deutschen Tierschutzbund, der Nordrhein-Westfälischen Ornithologengesellschaft, der Justizakademie NRW, dem Institut für Vogelforschung – Vogelwarte Helgoland, dem Verein ProRing e.V., dem Deutschen Rat für Vogelschutz, der Arbeitsgemeinschaft Wanderfalkenschutz, dem Verein Sächsischer Ornithologen, der Berliner Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft, den Wildvogelpflegestationen Kirchwald, der Bergischen Greifvogelhilfe und dem Verein „Paasmühle“, den Biologischen Stationen Düren, Euskirchen und Bonn, dem Projekt Froschland e.V. , der Gemeinde Raisdorf und vor allem natürlich allen Mitgliedern, Förderern und ehrenamtlichen Helfern.