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Online-Tagebuch vom Vogelschutzcamp auf Malta, Herbst 2011
Komitee-"Birdguard" bei der ArbeitVom 09. bis 26. September 2011 findet wieder unser großes Vogelschutzcamp auf Malta statt. Insgesamt 26 Natur- und Tierfreunde aus Italien, Deutschland, Bulgarien, Großbritannien und Tschechien werden an dem Einsatz teilnehmen. Hauptziel wird die Sicherung der wichtigsten Zugrouten über die Insel, die Überwachung von Schlafplätzen und die Arbeit gegen den immer noch weit verbreiteten Vogelfang mit Schlagnetzen sein.
An dieser Stelle berichten wir über die Geschehnisse des Tages, über die Erfolge und Zwischenfälle. Die Aktualisierungen erfolgen in der Regel Abends. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir an besonders ereignis- und arbeitsreichen Tagen ggf. erst später ein Update machen können.
Die Kosten für den Einsatz in Höhe von rund 25.000 € werden ausschließlich aus Spendengeldern und mit einem Zuschuss der Stiftung Pro Artenvielfalt
finanziert. Wenn Sie unsere Aktion für einen besseren Zugvogelschutz im Mittelmeerraum unterstützen möchten, freuen wir uns über eine Spende.
25.09.2011, Sonntag
Heute sind alle Komitee-Mitglieder von der Malta abgereist - der diesjährige große Herbsteinsatz ist damit beendet!
Ein aktuelles Video und erste Ergebnisse zu der Aktion finden Sie hier.
24.09.2011, Samstag
Am letzten Einsatztag ging es noch einmal hoch her. Es waren viele Greifvögel auf der Insel, Komitee-Teams haben mindestens 2 Beschüsse von Wespenbussarden gesehen und gefilmt. Die genauen Informationen werden nachgeliefert - alle Aktivisten sind in einer wohl verdienten Pause.
23.09.2011, Freitag
Am 23.09.2011 erreichten drei Schlangenadler Malta, einer wurde nach wenigen Stunden abgeschossen! (© MarioM, WikimediaCommonsMit einsetzendem Vogelzug hatten die Komitee-Teams heute am vorletzten Tag des Vogelschutzcamps auf Malta wieder alle Hände voll zu tun. Am Morgen war es noch ruhig - einige Dutzend Wespenbussarde und Rohrweihen erreichten das Meer und verließen die Insel unbeschadet. Am Donnerstag hatte im Bonner Büro des Komitees ein anonymer Anrufer - offenbar ein Malteser - den Hinweis auf einen aktiven Fangplatz gegeben. Heute Morgen hat ein Komitee-Team die angegebene Stelle kontrolliert und die Polizei mit allen nötigen Details versorgt. Wegen der laufenden Ermittlungen können wir keine weiteren Details veröffentlichen.
Am Mittag begann starker Vogelzug: Überall auf Malta waren hoch fliegende Wespenbussarde zu sehen, selbst der Himmel über der Hauptstadt Velletta war voller Vögel. Sie haben die einzig gute Entscheidung getroffen - nämlich direkt weiter zu ziehen. Erst die rund 100 Wespenbussarde, die am Abend eintrafen, mussten zum Schlafen landen. Sie gingen rund um Buskett nieder, zu ihnen gesellten sich ein Fischadler und mindestens 2 Schlangenadler. Ein weiterer Schlangenadler erreichte den Schlafplatz nicht, er wurde bei Mtarfa abgerschossen, wie unser Partner Birdlife Malta meldete. Um den Schlafplatz der beiden überlebenden Adler zu sichern, hat das Komitee ein Nacht-Team eingesetzt, das rund um die Uhr Wache hielt. Um 21:30 Uhr fielen hier drei Schüsse und haben fast einen Großeinsatz der Polizei ausgelöst. Zum Glück stellte sich schnell heraus, dass ein Kamerateam ausgerechnet dort einen Kinofilm dreht - die Schüsse waren Platzpatronen!
22.09.2011, Donnerstag
Um Wachteln vor die Flinte zu bekommen , verwenden viele maltesische Jäger illegale elektronische LockgeräteWegen des weiterhin ausgesetzten Vogelzugs war es wieder ein schöner und ruhiger Tag auf Malta. Die sechs Komitee-Teams waren natürlich trotzdem auf ihren Posten und haben Flagge gezeigt. Am Morgen konnten zwei flach über die Jäger fliegende Purpurreiher unter "Komitee-Beaufsichtigung" sicher das Meer erreichen und Richtung Afrika aufbrechen. Bei Ghar Lapsi an der Südwestküste der Insel liefen um 6:00 Uhr Morgens insgesamt 5 elektronische Lockvögel mit den Rufen von Wachteln - zumindest ein Gerät wurde ausgeschaltet, nachdem die Komitee-Mitglieder entdeckt worden waren.
Am Nachmittag erreichten einige Dutzend Rohrweihen und Wespenbussarde Malta. Nach dem 15 Uhr-Jagdverbot wurden insgesamt 6 Schüsse registriert - eine vergleichsweise geringe Zahl. Es ist zwar davon auszugehen, dass die meisten dieser illegalen Schüsse auf Greifvögel abgegeben wurden (Wer riskiert schon einen Jagdscheinentzug für eine Turteltaube oder Wachtel, die bis 15 Uhr legal geschossen werden darf?), ein Ab- oder Beschuss wurde aber nicht beobachtet.
21.09.2011, Mittwoch
Der heutige maltesische Nationalfeiertag war so entspannt und ruhig wie der vorangegangene Tag. Das aktuelle Wettergeschehen verhindert den Vogelzug, so dass weder Vögel noch Jäger unterwegs sind. Der einzige Zwischenfall ereignete sich, als um 8:44 Uhr auf dem Gebel Cantar unweit des Schlafplatzes Buskett Gardens ein Mann auf überfliegene Rauschwalben schoss und eines der Tiere tödlich traf! Der Nachmittag verlief dann ohne Zwischenfälle.
20.09.2011, Dienstag
Viele Jagdunterstände blieben heute leer - ohne Vogelzug keine JagdHeute war der bislang ruhigste Einsatztag des diesjährigen Herbstcamps auf Malta. Trotzdem waren alle sechs Komitee-Teams im Einsatz. Weil es am Vorarbend keinen Greifvogeleinflug gegeben und in der Nacht gestürmt hatte, gab es Morgens nichts zu schießen für die Jäger. Die hatten wohl auf vom Wind verdriftete Wachteln gehofft und waren zahlreich Gewehr bei Fuß, allerdings fielen nur wenige Schüsse.
Der Abend verlief wenig anders. Weniger als ein Dutzend Rohrweihen und Baumfalken wurden rund um den Schlafplatz in Buskett gesichtet, insgesamt fielen nach dem Jagdverbot ab 15:00 Uhr vier Schüsse, zwei davon ausgerechnet im offiziellen Jagdgebiet "Mizieb" der maltesischen Jägervereinigung FKNK.
19.09.2011, Montag
Nach dem dramatischen Sonntag war der Montag heute witterungsbedingt ruhiger - eine Verschnaufpause für Vögel und Vogelschützer.
Beamte der Umweltpolizei A.L.E. stellen Netze bei Rabat sicherDie sechs Morgens eingesetzten Komitee-Teams hatten allerdings noch einiges zu tun: Bei Ghar Lapsi wurde eine Rohrweihe von einem Jäger beschossen, der zunächst schon Bienenfresser ins Visier genommen hatte. Wenig nördlich dieser Stelle gerieten zwei Rohrweihen in den Schrothagel eines Jägers, auch hier wurden Bienenfresser beschossen. An der Stelle bei Rabat, an der Jäger gestern Abend mit Suchscheinwerfern wild in einen Rohrweihen-Schlafplatz geschossen hatten, wurden Reste der versprengten Schlafgemeinschaft erneut beschossen. Mindestens eine Rohrweihe wurde vor den Augen eines Komitee-Teams getötet, eine weitere von Schrotschüssen verletzt!
Am Nachmittag hat die Umweltpolizei A.L.E. zwei große Fangnetze beschlagnahmt, die Mitarbeiter des Komitees in der letzten Nacht unweit Rabat bei der Suche nach verletzten Rohrweihen gefunden hatten. Der Rest des Tages verlief sehr ruhig, weil bei Wind und leichtem Regen der Vogelzug völlig einschlief - am Nachmittag wurden keine weiteren Greifvögel auf Malta gesichtet.
Mittags hat der neue deutsche Botschafter auf Malta, Dr. Hubert Ziegler, den Vorsitzenden Komitees gegen den Vogelmord Heinz Schwarze in der Botschaft in Valletta empfangen und sich über den Fortgang des Vogelschutzcamps informiert. Dr. Ziegler hat seine Unterstützung bei der Bekämpfung der Wilderei und beim Zugvogelschutz auf Malta zugesichert.
18.09.2011, Sonntag
Am Morgen wurden zwischen 7:15 und 8:50 Uhr bei Quormi ein Wespenbussard abgeschossen und zwei Rohrweihen beschossen. Die Weihen entkamen vermutlich unverletzt. Die meisten der rund 400 am Vorabend gelandeten Greifvögel konnten die Insel aber wohl sicher Richtung Afrika verlassen.
Durch Beschuss wird das Gefieder der Vögel (hier eine Rohrweihe) oft beschädigt - die Vögel können so den Zug meist nicht fortsetzenBereits ab 14 Uhr flogen bei Südwind neue Vögel von Italien her ein - bis zum Abend waren es weit über 500 Rohrweihen und Wespenbussarde sowie einige Schlangenadler, Schwarzmilane und zumindest 1 Schreiadler. Die Stimmung bei den Jägern war aufgeheizt, aus vielen Dutzend Jeeps und Pickups wurden die ehrenamtlichen Komitee-Mitarbeiter, die auffällig an wichtigen Stellen postiert waren, angepöbelt und beschimpft.
Gegen 18:00 Uhr wurde bei Dingli eine Rohrweihe abgeschossen, auch die Polizei hatte die Tat beobachtet, den Wilderer aber nicht finden können. Bei Zurrieq wurde ein bewaffneter Mann von einem Komitee-Team gefilmt, bei Bahrija gelang es der Polizei, einen Jäger mit Flinte zu überführen. Ebenfalls bei Bahrija fand ein Komitee-Team einen Schießplatz, an dem ein Tonbandgerät die Rudfe von Mornellregenpfeifern abspielte. Der Jäger bemerkte das dort eingesetzte Team leider und schaltete das Gerät ab - die Polizei kontrollierte die Stelle später, fand aber nichts weiter.
Trotz der vielen Vögel und Jäger blieb es zunächst ruhig. Es wurden nur 10 illegale Schüsse zwischen 13:00 und 20:00 Uhr registriert.
Weniger erfreulich verlief der Abend unweit Rabat, wo ein Komitee-Team einen Schlafplatz von über 80 Rohrweihe gefunden hatte. Die deutschen Vogelschützer hatten gemeinsam mit einem Team des Birdlife-Raptor Camp und zwei Dutzend Wilderern den Einflug der Vögel beobachtet. Birdlife Malta hat eine Nachtwache organisiert, damit die Tiere nicht in der Dunkelheit abgeschossen werden. Um 20:30 Uhr erreiche das Komitee der Notruf der vor Ort stationierten Vogelschützer - die Jäger hatten trotz deren Anwesenheit mit Scheinwerfern den Schlafplatz ausgeleuchtet und das Feuer auf die Weihen eröffnet. Mindestens 9 Schüsse fielen. Das Komitee hat daraufhin ein Team zum Tatort entsandt, das nur Minuten später vor Ort eintraf und die Täter offenbar vertrieb. Die nächtliche Suche nach geschossenen Vögeln blieb erfolglos, die gesamte Schlafgemeinschaft war verschwunden. Den Komiteemitarbeitern gelang es, Videomaterial von einem Fahrzeug mit fünf tatverdächtigen Personen zu erstellen - noch in der Nacht wurde das Filmmaterial der Polizei übergeben und der Halter des Wagens vernommen. Die Polizei ermittelt weiter in dem Fall.
17.09.2011, Samstag
Auf Malta haben es viele Jäger vor allem auf Greifvögel abgesehenHeute war der erste Tag des Herbstes mit nennenswertem Vogelzug, und schon haben die maltesischen Jäger ihr wahres Gesicht gezeigt. Bereits am Morgen wurden zahlreiche Greifvögel unter Beschuss genommen: Am Flughafen unweit Safi geriet ein Wespenbussard in den Schrothagel mindestens dreier Jägern - nach 11 Schüssen ging das Tier schließlich tot zu Boden! Um 8:05 Uhr haben Jäger einen weiteren Wespenbussard ins Visier genommen und sechs Mal beschossen. Er wurde vermutlich nicht getroffen, weil er bereits zu hoch flog. Schlechter erging es einer Rohrweihe, die wiederum bei Safi um 8:33 Uhr beschossen wurde: Mindestens einer der vier auf sie abgegebenen Schüsse traf das Tier. Es entkam verletzt. Zwischen 9:13 und 9:15 Uhr haben mindestens drei Jäger einen Trupp von drei Wespenbussarden bei Ghar Lapsi an der Westküste geschossen. Ein Tier fiel tödlich getroffen wie ein Stein vom Himmel. Die anderen beiden gingen auch zu Boden - vermutlich wurden sie schwer verletzt.
Bereits am Mittag erreichten zahlreiche Greifvögel die Insel. Bis zum Abend hatten mindestens 150 Wespenbussarde, 140 Rohrweihen, 15 Baumfalken, 2 Eleonorenfalken sowie jeweils ein Turm- und Rötelfalke sowie ein Schwarzmilan und eine Wiesenweihe den Schlafplatz bei Buskett angeflogen. Einige Dutzend weitere Rohrweihen gingen an der Westküste Maltas bei Dingli nieder.
Während es fast überall auf der Insel ruhig geblieben ist, wurden die Vögel an den Schlafplätzen unter Beschuss genommen. Bei Buskett wurden zwischen 18:15 und 18:35 Komiteemitglieder Zeugen, als eine Rohrweihe ab- und ein Wespenbussard beschossen wurde. Ein weiterer Wespenbussard erreichte den Schlafplatz bei Buskett nur mit Mühe und Not, weil er schwere Schussverletzungen aufwies.
Sehr viel schlimmer erging es den Rohrweihen, die bei Dingli ihren Rastplatz gefunden hatten: Ungefähr zwischen 20:00 und 20:30 Uhr haben Wilderer mit Hilfe von Suchscheinwerfern die Vögel aufgestöbert und im wahrsten Sinne des Wortes massakriert. Nach Augenzeugenberichten sind viele Dutzend Schüsse gefallen. Sehr viele der vermutlich über 60 Weihen werden diesen Anschlag nicht überlebt haben!!!
In der Zeit nach dem täglichen Jagdverbot ab 15 Uhr haben die 6 Komitee-Teams heute insgesamt 58 Schüsse registriert, davon alleine 10 im direkten Umfeld des unter Naturschutz stehenden Greifvogelschlafplatzes Buskett Garden. Bei dem abendlichen "Rohrweihen-Massaker" bei Dingli sind mehr als 60 Schüsse gefallen.
Nachtrag zum 16.09.2011
IIn der Abenddämmerung haben Komiteemitglieder zwei Schwarzstörche beobachtet, die nördlich von Dingli in dem sehr abgelegenen Bereich um Mtahleb gelandet sind. Um eine Nachtwache zu organisieren, wurde einem dafür abgestellten Team des Birdlife-Raptor Camps der kleine Schlafplatz am späteren Abend gezeigt. Als die Vogelschützer bei der Suche nach einen geeigneten Platz für die Wache aus einer Sackgasse herausfahren wollten, fanden sie die schmale und kurvenreiche Küstenstraße mit schweren Steinblöcken versperrt vor - Jäger hatten die Aktivisten vermutlich beobachtet und wollten ihnen den Rückweg abschneiden. Zum Glück handelte es sich nicht um einen Hinterhalt - die Steine wurden beiseite geschafft und die Fahrt konnte weitergehen. Die Störche konnten am folgenden Morgen unbehelligt die Insel verlassen!
16.09.2011, Freitag
Ende der Reise: Geschossener Wespenbussard auf MaltaDer heutige Freitag fing erfreulich an und endete mit einem Wespenbussard-Abschuss. Am Morgen waren alle Komitee-Teams unweit des Schlafplatzes bei Buskett im Einsatz, um den Abflug der 6 Schreiadler zu sichern. Tatsächlich waren auch sehr viele Jäger in der Gegend - sehr viel mehr als an den Vortagen - aber leider wurden die Adler nicht wieder gesehen. Unser lokaler Partnerverband Birdlife Malta hatte in der Nacht eine Wache in dem Gebiet organisiert und damit sichergestellt, dass die Vögel nicht während der Nachtruhe mit Scheinwerfern ausgemacht und abgeschossen wurden. Am Morgen waren die Vögel trotzdem nirgends zu sehen. Wir alle hoffen, dass sie einfach vor Anbruch des Tages nach Afrika abgeflogen sind. Die Jäger hatten sich wohl auch mehr erhofft, entsprechend schlecht gelaunt haben sie auf die massive Präsenz der Vogelschützer reagiert. Unweit des Laferla Cross hat ein völlig aufgebrachter und bewaffneter Jäger ein Komiteeteam wüst beschimpft und bedroht - erst die von uns herbeigerufene Polizei konnte den Aggressor zur Räson bringen.
Der Abend verlief zunächst sehr ruhig. Weit über 50 Rohrweihen und Wespenbussarde sowie zwei Schwarzstörche erreichten die Insel und zogen wegen de überall strategisch geschickt verteilten Mitarbeiter des Komitees und von Bildlife Malta praktisch unbehelligt zu ihren Schlafplätzen. Nach dem Jagdverbot ab 15 Uhr wurden lediglich 3 Schüsse registriert. Leider war mindestens einer davon ein Treffer: Der einzige Wespenbussard, der im Has-Sabtan-Tal nördlich des Flughafens gesehen wurde, fiel nach einem gezielten Schuss wie ein Stein vom Himmel. Die sehr schnell vor Ort eingetroffene Polizei konnte den Täter nicht ausfindig machen.
15.09.2011, Donnerstag
Wespenbussard auf Malta - heute von den Jägern weitgehend unbehelligtDer Morgen verlief weitgehend ohne nennenswerte Zwischenfälle. Es hatte ein vergleichsweiser starker Turteltaubendurchzug eingesetzt, so dass die Jäger anderweitig beschäftigt waren und die abfliegenden Rohrweihen und Wespenbussarde unbehelligt ließen. Bei Fawara wurde allerdings eine Rauchschwalbe mit vollkommen zerschossenem Gefieder beobachtet, hier lief am frühen Morgen auch eine illegales Lockgerät mit Wachtelrufen.
Der Nachmittag war dagegen etwas turbulenter: Mit leichtem Westwind flogen ab 16:00 Uhr über 50 Rohrweihen und Wespenbussarde auf Malta ein, zudem wurden 6 Schreiadler, 1 Schwarzstorch und 1 Eleonorenfalke gesichtet. Die Tiere haben sich an zwei Schlafplätzen an der Westküste der Insel niedergelassen. Zahlreiche Jäger hatten sich hier eingefunden, um den Einflug der Vögel zu beobachten - nur so können sie wissen, wo sie sich am nächsten Morgen positionieren müssen, um "zum Schuss zu kommen". Ein Schreiadler wurde beim Anflug auf den Schlafplatz nahe Buskett um 19:01 Uhr unter Beschuss genommen, er entkam aber zum Glück unverletzt. Ansonsten wurden keine Schüsse auf Greifvögel oder andere geschützte Arten festgestellt.
Seit heute gilt ein Jagdverbot ab 15 Uhr an jedem Tag. Die Regierung möchte damit sicherstellen, dass die Abends aus Italien einfliegenden Greifvögel in Ruhe zu ihren Schlafplätzen gelangen können. Leider haben sich direkt am ersten Tag dieser Regelung viele Jäger nicht daran gehalten und so konnten die 5 am Nachmittag eingesetzten Komitee-Teams insgesamt 19 Schüsse zählen. Weil wir nicht die ganze Insel kontrollieren können, ist dies nur die Spitze des Eisberges. Wir gehen davon aus, dass viele der illegalen Schüsse auf die begehrten Großvögel abgegeben wurden - für einen Schuss auf eine Taube, die man am Morgen legal schießen darf, riskiert Nachmittags niemand seinen Jagdschein!
14.09.2011, Mittwoch
Polizei stellt von Komiteemitarbeitern gefundene Vogelkadaver sicherDer Morgen verlief überaus ruhig - die sechs eingesetzten Teams mit 14 Mitarbeitern haben keine Illegalitäten feststellen können. Am Nachmittag sah es leider wieder anders aus: Auf den westlichen Dwejra Lines haben zwischen 15:30 und 18:00 Uhr mindestens fünf Jäger an drei verschiedenen Stellen auf durchziehende Bienenfresser geschossen. Der Abschuss von zwei der farbenfrohen Vögel wurde zweifelsfrei beobachtet. Leider konnte kein brauchbares Videomaterial erstellt werden, weil die Jäger zu weit entfernt waren. Allerdings wurde das Autonummernschild eines der Täter festgestellt. Bei Bahrija geriet ein Trupp spät einfliegender Wespenbussarde gegen 19:10 Uhr unter Beschuss, mindestens ein Vogel wurde getroffen und entkam offenkundig verletzt. Südlich von Mgarr fand ein Komitee-Team ein zwischen Mandel- und Olivenbäumen aufgespanntes illegales Japannetz - auf Malta eine ausgesproche seltene Jagdmethode. Es hatten sich bereits drei Vögel verfangen: Ein Gartenrotschwanz und ein Bienenfresser konnten unverletzt befreit werden, für einen Neuntöter kam jede Hilfe zu spät. Die Polizei hat das Fanggerät sichergestellt und Ermittlungen eingeleitet.
Am späten Vormittag hatten die Teilnehmer des Vogelschutzcamps auf den Dwejra Lines den Graben einer historischen Befestigungsanlage nach toten Vögeln abgesucht. Oberhalb des bis zu 5 Meter tiefen Bauwerks befinden sich zahlreiche Ansitze der Zugvogeljäger, so dass viele geschossene Vögel in den praktisch unzugänglichen Bereich fallen oder vielleicht auch von den Wilderern hineingeworfen werden. Tatsächlich wurden binnen kurzer Zeit 7 toten Bienfresser, 2 Mauersegler, eine Samtkopfgrasmücke und die Skelette zweier Rohrweihen gefunden. Die Polizei hat die Kadaver sichergestselllt. Mehr dazu und aktuelle Bilder finden Sie hier.
13.09.2011, Dienstag
Maltas Jäger schießen am liebsten auf große oder besonders bunte Vögel - der Bienenfresser ist dabei leider ein häufiges OpferMit schlechterem Wetter hat heute der Vogelzug eingesetzt - und sofort waren die Jäger zur Stelle. Der Morgen war noch relativ ruhig: Vier Teams waren im Bereich des Schlafplatzes "Buskett Garden" eingesetzt, wo zwei Dutzend Rohrweihen und Wespenbussarde übernachtet hatten. Obwohl ausgesprochen viele Jäger in den Morgenstunden auf den Beinen waren, haben alle Greifvögel und zudem einige Hundert Bienenfresser sicher die Insel verlassen. Die Komitee-Teams waren so aufgestellt, dass sie von jedem Jäger aus gesehen werden konnten, so dass keiner es wagte, sie unter Beschuss zu nehmen. Auf der Nachbarinsel Gozo waren zwei Teams eingesetzt, die bereits die gesamte Nacht über nach illegalen Watvogel-Fangstellen gesucht hatten. Im Gegensatz zu den Vorjahren haben sie keine einzige aktive Fanganlage gefunden. Am späten Vormittag wurde ein verletzter Wespenbussard gemeldet, den ein besorgter Bürger nahe Santa Lucia auf Gozo gesehen hatte. Als ein Komitee-Team dort eintraf, war der Vogel verschwunden. In direkter Umgebung waren mehrere Jäger zu Gange.
Der Nachmittag verlief weniger entspannt. Mehrere Dutzend Großvögel, darunter vor allem Wespenbussarde, Rohrweihen und Graureiher, erreichten Malta und die Jagd begann. Bei Bahrija beobachtete und filmte ein Komitee-Team einen Jäger, der mehrfach auf Bienenfresser schoss und die Tiere einsammelte. Am "Bingemma Fort" - einem berüchtigten Brennpunkt der Wilderei im Norden Maltas - haben die dort versteckten Jäger jeden überfliegenden Greifvogel ins Visier genommen. Auf die drei Wespenbussarde und eine Rohrweihe wurden insgesamt 19 Schüsse abgegeben. Mindestens ein Wespenbussard wurde dabei getroffen und schwer verletzt. Die Situation beruhigte sich erst, als eine vom Komitee gerufene Polizeistreife im Gelände auftauchte und die Jäger Hals über Kopf flüchteten!
12.09.2011, Montag
Komitee-"Bird Guard" bei der Arbeit auf MaltaEin weiterer erfreulich ruhiger Tag liegt hinter uns. Der schwache Vogelzug lockt kaum einen Jäger vor die Tür, so dass die wenigen ziehenden Vögel relativ ungestört die Mittelmeerinsel passieren können.
Während der Einsätze am Morgen und Abend (mit insgesamt 15 Teilnehmern) gab es lediglich einen nennenswerten Zwischenfall: Am frühen Morgen nahm eine Gruppe Jäger bei Ghar Lapsi an der Westküste einen Schwarm Bienenfresser unter Beschuss - allerdings trafen sie vermutlich keines der Tiere. Zudem wurde am Morgen am Laferla Cross ein Falke (vermutlich ein Turm- oder Rötelfalke) mit durch Schrotbeschuss entstandenen, schweren Gefiederschaden beobachtet. Nachmittags das gleiche Bild nahe Bahrija im Nordwesten der Insel: Hier wiesen eine Rohrweihe und ein Wespenbussard ebenfalls ein durch Schüsse zerfetztes Federkleid auf. Ob die derart verletzten Vögel den Weiterzug über das Mittelmeer (rund 200 km bis Tunesien, über 300 bis Libyen) schaffen werden, ist fraglich.
11.09.2011, Sonntag
Toter Nachtreiher im FKNK-Jagdgebiet "Mizieb": Illegal geschossen und achtlos unter Müll verstecktMorgens und Abends waren jeweils 6 Teams im Einsatz, ein weiteres Team hatte von Samstag auf Sonntag eine Nachtschicht eingelegt. Zur Zeit beteiligen sich 14 Komiteemitglieder an der Aktion auf Malta. Wegen des weiterhin sehr schwachen Vogelzugs war der Vormittag wieder sehr ruhig: Bei Fawara wurden lediglich mehrere Schüsse aus halbautomatischen Waffen mit mehr als 3 Schuss Munition im Magazin registriert (auf Malta illegal) und unweit von Rabat lief in den frühen Morgenstunden ein elektronisches Lockgerät mit den Rufen von Regenpfeifern. Das Team, das Nachts auf der Suche nach illegal betriebenen Vogelfangplätzen war, konnte zum Glück keine aktiven Stellen mit Netzen finden.
In der Mittagszeit haben 7 Teilnehmer des Vogelschutzcamps im Jagdgebiet Mizieb im Norden von Malta stichprobenhaft nach versteckten Tierkadavern gesucht. In diesem Waldgebiet waren in den letzten zwei Jahren mehrere Hundert tote Greifvögel, Reiher und andere geschützte Arten gefunden worden - das Gebiet hat als "Vogelfriedhof" eine traurige Berühmtheit erlangt. Heute waren die Funde nicht ganz so dramatisch, wie in den Vorjahren. Nichts desto trotz wurden insgesamt 7 Skelette unter Steinen gefunden, darunter die Überreste eines Nachtreihers, eines Seidenreihers, einer Wiesen- oder Steppenweihe, eines Pirols und drei nicht identifizierbare Kadaver! Die Jäger hatten die Tiere nur zum Spaß getötet und achtlos unter Steinen und Müll versteckt, damit sie nicht gefunden werden.
An der Stelle, an der ein Komiteeteam gestern Jäger beim Abschuss von Schwalben und Bienenfressern beobachtet und einen Großeinsatz der Polizei ausgelöst hatte, haben Teilnehmer des Vogelschutzcamps heute Mittag einen weiteren toten Bienenfresser und einen frisch geschossenen Mauersegler gefunden.
Am Nachmittag setzte verhaltener Vogelzug ein, bis zum Abend wurden rund 40 Rohrweihen, Wespenbussarde, Baumfalken und Wiesenweihen gesichtet. Zudem gab es viele Rauchschwalben, Bienenfresser und Steinschmätzer. An das sonntägliche Jagdverbot, das auf Malta grundsätzlich ab 13 Uhr gilt, haben sich die Jäger offenbar weitgehend gehalten - keines der 6 eingesetzten Teams hat einen Schuss gehört.
10.09.2011, Samstag
Am Morgen waren 5 Teams mit insgesamt 13 Teilnehmern im Einsatz. Wegen des geringen Durchzugs an jagdbaren Vogelarten waren kaum Jäger auf der Pirsch. Es wurden keine illegalen Abschüsse gemeldet, bei Delimara ganz im Süden der Insel hat ein dort stationiertes Komitee-Team allerdings eine Wiesenweihe mit einer deutlichen Schussverletzung beobachtet. Der Versuch, das Tier einzufangen, misslang leider.
Eine weitere angeschossene Wiesenweihe wurde Nachmittags bei Mgarr im Norden Maltas gesichtet. Auf den unweit gelegenen Dwejra-Lines hatten die dortigen Jäger mangels jagdbarer Arten begonnen, auf die zahlreich durchziehenden Rauchschwalben und Bienenfresser zu schießen. Mindestens zwei Gruppen von drei bis fünf Wilderern schossen unentwegt auf die Vögel. Komiteemitgliedern gelang es, drei der Jäger zu filmen und einen frisch geschossenen Bienenfresser sicherzustellen. Der umgehend gerufenen Umweltpolizei konnten Beweismaterial auf Video und Informationen über das Fahrzeug der Täter vorgelegt werden - die Wilderer hatten leider zwischenzeitlich das Weite gesucht. Die Polizei hat Ermittlungen eingeleitet. Nachdem zwei Polizeipatrouillen mit insgesamt fünf Beamten auf den Dwejra-Lines im Einsatz waren, haben die Jäger dort die wilde Schießerei auf die Zugvögel eingestellt.
Bei den anderen vier heute Nachmittag eingesetzten Teams des Vogelschutzcamps ist es dagegen weitgehend ruhig geblieben.
09.09.2011, Freitag
Bis zum frühen Nachmittag sind fast alle Teilnehmer der ersten Woche unseres Vogelschutzcamps angereist. Am Abend waren 4 Teams im Einsatz und haben wichtige Durchzuggebiete im Westen Maltas kontrolliert. Es gab starken Durchzug von Bienenfressern sowie einige wenige Greifvögel - darunter 1 Schwarzmilan, 1 Wiesenweihe, 2 Eleonorenfalken und 8 Wespenbussarde. Auf den Dwejra Lines im Nordwesten der Insel hat das dort stationierte Komiteeteam beobachtet, wie Jäger auf Bienenfresser und zwei Kleinvögel (wahrscheinlich Finken) geschossen haben. Vermutlich sind die Vögel unverletzt entkommen. Ansonsten war es wegen des geringen Zuggeschehens relativ ruhig.







