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Der "Zugvogelfriedhof" von Mizieb

Überreste zahlloser geschützter Vögel im Jagdgebiet der maltesischen Jägerschaft

Diese Rohrweihe war frisch geschossen und unter Steinen verstecktDiese Rohrweihe war frisch geschossen und unter Steinen verstecktIm Herbst 2009 haben Mitglieder des Komitees gegen den Vogelmord und Vogelschützer von Birdlife Malta eine Entdeckung gemacht, die wie ein Schlaglicht das Ausmaß der Wilderei auf Malta beleuchtet: In Mizieb, einem Jagdgebiet der maltesischen Jägerschaft FKNK im Norden Maltas, wurden binnen weniger Stunden die Überreste von 192 streng geschützten Vögeln gefunden. Die Kadaver waren in dem Waldstück unter Steinen und Müll versteckt worden.

Am 20. September 2009 beobachtete ein Naturfreund, wie Jäger im Wald bei Mizieb mehrere geschützte Rohrweihen abschossen. Die Täter kamen kurz darauf aus dem Gelände, ohne die Vögel bei sich zu tragen. Da die Weihen also im Gebiet versteckt sein mussten, begann eine Suchaktion, an der sich über 20 Vogelschützer - vor allem eines Komitee-Vogelschutzcamps - beteiligten. Tatsächlich wurden die drei frisch geschossenen Rohrweihen bald in der Nähe des vermuteten Tatortes gefunden. Sie waren unter Steinen und Unrat versteckt.
Maltas Jagdvereinigung FKNK ist für Mizieb verantwortlichMaltas Jagdvereinigung FKNK ist für Mizieb verantwortlichAber nicht nur das: Bei der Suche nach den Vögeln haben die Vogelschüttzer unter nahezu jeden zweiten Stein Knochen, Federn und Tierkörper gefunden. Am Ende des Tages waren die Überreste von 38 Rohrweihen, 35 Nachtreihern, 18 Wespenbussarden und mehr als 80 weiteren unbestimmten Greifvögeln geborgen. Zudem fanden sich vier tote Ziegenmelker, drei Wiedehopfe, eine Nachtigall und ein Pirol. Die Vogelkadaver waren in allen Stadien der Verwesung - von frisch getötet über wenige Tage alt bis hin zu fast nicht mehr erkennbaren Knochen- und Federresten.
Alle "Gräber" befanden sich in unmittelbarer Nähe zu offiziellen und durchnummerierten Jagdständen.

Die umgehend verständigte maltesische Umweltpolizei A.L.E. traf gegen Mittag am Fundort ein und begann damit, die toten Tiere einzusammeln. Auf eine professionelle Tatort- und Spurensicherung verzichteten die Beamten ebenso wie auf eine eigene Suche auf dem riesigen Areal. Da unsere Durchsuchung seinerzeit abgebrochen und bis heute nicht weitergeführt wurde, ist davon auszugehen, dass das Ausmaß des "Vogelfriedhofs" sehr viel größer als bislang angenomen ist. Die Täter hatten seither allerdings viel Zeit, Beweise verschwinden zu lassen.

Komiteemitarbeiter durchsuchen das JagdgebietKomiteemitarbeiter durchsuchen das JagdgebietDie Jagdvereinigung FKNK veranstaltete in ihrem Jagdgebiet wenige Tage nach dem Fund eine Demonstration gegen die ausländischen Vogelschützer von Komitee und Birdlife - Jagdfunktionäre warfen den Naturfreunden vor, die toten Tiere aus dem Ausland mitgebracht und selber in Mizieb versteckt zu haben!

Dass Kleinvögel wie Mauersegler, Schwalben und Sperlinge für viele maltesische Jäger nur lebende Zielscheiben sind, ist hinreichend belegt und kann jederzeit während der Jagdsaison beobachtet werden. Lange Zeit waren Naturfreunde aber davon ausgegangen, dass die großen und bunten Vögel als Präparate in Samlungen landen. Nach den Funden in Mizieb müssen wir aber annehmen, dass es vielen Jägern tatsächlich nur um den Augenblick des Tötens geht. Selbst seltenste Arten werden offenbar nur abgeschossen und dann - vermutlich aus Angst vor Entdeckung - unter Steinen und Müll versteckt.

Für die auf Malta tätigen Natur- und Tierschützer war der Fund des Vogelfriedhofs von Mizieb das wohl schockierendste Einzelereignis der letzten Jahre.

Update: Im Herbst 2010 haben Mitglieder des Komitees und von Bildlife Malta bei einer weiteren Suche erneut mehr als 80 Vogelkadaver gefunden. Mehr dazu lesen Sie hier.

Ein Video zu den Funden von Mizieb finden Sie hier: