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Pressemeldung 05.10.2010

Seltener Adler aus Mecklenburg in Malta abgeschossen
Rettungsaktion: Fischadler kommt zurück nach Deutschland

Valletta/Bonn. Schon wieder ist ein deutscher Adler auf dem Zug in sein afrikanisches Winterquartier von maltesischen Wilderern abgeschossen worden. Wie das Bonner Komitee gegen den Vogelmord mitteilt, wurde ein junger Fischadler mit der Ringnummer BA31128 (Vogelwarte Hiddensee) gestern morgen verletzt von Vogelschützern der Organisation Birdlife Malta im Bereich der Stadt Salina (Malta) geborgen und der Umweltpolizei übergeben.

Da der verletzte Vogel auf Malta nur sehr notdürftig versorgt werden kann, kontaktierte die maltesische Polizei gestern Nachmittag das Bonner Komitee gegen den Vogelmord, wo umgehend alle Vorbereitungen für einen Nottransport des Adlers in eine deutsche Tierklinik getroffen wurden. Dank der schnellen und unbürokratischen Hilfe der maltesischen Behörden und der Fluggesellschaft Air Malta wurde der Vogel bereits heute morgen – also etwa 24 Stunden nachdem er vom Himmel geschossen wurde – mit Flug KM 306 nach München geflogen, wo er gegen Mittag von Mitarbeitern des Komitees in Empfang genommen wurde.

„Der Vogel hat bei sich beim Absturz den rechten Flügel gebrochen. Sein Zustand ist aber soweit stabil. Ob er wieder ausgewildert werden kann, wird sich in den nächsten Wochen und Monaten zeigen“. so Komiteesprecher Axel Hirschfeld. Zur Zeit befindet sich der Adler auf dem Weg von München in die Wildvogelpflegestation Kirchwald, eines der größten deutschen Pflegezentren für verletzte Wildvögel.

Wie der Ornithologe Daniel Schmidt vom NABU-Vogelschutzzentrum Mössingen dem Komitee mitteilte handelt es sich bei dem Fischadler um einen vier Monate alten Jungvogel, der am 25. Juni 2010 von Mitarbeitern des NABU und der Vogelwarte Hiddensee in einem Nest im Landkreis Müritz (Mecklenburg Vorpommern) beringt wurde. Dort wird seit 1990 in Kooperation mit vielen ehrenamtlich tätigen Vogelkundlern, mit Behörden und Forschungseinrichtungen ein Langzeit-Forschungsprojekt am Fischadler durchgeführt.

Die Tageszeitung „Times of Malta“ hat heute ausführlich über den Abschuss und die Rettungsaktion berichtet. Hier ein Link zum Artikel:

Osprey on its way back to Germany

Weitere Informationen über den Zustand des Vogels, die Prognose der Tierärzte sowie erste Röntgenbilder werden im Laufe der nächsten Tage vom Komitee veröffentlicht.

Update vom 26.11.2010

Fischadler "Malte" wurde eingeschläfert

Bonn/Kirchwald/Malta. Der im Oktober auf Malta angeschossene deutsche Fischadler „Malte“ ist gestern von einem Tierarzt eingeschläfert worden. Der Vogel, der von maltesischen Vogelschützern gerettet und zur Behandlung nach Deutschland ausgeflogen wurde, hätte nach Angaben des Bonner Komitees gegen den Vogelmord nie wieder fliegen können. Durch die Schussverletzung am rechten Flügel ist die Flügelspitze abgestorben und musste amputiert werden. „Wir bedauern es sehr, dass es nicht gelungen ist, diesen wunderschönen Vogel für die Natur zu retten“, so Komiteesprecher Axel Hirschfeld.

Da es sich beim Fischadler um eine hoch spezialisierte, wärmeliebende Zugvogelart handelt, ist es laut Komitee sehr schwierig, eine artgerechte Haltung in Gefangenschaft – z.B. in einem Zoo – zu gewährleisten. Da sich Fischadler in Gefangenschaft nicht fortpflanzen, scheiterte auch die Unterbringung von "Malte" in einem Zuchtprojekt. „Ausschlaggebend für die Entscheidung, den Vogel einzuschläfern, war auch die Tatsache, dass dieser stolze Greifvogel mit nur einem gesunden Flügel zu einem Leben am Boden verdammt gewesen wäre, was letztendlich nicht mit unserer Vorstellung von Tierschutz vereinbar ist“, so Hirschfeld.

Anlässlich des Todes von „Malte“ hat das Komitee seine Forderung an die maltesische Regierung erneuert, endlich für eine effektive Bekämpfung der immer noch weit verbreiteten Zugvogelwilderei auf der Mittelmeerinsel zu sorgen. Laut Angaben des Komitees werden auf Malta jedes Jahr mehrere Zehntausend Zugvögel, darunter zahlreiche geschützte Adler, Falken, Weihen und Wespenbussarde, von Jägern abgeschossen.