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Malta: Mehr als 100 Greifvögel abgeschossen

Vogelschützer kämpfen gegen die Wilderei

Naturschützer sind geschockt: Trotz massiver Polizeipräsenz und der Anwesenheit zahlreicher ausländischer Vogelschützer haben Jäger auf Malta heute morgen innerhalb weniger Stunden Hunderte geschützte Greifvögel abgeschossen. Mitarbeiter des Bonner Komitees gegen den Vogelmord, das zur Zeit mit 24 Aktivisten auf Malta den Vogelzug überwacht, sprechen von einem beispiellosen Massaker und haben die Maltesische Regierung gebeten, die Jagd bis auf weiteres komplett zu verbieten.

Wegen starkem Gegenwind über dem Mittelmeer flogen am Freitagnachmittag mehr als 1000 Weihen, Wespenbussarde, Falken die Insel an, um dort einen Zwischenstopp einzulegen. Für viele Tiere eine tödliche Entscheidung. Bei Rabat konnten Komiteemitglieder bereits gestern Abend beobachten, wie Jäger das Feuer auf eine Gruppe Rohrweihen eröffnete, von denen mindestens zwei Tiere zu Boden gingen. Der Schütze konnte anschließend dabei gefilmt werden, wie er die toten Tiere einsammelte und floh. Zuvor hatten Jäger in der Nähe der Blue Grotto vor den Augen der Vogelschützer einen Turmfalken mit 6 Schüssen regelrecht in der Luft zerfetzt.

An einem Weihen-Schlafplatz östlich von Xemxija beobachteten die Vogelschützer, wie eine Gruppe Jäger gegen 23.00 Uhr zahlreiche Schüsse abgaben und anschließend das Gebiet mit Scheinwerfern absuchten. Am wichtigsten Vogel-Rastplatz Buskett Gardens, der gestern Abend von mindestens 500 Wespenbussarden, 200 Rohrweihen, etwa 90 Baumfalken sowie Dutzenden Fischadlern, Rötel- und Turmfalken angeflogen wurde, blieb es dank der Präsenz zahlreicher Polizeibeamter und Ornithologen gestern Abend verhältnismäßig ruhig. „Leider war das nur die Ruhe vor dem Sturm“, berichtet Komitee-Geschäftsführer Alexander Heyd. Der 38jährige Ornithologe hatte sich heute morgen mit 4 Kollegen am Rande des FKNK-Jagdreservates bei Mizieb postiert, wo gestern Abend rund 120 Rohrweihen zum Schlafen gelandet waren. „Kurz nach 5:30 Uhr begann eine regelrechte Schießorgie, an der rund 40 Personen beteiligt waren. Überall, wo Greife in der Luft waren, wurde auf sie geschossen. Wir haben etwa 150 Schüsse gezählt und sahen mindestens 6 Tiere zu Boden gehen. 20 weitere Tiere wurden getroffen, flogen jedoch verletzt weiter.“

Ein weiteres Team der CABS Bird Guards hatte sich südlich des Fiddien Water Reservoir postiert, wo am Vorabend etwa 20-30 Rohrweihen gelandet waren. Auch hier wurden die morgens abfliegenden Tiere trotz der Präsenz der Bird Guards sofort von allen Seiten unter Feuer genommen. „Es war einfach unglaublich, mit welcher Dreistigkeit und Brutalität dieser Schwarm fast völlig vernichtet wurde“, berichtet Bird Guard Shai Agmon. Der 34jährige Naturschützer aus Israel ist zum ersten mal auf Malta, um Zugvögel zu schützen. „Ich habe so etwas noch nie erlebt und werde zu hause meine Kollegen und die Presse über die Zustände auf Malta informieren.“

Wie das Komitee weiter berichtet, wurden innerhalb der letzten 18 Stunden noch zwei angeschossene Wespenbussarde in die Auffangstation der International Animal Rescue eingeliefert, die eng mit den deutschen Vogelschützern zusammenarbeitet. Röntgenaufnahmen, die heute morgen angefertigt wurden, zeigen eindeutig, dass die Tiere von Schrotsalven getroffen wurden. Die Überlebenschancen der Tiere werden als gering eingeschätzt „Diese ganzen Beobachtungen sind nur die Spitze des Eisberges. Wir gehen davon aus, dass auf Malta innerhalb der letzten 24 Stunden mehrere Hundert geschützte Seltenheiten getötet wurden“, fasst Komiteemitarbeiter David Conlin aus Wales (UK) zusammen. Alexander Heyd ergänzt: „Die Behauptung des Jägerverbandes FKNK, es handele sich bei den Wilderen lediglich um einige schwarze Schafe, ist in meinen Augen leeres Geschwätz. Unsere Daten lassen im Gegenteil den Schluss zu, dass sich die Mehrheit der Jäger an der Wilderei beteiligt.“ Angesichts der Vorfälle von heute fordert das Komitee von der Maltesischen Regierung, die bis zum Ende des Greifvogeldurchzuges vollständig zu verbieten. Ebenso müsse überlegt werden, ob das bisher von der FKNK betreute Waldgebiet bei Mizieb und andere wichtige Rastplätze kurzfristig für Jäger gesperrt und zum Vogelschutzgebiet erklärt werden. Ein entsprechender Antrag an das Umweltministerium wird zur Zeit – ebenso wie ein Bericht über die Wilderei an die EU Kommission – vorbereitet und soll in der nächsten Woche abgeschickt werden.

V.i.S.d.P.: Axel Hirschfeld, Komitee gegen den Vogelmord, Tel.:+49 1794803805 oder +356 99277617 mail: CABS.DC@gmail.com