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Tätigkeitsbericht 2014

Komitee-Mitarbeiter und Kamerateam des Bayerischen Rundfunks auf MaltaKomitee-Mitarbeiter und Kamerateam des Bayerischen Rundfunks auf MaltaMit dem vorliegenden Bericht möchten wir einen Überblick über die Arbeit und die Erfolge des Komitees gegen den Vogelmord im Jahr 2014 geben. Im Zentrum der Aktivitäten stand wie immer der Kampf gegen die Zugvogeljagd im Mittelmeerraum, wo wir in mittlerweile sechs Ländern Vogelschutzcamps durchführen. Neben unseren langjährigen Kampagnen in Italien, Zypern, Spanien und Frankreich wurden in diesem Jahr erhebliche Ressourcen für unsere Arbeit auf Malta aufgewendet. Dort ist das Komitee durch die Schaffung eines eigenen Büros mit einer hauptamtlichen Ornithologin nunmehr ganzjährig aktiv. Schwerpunkte sind die Bekämpfung des Vogelfangs im Sommer und Winter, die Dokumentation und Anzeige von Abschüssen geschützter Arten sowie die Unterstützung der Kampagne für ein Ende der Frühlingsjagd.

Gute Nachrichten gibt es auch aus Italien: Nach einer Umweltbeschwerde des Komitees hat die Europäische Kommission das Land aufgefordert, den millionenfachen Import gefrorener Singvögel aus Nordafrika einzustellen. Zum anderen erfolgte jüngst auf unsere Initiative eine Novellierung des italienischen Jagdgesetzes, nach der die bisher betriebenen Großfanganlagen für den Fang von Lockvögeln künftig illegal sind und für immer geschlossen werden müssen. Ein wichtiger Schritt und toller Lohn für die jahrelange Arbeit.

Ob nun in Deutschland, Italien oder dem Libanon: Das Komitee und seine Mitstreiter werden sich auch im Jahr 2015 wieder für den Schutz unserer Wildvögel einsetzen. Mit Ihrer Spende oder Fördermitgliedschaft können auch Sie Ihren Teil dazu beitragen.

Januar

Abbau von Rosshaarschlingen auf Sardinien (Italien)Abbau von Rosshaarschlingen auf Sardinien (Italien)

  • Einsatz gegen den Vogelfang auf Sardinien (Italien): Bei unserem Vogelschutzcamp „zwischen den Jahren“ finden unsere Teams insgesamt 990 Fangschlingen für überwinternde Drosseln und andere Singvögel und weitere 59 Drahtschlingen für Säugetiere. In Zusammenarbeit mit der Polizei gelingt es, drei Wilderer zu überführen.
  • Der Kreis Borken ermittelt gegen eine Gruppe von Jägern, die in einem Naturschutzgebiet illegal vier riesige unterirdische Anlagen zum Fang von Füchsen und Mardern (sog. Betonrohrfallen) errichtet haben. Ein Mitarbeiter des Komitees gegen den Vogelmord hatte die frisch angelegten Anlagen entdeckt und die Landschaftsbehörde des Kreises informiert. Die Fallen wurden umgehend deaktiviert und müssen nun auf Kosten der Jäger entfernt werden.

Inflagranti gefilmt: Kiebitzfänger auf Malta mit LockvogelkäfigenInflagranti gefilmt: Kiebitzfänger auf Malta mit Lockvogelkäfigen

  • Das Komitee übergibt der maltesischen Polizei umfangreiches Beweismaterial gegen zwei Vogelfänger, die im Dezember 2013 geschützten Kiebitzen illegal nachstellten. Wichtigster Beweis ist ein von uns erstelltes Video, das beide Beschuldigte mit lebenden Kiebitzen in der Hand an einem Klappnetz zeigt. Beide Männer werden später angeklagt. Das Gerichtsverfahren ist jedoch noch nicht abgeschlossen.
  • Traurige Bilanz: In den Jahren 2012 und 2013 werden im Rahmen unseres Monitorings „Greifvogelverfolgung in NRW“ insgesamt 94 Fälle von illegaler Greifvogelverfolgung erfasst. Dabei handelte es sich in 37 Fällen um Fang oder Nachstellen, 36 Mal um Vergiftung, 15 Fälle von Abschüssen sowie in sechs Fällen um sonstige Beeinträchtigung wie zum Beispiel die Fällung von Horstbäumen zur Brutzeit. Eine umfangreiche Auswertung erscheint in der Fachzeitschrift „Charadrius“.

Februar

Neues Komitee-Gesicht: Seit Februar 2014 arbeitet Fiona Burrows für das Komitee auf MaltaNeues Komitee-Gesicht: Seit Februar 2014 arbeitet Fiona Burrows für das Komitee auf Malta

  • Ständige Vertretung auf Malta: Das Komitee freut sich, mit Fiona Burrows eine neue hauptamtliche Mitarbeiterin „an Bord“ begrüßen zu dürfen. Die 26-jährige britische Ornithologin lebt auf Malta und setzt sich dort seit Jahren gegen die Wilderei ein. Ihre Hauptaufgabe beim Komitee wird es sein, auf Malta unsere Einsätze gegen die illegale Vogeljagd zu koordinieren und den Fang von Finken und Goldregenpfeifern in den nächsten zwei Jahren für die EU-Kommission zu dokumentieren.
  • Geldstrafe für Fallensteller: Ein 72-jähriger Taubenzüchter wird vom Amtsgericht Leipzig zu einer Geldstrafe von 400 € verurteilt, weil er geschützten Greifvögeln mit einem Habichtfangkorb nachgestellt hatte. Der Mann hatte die Falle an seinem Taubenschlag aufgestellt und mit einer lebenden Locktaube beködert. Mitglieder des Vereins Sächsischer Ornithologen und des Komitees gegen den Vogelmord hatten den Fall im Januar 2012 aufgedeckt und zur Anzeige gebracht.

Illegale Falle in einem Naturschutzgebiet am NiederrheinIllegale Falle in einem Naturschutzgebiet am Niederrhein

  • Jagdverstöße am Niederrhein: In der Umgebung von Kleve (NRW) dokumentieren Komitee-Mitarbeiter zahlreiche Verstöße gegen das Jagd- und Naturschutzgesetz. Neben einer verbotenen Falle für Greif- und Rabenvögel werden zwei nicht ordnungsgemäß verblendete Kastenfallen für Füchse und Marder sowie Verstöße gegen die Fütterungsbestimmungen bei den Behörden angezeigt.
  • Freundliche Übernahme: Das Komitee übernimmt von seinem langjährigen Partnerverband knik e. V. die Trägerschaft des bundesweit renommierten Projektes „Froschland“, durch das in Schleswig-Holstein bisher rund 200 Kleingewässer und Biotope für Frösche und Wasservögel neu angelegt wurden. „Froschland“ wird vom Land Schleswig-Holstein mit einem Fördervolumen von etwa 130.000 € pro Jahr unterstützt.

März

Braunkehlchen in illegaler Schlagfalle auf Ponza (Italien)Braunkehlchen in illegaler Schlagfalle auf Ponza (Italien)

  • Einsatz auf Ponza: Auf der kleinen mittelitalienischen Insel hat die Polizei in einem Blitzeinsatz 7 Singvogel-Wilderer aufgrund unserer Hinweise überführt. 170 Schlagfallen und 80 tiefgefrorene Vögel (überwiegend Rotkehlchen und Rotschwänze) wurden sichergestellt. 12 Tiere konnten aus den illegalen Fallen lebend befreit werden. Die Polizei geht davon aus, dass die gewilderten Tiere an Restaurants und „Feinschmecker“ verkauft werden sollten.
  • Auf Malta überwacht ein Komitee-Team das Vogelfang-Verbot im Frühling. Bei einem ersten gemeinsamen Einsatz mit BirdLife Malta werden insgesamt 15 Singvogelfänger inflagranti mit Klappnetzen gefilmt und angezeigt. In einer gemeinsamen Pressemeldung kritisieren beide Organisationen die praktisch nicht vorhandenen staatlichen Kontrollen und fordern die Regierung auf, endlich eine professionelle Antiwilderei-Einheit zu gründen.
  • Erfolg vor Gericht auf Zypern: Nach insgesamt vier Prozesstagen wird ein Vogelfänger zur Zahlung von insgesamt 7.000 € Schmerzensgeld an drei Komitee-Mitarbeiter verurteilt. Der Mann hatte die Aktivisten im Jahr zuvor angegriffen, als diese gerade seine illegal aufgestellten Fallen abbauen wollten. In einem weiteren Verfahren wird der Mann später zusätzlich auch wegen der Wilderei verurteilt.

Lockvögel für die illegale Frühlingsjagd bei Caserta (Süditalien)Lockvögel für die illegale Frühlingsjagd bei Caserta (Süditalien)

  • Caserta (Süditalien): Zusammen mit Kollegen des italienischen Tierschutzvereins ENPA und der Polizei haben Komitee-Mitarbeiter nördlich von Caserta vier illegale Schießanlagen zur Wasservogeljagd stillgelegt. Mehrere Dutzend Plastik-Lockenten wurden beschlagnahmt. Die Wilderer konnten leider entkommen.
  • Malta: An der Ostküste der Insel gelingt es unserem Team, den Abschuss von zwei Weißstörchen auf Video zu dokumentieren. Der Film wird auf YouTube veröffentlicht und löst auf Malta eine Welle der Empörung aus. Der Premierminister verurteilt den Abschuss und kündigt noch am selben Tag an, als Warnung die Strafen für Wilderei zu verzehnfachen. Zwei Wochen später wird die entsprechende Gesetzesänderung im Parlament verabschiedet.

April

Komitee-Mitarbeiter mit auf Leimrute gefangener NachtigallKomitee-Mitarbeiter mit auf Leimrute gefangener Nachtigall

  • Vogelschutzcamp Zypern: Zwischen dem 5. April und dem 11. Mai spüren unsere freiwilligen Helfer die unglaubliche Zahl von 2.699 Leimruten, 20 Netzen und 16 elektronischen Lockanlagen auf. In enger Kooperation mit der Polizei können 14 Vogelfänger auf frischer Tat überführt werden. 8 weitere Vogelfänger werden wegen unklarer Beweislage verwarnt.Mehr als 120 Vögel, darunter Wendehälse, Bienenfresser und mehrere Eulen, werden befreit.
  • Malta: Die Zahl der von uns seit März auf Malta entdeckten und an die Behörden gemeldeten Vogelfanganlagen steigt immer weiter – von Anfang März bis Mitte April waren es insgesamt 68. Nach anfänglichen Schwierigkeiten gelingt es auch endlich, die Polizei zum Handeln zu bewegen. Etwa 20 Schlagnetze, ein Stellnetz und zwei Käfigfallen werden sichergestellt und 35 gefangene Vögel freigelassen. Mindestens 10 Vogelfänger müssen sich vor Gericht verantworten.

Bei Nachteinsätzen auf Malta sichergestellte elektronische LockanlagenBei Nachteinsätzen auf Malta sichergestellte elektronische Lockanlagen

  • Beim großen Komitee-Vogelschutzcamp auf Malta und Gozo sorgen rund 30 Freiwillige vom 18. April bis zum 4. Mai für Sicherheit an den Rastplätzen von Wespenbussard & Co. Neben der Rund-um-die-Uhr-Überwachung wichtiger Schlafplätze und Zugkorridore werden auch wieder zahlreiche Fälle von Abschuss geschützter Arten dokumentiert. Gemeinsam mit der Polizei werden 5 Wilderer überführt und insgesamt 11 elektronische Lockanlagen für Wachteln abgebaut.
  • Süditalien: Bei zwei Einsätzen des Komitees und der von uns finanzierten WWF-Jagdaufsicht werden auf der Insel Ischia insgesamt 126 Schlagfallen für den Fang von Singvögeln unschädlich gemacht. Im Rahmen der Überwachung des Frühlingsjagdverbots werden insgesamt drei Waffen, 722 Schuss Munition und 16 frisch getötete Singvögel sichergestellt.

Mai

Auf Sizilien (Süditalien) sichergestellte Flinten und JagdmunitionAuf Sizilien (Süditalien) sichergestellte Flinten und Jagdmunition

  • Schlag gegen die Wilderei auf Sizilien: Zusammen mit der Forstpolizei haben Komitee-Mitarbeiter an der Straße von Messina vier Greifvogelwilderer überführen können. Die Jäger stammen aus Kalabrien (der „Stiefelspitze“ Italiens) und haben im benachbarten Sizilien illegal Wespenbussarde geschossen. Bei den Männern wurden 3 Gewehre sowie sage und schreibe 5.400 Schrotpatronen sichergestellt!
  • Illegale Totschlagfallen: Bei Schermbeck (Kreis Wesel) entdecken Komitee-Mitarbeiter bei der Inspektion eines Jagdreviers zwei mitten in der Schonzeit aktivierte Abzugseisen (Typ „Schwanenhals“). Die gefährlichen Fallen werden durch die Polizei entschärft und sichergestellt. Gegen den Jagdpächter wird ein Strafverfahren wegen Schonzeitvergehen eingeleitet.

Bilder von im Libanon illegal abgeschossenen Greifvögeln haben einen Sturm der Empörung ausgelöstBilder von im Libanon illegal abgeschossenen Greifvögeln haben einen Sturm der Empörung ausgelöst

  • Öffentlichkeitsarbeit: Die vom Komitee auf Facebook ins Leben gerufene Seite Stop hunting crimes in Lebanon hat mittlerweile eine Reichweite von rund 16.000 Personen weltweit. Für besondere Entrüstung sorgen in diesem Frühling Bilder von der ausufernden Jagd auf Störche mit Maschinengewehren. Unter den geschossenen Tieren befindet sich auch ein in Deutschland geschlüpftes und beringtes Tier, das auf dem Rückzug aus seinem Winterquartier im Libanon abgeschossen wurde.
  • Der Bayerische Rundfunk zeigt eine 45-minütige Dokumentation über das Leben und die Zugwege der Wespenbussarde, in dem auch die Arbeit des Komitees auf Malta intensiv beleuchtet wird. Der Film beschert dem Komitee eine Welle der Solidarität in Form von gepfefferten Protestbriefen an die maltesische Regierung.

Juni

Wiesenweihen-Küken im KornfeldWiesenweihen-Küken im Kornfeld

  • In der Zülpicher Börde und im Großraum Bonn kartieren Biologen im Auftrag des Komitees die Bruten von Habichten, Rotmilanen, Rohr- und Wiesenweihen. Neben konkreten Horstschutzmaßnahmen für gefährdete Bodennester und Horste in durch Fällung bedrohten Beständen sollen die Daten dazu dienen, den geplanten Bau von Windenergieanlagen in der Nähe von Greifvogelbruten zu verhindern.
  • Belohnung ausgesetzt: Im Fall eines im Frühling 2014 in Siegen mit dem Insektengift Carbofuran gezielt vergifteten Wanderfalken rufen die AG Wanderfalkenschutz, das Komitee gegen den Vogelmord und der NABU die Bevölkerung zur Mithilfe auf. Nachdem die Ermittlungen der Polizei nicht zu den Tätern geführt haben, setzen die drei Verbände eine Belohnung von insgesamt 2.500 € für Hinweise auf die Täter aus.

Bewohner unserer Schutzgebiete in der Nähe von Kiel: Der LaubfroschBewohner unserer Schutzgebiete in der Nähe von Kiel: Der Laubfrosch

  • In unserem Schutzgebiet „Raisdorfer Krötenteiche“ und den vereinseigenen Flächen in der Schwentineniederung (Schleswig-Holstein) zahlen sich die im letzten Winter durchgeführten Pflegemaßnahmen auf ganzer Linie aus. Neben den langjährigen Bewohnern Laubfrosch, Ringelnatter und Rothalstaucher werden in diesem Jahr auch wieder regelmäßig Eisvögel in der Brutzeit beobachtet. In einer Reihe vereinseigener 500-jähriger Eichen wird außerdem der bundesweit vom Aussterben bedrohte Kardinalrote Schnellkäfer nachgewiesen.
  • Jagdrecht auf dem Prüfstand: Noch vor der parlamentarischen Sommerpause sollen in Nordrhein-Westfalen die Weichen für die längst überfällige Änderung des Jagdrechts gestellt werden. Das Komitee gegen den Vogelmord ruft gemeinsam mit 10 weiteren Tier- und Naturschutzverbänden – darunter NABU, BUND und Tierschutzbund – die Kampagne „Jagdreform jetzt!“ ins Leben und veröffentlicht einen 10-Punkte-Plan für ein ökologisches Landesjagdgesetz.

Juli

Nachwuchs auf wackeligem Untergrund: Trauerseeschwalben-Nistplatz an der Alten Elbe bei Jerichow (© Uwe Schlawin)Nachwuchs auf wackeligem Untergrund: Trauerseeschwalben-Nistplatz an der Alten Elbe bei Jerichow (© Uwe Schlawin)

  • Erfolgreiche Hilfsmaßnahme: Auf den vom Komitee an der Elbe und am Pritzerber See (Brandenburg) installierten und betreuten Nist-Flößen brüten im Sommer 35 Paare der gefährdeten Trauerseeschwalbe und zahlreiche Lachmöwen. Anders als im Vorjahr, in dem viele Bruten durch Hochwasser zerstört wurden, sind die meisten Paare erfolgreich und bringen mehr als 30 Jungvögel zum Ausfliegen.
  • Großer Erfolg in Italien: Das Parlament in Rom beschließt, die Einfuhr von tiefgefrorenen Sperlingen aus Tunesien zu verbieten. Ab August sind die Restaurants und Metzgereien damit von jeglichem Nachschub abgeschnitten. Das Komitee gegen den Vogelmord hatte mit Klagen vor italienischen Gerichten und einer Beschwerde bei der EU die Kampagne gegen die Importe ins Rollen gebracht. Hunderttausende Vögel landen nun nicht mehr im Kochtopf!

In einem Naturschutzgebiet am Niederrhein für die Jagd ausgesetzte EntenIn einem Naturschutzgebiet am Niederrhein für die Jagd ausgesetzte Enten

  • Das Komitee dokumentiert am Niederrhein, wie Jäger zwei wertvolle Naturschutzgebiete durch das massenhafte Aussetzen und Füttern gezüchteter Enten in artenarme Safari-Parks umgewandelt haben. Zählungen ergeben, dass auf den Gewässern beider Schutzgebiete etwa 800 zahme Zuchtenten für die Jagd ausgesetzt und zahlreiche illegale Fütterungen angelegt wurden. Die zuständige Jagdbehörde sowie die Presse werden über den Skandal informiert.
  • Giftanschlag im Münsterland: Bei Vreden entdecken Mitarbeiter des Komitees und der Arbeitsgemeinschaft Wanderfalkenschutz einen mit Gift präparierten Taubenkadaver unter einem Hochspannungsmast. Offenbar sollten mit dem Köder gezielt Wanderfalken vergiftet werden, die den Mast als Schlafplatz nutzen. Die Polizei wird eingeschaltet und ermittelt gegen Unbekannt.

August

Komitee-Mitarbeiter beim Abbau illegaler Vogelfanganlagen im Norden MaltasKomitee-Mitarbeiter beim Abbau illegaler Vogelfanganlagen im Norden Maltas

  • Malta: Schlag gegen den illegalen Fang von Limikolen auf Malta: Nach Hinweisen des Komitees werden insgesamt 10 Fangplätze mit mindestens 14 riesigen Klappnetzen von der Polizei stillgelegt. 11 lebende Watvögel (vier Flussregenpfeifer, drei Waldwasserläufer, drei Flussuferläufer und ein Bruchwasserläufer) werden beschlagnahmt und freigelassen. Mindestens fünf Täter wurden ermittelt.
  • Vom 22. bis zum 31. August überwachen Komitee-Mitglieder die Zugwege der ersten ziehenden Greifvögel im Bereich der Straße von Messina. In der Nähe der Stadt Reggio gelingt es einem Team, drei Wilderer – darunter ein mit einer Schrotflinte bewaffneter 12-jähriger Junge – auf frischer Tat zu überführen. Drei Jagdwaffen werden von der Forstpolizei sichergestellt.

Polizei-Einsatz zum Schutz der Komitee-Mitarbeiter im französischen Ortolan-FanggebietPolizei-Einsatz zum Schutz der Komitee-Mitarbeiter im französischen Ortolan-Fanggebiet

  • Angriff auf das Komitee-Team in Frankreich: In der Nähe der Stadt Tartas greifen Vogelfänger eine Gruppe Komitee-Mitglieder mit Tränengas an, als diese den illegalen Fang von Ortolanen für die EU-Kommission dokumentieren wollen. Der Zwischenfall sorgt dafür, dass die politische Unterstützung für den Fang der Ortolane in Frankreich weiter bröckelt und die Fangplätze der an dem Angriff beteiligten Fänger stillgelegt werden.
  • Strafanzeige: Das Komitee erstattet Anzeige gegen die Verantwortlichen einer Gesellschaftsjagd im Kreis Kleve (Niederrhein), bei der auch fünf geschützte Dohlen – der Vogel des Jahres 2012 – getötet wurden. Als Beweismittel werden Fotos der geschossenen Vögel eingereicht, die auf der Internetseite der Kreisjägerschaft Kleve veröffentlicht wurden. Das Ermittlungsverfahren ist zurzeit noch nicht abgeschlossen.

September

Gartenrotschwanz (Weibchen) in einer SchlagfalleGartenrotschwanz (Weibchen) in einer Schlagfalle

  • Zugriff im Gebirge: In der Nähe der Stadt Capovalle (Norditalien) entdecken Komitee-Mitglieder einen Fangplatz für Trauerschnäpper und Gartenrotschwänze. Bei einem anschließenden Ansitz der Jagdaufseher wird der Wilderer geschnappt und 27 Schlagfallen sowie ein 30 Meter langes Stellnetz abgebaut.
  • Tolle Neuigkeiten aus Frankreich: Der Überfall krimineller Wilderer auf unsere Mitglieder hat die Behörden offenbar aufgerüttelt. Heute haben unsere Partner von der Ligue pour la Protection des Oiseaux (LPO) weitere Fangstellen angezeigt, die Komitee-Mitarbeiter zuvor ausgekundschaftet hatten. Zusammen mit der Polizei werden 62 Ortolane befreit, die illegal als Lockvögel gehalten wurden.

Auf Zypern angeschossener aufgefundener BienenfresserAuf Zypern angeschossener aufgefundener Bienenfresser

  • Zypern: Innerhalb von 3 Wochen entdecken Komitee-Aktivisten insgesamt 3.575 Leimruten, 125 Netze und 41 elektronische Lockanlagen für den illegalen Fang von Singvögeln. Alle Fanggeräte werden den Behörden gemeldet und sichergestellt. In Kooperation mit der Polizei werden 27 Wilderer auf frischer Tat an ihren Fangstellen überführt – so viele wie nie zuvor. Permanenter Polizeischutz für unsere Aktivisten sorgt dafür, dass es erstmals zu keinerlei Zwischenfällen mit gewalttätigen Wilderern kommt.
  • Himmlische Jagdruhe auf Malta: Als Reaktion auf das von den Teilnehmern unseres Vogelschutzcamps dokumentierte unglaubliche Ausmaß der Wilderei, beendet der maltesische Premierminister Joseph Muscat die Jagdsaison vorzeitig. Weil die Wilderer sich nun nicht mehr zwischen den „legalen“ Jägern verstecken können, fallen so gut wie keine Schüsse. Bis zum 10. Oktober können Zehntausende Zugvögel unter den wachsamen Augen unserer Teams die Insel unbeschadet verlassen

Oktober

Komitee-Mitarbeiter mit in Brescia eingesammelten BogenfallenKomitee-Mitarbeiter mit in Brescia eingesammelten Bogenfallen

  • Um gegen den Fang von Singvögeln in Norditalien vorzugehen, veranstaltet das Komitee vom 3. Oktober bis 2. November seinen mittlerweile 30. großen Herbsteinsatz in der Provinz Brescia (Italien). 60 Teilnehmer sind bei der Suche nach Fangplätzen im Einsatz. 39 Wilderer werden aufgrund unserer Hinweise von der Forstpolizei überführt. Insgesamt werden 735 Bogenfallen, 398 Schlagfallen, 56 Fangnetze und 23 Leimruten unschädlich gemacht.
  • Lobbyarbeit in Beirut: Um auf die massenhaften Abschüsse geschützter Zugvögel im Libanon aufmerksam zu machen, sammelt das Komitee gemeinsam mit dem Lebanon Eco Movement 23.000 Unterschriften für ein Ende der Massaker. Die Unterschriften werden einer Delegation der EU in Beirut überreicht. Das italienische Fernsehen ist dabei und berichtet ausführlich.

Der Habicht ist Vogel des Jahres 2015 - NABU, LBV und Komitee rufen gemeinsam zur Meldung von Greifvogelverfolgung aufDer Habicht ist Vogel des Jahres 2015 - NABU, LBV und Komitee rufen gemeinsam zur Meldung von Greifvogelverfolgung auf

  • Der Habicht wird von NABU und LBV offiziell zum Vogel des Jahres 2015 gekürt. Um illegale Abschüsse und den Fang von Habichten durch Taubenzüchter, Jäger und Falkner effektiver zu bekämpfen, starten das Komitee und der NABU eine bundesweite Melde- und Erfassungsaktion. Die vom Komitee erstellte Broschüre „Greifvogelverfolgung – Erkennen, Bekämpfen, Verhindern“ wird aktualisiert und bundesweit an Behörden, Pflegestationen und Tierärzte verschickt.
  • Erfolgreicher Einsatz der Komitee-Teams in Kalabrien (Süditalien): Im Bereich des Naturparks Aspromonte haben sie gemeinsam mit der Forstpolizei insgesamt 21 Wilderer bei der illegalen Jagd erwischt. Die Männer haben auf geschützte Vögel geschossen bzw. hatten illegale elektronische Lockgeräte eingesetzt. 13 Flinten, 6 Lockgeräte und 24 illegal geschossene Singvögel werden sichergestellt.

November

Beamte der Guardia Civil bei der Kontrolle eines Fangplatzes (Spanien)Beamte der Guardia Civil bei der Kontrolle eines Fangplatzes (Spanien)

  • Vogelschutzcamp in Ostspanien: Innerhalb von 10 Tagen können in Kooperation mit der Guardia Civil in Alicante, Valencia, Castellon und Tarragona 23 riesige illegale Leimruten-Fanganlagen stillgelegt werden. 29 Vogelfänger werden überführt, rund 9.500 Leimruten sichergestellt. Die Polizei hat jede Nacht eine Patrouille zur Verfügung gestellt, zwischen 19 und 7 Uhr wurden die ausschließlich während der Dunkelheit betriebenen Fangplätze kontrolliert.
  • Trotz massiver Proteste von Vogelschützern und einer Warnung der EU Kommission gibt Malta den Fang von Finken mit Hilfe von Klappnetzen wieder frei. Das Komitee überwacht die Fangsaison und dokumentiert mit Hilfe von Luftbildern den massenhaften Vogelfang in geschützten NATURA-2000-Flächen.
  • Einsatz in Sardinien: Bei dem erstmals vierwöchigen Einsatz gegen den Fang überwinternder Singvögel machen unsere Mitglieder über 4.000 Rosshaarschlingen unschädlich. Mit Hilfe von versteckten Kameras werden vier Wilderer auf frischer Tat und mit gewilderten Vögeln in der Hand gefilmt – sie kommen später vor Gericht.

Dezember

Mitarbeiter des CSA Modena mit einem in die Auffangstation eingelieferten SteinadlerMitarbeiter des CSA Modena mit einem in die Auffangstation eingelieferten Steinadler

  • Das von uns finanziell unterstützte Wildtierauffangzentrum „Il Pettirosso“ des Centro Soccorso Animali in Modena (Norditalien) hatte auch 2014 regen Zulauf: Mehr als 3.600 verletzte oder hilflose Tiere wurden eingeliefert, darunter 1.330 Singvögel, 386 Greifvögel, 702 Paarhufer, 560 Igel und über 70 Reptilien (vor allem Landschildkröten).
    Unter den Pfleglingen waren auch ein Steinadler, drei Wölfe und ein Luchs!
  • Weihnachtseinsatz: „Zwischen den Jahren“ findet wieder ein Komitee-Vogelschutzcamp auf Sardinien (Italien) statt. Vom 25. 12. 2014 bis Anfang Januar 2015 sind ein Dutzend Komitee-Mitglieder auf der Suche nach illegalen Rosshaarschlingen und Stellnetzen für den Vogelfang. Die Ergebnisse lagen zum Redaktionsschluss des Tätigkeitsberichts 2014 noch nicht vor.
  • Vogelschutz in den sozialen Netzwerken: Unsere Seiten bei Facebook wachsen und gedeihen. Während die deutsche Hauptseite im September ihren 4.000. „follower“ begrüßen konnte, werden die englischen und italienischen Übersetzungen unserer Beiträge von insgesamt 7.000 Vogelfreunden aus ganz Europa verfolgt. Dazu kommt unser Internet-Fernsehkanal bei YouTube, der mittlerweile rund 1,5 Millionen Aufrufe verzeichnet.

Mit dem Fang von Wildvögeln (hier eine Amsel) für die Jagd ist in Italien seit Dezember 2014 Schluss!Mit dem Fang von Wildvögeln (hier eine Amsel) für die Jagd ist in Italien seit Dezember 2014 Schluss!

  • Riesen-Erfolg: Die italienische Regierung verbietet Anfnag Dezember den Vogelfang endgültig. Die letzten Großfanganlagen, die in Norditalien noch in Betrieb waren, müssen umgehend den Betrieb einstellen. Hintergrund ist ein seit Jahren bei der Europäischen Union anhängiges Verfahren wegen Verstoßes gegen die EU-Vogelschutzrichtlinie, das von den italienischen Naturschutzverbänden LIPU und LAC und dem Komitee gegen den Vogelmord initiiert wurde. Seit seiner Gründung im Jahr 1975 war die Arbeit gegen die Roccoli eine der zentralen Kampagnen des Komitees - mit Klagen vor den Verwaltungsgerichten, EU-Umweltbeschwerden, Protestkampagnen und Lobbyarbeit haben wir Stück für Stück den Vogelfang zurückgedrängt. Von den früher über 2.000 Anlagen waren im Herbst 2014 noch 92 übrig.

Danksagung

Für ihre freundliche Unterstützung und gute Zusammenarbeit danken wir ganz besonders der Stiftung Pro Artenvielfalt (Bielefeld), der Karl-Kaus-Stiftung für Tier und Natur (Bremen), der Stadler Naturschutzstiftung (Wehrheim), der Erna-Graff-Stiftung für Tierschutz (Berlin), der Umweltpolizei von Malta (ALE), der Antiwilderereinheit des Corpo Forestale dello Stato in Italien (NOA) und der Guardia Civil in Spanien (SEPRONA), der Anti-Poaching Unit (APS) der Polizei auf Zypern, dem Game Fund Cyprus, der UNO-Polizei auf Zypern, der Stabsstelle Umweltkriminalität beim Nordrhein-Westfälischen Umweltministerium (MKULNV), der Ligue pour la protection des Oiseaux (LPO, Paris), der Convention Vie et Nature (CVN, Paris), der Lega Italiana Protezione Ucelli (LIPU), den Jagdaufsehern des italienischen WWF, der Lega Abolizione Caccia (LAC) in Mailand, dem Wildtierauffangzentrum „Il Pettirosso“ des CSA in Modena, dem Lebanon Eco Movement (LEM) und T.E.R.R.E. Liban, BirdLife Malta, Aquilarus study group (Malta), der Coalition against spring hunting (Malta), der Werkgroep Roofvogels Nederland (WRN), dem Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA), dem Landesbund für Vogelschutz (LBV), dem NABU Bundesverband, dem NABU Landesverband NRW, den spanischen Naturschutzgruppen GECEN, AE-Agró und GER-EA (alle Valencia) und der Sociedad Espanola de Ornitologia (SEO/BirdLife), dem Deutschen Tierschutzbund, der Nordrhein-Westfälischen Ornithologengesellschaft (NWO), der LANUV-Naturschutzakademie (Recklinghausen), dem Institut für Vogelforschung – Vogelwarte Helgoland (Wilhelmshaven), ProRing e. V., dem Deutschen Rat für Vogelschutz (DRV), der Arbeitsgemeinschaft Wanderfalkenschutz (AGW), dem Verein Sächsischer Ornithologen (VSO), der Berliner Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft, den Wildvogelpflegestationen Kirchwald, der Bergischen Greifvogelhilfe (Rösrath), Essenthoer Mühle und Paasmühle, den Biologischen Stationen Düren, Euskirchen und Bonn, dem Projekt Froschland e. V. (Raisdorf), den Europaabgeordneten Andrea Zanoni und Knut Fleckenstein, der Gemeinde Raisdorf und vor allem natürlich unseren Mitgliedern, Förderern und ehrenamtlichen Helfern.

Tätigkeitsbericht 2014 zum Download

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