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Abschlussbericht der Aktion "Save Haven"

zur Bekämpfung der illegalen Jagd auf Malta

11.September bis 04. Oktober 2009

1. Einleitung

"Bird Guards" bei der Überwachung wichtiger Rastplätze"Bird Guards" bei der Überwachung wichtiger RastplätzeMit seiner zentralen Lage im Mittelmeer ist der maltesische Archipel ein wichtiger Trittstein für den Vogelzug zwischen Europa und Afrika. Neben unzähligen Singvögeln nutzen auch zahlreiche Greifvögel wie Wespenbussarde, Weihen, Adler und viele Falkenarten die etwa 315 km2 großen Inseln als Rastplatz. Für viele dieser Tiere endet die Reise hier, denn trotz jahrzehntelanger Proteste von Naturschützern ist Malta nach wie vor einer der Brennpunkte der illegalen Jagd in Europa. Mit 15.000 registrierten Jägern und Tausenden Vogelfängern ist Malta das Land mit der mit Abstand höchsten Dichte an Jägern und Fanganlagen auf dem gesamten Planeten. Gleichzeitig gibt es keine andere Region in der EU, aus der so regelmäßig Abschüsse geschützter Arten und illegaler Vogelfang gemeldet werden. Nach Schätzungen des Komitees werden auf Malta jedes Jahr mehrere Hunderttausend Zugvögel erlegt oder gefangen – ein Großteil davon illegal. Um die weit verbreitete Wilderei im Herbst zu bekämpfen und zu dokumentieren, führt das Komitee gegen den Vogelmord jedes Jahr sog. Zugvogelschutzcamps mit internationaler Beteiligung auf Malta durch. Dabei arbeiten wir eng mit der maltesischen Umweltpolizei A.L.E. (Administrative Law Enforcement) sowie mit der International Animal Rescue Malta (IAR) und Birdlife Malta zusammen. Vornehmliches Ziel dieser Aktionen ist es, Wilderei durch die ständige Präsenz von mit Videokameras und Ferngläsern ausgestatteten Beobachtern (Bird Guards) präventiv zu verhindern. Darüber hinaus werden alle von den Teilnehmern beobachteten Verstöße soweit wie möglich dokumentiert und bei den Behörden zur Anzeige gebracht. Durch die konsequente und möglichst zeitnahe Veröffentlichung beobachteter Straftaten im Internet sowie durch Pressemitteilungen und -konferenzen sollen sowohl die maltesischen Behörden als auch die Bevölkerung für das Problem der Wilderei sensibilisiert und für mehr Engagement im Vogelschutz gewonnen werden.

2. Methodik & Organisation

Geschossener WespenbussardGeschossener WespenbussardIm Herbst 2009 haben insgesamt 28 Freiwillige aus Malta, Deutschland, Italien, Großbritannien, Polen, Bulgarien, Israel, den USA und den Niederlanden vom 11.09. bis zum 04.10. an der Aktion teilgenommen. Dabei handelte es sich durchweg um erfahrene Ornithologen und Aktivisten, die von drei hauptamtlichen Komiteemitarbeitern und einer Tierärztin unterstützt wurden. Um einen möglichst großen Teil der jagdlichen Brennpunkte abzudecken, wurden Teams aus zwei Personen gebildet, die jeweils mit einem Mietwagen, Ferngläsern, Spektiven sowie Videokameras ausgestattet wurden. Jeder Gruppe wurde ein bestimmtes, maximal 15 km2 großes Untersuchungsgebiet, zugeteilt, in dem täglich Kontrollfahrten und –gänge durchführt wurden. Zielgebiete der Kontrollen waren für den Vogelzug wichtige Bereiche der Insel Malta (246 km2). Auf der Nachbarinsel Gozo waren keine Beobachter stationiert. Neben der Erfassung von Verstößen gegen die Vogelschutzbestimmungen wurden auch alle nachmittags bzw. abends ankommenden Vogelschwärme sowie die genaue Lage ihrer Schlaf- bzw. Rastplätze erfasst. Um Abschüsse der morgens von dort in Richtung Küste abfliegenden Tiere zu verhindern, wurden die Beobachterteams am nächsten Tag ab 6 Uhr an verschiedenen und meist täglich wechselnden Beobachtungspunkten im Bereich der Rastplätze sowie zwischen den Rastplätzen und der Küste postiert. Sobald ein Team Zeuge von Wilderei wurde, verständigte es mit dem Mobiltelefon sofort die Komitee-Leitstelle über Zeit, Ort und Art des Zwischenfalls. Je nach Lage wurde von dort umgehend die Leitstelle der maltesischen Umweltpolizei über die Situation informiert und ggf. um Entsendung von Beamten gebeten.

3. Ergebnisse

Geschossener TurmfalkeGeschossener TurmfalkeWährend der drei Wochen dauernden Aktion sind insgesamt 486 Fälle von illegaler Jagd von den Teams registriert worden. Diese umfassten 23 direkt beobachtete und teilweise gefilmte Abschüsse von Greifvögeln sowie 31 Fälle, in denen geschützte Arten beschossen wurden, jedoch nicht oder zumindest nicht tödlich getroffen wurden. Dazu kommen 24 Beobachtungen bzw. Funde von geschützten Vögeln mit mutmaßlichen Schussverletzungen. Weiterhin konnten fünf Fälle von illegalem Vogelfang dokumentiert werden. Bei nächtlichen Kartierungen wurden zudem die Standorte von 119 illegalen „bird callern“ erfasst, mit denen Jäger und Vogelfänger nachts Zugvögel vor ihre Netze und Flinten locken. Zwischen dem 15.09. und 30.09 wurden von den Teams insgesamt 286 Schüsse während des von der Regierung verhängten Jagdverbotes am Nachmittag registriert. Die nachfolgend einzeln gelisteten Zwischenfälle basieren auf den Beobachtungen und Aufzeichnungen aller eingesetzten Teams, den Einträgen in das Tagebuch des Einsatzes sowie auf Berichten von Zeugen, die das Komitee über Beobachtungen informierten.

3.1. Direkt beobachtete Abschüsse (19 Zwischenfälle mit mindestens 23 getöten und 4 verwundeten Tieren)

  • 11.09.2009, 15:32 Uhr, Bahrija, ca. 10 Schüsse auf einen Trupp Rohrweihen, mindestens ein Tier geht zu Boden, ein weiterer Vogel fliegt verletzt weiter
  • 14.09.2009, 8:30 Uhr, Fawwara, einem Komiteeteam gelingt es, den Abschuss eines Wespenbussardes zu filmen, der Täter entkommt unerkannt
  • 15.09.2009, morgens, Laferla Cross, Abschuss eines Bienenfressers
  • 17.09.2009, 7:50 Uhr, Delimara, ca. 6 Schüsse auf zwei tief fliegende Wespenbussarde, ein Vogel fällt zu Boden, der andere entkommt verletzt
  • 17.09.2009, 8:35 Uhr, Blue Grotto, einem Team gelingt es, den Abschuss eines kleinen Falken (vermutlich Turmfalke) aus großer Entfernung zu filmen
  • 19.09.2009, 7:00 Uhr, Ghar Lapsi, Abschuss eines Wespenbussardes, eine Suche nach den Tätern und dem toten Vogel verläuft erfolglos
  • 19.09.2009, 8:02 Uhr, Dar tal-Providenza, Abschuss eines Wespenbussardes
  • 19.09.2009, 16:00 Uhr, Victoria Lines, Bingemma, ein Dutzend Schüsse auf einen Schwarm Wespenbussarde, 2 Vögel werden tödlich getroffen, mindestens ein Tier fliegt verletzt weiter. Ein Abschuss wird vom Komitee auf Video festgehalten
  • 20.09.2009, 8:20 Uhr, Bahrija, vor den Augen eines Komiteeteams schießen Jäger innerhalb von wenigen Minuten 2 Fischadler ab. Eine großangelegte Nachsuche, an der sich 10 Vogelschützer und 4 Polizisten beteiligen, verläuft ergebnislos
  • 23.09.2009, 7:15 Uhr, Küste bei Bahrija, ein Trupp von 5 Rohrweihen gerät unter Beschuss, ein Tier fällt zu Boden, eine weitere Weihe fliegt erkennbar verletzt weiter
  • 24.09.2009, 7:55 Uhr, Laferla Cross/Girgenti, Abschuss eines Baumfalken
  • 24.09.2009, 7:55 Uhr, Laferla Cross/Girgenti, Abschuss eines kleineren Falken, eine wenig später eingeleitete Suchaktion der Polizei blieb ergebnislos
  • 24.09.2009, 18:45 Uhr, Delimara, 8 Schüsse auf eine Gruppe vom Meer ankommender Rohrweihen, mindestens ein Tier wird dabei getötet und geht zu Boden
  • 24.09.2009, vormittags, Azur Window (Gozo), eine Touristengruppe beobachtet den Abschuss eines Reihers und informiert später das Komitee
  • 24.09.2009, vormittags, Mellieha, ein Landwirt berichtet dem dort stationiertem Komiteeteam vom Abschuss eines Turmfalken durch einen Jäger
  • 26.09.2009, 8:05 Uhr, Bahrija, Abschuss einer Rohrweihe
  • 29.09.2009, 7:10 Uhr, Bahrija Küste, 4 Schüsse auf eine Rohrweihe, ein direkter Treffer
  • 29.09.2009, morgens, Bahrija, ein Jäger berichtet einem Komiteeteam in einem Gespräch, das kurz zuvor ein Wilderer eine Rohrweihe abgeschossen habe, eine Nachsuche bleibt ergebnislos
  • 03.10.2009, abends, Bingemma, 2 Personen geben ca. 30 Schüsse auf einen großen Schwarm Rauch- und Uferschwalben ab, mindestens drei Tiere werden getroffen

3.2. Direkt beobachtete An- und Beschüsse von geschützten Arten (27 Zwischenfälle)

  • 11.09.2009, abends, Mgarr, Schüsse auf Singvögel, vermutlich Spatzen
  • 12.09.2009, abends, Girgenti, Beschuss einer zum Schlafplatz einfliegenden Rohrweihe, Vogel schmiert ab, fliegt dann aber weiter
  • 14.09.2009, 7:50 Uhr, Ghar Lapsi, 2 Schüsse auf zwei hoch Richtung Meer ziehende Wespenbussarde
  • 14.09.2009, vormittags, zw. Ghar Lapsi und Fawwara, mehrere Schüsse auf Bienenfresser
  • 14.09.2009, nachmittags, Ghar Lapsi, Fund einer Handschwinge eines Wespenbussardes mit deutlichen Zeichen von Schrotbeschuss
  • 17.09.2009, zwischen 17:45 und 19:15 Uhr, Gnejna Bay, 1 Jäger schießt aus seinem Fahrzeug heraus auf Singvögel
  • 18.09.2009, gegen 18:00 Uhr, Il Qaws, drei Schüsse auf einen Trupp von 5 Wespenbussarden, kein Vogel wird getroffen
  • 19.09.2009, 7:10 Uhr, Ta´ Zuta Chapel, 1 Wespenbussard wird angeschossen und entkommt verletzt
  • 19.09.2009, 7:25 Uhr, Ta´ Zuta Chapel, 1 Schuss auf eine weibliche Wiesen- oder Steppenweihe, das Tier fliegt weiter
  • 19.09.2009, 7:30 Uhr, Ghar Lapsi, 2 Schüsse (davon ein Treffer) auf einen Wespenbussard, der Vogel entkommt verletzt
  • 19.09.2009, 7:37 Uhr, Fawwara, Beschuss eines Wespenbussardes durch mindestens zwei Jäger, das verletzte Tier fliegt weiter
  • 19.09.2009, 7:55 Uhr, Laferla Cross, 1 Wespenbussard wird aus einer Baumgruppe heraus unter Beschuss genommen, schmiert deutlich ab, fliegt danach aber weiter Richtung Küste
  • 19.09.2009, 8:25 Uhr, Ghar Lapsi, 2 Schüsse auf tief fliegende Bienenfresser, ob ein Vogel getroffen wurde, ist nicht erkennbar
  • 23.09.2009, nachmittags, Laferla Cross, mehrere Schüsse auf einen Schwarm Bienenfresser, vermutlich zwei Tiere abgeschossen
  • 23.09.2009, 19.45 Uhr, Küste bei Bahrija, ein zur Überwachung eines rastenden Trupps von 120 Rohrweihen eingeteiltes Team registriert 9 Schüsse aus dem unmittelbaren Bereich des Schlafplatzes in einem Röhrichtbestand
  • 24.09.2009, 19:00 Uhr, Gudga, 5 Schüsse auf überfliegende Nachtreiher
  • 24.09.2009, abends, Siggiewi, ein maltesischer Vogelbeobachter informiert das Komitee über einen Schlafplatz von ca. 10 Nachtreihern, an dem in der Dämmerung mehrere Schrotsalven abgegeben worden sind. Am nächsten Morgen sind die Vögel verschwunden
  • 25.09.2009, 7:25 Uhr, Dwejra Lines, ein Jäger schießt auf eine Rohrweihe, die verletzt entkommt. Als der Täter das in der Nähe stationierte Komiteeteam entdeckt, geht er schimpfend auf die Gruppe zu und gibt einen Warnschuss über ihre Köpfe hinweg ab
  • 26.09.2009, nachmittags, Ghajn Tuffieha, 4 Schüsse auf Spatzen
  • 29.09.2009, 8:20 Uhr, Bahrija, ein Jäger versucht eine dicht über ihm fliegende Rohrweihe zu schießen, hat aber seine Waffe nicht geladen. Als der Vogel in einem Baum in der Nähe landet, bewegt der Mann sich mit nachgeladener Waffe darauf zu, wird aber durch ein in der Nähe postiertes Komiteeteam vertrieben
  • 30.09.2009, 15:30 Uhr, westliche Victoria Lines, 2 hoch fliegende Wespenbussarde werden mit 2 Schüssen belegt, können aber unverletzt entkommen
  • 30.09.2009, 15:35 Uhr, westliche Victoria Lines, auf die beiden vor 5 Minuten bereits beschossenen Wespenbussarde werden von einer anderen Stelle aus noch einmal drei Schüsse abgegeben. Da die Vögel sehr hoch fliegen, passiert ihnen nichts
  • 01.10.2009, 8:45 Uhr, Bahrija, 1 Schuss auf überfliegenden Wespenbussard, kein Treffer
  • 01.10.2009, 8:50 Uhr, Bahrija, 1 Schuss auf Wespenbussard, Vogel unverletzt
  • 01.10.2009, 15:30 Uhr, Mgarr, 2 erfolglose Schüsse auf einen hoch überfliegenden Wespenbussard
  • 01.10.2009, 15:55 Uhr, Mgarr, 1 Schuss auf Wespenbussard, der jedoch unverletzt weiterfliegt
  • 01.10.2009, zwischen 16:10 und 16:25 Uhr, Mgarr, mehrere Dutzend Schüsse auf einen Schwarm Rauchschwalben, mindestens 2 Tiere gehen zu Boden

3.3. Beobachtungen und Funde von geschützten Vögeln mit Schussverletzungen (18 Zwischenfälle, 24 betroffene Individuen)

  • 10.09.2009, Bahrija, Fund einer lebenden, diesjährigen Rohrweihe mit Schussverletzungen
  • 12.09.2009, 16:05 Uhr, Dwejra Lines, Wanderfalke mit Lücken im Großgefieder
  • 12.09.2009, nachmittags, Laferla Cross, zwei Bienenfresser mit jeweils mehreren fehlenden Flügelfedern
  • 14.09.2009, später Nachmittag, Buskett Gardens, ein Wespenbussard mit einseitig fehlenden Handschwingen
  • 15.09.2009, 19:10 Uhr, nördlich Dingli, Turmfalke mit deutlich herunterhängendem Bein
  • 16.09.2009, 17:41 Uhr südlich von Mgarr, Baumfalke mit deutlicher Gefiederlücke im Flügel
  • 20.09.2009, 8:15 Uhr, Bahrija Küste, ein tief fliegender Fischadler mit Schäden im Großgefieder, der Vogel wird später erneut beschossen (siehe Abschnitt 3.1.)
  • 20.09.2009, 8:50 Uhr, Bahrija, Fund eines frisch geschossenen, diesjährigen Turmfalkens, ein Röntgenbild zeigt 5 Schrotpellets im Körper des Tieres.
  • 20.09.2009, 9:10 Uhr, Bahrija Küste, bei der Suche nach einem der an diesem Morgen abgeschossenen Fischadler entdeckt ein Team zahlreiche Brust- und Schwungfedern eines Wespenbussardes, die Spuren von Schrotbeschuss aufweisen.
  • 23.09.2009, 9:30 Uhr, Xemxija, ein Turmfalke mit starken Gefiederschäden fliegt Richtung Südwesten
  • 24.09.2009, zwischen 7:00 und 9:00 Uhr, Küste bei Bahrija, Beobachtung von insgesamt 3 Wespenbussarden und einem Turmfalken mit deutlichen Schäden im Großgefieder sowie einer Rohrweihe mit verletztem und herunterhängendem Bein
  • 24.09.2009, abends, Buskett, Beobachtung einer Rohrweihe mit starken Lücken in den Handschwingen
  • 24.09.2009, gegen 16:00 Uhr, Bahrija Küste, Fund eines frischtoten Pirolweibchens mit Schussverletzungen.
  • 25.09.2009, zwischen 7:30 und 8:00 Uhr, Fawwara, ein Team beobachtet und filmt 2 vom Schlafplatz abfliegende Wespenbussarde mit stark beschädigten Flügelfedern.
  • 26.09.2009, gegen 9:00 Uhr, Manikata Küste, ein Komiteeteam entdeckt und birgt eine am Flügel verletzte diesjährige Rohrweihe unterhalb der Küstenklippen, der Vogel wird der Umweltpolizei A.L.E. übergeben.
  • 26.09.2009, Einlieferung eines verletzten Turmfalken (diesjährig) in die Auffangstation der IAR in Hamrum, der Vogel wurde am Vorabend von Zeugen im Bereich von Dingli gefunden
  • 29.09.2009, 8:25 und 8:45 Uhr, Bahrija, Beobachtung von zwei Rohrweihen mit völlig zerschossenem Gefieder
  • 01.10.2009, gegen 16:00 Uhr, westliche Victoria Lines, an einem Beobachtungspunkt des Komitees liegt ein frisch toter Turmfalke, der offenbar als „Warnung“ dort abgelegt wurde. Eine Röntgenaufnahme zeigt, dass das Tier zahlreiche Schrotpellets im Körper hat.

3.4. Der „Vogelfriedhof von Mizieb

Am 20. und 21.9. entdeckten Mitarbeiter des Komitees und von Birdlife Malta in einem Jagdgebiet der maltesischen Jägervereinigung FKNK mehr als 200 unter Steinen und Müll versteckte tote Greifvögel, Reiher, Pirole, Bienenfresser und Ziegenmelker. Über die Entdeckung dieses „Zugvogelfriedhofs“ hat das Komitee gemeinsam mit Birdlife Malta ein ausführliches Dossier für die Europäische Kommission erstellt, das kostenlos in unserer Geschäftsstelle angefordert werden kann. Eine Übersicht über die Funde finden Sie hier.

3.5. Illegaler Vogelfang

Obwohl die Bekämpfung des illegalen Vogelfangs im September nicht Hauptaufgabe der Teams war, wurden bei den täglichen Kontrollen auch mehrere illegale Fangplätze bzw. Vogelfallen entdeckt.

Der Fang von Limikolen - hier Mornell-Regenpfeifer - wird immer beliebter auf MaltaDer Fang von Limikolen - hier Mornell-Regenpfeifer - wird immer beliebter auf MaltaAm 12.09. entdeckten Komiteemitarbeiter bei Bahrija einen illegalen Netz-Fangplatz, der die Größe eines Tennisplatzes hatte. Aus einem Lautsprecher an der Fanghütte wurden die Rufe eines geschützten Rotschenkels abgespielt. Davor lagen vier gespannte, etwa 25 Meter lange und 3 Meter breite Klappnetze. Als der Fänger die Vogelschützer bemerkte, lief er auf sie zu, beschimpfte sie und spuckte einem Bird Guard vor laufender Videokamera ins Gesicht. Die zu Hilfe gerufene Polizei verhaftete den Spucker, durchsuchte den Fangplatz und beschlagnahmte 29 geschützte Limikolen, darunter Sichelstrandläufer, Bruchwasserläufer und Zwergstrandläufer. Später wurde bekannt, dass gegen den Mann bereits ermittelt wurde, weil die Polizei an seinem Fangplatz bereits im August 2009 fast 50 geschützte Watvögel beschlagnahmt hatte. Doch obwohl der Mann bereits zweimal erwischt worden war, fing er dreist weiter: Am 19.9.2009, gegen 5 Uhr morgens, war die Fanghütte wieder besetzt, davor lagen gespannte Netze und im Hintergrund sang der elektronische Rotschenkel. Mit einer Nachtsichtkamera gelang es, auch diesen Fall zu dokumentieren.

Unüberhörbar war ein über mehrere Kilometer wahrnehmbarer illegaler „bird caller“, mit dem ein Fänger in der Nacht zwischen dem 16. und 17.09 unweit von Fiddien die Rufe von Rotschenkeln und Enten abspielte. Eine Nachtstreife der Bird Guards folgte den Rufen bis zu einer hohen Mauer und alarmierte die Polizei. Bei einer Kontrolle am nächsten Morgen entdeckten die Beamten hinter der Mauer einen Fangplatz mit einem frisch angelegten kleinen Teich in der Mitte. Gegen den Besitzer wurden Ermittlungen eingeleitet.

Am 20.09. entdeckte ein Team des Komitees bei Bahrija einen Fangplatz, an dem gegen 7 Uhr morgens ebenfalls ein elektronischer Rotschenkel sang. Als die Vogelschützer näher kamen, beobachten sie durch ihre Ferngläser, wie drei Männer aus der Fanghütte liefen und eilig damit begannen, die Klappnetze sowie Plastikattrappen geschützter Arten abzubauen. Eine spätere Kontrolle der Polizei an diesem Fangplatz blieb leider ergebnislos.
Einen indirekten Hinweis auf den Fang geschützter Mornellregenpfeifer liefert ein Foto von Plastikattrappen dieser Art, die ein Vogelfänger in der Nähe des Freeport ganz offen in seiner Fanghütte aufbewahrt (Abb. 7). Vor der Hütte befindet sich ein frisch angelegter Teich und eine Vorrichtung zum Spannen von Fangnetzen.
Einen weiteren Hinweis auf illegalen Fang bzw. Haltung geschützter Limikolen stellt der Inhalt einer Kiste mit der Aufschrift „live animals“ (lebende Tiere) dar, die ein Team am 13.September in der Nähe eines Fangplatzes auf dem östlichen Marfa-Ridge fand. Darin befand sich ein toter Triel mit einem grünen Plastikring Dieses Tier diente vermutlich als Lockvogel für den Fang von Artgenossen.
Am 24.09. entdeckte ein Team bei einer Suche im Wald östlich von Marfa eine ca. 2 x 2 Meter große illegale Käfigfalle (Abb. 8) mit mehr als 10 Falltüren und ca. einem Dutzend frisch gefangener Turteltauben. Der Standort der Falle wurde der Polizei mitgeteilt, die gegen den Besitzer des Grundstückes ein Verfahren einleitete.

3.6. Einsatz elektronischer Lockgeräte

Elektronische Lockanlagen werden - trotz eindeuteigen Verbots - immer noch oft auf Malta eingesetztElektronische Lockanlagen werden - trotz eindeuteigen Verbots - immer noch oft auf Malta eingesetztObwohl der Einsatz elektronischer Lockanlagen ("bird caller") auf Malta verboten ist, wurden bei drei Nachteinsätzen die Standorte von 119 fest installierten elektronischen Klangattrappen kartiert, mit denen Jäger nachts ziehende Wachteln vor ihre Flinten locken.

Da die insgesamt von uns überprüfte Fläche nur einen kleinen Teil (etwa 15%) der für die Jagd auf Wachteln geeigneten Inselfläche ausmacht, gehen wir von einer Gesamtzahl von deutlich mehr als 500 illegal installierten Geräten aus.


3.7. Jagdverbot am Nachmittag

Um die illegale Jagd auf abends ankommende Greifvögel einzudämmen, hat die maltesische Regierung seit 2007 vom 15.-30. September) ein Jagdverbot nach 15 Uhr eingeführt. Zusätzlich gilt an allen Sonn- und Feiertagen ein Jagdverbot ab 13 Uhr. Trotzdem wurden von unseren Teams 286 Schüsse während dieser Zeiten registriert. Da die Erfahrung zeigt, dass nachmittags nur sehr wenige Turteltauben oder Wachteln zu sehen sind und diese beiden Arten vormittags legal bejagt werden dürfen, ist zu vermuten, dass diese Schüsse größtenteils auf geschützte Arten abgegeben wurden. Die genauen Orte und Zeiten können unserem Online-Tagebuch (www.komitee.de) entnommen werden.

4. Bewertung und Forderungen

Die in diesem Bericht präsentierten Beobachtungen sind wie immer nur die Spitze des Eisberges. Da unsere Mitarbeiter maximal 5% der bejagten Fläche Maltas gleichzeitig einsehen konnten und nicht ununterbrochen im Gelände waren, kann man von einem Vielfachen an illegalen Abschüssen und anderen Verstößen ausgehen. Zusammengefasst lässt sich sagen, dass sich in Sachen Vogelschutz auf Malta leider nicht viel verbessert hat. Trotz EU-Beitritt und der Präsenz zahlreicher Beobachter sind illegaler Vogelfang und der Abschuss geschützter Greifvögel nach wie vor weit verbreitet und stellen ein Problem von internationaler Dimension für den Erhalt vieler Arten dar. Der maltesische Jagdverband FKNK hat offensichtlich keinerlei Einfluss auf den harten Kern der Wilderer, die fast ausnahmslos Mitglieder der FKNK oder kleinerer Jägervereinigungen sind. Anstatt endlich bei der Bekämpfung der Wilderei mit zu helfen, werden Berichte über illegale Jagd regelmäßig in Frage gestellt oder als Übertreibungen bezeichnet. Im Falle des Fundes von mehr als 200 toten Vögeln bei Mizieb (siehe Abschnitt 3.4.) wurde von Funktionären der FKNK sogar öffentlich der Verdacht geäußert, es handele sich dabei um eine von langer Hand vorbereitete Verschwörung gegen die maltesische Jägerschaft. Obwohl die große Mehrheit der Bevölkerung die illegale Jagd ablehnt, besteht zur Zeit offenbar keinerlei politischer Wille, die weiterhin massiven Verstöße gegen das Gesetz und die Europäische Vogelschutzrichtlinie effektiv zu bekämpfen. Zwar hat das von der Regierung verhängte Jagdverbot am Nachmittag zu einer deutlichen Reduzierung der Abschüsse nach 15 Uhr beigetragen, für viele Greifvögel ist dies jedoch nur eine Galgenfrist von einer Nacht, da sie spätestens beim Abflug am nächsten Morgen unter Beschuss geraten. Dies gilt insbesondere für besonders seltene Vögel wie Adler, große Falken und Schwarzstörche, deren Chancen, Malta lebend zu verlassen weiterhin extrem gering sind. Vor diesem Hintergrund beschreibt der Name der Operation ´Safe Haven´ natürlich eher eine Hoffnung als die Realität. Solange kein wirklicher politischer Wille besteht, die Wilderei effektiv zu bekämpfen, ist Malta alles andere als ein sicherer Hafen für unsere Zugvögel

Forderung 1: Verstärkung der Polizei

Um die über Malta ziehenden Vögel effektiver zu schützen, sind nach Ansicht des Komitees vor allem zusätzliche Polizeikräfte sowie eine bessere Ausrüstung der A.L.E. von entscheidender Bedeutung. Wie in den vergangenen Jahren besteht die Arbeit der Polizei hauptsächlich darin, auf Meldungen von Vogelschützern und aus der Bevölkerung zu reagieren. Dies führt insbesondere an Tagen mit starkem Zuggeschehen regelmäßig zu einer völligen Überlastung der wenigen verfügbaren Kräfte. Um die Wilderei endlich effektiv einzudämmen, muss das Risiko für die Wilderer, erwischt zu werden, deutlich erhöht werden. Dies kann nur funktionieren, wenn die dafür zur Verfügung stehenden Polizeikräfte vervielfacht und endlich mit den entsprechenden Kompetenzen sowie geeigneter Ausrüstung ausgestattet werden. Parallel dazu sollten verstärkt präventive Maßnahmen wie regelmäßige Präsenz an wichtigen Rastplätzen sowie systematische Kontrollen von Jägern und ihren Fahrzeugen durchgeführt werden.

Forderung 2: Wilderer härter bestrafen

Vögel können auf Malta nur dann sinnvoll geschützt werden, wenn überführte Wilderer auch angemessen bestraft werden. Leider bewegen sich die von maltesischen Gerichten wegen Verstößen gegen das Jagdgesetz verhängten Strafen sehr oft im untersten Bereich der gesetzlich möglichen Skala. So wurde am 6. Oktober 2009 ein Mann aus Bahrija wegen Tierquälerei und illegalen Besitz von 75 streng geschützten Watvögeln zu einer Geldbuße von lediglich 600 Euro verurteilt, was umgerechnet 8 Euro pro Vogel entspricht. Der Angeklagte geriet ins Visier der Behörden, weil ein Team des Komitees am 16. September 2008 seine in einem Gewächshaus versteckte Vogelsammlung entdeckt hatte. Ein weiteres Beispiel ist der Fall eines Vogelfängers, den unsere Bird-Guards im Mai 2008 in der Nähe der Ortschaft Zurrieq in flagranti beim illegalen Fang von Ortolanen und Rotkehpiepern erwischt hatten. Der Vogelfänger wurde am 18. Februar 2009 zu einer Geldstrafe von lächerlichen 466 Euro verurteilt. Nach Ansicht des Komitees stellen derart niedrige Geldbußen eher eine Gebühr für den illegalen Fang als eine wirklich harte Strafe dar. Die Folgen solcher Urteile für den Vogelschutz sind verheerend und außerdem ein Schlag ins Gesicht der Umweltpolizei, die im Rahmen ihrer begrenzten Mitteln eine hervorragende Arbeit leistet. Um überführte Wilderer und ihre „Kollegen“ endlich nachhaltig zu beeindrucken, fordert das Komitee von der maltesischen Regierung eine deutliche Erhöhung der Mindeststrafen sowie einen permanenten Entzug der Jagd- bzw. Fangerlaubnis für überführte Täter.

Forderung 3: Einrichtung von jagdfreien Vogelschutzgebieten

Eine weitere wichtige und längst überfällige Maßnahme ist die Einrichtung von großflächigen, jagdfreien Ruhezonen im Bereich wichtiger Vogel-Rastplätze auf Malta und Gozo. Diese sollten gemäß den Bestimmungen der Vogelschutzrichtlinie als „Europäische Vogelschutzgebiete“ (SPA) ausgewiesen werden. Malta erhielt bereits im Juni 2007 eine erste schriftliche Mahnung von der Europäischen Kommission, weil es seinen Verpflichtungen aus der Vogelschutzrichtlinie nicht nachkommt, genügend besondere Schutzgebiete für Vögel auszuweisen. Angesichts des Fundes von mehr als 200 toten geschützten Vögeln im FKNK-Jagdgebiet bei Mizieb hat das Komitee seine Forderung an Premierminister Lawrence Gonzi erneuert, das Waldgebiet bei Mizieb zum Europäischen Vogelschutzgebiet zu erklären. Mizieb ist nach den Daten des Komitees einer der wichtigsten Greifvogelrastplätze auf Malta und hätte längst als SPA gemäß den Bestimmungen der Vogelschutzrichtlinie ausgewiesen werden sollen.

Bonn, Oktober 2009
Dipl.-Biol. Axel Hirschfeld
Komitee gegen den Vogelmord e.V., Auf dem Dransdorfer Berg 98,53121 Bonn
axel.hirschfeld @ komitee.de
www.komitee.de

Malta-Abschlussbericht zum download

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