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Frühlingsjagd auf Malta

Viele Malteser nutzen die Turteltaubenjagd im Frühling zur Wilderei auf begehrte GreifvögelViele Malteser nutzen die Turteltaubenjagd im Frühling zur Wilderei auf begehrte GreifvögelDie Vögel, die im Frühling die Heimreise aus den südlichen Winterquartieren in ihre europäischen Brutgebiete antreten, sind der "Bodensatz" der Population. Im Herbst ziehen nicht nur die Brutvögel nach Afrika, sondern auch ihr zahlreicher Nachwuchs. Während des Winters sterben fast zwei Drittel aller Individuen - vor allem an Nahrungsmangel und Erschöpfung. Die überlebenden Tiere, die im Frühjahr den Weg nach Norden suchen, werden praktisch allesamt brüten wollen und sind zum Erhalt der Arten von besonderer Bedeutung.

Aus diesem Grunde hat die Europäische Kommission die Jagd während des Heimzugs zu den Brutgebieten verboten - in der ganzen EU müssen spätestens ab März die Waffen ruhen.

Auf Malta ist die Frühlingsjagd dagegen seit langer Zeit ein selbstverständlicher Teil der "Jagdtraditionen". Insbesondere auf Turteltauben und Wachteln haben es die Jäger abgesehen - vor dem EU-Beitritt des Inselstaats im Jahr 2004 bestand deswegen ungeachtet der katastrophalen Auswirkung eine reguläre Jagdzeit vom 25. März bis 22. Mai. Mit dem EU-Betritt hätte die Regierung Maltas das Jagdgesetz umgehend ändern und die Jagd während des Heimzugs der Vögel verbieten müssen. Das hat sie aber nicht getan und zunächst noch bis zum Jahr 2007 weiter auch im Frühjahr die Jagdsaison eröffnet.

Protestkampagne des Komitees

Pressekonferenz in Brüssel zur Übergabe von 190.000 Unterschriften gegen die Frühlingsjagd (2005)Pressekonferenz in Brüssel zur Übergabe von 190.000 Unterschriften gegen die Frühlingsjagd (2005)Das Komitee gegen den Vogelmord hat mit seinem belgischen Partnerbverband LRBPO und zahlreichen anderen Verbündeten im jahr 2004 eine groß angelegte Protestaktion gestartet und dem Petitionsauschuss des Europäischen Parlamentes mehr als 190.000 Unterschriften gegen die Frühlingsjagd überreicht. Das EU-Parlament hat sich daraufhin für ein Ende die Frühlingsjagd auf Malta ausgesprochen. Eine umfangreiche Umweltbeschwerde des Komitees hat dazu geführt, dass Malta im Jahr 2009 vom Europäischen Gerichtshof wegen des Verstoßes gegen EU-Recht verurteilt wurde.

Das Problem ist nicht vom Tisch

Diese Erfolge haben indes nicht dazu geführt, dass das Thema vom Tisch ist. Allen Protesten und der schallenden Ohrfeige des Europäischen Gerichtshofs zum Trotz hat die Regierung Maltas seit 2010 die Jagd im Frühling unter stark limitierten Bedingungen wieder genehmigt: Die Zahl der jährlich im Frühjahr während einer zweiwöchigen Jagdzeit zum Abschuss freigegebenen Turteltauben und Wachteln liegt bei meist weniger als 10.000 Tieren (je Art), ein Abschuss muss umgehend per SMS an die Regierung gemeldet werden und nicht jeder Jäger darf auf die Pirtsch gehen, sondern muss eine spezielle Lizenz für die Frühlingsjagd lösen. Mit diesen Tricks hat die maltesische Regierung die Vorgaben der EU-Vogelschutzrichtlinie ausgehebelt. Ein Referendum gegen die Frühlingsjagd im Jahr 2015 ging knapp zugunsten der Jäger aus - seither ist ein Ende dieser "Jagdtradition" in weite Ferne gerückt.

Leiter sind diese "limitierten Bedingungen" kaum zu überwachen. Es ist davon auszugehen, dass weit mehr Turteltauben und Wachteln geschossen werden - und nicht nur das: Nicht wenige Jäger nutzen die Gelegenheit, um nicht nur auf die jagdbaren Arten zu schießen, sondern auch auf geschützte Greifvögel, Reiher, Pirole und Bienfresser. Die Genehmigung der Frühlingsjagd öffnet der Wilderei Tür und Tor.