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Abschlussbericht zum Vogelschutzcamp im Herbst 2011 auf Malta
Operation „Safe Voyage“ : 9.–24. September 2011

Hintergrund

Geschossener Bienenfresser, Dwejra Lines, Herbst 2011Geschossener Bienenfresser, Dwejra Lines, Herbst 2011Zum Schutz der europäischen Zugvogelwelt organisiert das Komitee gegen den Vogelmord seit mehr als 20 Jahren so genannte „Vogelschutzcamps“ in den Zentren der Wilderei im Mittelmeerraum. Ein wichtiges Einsatzgebiet ist die zwischen Sizilien und der tunesischen Küste liegende Insel Malta, wo Wilderer jedes Jahr viele Tausend geschützte Zugvögel abschießen oder fangen. Insgesamt besitzen auf dem nur 360 Quadratkilometer großen Archipel rund 15.000 Jäger eine Jagdlizenz. Malta hat damit die höchste Dichte an Jägern weltweit.

Während der mehr als viermonatigen Jagdsaison im Herbst und Winter nutzen viele Schützen die Gelegenheit, im Rahmen der legalen Jagd auf Wachteln und Turteltauben auch geschützte Zugvogelarten ins Visier zu nehmen. Betroffen von den illegalen Nachstellungen sind vor allem Reiher, Störche Wespenbussarde, Weihen, Adler und andere seltene Großvögel, die als ausgestopfte Trophäen sehr begehrt sind. Ein Teil der geschossenen Wespenbussarde, insbesondere die im Herbst zurückziehenden Jungvögel, landet zusätzlich als „Delikatesse“ im Kochtopf. Neben dem Abschuss von Greif- und anderen Großvögeln ist der illegale Fang von Finken und Limikolen mit großen Schlagnetzen weit verbreitet.

Da viele der von der illegalen Jagd auf Malta betroffenen Arten in ihren „Heimatländern“ stark bedroht sind, stellt die Wilderei auf Malta ein internationales Artenschutzproblem dar. Trotz zahlreicher Proteste von Vogelschützern und Regierungen anderer EU-Mitgliedsstaaten ist es den für den Schutz der Zugvögel zuständigen Behörden auf Malta bisher nicht gelungen, dieses Problem effektiv einzudämmen.

Vogelschutzcamp 2011

24 "Bird Guards" waren im Herbst 2011 auf Malta im Einsatz24 "Bird Guards" waren im Herbst 2011 auf Malta im EinsatzDie diesjährige Herbstaktion fand vom 9. bis zum 24. September statt. Vorrangiges Ziel war es, illegale Abschüsse von Greifvögeln durch die Präsenz unserer Mitarbeiter an wichtigen Rastplätzen und Zugkorridoren zu verhindern. Neben diesem präventiven Effekt war es Aufgabe der Teams, Beweise für Wilderei zu sammeln und illegale Abschüsse und Fangstellen an die Behörden zu melden. Neben dem direkten Filmen von Ab- und Beschüssen geschützter Vogelarten gehörte dazu auch das Erfassen von Vögeln mit Schussverletzungen wie z.B. herunter hängende Beine oder durch Schrotbeschuss fehlende bzw. zerfetzte Hand- und Armschwingen.

Insgesamt nahmen 24 Freiwillige aus Deutschland, Italien, Großbritannien, Malta und Bulgarien am Vogelschutzcamp 2011 teil. Die Aktion wurde wie immer in enger Abstimmung und Zusammenarbeit mit der Maltesischen Umweltpolizei ALE und mit Birdlife Malta durchgeführt. Weitere Informationen zur Situation auf Malta und der Arbeitsweise unserer „Bird Guards“ können den Abschlussberichten der Camps aus den Jahren 2007 bis 2010 entnommen werden (Download über unsere Homepage www.komitee.de).

Jagdzeiten und Schutzvorschriften im September 2011

Wie in den Vorjahren war die Jagd auf Malta auch im Herbst 2011 zum Schutz der eintreffenden Greifvögel an den Nachmittagen eingeschränkt.Wie in den Vorjahren war die Jagd auf Malta auch im Herbst 2011 zum Schutz der eintreffenden Greifvögel an den Nachmittagen eingeschränkt.Die Jagdsaison für legal jagdbare Vogelarten, im September sind dies vor allem Turteltauben und Wachteln, dauert vom 1. September bis zum 31. Januar.
Zusätzlich zu dem im maltesischen Jagdgesetz festgeschriebenen Verbot, an Sonn- und Feiertagen nach 13:00 Uhr zu jagen, hat die maltesische Regierung in der zweiten Septemberhälfte die Jagd nach 15:00 Uhr komplett verboten. Diese auch in den Vorjahren beschlossene Einschränkung der Jagd dient laut dem Gesetzgeber dazu, die nachmittags auf Malta ankommenden Greifvögel vor illegalen Abschüssen zu bewahren. Während des Einsatzzeitraumes wurden deshalb von den Teams sämtliche nach 15 Uhr registrierten Schüsse gezählt. Schüsse, die in der Nähe von Tontauben-Schießanlagen gehört wurden, flossen nicht in die Auswertung mit ein.

Weiterhin wurde das bereits vor drei Jahren umgesetzte Verbot des Fangs von Finken mit Klappnetzen in diesem Jahr auch auf die Arten Goldregenpfeifer, Turteltaube, Wachtel und Singdrossel erweitert. Damit ist der Vogelfang auf Malta erstmals offiziell auf dem gesamten Archipel verboten worden. Hintergrund für das Verbot in diesem Herbst ist ein Warnschreiben der EU-Kommission, in dem der bisher weitgehend unkontrollierte und unlimitierte Einsatz der Schlagnetze angemahnt wurde.

Zusätzliche Vorschriften, deren Einhaltung von den Teams überwacht wurde, waren das Verbot der Jagd mit Waffen, mit denen mehr als 3 Schüsse hintereinander abgefeuert werden können sowie das Verbot der Verwendung elektronische Lockvögel.

Ergebnisse

Vogelzug während des Camps

Aufgrund der während des Einsatzzeitraumes über Malta vorherrschenden Hochdrucklagen verbunden mit teilweise sehr schlechtem Wetter in Süd- und Mittelitalien, wurden im Vergleich zu den Einsätzen im Herbst 2009 und 2010 deutlich weniger „starke Zugtage“ und in der Summe auch weniger durchziehende bzw. rastende Greifvögel registriert. Trotzdem fand zeitweise, insbesondere am 15.9., 17.9, 18.9, 23.9. und am 24.9. starker Durchzug statt.

Neben den fast immer in größeren Anzahlen durchziehenden Rohrweihen und Wespenbussarden konnten regelmäßig Wiesenweihen, Turmfalken, Rötelfalken, Baumfalken, Schwarzmilane sowie einige Schreiadler (z.B. 6 Ex. am 15.9. nachmittags in Girgenti, 1 Ex. am 18.9. nachmittags über den Dwejra Lines), Schlangenadler (z.B. 2 Ex. am 23.9. abends in Tal-Virtu), Fischadler (z.B. 1 Ex. am 23.9. abends in Buskett, mind. 1 Ex. am 24.9. nachmittags bei Bahrija), Eleonorenfalken (z.B. 2 Ex. am 9.9. nachmittags Dwejra Lines, 1 Ex. am 15.9. nachmittags in Buskett) und ein Falkenbussard (1 Ex. am 15.9 gegen 16:00 Uhr in Has-Saptan) beobachtet werden. Unter den Nicht-Greifvögeln sind die Beobachtungen von mehreren Schwarzstörchen (z.B. 2 Ex. am 16.9. abends an der Küste bei Mtahleb), Nachtreihern, Purpurreihern (z.B. 2 Ex. am 22.9. morgens bei Ghar Lapsi), Mornellregenpfeifern (am. 12.9. nachts mind. 1 Ex. rufend auf Gozo) und einer Ringdrossel (am 15.9. oberhalb des Girgenti-Tales) erwähnenswert. Regelmäßig beobachtet werden konnten zudem durchziehende Schwalben, Segler, Bienenfresser, Pirole, Ziegenmelker (z.B. am 16.10. ein sich nachts auf der Straße aufwärmendes Ex. bei Bingemma), Braunkehlchen, Steinschmätzer, Kurzzehenlerchen, Grauschnäpper, Neuntöter, Gartenrotschwänze, Graureiher, Seidenreiher, Wachteln und Turteltauben.

Illegale Jagd und Vogelfang

Ein großer Teil der von den Teams gemachten Beobachtungen wurde während des Camps bereits in einem Online-Tagebuch auf unserer Homepage veröffentlicht. Einige Zwischenfälle wurden dort aus taktischen Gründen allerdings nicht erwähnt oder sind erst später bekannt geworden. Die folgenden Tabellen 1 bis 3 enthalten eine vollständige Auflistung aller von den Teams registrierten Ab- und Beschüsse sowie Funde und Beobachtungen geschützter Vögel mit Schussverletzungen

Umfangreiche Tabellen mit allen beobachteten Zwischenfällen finden Sie in der pdf-Version dieses Abschlussberichtes - Sie können ihn am Ende dieser Seite herunterladen.

Zusammenfassung der Daten

Turmfalke mit durch Schrotbeschuss verletztem GefiederTurmfalke mit durch Schrotbeschuss verletztem GefiederInsgesamt wurden von unseren Beobachtergruppen an 14 Beobachtungstagen 221 verschiedene Verletzungen von Jagd- und Vogelschutzbestimmungen beobachtet.
Darunter sind 48 Fälle von Ab- oder Beschuss geschützter Arten, an denen mindestens 61 verschiedene Personen beteiligt waren, sowie 41 tot gefundene oder mit Schussverletzungen beobachtete geschützte Vögel. Betroffen waren mit Nachtreiher, Seidenreiher, Wespenbussard, Rohrweihe, Wiesenweihe, Turmfalke, Baumfalke, Schreiadler, Bienenfresser, Pirol, Rauchschwalbe, Fahlsegler, einer unbestimmten Finkenart und Samtkopfgrasmücke mindestens 14 verschiedene Zugvogelarten.

Weiterhin wurden während der frühen Morgenstunden und in der Nacht an 20 Standorten elektronische Lockgeräte für Wachteln (18 Stück) oder geschützte Limikolen (2 Stück) festgestellt. Die durch die Vogelschutzrichtlinie und das maltesische Jagdgesetz verbotene Verwendung von Waffen, aus denen mehr als 3 Schuss in Serie abgefeuert werden können, konnte insgesamt 9 Mal dokumentiert werden. Während der Überwachung des nachmittäglichen Jagdverbotes wurden insgesamt 96 Schüsse von den Teams registriert. In einem Fall wurde die illegale Verwendung von Attrappen geschützter Brachvögel für die Jagd gefilmt und in zwei Fällen festgestellt, dass Personen ohne die dafür notwendige Erlaubnis auf der Jagd waren.

Der Fund eines etwa 15 Meter langen Japannetzes mit einem toten und einem lebenden Neuntöter sowie jeweils einem lebenden Gartenrotschwanz und einem Bienenfresser am 14.9. unterhalb des Nadur-Tower war der einzige Nachweis von aktivierten illegalen Fangeinrichtungen während des Camps. Dazu kommen insgesamt drei weitere Standorte, an denen Fänger trotz des Fangverbots Klappnetze aufgebaut hatten, die jedoch zum Zeitpunkt des Fundes nicht aktiviert waren. Zwei Standorte wurden der ALE mitgeteilt, die Koordinaten eines weiteren Fangplatzes wurden für spätere Kontrollen an Birdlife Malta übermittelt.

Zusätzlich zu den von unseren Teams beobachteten Fällen wurden von Birdlife Malta im Zeitraum 14.-30.9 insgesamt 405 weitere Verstöße dokumentiert. Darunter sind 83 Ab- und Beschüsse geschützter Arten (u.a. Schwarzstorch, Eleonorenfalke und Schlangenadler) und 90 Beobachtungen geschützter Arten mit Schussverletzungen.

Abschuss geschützter Vögel auf den Dwejra Lines am 14.09.2011

Übergabe von an den Dwejra Lines gefundenen Tierkadaver an die PolizeiÜbergabe von an den Dwejra Lines gefundenen Tierkadaver an die PolizeiAm 14. September haben 10 Teilnehmer des Vogelschutzcamps auf den Dwejra-Lines zahlreiche von Wilderern abgeschossene Zugvögel gefunden. Dabei handelte es sich um sieben frisch getötete Bienenfresser, zwei Fahlsegler, eine Samtkopfgrasmücke sowie die Überreste von zwei Rohrweihen. Alle vier Arten gehören zu den auf Malta streng geschützten Arten. Weiterhin wurden die Kadaver von 4 Brieftauben gefunden - eine davon trug den Ring einer örtlichen Taubenzuchtvereinigung. Die Vögel lagen in einem etwa 5 Meter tiefen Graben, der zu einer mittelalterlichen Festungsanlage gehört und in dessen Umgebung in den Tagen zuvor mehrfach Jäger beim Abschuss geschützter Arten beobachtet und gefilmt wurden. Während der dreistündigen Suchaktion konnte nur ein etwa 200 Meter langes Teilstück des rund einen Kilometer langen und mit dichtem Gestrüpp zugewachsenen Grabens durchsucht werden. Ohne professionelle Kletterausrüstung war es nicht möglich, den Rest der unzugänglichen Grabenanlage abzusuchen.
Zwei Wilderer, die für dieses Massaker mitverantwortlich waren, konnten anhand des von uns erstellten Videomaterials mittlerweile von der Polizei identifiziert werden. Es handelt sich dabei um zwei Personen, die bereits in der Vergangenheit in Zusammenhang mit illegaler Jagd aufgefallen und der Polizei bekannt waren. Beide haben den Abschuss von Bienenfressern an dieser Stelle zugegeben und müssen nun mit einer Anklage rechnen.

Abschuss am Schlafplatz

Ein weiterer Zwischenfall ereignete sich am 18.9. in den Feldern zwischen Fiddien und Mtahleb, wo am Abend ca. 80 Rohrweihen zum Schlafen gelandet waren. Ein dort stationiertes Team von Birdlife Malta wurde Zeuge, wie gegen 21 Uhr mehrere Personen mit Taschenlampen am Rastplatz auftauchten und mehrere Schüsse auf die geblendeten Tiere abgaben. Ein von Birdlife zur Unterstützung gerufenes Komiteeteam suchte daraufhin das Gelände mit einer Wärmebildkamera ab und konnte 5 Personen identifizieren, die in einem abgedunkelten Fahrzeug saßen, das auf einem abgesperrten Feldweg direkt neben den schlafenden Weihen parkte. Das Videomaterial wurde der Polizei in Rabat übergeben, die den Halter des Wagens noch in der Nacht befragte. Nach Informationen der Vogelschützer bestritt der Mann zuerst, am Tatort gewesen zu sein. Erst als ihm das von den Vogelschützern erstellte Video gezeigt wurde, gab er zu, sich in der Nähe der Weihen aufgehalten zu haben. Ob die Polizei daraufhin weitere Maßnahmen gegen die Verdächtigen einleitete, ist nicht bekannt.

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Über den Fund der geschossenen Bienenfresser und Segler auf den Dwejra-Lines hat das Komitee am 14.9. eine Pressemeldung veröffentlicht, die von den englischsprachigen Tageszeitungen (Times, Independent, Malta Today) aufgegriffen und sowohl in den gedruckten Ausgaben als auch in den jeweiligen Online-Portalen veröffentlicht wurde.
Zeitgleich mit einem kurzen Zwischenbericht wurde am 21.9.2011 zusätzlich auch ein YouTube-Video, das den Abschuss von Wespenbussarden in Gudja, Fawwara, Ghar Lapsi und neben der Landebahn des Malta International Airport zeigt, publiziert. Andere Sequenzen des Videos zeigen den Abbau von Fangnetzen, im Flug aufgenommene Greifvögel mit Schussverletzungen, frisch geschossene Bienenfresser sowie den illegalen Einsatz elektronischer Lockvögel für die Jagd auf Wachteln. Das Video ist unter http://www.youtube.com/watch?v=hgwigysWvyc&feature=player_embedded abrufbar.

Bewertung und Diskussion

Singvögel für Zielübungen: Diese Samtkopfgrasmücke wurde geschossen und achtlos liegen gelassenSingvögel für Zielübungen: Diese Samtkopfgrasmücke wurde geschossen und achtlos liegen gelassenDie von den Teilnehmern des Vogelschutzcamps gesammelten Daten zeigen, dass illegale Abschüsse geschützter Zugvögel auf Malta nach wie vor weit verbreitet sind und ein großes Problem für den Erhalt dieser Arten in Europa darstellen.

Ein Vergleich der Daten aus den Jahren 2010 und 2011 zeigt, dass die Summe der im Herbst beobachteten Ab- und Beschüsse sowie der Funde und Beobachtungen von geschützten Arten mit Schussverletzungen von 50 (Herbst 2010) auf 67 (Herbst 2011) deutlich zugenommen hat. Zurückgegangen sind dagegen die Nachweise von illegalem Vogelfang mit Klappnetzen (15 Fälle im Herbst 2010 und 4 Fälle im Herbst 2011) sowie Verstöße gegen das Jagdverbot am Nachmittag (121 Schüsse im Herbst 2010; 96 im Herbst 2011).
Beim Vergleich der Daten aus verschiedenen Jahren ist zu berücksichtigen, dass das Ausmaß der Wilderei auf Malta stark abhängig von der Stärke des Vogelzuges im jeweiligen Untersuchungszeitraum ist. Die Daten aus verschiedenen Jahren sind deshalb nur eingeschränkt vergleichbar. Dazu kommt, dass unsere Teams immer nur einen kleinen Teil der Insel überwachen können und die Wilderer im Laufe der Jahre immer effektivere Strategien entwickelt haben, um nicht bemerkt bzw. erkannt zu werden. So stehen an den meisten von uns benutzten Beobachtungspunkten mittlerweile regelmäßig Personen mit Funkgeräten „Schmiere“ und geben die Position unserer Gruppen an die Wilderer weiter. Fotos, Standorte und Vorgehensweise unserer Gruppen werden zudem auch in einem Forum auf der Internetseite der maltesischen Jägervereinigung FKNK verbreitet und diskutiert.
Eine besonders Besorgnis erregende Entwicklung sind die zunehmend festgestellten Abschüsse von Greifvögeln kurz vor Sonnenuntergang und in der Nacht. Nachdem bereits im Herbst 2010 und im Frühjahr 2011 mehrere Fälle bekannt wurden, bei denen Wilderer schlafende Greifvögel mit Lampen geblendet und anschließend abgeschossen hatten, wurden in diesem Herbst zwei weitere Fälle dokumentiert. Da insbesondere an starken Zugtagen nur ein Teil der Schlafplätze nachts bewacht werden kann und die A.L.E nach Sonnenuntergang in der Regel keine Kräfte zur Verfügung hat, ist hier von einer besonders hohen Dunkelziffer auszugehen.

Fazit

Umweltpolizisten bei der Beschlagnahme eines illegalen FangnetzesUmweltpolizisten bei der Beschlagnahme eines illegalen FangnetzesAuf Malta ist und bleibt noch viel zu tun. Wichtigstes Ziel ist aus Sicht des Vogelschutzes weiterhin eine deutliche Verstärkung der im Herbst hoffnungslos unterbesetzten Umweltpolizei ALE. Dass für eine solche Maßnahme offenbar Ressourcen vorhanden sind, hat die Jagdsaison im April 2011 gezeigt. Um die Forderung der EU-Kommission nach einer strikten Überwachung der umstrittenen Jagd auf heimkehrende Zugvögel zu erfüllen, wurden im April 2011 zusätzlich zu den ALE-Beamten rund 40 weitere Polizisten für die Kontrollen der Jäger eingeteilt. Es bestand deshalb die berechtigte Hoffnung, dass diese zusätzlichen Kräfte auch im Herbst zum Einsatz kommen würden. Doch obwohl im September deutlich mehr Vögel Malta als Rastplatz nutzen und gleichzeitig mehr als doppelt so viele Jäger unterwegs sind als im Frühling, wurde die ALE in diesem Herbst nur unwesentlich verstärkt. Für die wenigen zur Verfügung stehenden Patrouillen war es deshalb oft unmöglich, rechtzeitig auf alle eingehenden Meldungen unserer Teams und der Kollegen von Birdlife Malta zu reagieren. Dies hatte – wie bereits in den Vorjahren - zur Folge, dass einige Polizeistreifen erst eintrafen, als die von uns beobachteten Wilderer den Tatort bereits wieder verlassen hatten oder genug Zeiten hatten, Waffen bzw. geschossene Vögel zu verstecken oder anderweitig in Sicherheit zu bringen.

Malta hat sich mit dem Beitritt zur EU nicht nur verpflichtet, seltene Arten per Gesetz unter Schutz zu stellen, sondern auch, das Jagdverbot auf diese Arten effektiv zu überwachen. Davon ist man jedoch noch weit entfernt. Das Komitee wird sich deshalb weiterhin bei der Regierung in Valletta und bei der EU in Brüssel dafür stark machen, dass die A.L.E endlich angemessen verstärkt und ausgerüstet wird. Von Seiten des Naturschutzes sind in den letzten Jahren mehr als genug Beweise dafür erbracht worden, dass die bisher zum Einsatz gebrachten Polizeikräfte nicht ausreichen, um das Problem zu bekämpfen. Jetzt ist es Aufgabe der zuständigen Politiker, diese Erkenntnis umzusetzen und für eine effektive Bekämpfung der illegalen Vogeljagd zu sorgen bzw. diese von der maltesischen Regierung einzufordern.

Bonn, November 2011

Axel Hirschfeld
Komitee gegen den Vogelmord e.V. / CABS
An der Ziegelei 8, D-53127 Bonn
Tel.: +49 228 66 55 21
Fax: +49 228 66 52 80
Email: CABS @ komitee.de

Bericht zum Download

Diesen Abschlussbericht können Sie hier als .pdf downloaden:

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CABS Final Report Malta autumn 2011.pdf800.04 KB