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Malta-Aktionen 2012
Tagebuch vom Herbst-Vogelschutzcamp
Komitee-"Birdguards" auf MaltaDas Komitee gegen den Vogelmord hat am 7.10.2012 nach drei Wochen sein Vogelschutzcamp auf Malta und Gozo abgeschlossen. Seit dem 14.09.2012 waren insgesamt 32 Teilnehmer aus Bulgarien, Deutschland, Großbritannien, Irland, Italien, Polen, Rumänien, Tschechien, Ungarn und den USA im Einsatz.
Einen Abschlussbericht werden wir baldmöglichst veröffentlichen. Bis dahin haben Sie die Möglichkeit, in unserem Einsatz-Tagebuch nachzulesen, was während der 21tägigen Aktion passiert ist.
Die Kosten für den Einsatz auf Malta in Höhe von rund 25.000 € werden ausschließlich durch Spenden ermöglicht, unseren Einsatz auf Gozo finanziert die Stiftung Pro Artenvielfalt
.
Während des diesjährigen Herbst-Camps haben wir vier Videos erstellt, die Sie bei YouTube sehen können (die Filme sind wegen des vorrangig maltesischen Publikums in Englisch gehalten):
"Shooting of birds of prey, herons, Bee-eaters" ![]()
"Marsh Harrier shot down at Dingli Cliffs" ![]()
"Honey Buzzard shot down at Dingli Cliffs" ![]()
"Falcon-massacre near the Malta international airport" ![]()
07.10.2012, Sonntag
Am heutigen Sonntag ist das Vogelschutzcamp des Komitees nach 3 Wochen zu Ende gegangen. Alle noch auf der Insel eingesetzten Vogelschützer haben am Morgen Malta verlassen.
06.10.2012, Samstag
Star als Lockvogel - auf Malta eine legale JagdmethodeHeute Morgen waren 4 Teams des Komitees im Einsatz. Mangels Greifvogeleinflug am Vorabend war es weitgehend ruhig. Lediglich das in Safi stationierte Team musste aus großer Entfernung mit ansehen, wie ein Greifvogel (vermutlich eine vom Flughafengelände abfliegende Rohrweihe) auf halber Strecke zwischen der Startbahn des Flughafens und dem Freeport mit 5 Schüssen abgeschossen wurde. Außerdem wurde ebenda ein hoch fliegender Turmfalke 2 mal beschossen, konnte seine Reise jedoch fortsetzen. Die meisten der mehr als 100 rund um den Flughafen registrierten Schüsse galten vermutlich Staren, einer in Malta legal jagdbaren Vogelart. Mehrere Jäger hatten Käfige mit lebenden Lockvögeln aufgestellt, um die Starenschwärme anzulocken.
Nachmittags waren noch drei Teams im Einsatz, ohne nennenswerte Verstöße zu registrieren.
05.10.2012, Freitag
Heute Morgen wurden der Korridor südwestlich des Rastplatzes bei Buskett von zwei Komitee-Teams bewacht. Fast alle darüber ziehenden Wespenbussarde, Weihen und Falken kamen sicher bis zum Meer und zogen Richtung Afrika davon. Ein unbestimmter Greifvogel (Rohrweihe oder Wespenbussard) wurde gegen 7:49 Uhr mehrfach beschossen – ob er überlebt hat, ist fraglich. Ein anderes Team registrierte einen Schuss auf eine in den Morgenstunden auf dem Plateau südlich von Girgenti jagende Sumpfohreule – glücklicherweise wurde der Vogel nicht getroffen. Ein anderes Team hörte am Morgen bei Bingemma neben mindestens 2 elektronischen Wachteln auch künstlich abgespielte Rufe von geschützten Rotschenkeln. Als die Komitee-Mitglieder mit einer Suche beginnen wollten, wurde das Lockgerät abgestellt.
Am Nachmittag kamen mehr als 40 Rohrweihen und Wespenbussarde an, fast alle zogen Richtung Buskett Gardens. Kurz vor Erreichen des dortigen Rastplatzes gerieten einige von Süden kommende Wespenbussarde auf Höhe der Blue Grotto unter Beschuss. Zwei Tiere wurden getroffen. Eine vom Komitee informierte Streife der ALE durchsuchte das Gelände bis zum Einbruch der Dunkelheit. Ob die Suche erfolgreich war, ist unbekannt.
Um 16:25 filmte ein Team den Abschuss einer Rohrweihe am nördlichen Ende der Dingli-Cliffs. Das Video wurde bei YouTube hochgeladen und kann hier angesehen
werden.
04.10.2012, Donnerstag
Auf Gozo am 04.10.12 angeschossener BaumfalkeUnser Nachteinsatz am Schmutzgeier-Schlafplatz war erfolgreich, am Morgen sind beide Geier gegen 10 Uhr sicher aufs Meer geflogen - unter den wachsamen Augen von 10 Polizisten, 2 Mitarbeitern des Umweltamtes sowie Mitgliedern von Komitee und Birdlife. Unter dem Schutz dieses riesigen Polizeiaufgebotes konnten auch mehrere Wespenbussarde und Rohrweihen Richtung Afrika starten. Um 7:45 Uhr wurde am Laferla Cross ein Wespenbussard mit zerschossenem Gefieder beobachtet.
Am späten Nachmittag flogen erneut zahlreiche Wespenbussarde, Rohrweihen und Falken an verschiedenen Stellen auf Malta ein. Die in Safi, Dingli, Bingemma und im Bereich um Bahrija stationierten Komitee-Teams registrierten während des Einfluges zahlreiche Schüsse und beobachteten den Abschuss von einem Wespenbussard und eines Turmfalken. Ein Wespenbussard, der kurz vor Einbruch der Dunkelheit bei Dingli die Küste erreichte, wurde 6 Mal beschossen, konnte jedoch weiterfliegen. Der Abschuss eines dritten Wespenbussardes bei Dingli konnte gefilmt werden und kann bei YouTube
angesehen werden. Bei Mgarr (Gozo) beobachteten Zeugen gestern Abend, wie ein Jäger einen Baumfalken abgeschossen hat. Der verletzte Vogel wurde von der Polizei geborgen und von Mitarbeitern des Komitees zu einem Tierarzt gebracht.
Als Komiteemitarbeiter gestern Abend bei Safi nach weiteren Fangstellen suchten, rannte ein 40jähriger Mann aus einem Haus und Schlug ohne Vorwarnung einen der Vogelschützer mit einem gezielten Schlag gegen den Kopf zu Boden. Der 59jährige deutsche Vogelfreund aus Sachsen kam im wahren Sinne des Wortes mit einem dunkelblauen Auge davon und musste in Floriana medizinisch versorgt werden. Der Angreifer wurde noch am Abend von der Polizei verhaftet und verbrachte die Nacht im Polizeigewahrsam.
03.10.2012, Mittwoch
Nach einem Hinweis des Komitees überführt eine Polizeistreife (links) einen Vogelfänger (rechts) bei Safi. Im Vordergrund sind übereinander gestapelte Käfige voller Lockvögel zu sehen.Raritäten-Alarm auf Malta. Heute Morgen wurde nach Informationen unserer Freunde von Birdlife Malta ein Jäger dabei beobachtet, wie er bei Qawra einen Schwarm Rosaflamingos unter Beschuss nahm. Kurze Zeit später wurde ein am Bein verletzter Flamingo im Vogelschutzgebiet bei Salina gesichtet. Ein weiterer verletzter Flamingo, der etwa einen Kilometer vor der Küste bei Ghallis im Meer um sein Leben kämpfte, wurde von einem Patrouillenboot der maltesischen Armee (AFM) geborgen und zu einem Tierarzt gebracht. Mehr Informationen zu diesem Fall finden Sie hier: Times of Malta: AFM rescues injured flamingo ![]()
Dem morgens in Safi stationiertem Komitee-Team gelang es gegen 7 Uhr, einen Vogelfänger beim illegalen Fang von Wachteln zu filmen. Der Mann hatte insgesamt 10 lebende Lockvögel um ein riesiges Klappnetz herum aufgestellt und wurde von einer vom Komitee alarmierten Polizeistreife auf frischer Tat gestellt. Ihn erwartet eine Anklage wegen illegalem Vogelfang.
Am Nachmittag flogen nach langer Zugflaute wieder einige Dutzend Wespenbussarde, Rohrweihen und Falken an verschiedenen Stellen der Insel ein. Eine ornithologische Sensation waren zwei Schmutzgeier, die in einem Steinbruch hinter den Dingli-Cliffs zum Übernachten landeten. Um die bei Jägern begehrten Geier vor nächtlicher Verfolgung zu schützen, wurden bis zum nächsten Morgen jeweils ein Team vom Komitee und von Birdlife Malta an den beiden Zugängen zum Steinbruch stationiert.
In der Nähe des Freeport beobachteten unserer Mitarbeiter, wie gegen 17:00 Uhr ein hoch fliegender Turmfalke insgesamt 6 mal beschossen, jedoch verfehlt wurde.
Die maltesische Umweltpolizei beschlagnahmte heute insgesamt drei Schrotflinten von Jägern, die unter anderem im Bereich zwischen Fawwara und Safi auf geschützte Arten geschossen hatten. Ein toter Wespenbussard und ein weiterer geschossener Greifvogel wurden von der Polizei geborgen bzw. sichergestellt.
02.10-2012, Dienstag
Morgens konnten mangels Einflug am Vorabend nur eine Handvoll Greifvögel beobachtet werden und es waren nur wenige Jäger im Gelände unterwegs. Zwei Rohrweihen und ein Turmfalke, die auf dem Flughafengelände übernachtet hatten, flogen unbeschadet über das „Problemgebiet“ bei Safi, – entweder waren keine Jäger unterwegs oder sie haben endlich gemerkt, dass sie unter Dauerbeobachtung unserer Teams stehen.
Nachmittags gab es einen Durchzug von zahlreichen Bachstelzen und Schwalben sowie einem knappen Dutzend Wespenbussarden und Rohrweihen. Ein Komitee-Team konnte einen Isabellsteinschmätzer beobachten – eine Seltenheit auf Malta.
Auf den Dwejra Lines beobachtete ein Team aus großer Entfernung, wie ein einsamer Turmfalke beschossen wurde. Er hatte Glück und konnte seine Reise unbeschadet fortsetzen.
Und noch eine weitere gute Neuigkeit: Im Rahmen einer Fragestunde im maltesischen Parlament bestätigte der maltesische Justizminister Chris Said Anfang der Woche, dass der Einsatz des vom Komitee und RTL im Frühling zum Aufspüren illegaler Fangplätze eingesetzten Modellflugzeuges – entgegen den Behauptungen der maltesischen Jägervereinigung - nicht gegen Datenschutzbestimmungen verstoßen hat. Das habe eine Prüfung des Falles durch den Datenschutzbeauftragten ergeben. Das Komitee wird deshalb in den kommenden Monaten alle nötigen Vorbereitungen treffen, um das „fliegende Auge“ im nächsten Jahr wieder zum Einsatz bringen zu können.
01.10.2012, Montag
Der heutige Vormittag verlief so ruhig wie die letzten Tage, mangels Vogelzug waren praktisch keine Jäger im Gelände.
Am heutigen 1. Oktober endet das nachmittägliche Jagdverbot, das für die Abends eintreffenden Greifvögel seit dem 15.09. gegolten hatte. Es gab einen kleinen Einflug von Baum- und Turmfalken und einigen Rötelfalken an verschiedenen Stellen der Insel.
Bei Bahrija wurde um 16:50 Uhr ein Turmfalken abgeschossen, die sofort informierte Polizei erschien leider nicht. Nur wenig kam es bei Safi am Flughafen zu einem schweren Zwischenfall: Gegen 17:00 Uhr begann ein Einflug von etwa 20 bis 30 Turm- und Rötelfalken, die in den dortigen Eukalyptusbäumen zum Schlafen landeten. Um 17:30 Uhr scheuchten erste Schüsse die Tiere auf. Das hier stationierte Komitee-Team beobachtete innerhalb von Minuten mindestens 5 Abschüsse (3 davon wurden gefilmt) und 3 Beschüsse der Falken. Insgesamt fallen etwa 40 Schüsse - mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wurden zahlreiche weitere Tiere außer Sicht des Teams abgeschossen. Die Polizei brauchte mehr als 1 Stunde, um kurz vor Einbruch der Dunkelheit anzukommen. Der Falken-Schlafplatz wurde wahrscheinlich komplett ausgelöscht. Ein Video vom heutigen Tage finden Sie direkt unter diesem Artikel.
Bei Bahrija beobachtete und filmte nach 18 Uhr ein Team eine Sumpfohreule, die sich zum Schlafen auf einer Mauer niedergelassen. Nach Einbruch der Dunkelheit fallen an dieser Stelle mehrere Schüsse, ob sie der Eule gegolten haben, kann nicht bewiesen werden.
30.9.2012, Sonntag
Komitee-Mitglieder an der Westküste MaltasAls die Komitee-Teams am frühen Morgen ihre Beobachtungsposten erreichen, liefen an vier von fünf Stellen illegale Tonbandgeräte, die Wachtel vor die Finten der Jäger locken sollen (in Bahrija, Has-Saptan, Safi und am Freeport). Um 6:46 Uhr geriet ein Turmfalke bei Safi in den Schrothagel eines Jägers, entkam aber unverletzt. An gleicher Stelle fielen um 7:20 Uhr fünf Schüsse aus einem automatischen Gewehr (Flinten mit max. drei Schuss Munition sind erlaubt). Die Polizei wurde gerufen und durchsuchte das Gebiet - danach war Ruhe. Auch bei Marsascala wurde um 7:05 eine automatische Waffe gehört, hier fielen 4 Schüsse aus einem Gewehr.
Nachmittags gab es wieder nur sehr wenige Greifvögel, Höhepunkte waren zwei Wanderfalken bei Bahrija sowie ein gutes Dutzend Turm-, Rötel- und Baumfalken im Girgenti-Tal. Überall auf der Insel bereiten die Vogelfänger ihre Fangplätze für die anstehende Fangsaison für Goldregenpfeifer ab dem 20.9. vor. Nicht wenige Fänger nutzen diese Gelegenheit, um auch den illegalen Fang von Singvögeln vorzubereiten. Die Regierung hat mit ihrer Fanggenehmigung kurz vor der Wahl damit eine effektive Bekämpfung der Wilderei fast unmöglich gemacht!
Am Nachmittag wurden 9 Schüsse nach 15 Uhr registriert:
- 15:05 Uhr, Kercem (Gozo), 4 Schüsse
- 17:12 Uhr, Dingli, 1 Schüsse
- 18:18 Uhr, Siggiwie, 4 Schüsse
29.09.2012, Samstag
Hoher Besuch beim Vogelschutzcamp: Der Europa-Abgeordnete Andrea Zanoni (links) hat sich einen Tag lang einem Komitee-Team angeschlossenHeute hatte das Komitee gegen den Vogelmord hohen Besuch aus Brüssel: Der italienische Europa-Abgeordnete Andrea Zanoni hat am Morgen gemeinsam mit einem Komitee-Team den Abflug der Greifvögel von ihrem Schlafplatz in Buskett Gardens beobachtet und war auch am Nachmittag mit im Gelände, um die Einhaltung des nachmittäglichen Jagdverbots zu überwachen. Bei einem Treffen mit Vertretern der Umweltpolizei A.L.E. lobte Zanoni deren unermüdlichen Einsatz, kritisierte aber auch die maltesische Regierung, weil sie die Polizei nicht mit mehr Personal ausstattet.
Auch heute blieb es vergleichsweise ruhig auf Malta. Ein Komitee-Team entdeckte am Morgen um 6:05 Uhr zwei elektronische Lockgeräte mit Wachtelrufen bei Clapham Junction. Es wurden keine Schüsse auf Greifvögel beobachtet.
Nachmittags bis abends gab es fast kein Greifvogelzug, nur einige Turm- und Rötelfalken, viele Schwalben und einige Steinschmätzer wurden beobachtet. Um 18:12 Uhr hat ein Komitee-Team in Mizieb eine Rauchschwalbe mit zerschossenem Flügel gesehen, um 16:45 Uhr entdeckten Komitee-Mitglieder ein weiteres elektronisches Lockgerä, dass mitten am Tag unweit des Red Towers auf der Marfa-Ridge lief. Nachmittags wurden nur zwei Schüsse verzeichnet:
- 18:02 Uhr, Mgarr Valley/Dwejra Lines, 1 Schuss
- 16:45 Uhr, Mellieha, 1 Schuss
28.09.2012, Freitag
Am Morgen gab es praktisch keine Vögel und deshalb auch nur wenig Jagdaktivität, es gab keinerlei Zwischenfälle. Nachmittags gab es einen kleineren Einflug von Rötelfalken, Rohrweihen und Wespenbussarde, es blieb aber weiterhin sehr ruhig. Nach dem Jagdverbot ab 15 Uhr wurden 4 Schüsse festgestellt:
- 18:03 Uhr, Bingemma, 2 Schüsse
- 18:26 Uhr, Bingemma, 2 Schüsse
Wie erst heute bekannt wurde, hat die Polizei am letzten Wochenende bei Safi (wo wir in der ersten Woche des Einsatzes die meisten Abschüsse gefilmt hatten) abends einen Jäger mit Waffe und darauf montierter Leuchte für die Nachtjagd festgenommen. Die Waffe wurde beschlagnahmt, den Jäger erwartet ein Gerichtsverfahren.
27.09.2012, Donnerstag
Journalist im Interview mit einem JägerAm Morgen geriet ein Komitee-Team, das von einen Journalisten begleitet wurde, unweit des großen Greifvogel-Schlafplatzes Buskett in eine Auseinandersetzung mit sieben wütenden Jägern. Sie hatten mit drei Geländefahrzeugen unseren Mietwagen zugeparkt und begannen, die Vogelschützer und den Journalisten zu bedrohen und zu beschimpfen. Bevor die Situation eskalierte, traf die Polizei ein und konnte die Aggressoren beruhigen. Ein unbehelligtes Komitee-Team hat südlich des Schlafplatzes um 7:15 Uhr einen Wespenbussard mit zerschossenem Gefieder beobachtet.
Am Abend gab es einen kleinen Einflug von einigen Dutzend Wespenbussarden auf Malta. Vier Schüsse wurden nach 15 Uhr verzeichnet:
- 16:25 Uhr, Bingemma, 2 Schüsse
- 17:25 Uhr, Bingemma, 2 Schüsse
26.09.2012, Mittwoch
Wespenbussard mit Gefiederschaden durch einen SchrotschussDie meisten Vögel, die auf Malta übernachtet hatten, flogen heute Morgen geradewegs aufs Meer Richtung Afrika und blieben unbehelligt. Bei Ghar Lapsi wurde um 7:23 Uhr allerdings ein Wespenbussard mit zerschosenem Gefieder beobachtet. Die Nachtwache am Storchenschlafplatz bei Ramla I-Hamra auf Gozo endete um 6:25 Uhr mit einem Schrecken, als ein Jäger aus weniger als 10 m Entfernung über die Köpfe der Vogelschützer hinweg einen Warnschuss abfeuerte. Der Schütze war hinter einer Mauer versteckt und konnte trotz umgehender Suche unerkannt entkommen. Die Polizei ermittelt. Während der Nacht hatte das dort eingesetzte Team aus größerer Entfernung gegen 23 Uhr und erneut um 6:00 Uhr Schüsse gehört - sie wurden aber nicht auf die Schwarzstörche abgegeben.
Der Nachmittag verlief wieder ruhig, fünf Komitee-Teams waren auf Malta eingesetzt. Vier Schüsse wurden in der Zeit nach 15 Uhr registriert: Sie fielen zwischen 16:58 bis 18:30 Uhr bei Has-Saptan unweit des Fughafens.
25.09.2012, Dienstag
Komitee-Mitarbeiterin auf unserem Aussichtspunkt bei MtahlebObwohl kaum Greifvögel die Nacht auf Malta verbracht hatten, hat ein Jäger um 6.50 Uhr unweit Ghar Lapsi an der Westküste einen der wenigen am Morgern überhaupt gesichteten Wespenbussarde ins Visier genommen und beschossen. Der Vogel entkam offenbar unverletzt. Das gleiche Bild am Nachmittag: Wegen nahezu ausgesetztem Vogelzug fast keine Greifvögel, einer der wenigen Wespenbussarde geriet am Nadurtower auf den Victorialines um 18 Uhr unter Beschuss, er wurde nicht verletzt.
Erst mit der Dämmerung begann ein starker Einflug von Wespenbussarden, die mit dem letzten Tageslicht von Italien auf Malta und Gozo eintrafen. Es wurden auch mehrere Schwarzstörche gesichtet, die bei den Wilderern besonders begehrt sind. Auf Gozo wurde das Spektakel von vielen Jägern sehr aufmerksam beobachtet - wegen des Jagdverbots ab 15 Uhr selbstverständlich unbewaffnet. Weil die Männer den Landeplatz der Störche im Visier hatten, haben sich unsere auf Gozo stationierten Teams dazu entschlossen, eine Nachtwache zu organisieren. Gemeinsam mit einem heute auf Gozo eingesetzten Birdlife-Teams werden sie die Schlafbäume bis morgen früh bewachen.
Abgesehen von den beiden um 18 Uhr am Nadurtower auf den Wespenbussard abgefeuerten Schüssen wurden von uns fünf weitere Schüsse nach 15 Uhr registriert:
- 17.29 Uhr, Mtahleb, 1 Schuss
- 18.20 Uhr, Bahrija, 4 Schüsse
Auf Malta herrscht Wahlkampf - in zwei Monaten ist der Urnengang. Das erkennt man weniger an Plakaten in den Straßen, als vielmehr an großzügigen Geschenken an die Jäger. Heute hat die Regierung angekündigt, der Fang von Goldregenpfeifern mit Netzen sei ab dem 20. Oktober erlaubt! Goldregenpfeifer sind europaweit bedroht, der Einsatz von Netzen ist zum Vogelfang gemäß den Vorgaben der EU-Vogelschutzrichtzlinie verboten!
24.09.2012, Montag
RohrweiheHeute hatten die Komitee-Mitglieder endlich einen Tag zum Verschnaufen. Am Morgen haben die bei Fiddien in der Nacht bewachten Weihen ihren Schlafplatz verlassen, ohne von den Jägern behelligt zu werden. Auch anderswo wurden am Morgen keine Zwischenfälle beobachtet. Der Nachmittag war genauso ruhig - es gab nahezu keinen Greifvogel-Durchzug und damit keine Jagd. Auf Gozo sind am Abend viele Schwalben und sogar noch Segler eingetroffen, aber auch hier blieb es ruhig. Heute wurden erstmals keine Schüsse nach dem Jagdverbot ab 15 Uhr registriert!
Das Komitee hat heute einen ersten Zwischenbericht und ein neues Video veröffentlicht. Die Reaktionen auf die Meldung sind in der Mehrzahl positiv. Ein Beispiel für die Berichterstattung finden Sie in der Times of Malta: "CABS claims 'total anarchy' of bird shooting around Safi" ![]()
Das neue YouTube-Video finden Sie hier.
23.09.2012, Sonntag
Am Sonntag von der Polizei auf Gozo sichergestellte LockvögelAuch heute hatten die Komitee-Bird Guards auf Malta alle Hände voll zu tun. Auf Gozo wurde am Morgen bei Ghajnsielem ein aktiver Fangplatz gefunden, ein Schlagnetz und mehrere lebende Buchfinken und Kernbeißer, die als Lockvögel verwendet wurden, konnten von der Polizei sichergestellt werden. Der Täter ist noch nicht bekannt, die Ermittlungen laufen aber auf Hochtouren.
Auf Malta selbst hat es wieder mehrere Abschüse und Beschüsse geschützter Arten gegeben. Wieder einmal war der Bereich um den Flugfhafen das Zentrum des Geschehens: Bei Safi wurden zwischen 6:00 und 8:20 Uhr zwei Wespenbussarde und ein Turmfalke vor den Augen des dort eingesetzten Komitee-Teams abgeschosen, ein weiterer Turmfalke wurde beschossen. Bei Fiddien geriet um 6:28 Uhr ein Wespenbussard in den Schrothagel ein Jägers, entkam aber unverletzt, bei Bingemma wurde um 7:10 Uhr eine Rohrweihe mit zerschossenem Gefieder gesehen, ein ebenso zugerichteter Turmfalke saß um 8:10 Uhr am Nadur-Tower auf einer Elektro-Leitung.
Am Nachmittag gab es einen recht großen Einflug von Rohrweihen auf Malta. Gegen 17 Uhr - also nach dem Jagdverbot ab 15 Uhr - beobachtete das vom Komitee und seinem Partner Birdlife eingesetzte Sicherheitspersonal bei Fiddien einen Jäger mit einer Waffe. Die Polizei konnte den Mann überführen, bei ihm wurde auch ein elektronisches Lockgerät gefunden. Im Westen der Insel, unweit Rabat, haben sich viele Vögel eingefunden, hier wurde um 18:04 Uhr ein Wespenbussard abgeschossen. Wegen der vielen in diesem Bereich rastenden Weihen wird das Komitee eine Nachtwache organisieren.
Nach dem Jagdverbot ab 15 Uhr wurden von den Komitee-Teams 60 Schüsse registriert - die Jäger scheinen jede Scheu vor der Jagdruhe verloren zu haben!
- 15:30 - 16:30 Uhr, Sta Katharina, 11 Schüsse
- 16:35 - 19:00 Uhr, Mtahleb, 9 Schüsse
- 17:15 - 18:15 Uhr, Fiddien, 5 Schüsse
- 19:30 - 19:45 Uhr, Ta Santi, 15 Schüsse
- 18:45 - 19:10 Uhr, Mtarfa, 16 Schüsse
- 18:00 - 18:30 Uhr, Bahrija 4 Schüsse
22.09.2012, Samstag
Abgeschosener TurmfalkeDer Samstag war wieder ein schlimmer Tag auf Malta und Gozo. Zwischen 6:30 und 8:30 Uhr wurden im Bereich des Internationalen Flughafens Maltas ein Graureiher, zwei Wespenbussarde und ein Weidensperling abgeschossen. Ein Turmfalke wurde beschossen, entkam aber scheinbar unverletzt. Ein wenig weiter nördlich bei Fawwara, wo die vom großen Schlafplatz Buskett gardens abfliegenden Vögel das Meer erreichen, hat ein Komitee-Team um 7:02 Uhr den Abschuss eines weiteren Wespenbussards beobachtet. Mittags ging die Schießerei auf Gozo weiter: Gegen 12:30 Uhr sah ein Komitee-Mitarbeiter, wie unweit Quala ein Fischadler beschossen und getroffen wurde, aber vermutlich verletzt entkam. Nur wenig später brachte eine Patrouille der Umweltpolizei A.L.E. einen angeschossenen, schwer verletzten Graureiher zu den auf Gozo stationierten Komitee-Mitgliedern. Der übel zugerichtete Vogel wurde von uns zum Tierarzt gebracht.
Nachmittags gab es auf beiden Inseln einen starken Einflug von Zugvögeln. Neben sehr vielen Wespenbussarden und Rohrweihen wurden mehrere Schwarzstörche und selbst Kraniche bobachtet.
Das nachmittägliche Jagdverbot ab 15 Uhr wurde nicht überall eingehalten:
- 17:20 Uhr, Bahrija, 1 Schuss
- 17:42 - 18:12 Uhr, Nadur-Tower, 11 Schüsse
- 19:21, Fiddien, 1 Schuss
- 18:06 -19:15 Uhr, Safi, 6 Schüsse.
Der letzte der sechs in Safi festgestellten Schüsse wurde vermutlich auf einen Fischadler abgegeben, der gerade in den Bäumen landen wollte.
21.09.2012, Freitag
Traurige Entdeckung auf den Dwejra-Lines:Einer von 13 toten BienenfressernObwohl nicht allzuviele Vögel auf Malta übernachtet hatten, war der Tag recht ereignisreich - am heutigen maltesischen Unabhängigkeitstag hatten viele Jäger reichlich Zeit. Zwischen San Lawrenz und Gharb (Gozo) beobachtete ein Komitee-Team, wie gegen 7 Uhr ein Wespenbussard beim Abflug von seinem Schlafplatz unter Beschuss geriet. Die schnell eingetroffene Polizei fand am Ort des Geschehens einen Jäger, dem zwar der Schuss nicht nachgewiesen werden konnte, bei dem aber illegale Jagdmunition gefunden wurde. Ihn erwartet ein Strafverfahren. Bei Safi am malteischen Flughafen musste ein dort stationiertes Team mit ansehen, wie um 7:12 Uhr ein Wespenbussard abgeschossen wurde. An gleicher Stelle ging um 7:25 Uhr ein weiterer Wespenbussard tot zu Boden und um 7:31 Uhr wurde ein Baumfalke beschossen, der allerdings unverletzt entkam. Auf den Dwejra Lines wurde um 7:50 Uhr ein Turmfalke beschossen - auch er blieb vermutlich unverletzt.
Über Mittag haben zwei Komitee-Teams auf den Dwejra-Lines nach abgeschossenen Vögeln gesucht. Hier befindet sich ein historisches Fort mit einem fast unzugänglichen Graben, in dem immer wieder geschossene Tiere Fallen, ohne von den Jägern geborgen zu werden. Heute wurden auf einem nur 100 Meter langen Teilstück des insgesamt mehr als 3 km langen Grabens die Überreste von 13 Bienenfressern gefunden (12 davon waren weniger als drei Wochen tot, ein Vogel war skelettiert). Die Tiere wurden der Umweltpolizei A.L.E. übergeben.
Am Abend waren offenbar viele Jäger im Gelände, am heutigen Feiertag galt ab 13 Uhr ein Jagdverbot. Insgesamt wurden 24 Schüsse nach 13 Uhr verzeichnet. 13 Davon fielen zwischen 18:58 Uhr und 19:24 Uhr bei Safi am Flughafen. Hier hatten sich rund 15 Baumfalken zum Schlafen eingefunden. Auf zwei Falken wurde noch während des Anflugs gefeuert, die andere Schüsse wurden auf die in den Bäumen sitzenden Tiere abgegeben. Beteiligt waren vermutlich vier oder fünf Täter. Die Polizei war mit zwei Streifenwagen im Einsatz und durchsuchte das Gebiet. Die anderen festgestellten Schüsse (insg. 11) fielen zwischen 18:33 Uhr und 19:15 Uhr im Bereich der Victoria Lines.
20.09.2012, Donnerstag
Geschossener Wiedehopf auf GozoDie Greifvögel, die die Nacht im Norden Maltas verbracht hatten, wurden an den Dwejra und Victoria Lines massiv unter Beschuss genommen. Hier wurde um 6:28 Uhr eine Rohrweihe beschossen, um 6:40 Uhr flog ein Fischadler mit völlig zerschosssenem Gefieder vorüber, um 7:39 Uhr wurde vor den Augen eines dort stationierten Komitee-Teams ein Seidenreiher mit zwei Schüssen getötet und um 8:15 Uhr gerieten zwei Wespenbussarde in den Schrothagel dreier Jäger. Einer der Bussarde starb sofort, der andere flog noch einige Zeit weiter und wurde schließlich mit dem 3. Treffer vom Himmel geholt! Auf Gozo wurde am Schlafplatz bei Sarraflu um 7:07 Uhr ein Wespenbussard mit 5 Schüssen getötet. Die sofort gerufene Polizei war schnell vor Ort, fand aber weder Täter noch Bussard, wohl aber einen angeschossenen Wiedehopf. Die Beamten übergaben den Komitee-Mitgliedern den Vogel zur weiteren Versorgung.
Grausige Entdeckung: Rohrweihe, Kaninchen und Ratte am Komitee-BeobachtungspunktEine besonders schockierende Entdeckung machte das Komitee-Team, das am Morgen am Bingemma Fort (Victoria Lines) eingesetzt war. Als die beiden Vogelschützer gegen 6 Uhr eintrafen, fanden sie an ihrem angestammten Platz ein totes Kaninchen, eine tote Ratte und eine frisch getötete Rohrweihe. Die Tiere waren offenbar von Wilderer als Warnung dort abgelegt worden. Wie die spätere Untersuchung zeigte, trug die Weihe 14 Schrotkugeln im Körper.
Mittags erreiche uns die Nachricht einer maltesischen Augenzeugin, dass am Morgen auch bei Xrobb I Ghagin im Süden Maltas ein Wespenbussard geschossen wurde. Ebenfalls aus der Bevölkerung stammt die Information, dass am Morgen im San Blas Valley auf Gozo ein weiterer Wespenbussard abgeschossen wurde.
Der Nachmittag verlief zum Glück wieder sehr ruhig, bei böigem Westwind kamen fast keine Vögel nach Malta. Es gab nur wenige Schüsse nach dem 15 Uhr-Jagdverbot:
- 16:14 Uhr, San Blas Valley (Gozo), 1 Schuss
- 17:12 Uhr, Ramla (Gozo), 1 Schuss
- 18:12 Uhr, Dwejra Lines, 3 Schüsse
- 18:24, Dwejra Lines, 1 Schuss
19.09.2012, Mittwoch
Komitee-BirdguardDie zwei Rastplätze bei Mizieb und bei Bahrija, die von Komitee-Mitgliedern in der Nacht bewacht wurden, blieben wietgehend ungestört. In Bahrija blieb alles völlig ruhig, in Mizieb fiel um 02:15 Uhr ein Schuss, zwei weitere Schüsse wurden kurz vorher (01:58 Uhr) von San Martin her gehört.
Am Morgen haben rund 200 Greifvögel Malta unbeschadet verlassen. Erfreulich war der störungsfreie Abflug von rund 80 Rohrweihen aus Mizieb, dem Jagdgebiet der maltesischen Jägerschaft FKNK. Hier hat es mehr als einmal Massaker an den übernachtenden Vögeln gegeben, heute haben die Jäger die Weihen ziehen lassen. Der einzige Zwischenfall ereignete sich um 06:32 Uhr, als ein Wespenbussard bei Safi unweit des Internationalen Flughafens in das Visier eines Jägers geriet und mit 2 Schüssen getötet wurde. Die Polizei war schnell vor Ort, konnte aber den Täter nicht finden.
Am Nachmittag sind über 400 Wespenbussarde und Rohrweihen auf Malta und Gozo eingeflogen, zudem wurden mindestens 4 Schwarzstörche gesichtet. Auf Malta konzentrieren sich die Tiere auf einem recht gut geschützten Schalfplatzt, auf Gozo haben sich etwa 100 Rohrweihen einen weniger sicheren Platz zum Schlafen ausgesucht. Ein Komitee-Team wird den Schlafplatz auf Gozo die ganze Nacht über bewachen.
Wie gestern gabe es auch heute zahlreiche Schüsse während der Jagdruhe nach 15 Uhr. Wir konnten allerdings keine gezielten Schüsse auf Greifvögel beobachten. An den meisten Stellen blieb es relativ ruhig, bei Bahrija allerdings sind ein ungarischer und ein rumänischer Teilnehmer des Vogelschutzcamps wüst beschimpft und bedroht worden. Es blieb allerdings dabei, es gab keine Handgreiflichkeiten.
Festgestellte Schüsse nach 15 Uhr:
- 17:30 Uhr, Santa Lucija (Gozo), 3 Schüsse
- 17:34 - 17:36 Uhr, Safi, 2 Schüsse
- 17:52 Uhr, Gharb (Gozo), 1 Schuss
- 17:54 Uhr, Safi 1 Schuss
- 18:18 Uhr, Zeebug (Gozo), 1 Schuss
- 18:18 Uhr, Gordan (Gozo), 1 Schuss
- 18:26 Uhr, Gordan-Zeebug (Gozo), 1 Schuss
- 18:34 - 18:51 Uhr, Bahrija, 15 Schüsse
- 18:33 Uhr, Nadur Tower, 3 Schüsse
- 19:06 - 19:10 Uhr, Birzebugga, 2 Schüsse
- 19:15 Uhr, Bingemma, 2 Schüsse
- 19:24 Uhr, Ta Pinu (Gozo), 2 Schüsse
- 19:31 - 19:34 Uhr, Ta´Santi, 4 Schüsse
18.09.2012, Dienstag
Europaweit hochgradig gefährdet - auf Malta begehrte Jagdbeute: WespenbussardDie Greifvögel, die gestern Abend auf Malta eingetroffen sind, konnten die Insel am Morgen unbeschadet verlassen. Die rund 200 bis 300 Rohrweihen und Wespenbussarde, die am Nachmittag von Italien her eintrafen, hatten weniger Glück: Zwischen 17:02 Uhr und 17:15 Uhr geriet ein großer Trupp Wespenbussarde und Rohrweihen an den Dwejra Lines im Norden Maltas unter Beschuss, insgesamt 9 Schüsse wurden auf die kreisenden Vögel abgegeben. Ein Weihe fiel tödlich getroffen zu Boden. Um 19:07 Uhr wurde eine Rohrweihe im Bereich der Einflugschneise des Flughafens beschossen, um 19:22 Uhr traf ein Jäger bei Safi einen Wespenbussard mit einem einzigen Schuss tödlich. Der Vogel fiel wie ein Stein vom Himmel. Um 19:45 Uhr - es war bereits dunkel - fielen am Schlafbaum eines nur wenige Minuten zuvor gelandeten Wespenbussards in wenigen Sekunden 8 Schüsse, der Vogel wurde mit großer Wahrscheinlichkeit getötet.
Überall im Bereich der Schlafplätze beobachteten Jäger die einfallenden Greifvögel. Die aggressiv aufgeheizte Meute beleidigte und beschimpfte die Komitee-Mitarbeiter und suchte sich dreist in aller Öffentlichkeit die besten Schusspositionen für den morgigen Mittwoch-Vormittag aus!
Von dem oben genannten Be- und Abschüssen illegalen Schusswaffengebrauch (insg. 19 Schüsse) abgesehen wurden während der Jagdruhe nach 15 Uhr folgende Schüsse von Komitee-Teams gemeldet:
- 16:34 Uhr, Mgarr, 1 Schuss
- 16:47 Uhr, Mgarr, 1 Schuss
- 18:00 Uhr, Bingemma, 2 Schüsse
- 18:10 Uhr, Zeebug (Gozo), 1 Schuss
- 18:18 Uhr, Safi, 2 Schüsse
- 18:45 Uhr, Ta´Seguna (Gozo), 1 Schuss
- 19:00 Uhr, Qala (Gozo), 1 Schuss
- 19:01 Uhr, Safi, 1 Schuss
Zwei Komitee-Teams und ein Team unseres Partners Birdlife Malta werden die ganze Nacht an den am meisten gefährdeten Schlafplätzen Nachtwache halten. Die Jäger haben schon mehrfach mit Suchscheinwerfern während der Nacht ganze Schlafgemeinschaften von Bussarden und Weihen ausgelöscht - zumindest an den von uns bewachten Stellen werden die Tiere wenigstens die Nacht überleben.
17.09.2012, Montag
WespenbussardHeute war ein erfreulich ruhiger Tag auf Malta und Gozo. Weil gestern Abend wenige Vögel von Sizilien her eingeflogen sind, war die Jagd am Morgen sehr verhalten. Vom Schlafplatz in Buskett und am Flughafen konnten mehrere Rohrweihen, Wespenbussarde und Baumfalken ungestört Richtung Afrika abliegen.
Auch am Nachmittag gab es keine Zwischenfälle. Bereits am Mittag setzte deutlicher Vogelzug ein. Bis zum Abend haben über 100 Greifvögel, darunter vor allem Rohrweihen und Wespenbussarde, aber auch Baum- und Turmfalken sowie ein Eleonorenfalke die Insel erreicht. Auch viele Kleinvögel waren zu sehen, vor allem Wiesen-Schafstelzen und Steinschmätzer sind in größerer Zahl angekommen, aber auch Braunkehlchen, Brachpieper und viele Bienenfresser. Wir haben keine Be- oder Abschüsse geschützter Arten beobachtet, es waren praktisch keine Jäger unterwegs. Das Jagdverbot ab 15 Uhr wurde weitgehend eingehalten - die Komitee-Teams haben nur vier Schüsse verzeichnet:
- 17:26, Mgarr, 1 Schuss
- 18:10, Victoria (Gozo), 1 Schuss
- 18:15 Nadur (Gozo), 1 Schuss
- 18:31, Mgarr, 1 Schuss
16.09.2012, Sonntag
Trauriger Fund: Falkenschädel im Jagdgebiet der maltesischen Jagdvereinigung FKNKAm Morgen waren vier Komitee-Teams auf Malta und zwei auf Gozo eingesetzt. Während es auf Gozo den ganzen Tag ruhig blieb, war der Morgen für ein Team im Süden Maltas unweit des Flughafens ein Desaster. Um 7:19 Uhr geriet ein Fischadler, der unweit des Teams in einem Baum übernachtet hatte, beim Abflug ins Visier eines Jägers. Der Adler wurde zwei Mal beschossen und vermutlich auch getroffen. Es ist unklar, ob er den Beschuss überlebt hat. Eine Rohrweihe ist fast an der gleichen Stelle bei Safi um 7:59 Uhr mehrmals von verschiedenen Jägern unter Beschuss genommen worden und schließlich abgestürzt. Die Polizei kam schnell, hatte aber keine Chance, in dem unübersichtlichen Gebiet die Täter ausfindig zu machen. Das gute Wetter am Sonntag haben scheinbar alle Jäger genutzt - zwischen 6 und 9 Uhr fielen an vielen Stellen Maltas im Schnitt 20 Schüsse in der Minute!
Über Mittag hat ein Komitee-Team zwei Stunden im Jagdgebiet der maltesischen Jägerschaft FKNK nach toten Vögeln gesucht. Hier haben wir in den letzten Jahren die Überreste mehrerer hundert geschützter Greife und Reiher gefunden, die die Wilderer nach dem Jagdvergnügen einfach unter Steinen versteckt hatten. Leider wurden wir auch heute wieder fündig: In kurzer Zeit haben wir die Skelette von drei nicht näher bestimmten Falken, eines Wespenbussards, einer Rohrweihe, eines Nacht- und eines Seidenreihers sowie von vier Singvögeln gefunden! Dem Zustand der Gebeine nach zu urteilen sind die meisten Vögel bereits 2011 dort geschossen worden, die Rohrweihe und einer der Falken vermutlich bereits 2010.
Der Nachmittag blieb zum Glück ruhig, bei Safi wurde allerdings um 16 Uhr eine völlig zerschossene Rauchschwalbe beobachtet, die kaum mehr flugfähig war.
Schüsse nach dem für Sonntags ab 13 Uhr geltenden Jagdverbot:
- 16:10 bis 16:17 Uhr, Safi, 4 Schüsse
- 16:43 Uhr Mgarr, 1 Schuss
- 17:48 Uhr, Nadur (Gozo), 1 Schuss
- 19:03 Uhr, Tas`Santi, 2 Schüsse
15.09.2012, Samstag
Der Fang von Watvögeln mit Netzen ist auf Malta leider weit verbreitetBei windigem Gewitterwetter hat es heute einiges an Zugvögeln auf Malta gegeben. Die Insel ist insbesondere bei widrigem Wetter ein wichtiger Trittstein für die Vögel, die von Europa nach Afrika fliegen.
Morgens konnten rund 40 bis 50 Rohrweihen von zwei Komitee-Teams bewacht ungestört nach Süden aufbrechen. Obwohl viele Jäger unterwegs waren, gab es im Bereich des großen Schlafplatzes bei Buskett keine Zwischenfälle. Anders sah es leider unweit des Flughafens bei Safi aus. Hier wurden vor den Augen eines Komitee-Teams ein Bienenfresser abgeschossen und ein Turmfalke unter Beschuss genommen. Der Falke wurde vermutlich verletzt. Von den Schützen fehlt jede Spur.
Abends gab es einen Einflug von rund 30 Rohrweihen und einige Baumfalken zum Schlafplatz von Buskett. Zwei Dutzend Jäger beobachteten das Spektakel ganz ungeniert, um sich die besten Jagdplätze für morgen früh auszusuchen. Hier blieb es ruhig. Bei Marsaskala im Südosten der Insel hat ein Komitee-Team einen illegalen Fangplatz für Watvögel gefunden. Die sofort alarmierte Polizei hat ein riesiges Schlagnetz sowie zwei Plastik-Goldregenpfeifer sichergestellt.
Seit heute gilt zum Schutz der abends einfliegenden Greifvögel ein Jagdverbot ab 15 Uhr. Vier Schüsse - vermutlich auf Rohrweihen - konnten unsere Teams dennoch verzeichnen:
- 16:19 Uhr, Mgarr, 1 Schuss
- 16:44 Uhr, Bahrija, 1 Schuss
- 19:11 Uhr, Buskett, 1 Schuss
- 19:19 Uhr, Girgenti, 1 Schuss
14.09.2012, Freitag
Abendliche LagesprechungHeute hat unser Vogelschutzcamp auf Malta begonnen. Bis zum frühen Abend sind alle Teilnehmer der ersten Woche angereist - zwei Teams waren bereits im Einsatz. Bei starkem Westwind war es im Norden der Insel (rund um die Marfa-Ridge und bei Mellieha) sehr ruhig, hier wurde kein nenneswerter Vogelzug beobachtet und es waren nur ausgesprochen wenige Jäger im Gelände. Weiter südlich - an den Victoria-Lines und rund um den Flughafen - wurden rund 20 bis 30 Rohrweihen und Wespenbussarde gesehen. Es fielen mehr als 50 Schüsse, allerdings wurden keine eindeutigen Abschüsse oder Beschüsse geschützter Arten beobachtet. Heute war der letzte Tag des Monats, an dem Abends noch die Jagd erlaubt war, ab morgen gilt zum Schutz der einfliegenden Greifvögel ein Jagdverbot ab 15 Uhr.










