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Vogelfang auf Malta

Eine nicht aussterben wollende Tradition

Der Fang von Finken ist auf Malta bis heute erlaubt!Der Fang von Finken ist auf Malta bis heute erlaubt!Auf Malta ist der Vogelfang ein Volkssport. Anders als in den meisten anderen Fanggebieten des Mittelmeerraums landen die erbeuteten Singvögel allerdings nicht in der Pfanne, sondern enden als Stubenvögel in den Wohnzimmern vermeintlicher "Vogelfreunde". In Maltas Hauptstadt Valletta findet an jedem Sonntag ein großer Vogelmarkt statt, der selbst in den Reiseführern als Sehenswürdigkeit Erwähnung findet.

Der Vogelfang war bis zum EU-Beitritt Maltas im Jahr 2004 regulär erlaubt. Von September bis 10. April durften Buch- und Grünfinken, Stieglitze, Erlenzeisige, Girlitze und Hänflinge in riesigen Schlagnetzanlagen unter Verwendung lebender Lockvögel gefangen werden. Insgesamt 3.000 Vogelfänger waren aktiv - über die Zahl der jährlich gefangenen Vögel gibt es keine Angaben, es werden gewiss mehr als 100.000 gewesen sein.

Mit dem Beitritt Maltas zur Europäischen Union im Jahr 2004 sollte das Ende des legalen Singvogelfangs eingeläutet werden. Im Beitrittsvertrag wurde festgelegt, dass zunächst die jährliche Fangzeit verkürzt und am 31.12.2008 der Vogelfang endgültig verboten wird. Tatsächlich mussten die Vogelfänger einige Jahre ihre Netze einholen, bis im Herbst 2014 die Regierung dem massiven Druck der Vogelfängerlobby nachgab und den Vogelfang entgegen EU-Recht wieder erlaubte. Seither dürfen während mehrerer Wochen im Spätherbst wieder tausende Finken ganz legal gefangen werden. Im Jahr 2015 zum Beispiel wurden 12.000 Hänflinge, 800 Stieglitze, 4.500 Grünfinken, 2.350 Erlenzeisige, 500 Kernbeißer, 5.000 Buchfinken und 2.350 Girlitze freigegeben. Es steht zu befürchten, dass aber weit mehr Tiere gefangen und auch illegal auf dem Schwarzmarkt verkauft werden.

Erlaubt ist darüber hinaus in manchen Jahren der Fang von Goldregenpfeifern, Wachteln und Turteltauben. Die Vögel werden als lebende Lockvögel bei der Jagd benötigt. Auch diese Fanggenehmigung widerspricht geltendem EU-Recht.

Viele Vogelfänger haben sich auf seltene Arten spezialisiert - z.B. OrtolaneViele Vogelfänger haben sich auf seltene Arten spezialisiert - z.B. OrtolaneDoch das reicht den maltesischen Vogelfängern nicht. Viele sind in den "Untergrund" gegangen und haben sich auf neue Beute spezialisiert: Neben Ortolanen, Blaumerlen, Rotkehlpiepern und Kurzzehenlerchen haben sie es vor allem auf Watvögel abgesehen. Mit gigantischen Fanganlagen von nicht selten über 5.000 Quadratmetern Fläche und unter Zuhilfenahme von elektronischen Lockgeräten werden heute an Dutzenden Stellen auf der Insel Bruch- und Waldwasserläufer, Flussuferläufer, Alpen-, Zwerg- und Temminckstrandläufer ebenso gefangen wie Säbelschnäbler, Stelzenläufer und Mornellregenpfeifer. Viele Tiere landen als "lebende Sammlerstücke" in Volieren, andere - vor allem Gold- und Mornellregenpfeifer - in der Pfanne.

Das Komitee gegen den Vogelmord setzt während seiner Vogelschutzcamps gegen diese neue Form der Umweltkriminalität spezialisierte Teams ein, die die Fangplätze suchen und Beweise für die Polizei sammeln. In jeden Jahr gelingen uns Aufgriffe von mehr als einem Dutzend Wilderer mit Fangnetzen.