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Pressemeldung 13.08.2013

Malta: Regierung kippt Jagdverbot zum Schutz von Greifvögeln

Bisher waren Greifvögel auf Malta durch ein alltägliches Jagdverbot ab 15 Uhr geschützt. Jetzt können sich Wilderer wieder "im Schutz der Masse" unerkannt auf die Greifvogel-Pirsch machen.Bisher waren Greifvögel auf Malta durch ein alltägliches Jagdverbot ab 15 Uhr geschützt. Jetzt können sich Wilderer wieder "im Schutz der Masse" unerkannt auf die Greifvogel-Pirsch machen.Die Entscheidung der maltesischen Regierung, das bisher zur Vorbeugung von Greifvogel-Abschüssen eingerichtete nachmittägliche Jagdverbot zu kippen, ist vom Komitee gegen den Vogelmord heute als "Todesurteil" scharf kritisiert worden. Ohne Not sei ein bewährtes und von zahlreichen Jägern akzeptiertes Instrument zum Schutz bedrohter Vogelarten auf Malta den Interessen von Jägern und Wilderern geopfert worden, so der Verband in einer Pressemeldung.

Das maltesische Umweltministerium hatte heute angekündigt, dass das seit Jahren ab 15 Uhr in den letzten beiden Septemberwochen geltende Jagdverbot aufgehoben wird und Jäger vom 15. September bis zum 7. Oktober bis 19 Uhr abends schießen dürfen. Das Komitee gegen den Vogelmord geht davon aus, dass viele Wilderer in dieser Zeit die Gelegenheit nutzen, um im "Schutz der Masse" nachmittags bzw. am frühen Abend auf Malta ankommende Greifvögel zu schießen.

"Unsere im letzten Jahr gesammelten Daten zeigen, dass nach Ablauf des Jagdverbotes Ende September die Wilderei am Nachmittag stark zugenommen hat", so Komiteesprecher Axel Hirschfeld. So wurden vom Komitee in der Zeit vom 15.9. bis zum 30.9.2012 (16 Tage) insgesamt 12 Ab- und Beschüsse geschützter Arten nach 15 Uhr registriert, was etwa 27% der insgesamt 44 in diesem Zeitraum von den Bird Guards beobachteten Abschüssen entspricht. Im der ersten Woche nach Aufhebung des Jagdverbots (1. bis 6. Oktober 2013) wurden 17 von 21 (etwa 81%) entsprechender Zwischenfällen am Nachmittag bzw. Abend registriert.

Das Komitee argumentiert weiter, dass es sich bei den letzten beiden Septemberwochen um die Hauptdurchzugszeit seltener Greifvögel handelt, in dieser Zeit an Nachmittagen jedoch keine nennenswerte Anzahlen von Wachteln oder Turteltauben durchziehen. Zu ähnlichen Ergebnissen kommt eine aktuelle Studie der maltesischen Ornithologen Michael Sammut und Dr. Natalino Fenech, die in diesem Jahr in der renommierten Fachzeitschrift "British Birds" veröffentlicht wurde. Die Autoren, die Daten von mehr als 19.600 Einzelbeobachtungen aus den Jahren 2009 bis 2012 ausgewertet haben, kommen zu dem Ergebnis, dass die nachmittägliche Greifvogelzug über auf Malta deutlich stärker ausfällt, als bisher angenommen. Die Studie hat zudem bestätigt, dass der Großteil der Greifvögel zwischen Mitte September und Anfang Oktober durchziehen - der Zeit also, in der bisher das Jagdverbot in Kraft war.

Das Komitee hat angekündigt, im September mit 40 freiwilligen Bird Guards nach Malta und Gozo zu kommen, um Rastplätze zu bewachen und illegale Wilderei zu bekämpfen und zu verhindern. Die Aktion mit dem Spitznamen "Operation bon voyage" wird vom 13. bis zum 30. September durchgeführt.