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Vogelfang auf Malta
Eine Tradition im Wandel
Der Fang von Finken ist seit 2008 auch auf Malta verbotenAuf Malta ist der Vogelfang eine Art Volkssport. Anders als in den meisten anderen Fanggebieten des Mittelmeerraums landen die erbeuteten Singvögel allerdings nicht in der Pfanne, sondern enden als Stubenvögel in den Wohnzimmern vermeintlicher "Vogelfreunde". In Maltas Hauptstadt Valletta findet an jedem Sonntag ein großer Vogelmarkt statt, der selbst in den Reiseführern als Sehenswürdigkeit Erwähnung findet.
Der Vogelfang war bis zum EU-Beitritt Maltas im Jahr 2004 regulär erlaubt. Von September bis 10. April durften Buch- und Grünfinken, Stieglitze, Erlenzeisige, Girlitze und Hänflinge in riesigen Schlagnetzanlagen unter Verwendung lebender Lockvögel gefangen werden. Insgesamt 3.000 Vogelfänger waren aktiv - über die Zahl der jährlich gefangenen Vögel gibt es keine Angaben, es werden gewiss mehr als 100.000 gewesen sein.
Mit dem Beitritt Maltas zur Europäischen Union im Jahr 2004 wurde das Ende des legalen Singvogelfangs eingeläutet. Allerdings konnten die maltesischen Politiker eine üppige Übergangsfrist aushandeln: Noch bis zum 31.12.2008 wurde der Vogelfang mit Segen Brüssels erlaubt, danach sollte der Bedarf an Finken über ein zwischenzeitlich aufgebautes Zuchtprogramm gedeckt werden. Die Fangzeit wurde zudem verkürzt und endete seit 2005 jeweils am 31. Januar.
Viele Vogelfänger haben sich auf seltene Arten spezialisiert - z.B. OrtolaneTatsächlich hat Malta sich an diese Vereinbarung gehalten und trotz erheblichen Drucks seitens der Vogelfänger- und Jagdvereinigung den Finkenfang nicht mehr erlaubt. Seit dem 1.1.2009 ist der Singvogelfang auf Malta verboten. Geblieben ist leider die Genehmigung zum Fang von Lockvögeln für die Jagd auf Singdrosseln, Wachteln, Turteltauben und Goldregenpfeifern, weil diese Arten im Gegensatz zu den Finkenvögeln in der EU jagdbar sind.
Viele Fangplätze auf Malta sind seither verwaist. Aber nicht alle, denn die hartnäckigeren Fänger wollen von ihrer Tradition nicht lassen. Der Fang der bis vor wenigen Jahren so begehrten Finken ist zwar hier und da noch zu beobachten, aber die meisten heute illegal tätigen Vogelfänger haben sich auf neue Beute spezialisiert: Neben Ortolanen, Blaumerlen, Rotkehlpiepern und Kurzzehenlerchen haben sie es vor allem auf Watvögel abgesehen. Mit gigantischen Fanganlagen von nicht selten über 5.000 Quadratmetern Fläche und unter Zuhilfenahme von elektronischen Lockgeräten werden heute an Dutzenden Stellen auf der Insel Bruch- und Waldwasserläufer, Flussuferläufer, Alpen-, Zwerg- und Temminckstrandläufer ebenso gefangen wie Säbelschnäbler und Stelzenläufer. Wie mehrere Aufgriffe aufgrund von Hinweisen des Komitees zeigen, werden den erbeuteten Raritäten die Flügel gestutzt, um sie dann in Volieren als lebende Sammlerstücke zu horten. Es ist sehr wahrscheinlich, dass es auch einen nicht unerheblich großen Schwarzmarkt für die gefangenen Watvögel gibt.
Das Komitee gegen den Vogelmord setzt während seiner Vogelschutzcamps gegen diese neue Form der Umweltkriminalität spezialisierte Teams ein, die die Fangplätze suchen und Beweise für die Polizei sammeln. In jeden Jahr gelingen uns Aufgriffe von mehr als einem Dutzend Wilderer mit Fangnetzen - bei dem bislang größten Schlag wurde am 16.9.2008 ein Vogelfänger mit 72 lebenden Wat- und Singvögeln festgenommen!







