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Tätigkeitsbericht 2011
Komitee-"Bird Guards" auf Malta„Unter den zahlreichen Organisationen, die sich für den Schutz der Vögel einsetzen, geht das Komitee gegen den Vogelmord am offensivsten vor“. Das ist die Meinung des New Yorker Bestsellerautors und Vogelbeobachters Jonathan Franzen, geäußert in einem Interview mit der Zeitschrift „Vögel“ im August 2011.
Dass direkte Aktionen gegen die Zugvogeljagd bei unserer Arbeit tatsächlich im Mittelpunkt stehen, belegt auch der vorliegende Tätigkeitsbericht. Insgesamt haben in diesem Jahr mehr als 120 Freiwillige aus 11 europäischen Ländern an den "Vogelschutzcamps" unseres Verbandes im Mittelmeerraum teilgenommen. Das Resultat kann sich sehen lassen: Bei den Einsätzen auf Malta und Zypern, in Frankreich, Italien und Spanien sind insgesamt mehr als 14.500 Vogelfallen, Netze oder Lockgeräte aufgespürt und sichergestellt worden. Gegen mehr als 50 Fallensteller und Wilderer wurden Strafverfahren eingeleitet. Besonders erfreulich ist das Ergebnis der in diesem Jahr in Südfrankreich durchgeführten Operation „Ortolan“, bei der es Komiteemitgliedern erstmals gelungen ist, den illegalen Fang dieser in Deutschland vom Aussterben bedrohten Ammernart ausführlich zu dokumentieren und zahlreiche Fangstellen unschädlich zu machen. Das dabei erstellte Material wird dazu dienen, die französischen und Brüsseler Behörden endlich zu einem „Jagen“ der Vogelfänger zu tragen. Erfolgreich waren unsere Teams auch in Deutschland, wo erneut Dutzende Fälle von illegaler Greifvogelverfolgung aufgedeckt und vor Gericht gebracht werden konnten.
Januar
Komiteemitarbeiter (links) und Polizisten an einer Leiterfalle in Westfalen
- Bei der Kontrolle von Jagdrevieren im Kreis Heinsberg entdecken Komiteemitglieder an zwei Stellen insgesamt 12 tote Greifvögel, die Anzeichen einer Vergiftung aufweisen. Untersuchungen des Staatlichen Veterinäruntersuchungsamtes Münster bestätigen den Verdacht: Die Vögel wurden mit einem in Deutschland verbotenen Insektizid vergiftet. Die Polizei leitet ein Strafverfahren gegen Unbekannt ein.
- Auf Malta wird ein Vorstandsmitglied des Jagdverbandes FKNK wegen versuchter Körperverletzung zu einer Geldstrafe verurteilt. Das Gericht sieht es auch in der Berufungsverhandlung als erwiesen an, dass der Jagdfunktionär bei einer Pressekonferenz im September 2010 einen Sprecher des Komitees wüst beschimpfte und anschließend ins Gesicht schlug. Bei dem Pressetermin ging es um den Abschuss geschützter Vögel in einem von der FKNK betreuten Wildschutzgebiet.
- Bei einer vom Komitee organisierten Suchaktion im niedersächsischen Emsland und Teilen des Münsterlandes werden drei große Anlagen für den illegalen Fang von Greifvögeln entdeckt und anschließend behördlich stillgelegt. Von der Polizei werden mehrere Strafverfahren wegen Verstoß gegen das Bundesnaturschutzgesetz eingeleitet.
Februar
Hannes Jaenicke engagiert sich gegen den Vogelmord
- Ein Falkner, der im Jahr 2010 vom Komitee beim Aufstellen von Greifvogelfallen überrascht wurde, wird vom Amtsgericht Lippstadt zur Zahlung einer Geldbuße von 2.000 Euro an eine Naturschutzstiftung verurteilt. Der Mann hatte sich vorher wortreich für das Aufstellen der Fallen und den Fang eines Bussards entschuldigt.
- Der deutsche Schauspieler und Drehbuchautor Hannes Jaenicke unterstützt unsere Aktionen gegen die Zugvogeljagd: Auf Mallorca dreht der 50jährige einen Kurzfilm, in dem die Vogeljagd im Mittelmeerraum angeprangert wird. Der Film, dessen Produktionskosten vollständig von der Stiftung Pro Artenvielfalt übernommen wurden, wird anschließend auf RTL, PRO 7 und NTV gezeigt.
- Im Kreis Düren durchsucht das Komitee nach Hinweisen aus der Bevölkerung mehrere verdächtige Jagdreviere und wird fündig. Insgesamt werden rund um Linnich 8 frisch getötete Greifvögel gefunden. Die Vögel werden von der Polizei sichergestellt und zur Untersuchung an ein Labor geschickt. Das Ergebnis ist eindeutig: Die Vögel wurden gezielt mit einem Pflanzenschutzmittel vergiftet.
März
Auf Ponza wurde während einer Komitee-Aktion auch ein Hubschrauber der Forstpolizei eingesetzt
- Drei verhaftete Vogelfänger und fast 100 beschlagnahmte Fallen. Das ist das Ergebnis des im März vom Komitee auf der kleinen italienischen Mittelmeerinsel Ponza organisierten Vogelschutzcamps. Als Touristen getarnte Komiteemitarbeiter hatten zuvor mehrere Fangstellen im Norden der Insel ausfindig gemacht und die Forstpolizei alarmiert. Mit Hilfe eines Helikopters gelingt es den Beamten, die drei Wilderer in dem unwegsamen Gelände zu verhaften.
- Giftanschläge in Baden-Württemberg: Innerhalb weniger Wochen werden bei Rheinstetten und Iffezheim mehr als 30 gezielt vergiftete Greifvögel gefunden. Komiteemitarbeiter helfen bei der Suche nach den Giftködern und bei der Bergung der Vogelkadaver. Gemeinsam mit dem NABU Baden-Württemberg und der Arbeitsgemeinschaft Wanderfalkenschutz fordert das Komitee von der Landesregierung die Ausschöpfung aller rechtlichen Mittel zur Aufklärung dieser Straftaten.
- Großbaustelle in Modena: Das Wildtierzentrum des CSA wird mit finanzieller Unterstützung des Komitees gegen den Vogelmord weiter ausgebaut. Auf einem von der Stadt Modena zur Verfügung gestellten Nachbargrundstück der bisherigen Anlage werden neue Volieren für beschlagnahmte Vögel gebaut, die Fläche des Auslauf-Geheges für Paarhufer wird fast verdoppelt und der Teich für Wasservögel vergrößert.
April
Überwachung des Vogelzugs auf Malta
- Auf Initiative des Komitees findet in Rom ein Treffen der großen Vogelschutzverbände zum Thema „Jagdfreigaben in den Regionen“ statt. Dabei wird eine gemeinsame Kampagne gegen den Abschuss von Finken und Piepern in der Lombardei und in Venezien sowie eine Umweltbeschwerde wegen des Fangs von Lockvögeln in den sog. „Roccoli“ in Norditalien vereinbart.
- Beim Komitee-Vogelschutzcamp auf Malta überwachen 12 Vogelschützer aus Deutschland, Italien und Großbritannien die Rast- und Schlafplätze bedrohter Zugvögel. Dabei werden erneut zahlreiche Abschüsse geschützter Arten dokumentiert und mehrere illegale Klappnetze für den Vogelfang an die Polizei gemeldet. Ein gemeinsamer Abschlussbericht des Komitees und von Birdlife Malta listet insgesamt 135 illegale Abschüsse oder Funde geschützter Vögel mit Schussverletzungen auf.
- Einsatz auf Zypern: Während eines fast zweiwöchigen Einsatzes kontrollieren Mitglieder des Komitees die Hochburgen des illegalen Vogelfangs auf der Mittelmeerinsel. An 85 Stellen werden dabei 3.353 Leimruten, 15 Fangnetze, 12 elektronische Lockanlagen und 6 Volieren mit geschützten Singvögeln gefunden und der Polizei gemeldet. Insgesamt können 103 in den Netzen und Fallen aufgefundene Vögel unversehrt freigelassen werden, darunter neben verschiedenen Grasmücken auch Maskenwürger, Kuckucke und Pirole.
- Sozialer Wohnungsbau für Trauerseeschwalben: In Brandenburg und Sachsen-Anhalt bringen Komiteemitarbeiter insgesamt 98 Nistinseln für die bedrohten Trauerseeschwalben aus. Standorte der künstlichen Kolonien sind die Alte Elbe zwischen Jerichow und Fischbeck, der Pritzerber See und die Kützkower Havelbucht.
Mai
In NRW dürften künftig Habichte nicht mehr für die Beizjagd ausgehorstet werde
- Der nordrhein-westfälische Umweltminister Johannes Remmel verbietet nach einer Beschwerde des Komitees gegen den Vogelmord das "Aushorsten" von jungen Habichten zum Zwecke der Beizjagd. Bisher konnten Falkner in NRW und in anderen Bundesländern junge Habichte aus Nestern entnehmen, um diese anschließend für die Jagd abzurichten. Nach Ansicht des Komitees stellt diese Praxis jedoch einen Verstoß gegen EU-Recht dar.
- Erfolg für unsere Kampagne gegen den Stromtod von Vögeln. Nachdem seit April mehr als 10.000 Vogelfreunde die deutsche Umweltministerkonferenz (UMK) mit Protestschreiben regelrecht „bombardiert“ haben, wendet sich der Vorsitzende der UMK, Sachsen-Anhalts Umweltminister Hermann Aeikens, an die verantwortlichen Netzbetreiber und mahnt eine unverzügliche Entschärfung aller betroffenen Leitungen bis Ende des Jahres 2011 an.
- Die Bundesregierung plant, wichtige Strafvorschriften im deutschen Artenschutzrecht außer Kraft setzen. Dies sieht ein unter Federführung von Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) entwickelter Entwurf eines so genannten "Strafrechtsänderungsgesetzes" vor. Das Komitee geht gegen diese drohende Bagatellisierung von Umweltstraftaten auf die Barrikaden und organisiert bundesweite Proteste.
- Beim vom Komitee mit finanzierten Vogelschutzcamp der italienischen WWF-Jagdaufseher rund um Neapel kontrollieren 20 Vogelfreunde weite Bereiche der Amalfi-Küste und der Inseln im Golf von Neapel (darunter auch Ischia). 120 Vogelfallen und 20 elektronische Lockgeräte werden beschlagnahmt, fünf Jäger können bei der illegalen Frühlingsjagd überführt werden.
Juni
Ausbringung von Nisthilfen für die bedrohte Trauerseeschwalbe an der Havel
- Das Magazin stern-tv (RTL) zeigt am 8.6. zur besten Sendezeit eine Reportage über die gefährliche Arbeit des Komitees gegen die Vogeljagd auf Zypern. Neben dem Fang geschützter Singvögel ist in dem Film zu sehen, wie ein Team des Komitees von Wilderern angegriffen und verprügelt wird. Der Beitrag setzt in Deutschland eine regelrechte Protestwelle in Gang. Auf Zypern berichten am Tag darauf alle großen Zeitungen über unsere Aktionen und den „Mafia-Angriff“ auf unsere Aktivisten.
- Unsere in der Havelniederung aufgestellten künstlichen Nistinseln für Trauerseeschwalben erfreuen sich großer Beliebtheit. Insgesamt entschließen sich 41 Paare, auf den vom Komitee gebauten und jedes Jahr aufs Neue ausgebrachten Konstruktionen zu brüten. Der Bruterfolg ist aufgrund der schlechten Witterung jedoch nur mäßig; 16 Jungvögel fliegen aus.
- Das Komitee setzt sich für den Schutz der stark gefährdeten Grauammer und anderer Offenlandarten im südlichen Rheinland ein. Gemeinsam mit Behördenvertretern und Ornithologen wird ein Schutzkonzept erarbeitet, dass unter anderem Straßenbauprojekte und die Errichtung von Windparks in der Nähe von Grauammerbruten erschweren soll.
Juli
Rohrweihenküken in einer Komitee-Horstschutzzone
- Protestaktion gegen den Vogelmord: In der Botschaft der Republik Zypern in Berlin übergeben Komitee-Geschäftsführer Alexander Heyd und Roland Tischbier von der Stiftung Pro Artenvielfalt sechs große Kartons. Inhalt: 34.432 Protestschreiben gegen den illegalen Vogelfang auf der Mittelmeerinsel. Die Vertreterin der Botschaft, Konsulin Eleni Papanicolaou, nimmt die Unterschriften entgegen und verspricht, sich für stärkere Kontrollen durch die Polizei einzusetzen.
- In der Zülpicher Börde erfassen Mitarbeiter der Komitee-Arbeitsgruppe Weihenschutz insgesamt sieben Bruten der gefährdeten Rohrweihe. Zum Schutz einer Brut in einem Getreidefeld wird vor der Ernte dort eine mehr als 500 m2 große Schutzzone rund um das Nest eingerichtet. Insgesamt fliegen in diesem Jahr mindestens 11 junge Weihen aus den vom Komitee betreuten Nestern aus.
- Sensationsurteil auf Malta: Ein Gericht in La Valletta verurteilt einen Vogel-Wilderer zu 2 Jahren Gefängnis, 9.000 Euro Geldstrafe und lebenslangem Entzug des Jagdscheins. Ein weiterer Jäger wird zu einem Jahr Gefängnis und 5.000 Euro Geldstrafe verurteilt; auch er darf nie wieder auf die Jagd gehen. Beide hatten im Mai 2011 einen auf Malta rastenden Schwarm Weißstörche unter Beschuss genommen und waren dabei von der Polizei erwischt worden.
- Konferenz auf Zypern: Unter Beteiligung des Komitees findet in Larnaca eine internationale Konferenz zum Thema illegale Vogeljagd in Europa statt. Alle Beteiligten sind sich darin einig, dass nur eine „Null-Toleranz-Strategie“ gegenüber den Wilderen helfen kann, das Problem zu lösen. In einer Abschlusserklärung fordern die Konferenzteilnehmer von den Regierungen ein umfassendes Maßnahmenpaket gegen die Wilderei in Europa.
August
Komitee-Mitarbeiter beim Abbau illegaler Ortolanfallen in Frankreich
- Wirbel um Fallenjagd in Deutschland: Bei Dreharbeiten mit einem Team des ZDF-Magazins „Zoom“ gelingt es Komiteemitarbeitern, einen Fallensteller in flagranti beim Wildern zu erwischen. Der Mann, der am Rande eines Naturschutzgebietes bei Euskirchen eine riesige Steinquetschfalle aufgestellt hatte, redet sich vor laufender Kamera um Kopf und Kragen. Gegen ihn wird ein Strafverfahren wegen Jagdwilderei eingeleitet.
- Operation Ortolan: In Südfrankreich führt das Komitee eine Aktion gegen den verbotenen Fang von Ortolanen und anderen Singvögeln durch. Gemeinsam mit einem unabhängigen Filmteam kann der Fang dieser europaweit bedrohten Art erstmals ausführlich dokumentiert werden. Insgesamt werden bei der Aktion 139 illegale Fallen zerstört und 23 bereits gefangene Ortolane freigelassen.
- Bei der Überwachung eines jagdlich intensiv genutzten Wäldchens bei Heek (Kreis Borken, NRW) sammeln Experten des Komitees Beweise für zahlreiche schwere Straftaten nach dem Naturschutz- und Jagdgesetz. Unter anderem wird der Fang mehrerer Habichte in illegalen Fallen sowie das verbotene Aussetzen gezüchteter Fasane kurz vor der Jagdsaison dokumentiert. Die Staatsanwaltschaft Münster leitet ein Ermittlungsverfahren gegen den verantwortlichen Jagdpächter ein.
- Erfolg auf Malta: Der Fang von Goldregenpfeifern, Wachteln, Drosseln und Turteltauben mit großen Klappnetzen wird auf der gesamten Insel verboten. Das Komitee und sein Partnerverband Birdlife Malta hatten sich zuvor Jahre lang für ein entsprechendes Verbot eingesetzt und immer wieder Missstände und Fälle des Fangs geschützter Arten angezeigt.
September
Rettung ion letzter Sekunde: Gartenrotschwanz auf Leimrute in Zypern
- Um das neue Vogelfangverbot zu überwachen und den Abschuss ziehender Greifvögel und Störche zu verhindern, findet vom 9. bis zum 26. September das neunte große Vogelschutzcamp des Komitees auf Malta statt. Dank des Einsatzes der insgesamt 24 Teilnehmer können erneut zahlreiche Fälle von Wilderei und Vogelfang dokumentiert, aber auch viele Abschüsse verhindert werden.
- Mit über 4.000 eingesammelten Fallen stellen die Teilnehmer des Vogelschutzcamps auf Zypern einen neuen, traurigen Rekord auf - so viele Leimruten wurden nie zuvor bei einem Einsatz auf der Mittelmeerinsel gefunden. Zudem werden 21 Fangnetze und 24 elektronische Lockanlagen abgebaut sowie fast 100 Vögel lebend aus den Fallen befreit. Ein Vogelfänger kann aufgrund unserer Hinweise von der Polizei überführt werden.
- Erfolg für unsere Kampagne gegen die drohende Bagatellisierung des deutschen Artenschutzrechtes: Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger wendet sich in einem Brief an das Komitee und erklärt, dass die Bundesregierung den entsprechenden Gesetzesentwurf nicht weiter verfolgen will. Grund: Die vom Komitee kritisierte „Entkriminalisierung“ von Umweltstraftaten.
- Das Komitee kommt ins Kino: Die amerikanische Produktionsfirma Pepper & Bones arbeitet gemeinsam mit dem Komitee an einem Kinofilm über die Vogeljagd in Europa. Innerhalb von sechs Wochen dokumentiert ein Filmteam die Aktionen des Komitees in Frankreich, Zypern und Italien. Erzähler des Films, der nächstes Jahr bei den Filmfestspielen in Toronto ins Rennen gehen soll, ist der bekannte US-Bestsellerautor Jonathan Franzen.
Oktober
Komiteemitglieder haben im Herbst eine Schießorgie auf einem italienischen Alpenpass dokumentiert und damit eine Protestwelle gegen die Singvogeljagd ausgelöst
- Am traditionellen Herbstcamp gegen den Vogelfang in der italienischen Provinz Brescia nehmen in diesem Jahr mehr als 70 deutsche und italienische Vogelfreunde teil. Während des 4wöchigen Einsatzes können insgesamt 1.718 Fallen und Netze abgebaut und 36 Wilderer von der Polizei verhaftet werden. Verglichen mit früheren Einsätzen ist damit erneut ein erheblicher Rückgang der illegalen Fallenstellerei zu verzeichnen.
- Im Laufe des Monats liefert die italienische Forstpolizei mehr als 270 Singvögel an das vom Komitee finanzierte Wildtier-Auffangzentrum in Modena ein. Die Tiere, die bei Jägern und Vogelfängern beschlagnahmt wurden, werden nach einigen Wochen Pflege wieder ausgewildert.
- Um unsere Partnerverbände GECEN, AE-Agró und GER-EA bei der Bekämpfung des illegalen Vogelfangs mit Leimruten zu unterstützen, schickt das Komitee erstmals ein Team von Experten in die in die spanische Provinz Valencia. Dabei werden zahlreiche Beweise für den massenhaften Fang geschützter Arten mit Leimruten gesammelt. Die vom Komitee alarmierte Polizei stellt mehr als 140 Leimruten sicher und überführt nach unseren Hinweisen drei Vogelfänger.
- Riesenerfolg für das Komitee und seinen Partnerverband LAC in Italien: Vor dem Verwaltungsgericht der Lombardei werden die Provinzen Brescia und Bergamo nach Beschwerden des Komitees wegen des illegalen Betriebes von mehr als 40 Vogelfanganlagen verurteilt. Die von den Provinzen betriebenen Fangstellen müssen umgehend geschlossen werden. Die Fanggenehmigung galt für Drosseln und Finken, die als Lockvögel für die Jagd verwendet werden sollten.
November
Gänsejäger an der Elbe müssen stets mit Kontrollen durch das Komitee gegen den Vogelmord rechnen
- In unserem Vogelschutzgebiet „Raisdorfer Krötenteiche“ werden umfangreiche Baumfäll- und Pflegearbeiten durchgeführt. Unter anderem soll der Uferbereich freigestellt und so ein zu hoher Nährstoffeintrag in das Gewässer verhindert werden. In weiteren Arbeitseinsätzen werden die Zuläufe zu den Teichen sowie die im Gebiet aufgehängten Nisthilfen gereinigt.
- Aktionen gegen die Gänsejagd in Deutschland: Mit einem Großaufgebot an Mitgliedern hat das Komitee vom 17. bis 20.11. die Gänsejagd an der Elbe in Sachsen-Anhalt kontrolliert. Eine Jagdgeseelschaft wurde dabei erwischt, wie sie im EU-Vogelschutzgebiet "Elbaue bei Jerichow" illegal an einem Schlafgewässer auf die arktischen Zugvögel schoss. Die Tagespresse und das MDR-Fernsehen haben über die Aktion ausführlich berichtet.
- Bei der erneuten Kontrolle von Vogelfangstellen in der norditalienischen Provinz Brescia entdeckt eine „Nachhut“ des Vogelschutzcamps 27 frisch aufgestellte Vogelfallen und 11 Netze. In Zusammenarbeit mit der Provinzpolizei werden alle Fanggeräte unschädlich gemacht und ein Wilderer in flagranti überführt.
- Prozessbeginn: Vor dem Amtsgericht Münster sind zwei Männer wegen gewerbsmäßigem Handel mit geschützten Watvögeln angeklagt. Polizisten hatten bei einer Kontrolle mehr als 200 streng geschützte Rotschenkel, Regenpfeifer und andere Limikolen beschlagnahmt. Ins Rollen gekommen waren die Ermittlungen unter anderem durch eine Anzeige des Komitees gegen den Vogelmord, das Fotos von einer Schmuggelaktion der beiden Angeklagten veröffentlichte.
Dezember
Mitarbeiter des CSA in Modena mit einem verletzten Seidenreiher
- Große Protestaktion: Das Komitee gegen den Vogelmord hat Anfang Dezember ein Video von einer Schießorgie italienischer Jäger auf dem Gebirgspass Colle San Zeno veröffentlich und zeitgleich eine Online-Protestkampagne gegen die Finken- und Pieperjagd in Norditalien gestartet. Binnen 14 Tagen haben sich mehr als 30.000 Menschen das Video angeschaut. Über 5.000 Naturfreunde haben sich bei dem neuen italienischen Umweltminister Clini per Mail für ein Verbot der Singvogeljagd ausgesprochen.
- Auf Initiative des Komitees und nach Bitten der EU-Kommission haben die italienischen Umweltverbände gemeinsam Vorschläge für ein Ende der Finken- und Piperjagd in Italien erarbeitet und nach Brüsel geschickt.
- Im letzten Quartal 2011 veröffentlichen Mitarbeiter des Komitees mehrere große Beiträge über die Arbeit des Komitees in angesehenen Fachzeitschriften. Neben Artikeln in der Zeitschrift „Der Falke“ und im „Charadrius“ – dem Magazin der Nordrhein-Westfälischen Ornithologengesellschaft – erscheint in den „Berichten zum Vogelschutz“ eine mehrseitige Ausarbeitung zum Thema „Gefährdung des Rotmilans durch Giftköder“ in Deutschland.
- Aktionen in Sardinien. Gemeinsam mit unserem Partnerband LAC sind Mitglieder des Komitees auf Sardinien unterwegs, um illegale Fallen für den Vogelfang abzubauen. Im Laufe der erstren Dezemberwoche werden insgesamt mehr als 5.000 Fangschlingen abgebaut.
- In die vom Komitee unterstützten Vogel-Auffangstationen in Modena (Italien) und Kirchwald (Rheinland Pfalz) sind in diesem Jahr wieder weit über 2.000 verletzte oder von Behörden beschlagnahmte Wildvögel eingeliefert worden. Dazu kommen über 700 Rehe, Wildscheine und Hirsche, mehr als 400 Igel und zahlreiche Landschildkröten, Bilche und andere Wildtiere. Viele Patienten können nach intensiver Pflege wieder gesund in die Freiheit entlassen werden.
Danksagung
Für ihre freundliche Unterstützung und gute Zusammenarbeit danken wir der Stiftung Pro Artenvielfalt (Bielefeld), der Karl-Kaus-Stiftung für Tier und Natur (Bremen), der Stadler Naturschutzstiftung (Wehrheim), der HIT-Naturschutzstiftung (Zülpich), der Umweltpolizei von Malta (ALE), der Antiwilderereinheit des Corpo Forestale dello Stato in Italien (NOA), der Cyprus Police Anti-Poaching Unit, der SBA-Police Cyprus, dem Game Fund Cyprus, der Stabsstelle Umweltkriminalität beim Nordrhein-Westfälischen Umweltministerium (MUNLV), der Ligue pour la protection des Oiseaux (LPO, Paris), Friends of the Earth Zypern (FoE), Terra Cypria, das MBCC, der Lega Italiana Protezione Ucelli (Gruppen Neapel und Ischia), den Jagdaufsehern des italienischen WWF, der Lega Abolizione Caccia (LAC) in Mailand, dem Centro Fauna Selvatica des CSA in Modena, der International Animal Rescue (IAR Malta), BirdLife Malta, East to West Communications (San Martin), den NABU-Landesverbänden Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Thüringen, dem Königlich-Belgischen Vogelschutzverband (LRBPO, Brüssel), den spanischen Naturschutzgruppen GECEN, AE-Agró und GER-EA (alle in Valencia ansässig), der Convention Vie et Nature (CVN, Paris), der Union for the Conservation of Raptors (UCR, Washington), dem Deutschen Tierschutzbund, der Nordrhein-Westfälischen Ornithologengesellschaft (NWO), dem Institut für Vogelforschung – Vogelwarte Helgoland (Wilhelmshaven), dem Deutschen Naturschutzring (DNR), dem Deutschen Rat für Vogelschutz (DRV), der Arbeitsgemeinschaft Wanderfalkenschutz (AGW), dem Verein Sächsischer Ornithologen (VSO), der Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen (EGE), den Wildvogelpflegestationen Kirchwald, Rösrath und Paasmühle, den Biologischen Stationen Düren, Euskirchen und Bonn, dem Projekt Froschland e.V. (Raisdorf), dem Verein Koordination Natur im Kreis Plön (knik), den Redaktionen der Zeitschriften „Vögel“ und „der Falke“, der Gemeinde Raisdorf, der Artenschutzschule der LANUV in Metelen, Herrn Prof. Carlo Consiglio, Herrn Prof. Bernd-Ulrich Meyburg und natürlich allen unseren Mitgliedern, Förderern und ehrenamtlichen Helfern.







